Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 16 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jahrhunderte alte Widerspruch zwischen Wissenschaft und Religion beginnt sich allmählich zu lösen und zwar zugunsten der Religion. * Der jüdische Fundamentalglaubensah, das; Gott Jesch Meajin „die Welt aus Mchts" geschassen, findet durch die neuesten Forschungen der sogenannten „exakten Wissenschaft", welche sich aus der materialistischen Weltanschauung entwickelt hat, eine wissenschaftliche Bestätigung. Das hätten sich die Apostel der materialistischeu und monistischen Weltanschauung, z. B. Büchner, Häckel etc. nicht trämnen lassen. Wie viel Unheil hat doch letzterer mit seinem Buche „Welträtscl" unter der religiösen Jugend angestiftet! Die halbcntwickelten und meistens wissenschaftlich nicht genügend gebildeten jungen Heute, welche die Schriften dieser Autoren lasen, ließen sich von den, als wissenschaftlich bewiesene Tatsachen ausposaunten .Theorien blenden und tauschten ihren Glauben an den Schöpfer gegen den Glauben an das „Gesetz von der Ewigkeit der Substanz." Nur wenige der jüngeren Generation, die sich mit den Weltproblemen befaßten, konnten sich zu der Höhe eines Samson Raphael Hirsch aufschwinge», der in einer Anmerkung zu seinen „Neunzehn Briefen" sagt: „Wir haben zwei Gottesoffenbarnngen, die Natur uitb die Thora; und was einer dieser Offenbarungen widerspricht, können wir unbesehen als Irrtum beiseite legen." Lauge genug hat die Lehre von der Ewigkeit der Kraft und des Stoffes einen großen Teil der denkenden, zivilisierten Welt beherrscht und jeden, der an die Ewigkeit einer bewußten Kraft, d. i. Gottes, welche das, was wir Stoff nennen, erschaffen, glaubte, zum Gespött der sogenannten „Aufgeklärten" gemacht. — Nun kommt ein moderner Forscher, der bedeutende Philosoph und Chemiker Prof. Wilh. Ostwald und zeigt durch scharfsinnige Beweise und Folgerungen, daß eine Materie, wie sie sich unfern Sinnen zeige, garnicht. existiere, sondern, daß sie eine Erscheinung der das ganze Weltall durchdringenden und erhaltenden, in ihrem letzten ureignen Wesen als Bewegung sich keiinzeichnenden Energie (Kraft) sei. Ostwald kommt zu diesem Ergebnis allerdings durch andere Voraussetzungen als wir, die stets an eine Schöpfung Jesch Meajin glaubten. Aber das Resultat ist dasselbe. .Ostwald nimmt nämlich au, daß hie. unendlich mannigfaltigen Erscheinungen unserer gesamten Belt nur durch das harmonische Wechselspiel der blind, aber einheitlich waltenden, an .ewige Naturgesetze gebundenen, von Ewigkeit her bestehenden, unvergänglichen Bewegungsenergie in Erscheinung traten, während wir als Ursache nicht eine blind waltende, sondern bewußt waltende ewige Kraft, d. i. Gott, annehmen. Ob es nicht vernünftiger ist au eine bewußte ewige Kraft, die einheitlich waltet, als an eine blinde ewige Kraft, die einheitlich walten soll, zu glauben, will ich dem Nachdenken jedes 'Unparteiischen überlassen. Das scheinbar so unangreifbare, Dogma von der Ewigkeit der Substanz, als deren unteilbare Träger die Atome galten, hatte ja schon einen unheilbaren iRiß durch die Entdeckung des Radiums erhalten, dessen Atome in Zerfall begriffen sind und sich in die ca. 2000 Mal Heineren Elektronen anflösen. — Es war nun für Professor Osttvald nur noch ein Schritt, diese letzten scheinbaren Bestandteile der Materie als konzentrierte Kraftzentren zu erkennen. Kunst uud Literatur. Die Hilfe. Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Dr. Friedrich Naumann. Nr. 15. In seinen; Artikel „Der Haß der Völker" schreibt Kurt de Bra: „Der Tüchtige, der Gewissenhafte, der Vorurteilslose wird immer mit unverhohlener Wneigung betrachtet werden von dem Vorurteilserfüllte», dem Untüchtigen, dem Gewissenlosen. . . So wahr alles Echte, Gesunde und Edle im Zusammenhänge warmer Sympathie .und Legenseitiger Anerkennung steht, so wabr EE^-j Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. werden schon die Tüchtigen aller/Völker das Tüchtige des deutschen Volkes der Gegenwart finden und erkennen, und die Folge wird eine allgemeine Bereicherung des Menschentums sein." Und weiter: „Wie stellt sich der Deutsche zu diesem Haß der Völker? Er wird garnichts tim, sondern ruhig, unbekümmert, aufrecht und stolz derselbe bleiben, was er vorher' war." 4lll' das hier Gesagte, läßt sich auch aus das jüdische Volk "beziehen. Der Judenhaß ist mir ein Zeichen - des Wertes des jüdischen Volkes, — und ruhig, unbekümmert, aufrecht und stolz seines Weges gehen, ist auch für das jüdische Volk die richtige und einzig würdige Methode, den Judenhaß zu bekämpfen. In einem Artikel „Die Zukunft Palästinas und die Judenfrage" äußert sich Berthold Bürger sehr lobend über das durch die zionistische Bewegung in Palästina Geleistete. Er schließt seine Ausführungen: So präsentiert sich vom Standpunkte der deutschen und türkischen Interessen, die ja eine Einheit bilden, die Förderung der jüdischen Siedlungsarbeit in Palästina, die dem Lande zu einem großen Aufschwung verhelfen kann, als eine höchst beachtenswerte Ausgabe. Die Juden, als Mittler zwischen Orient unb Okzident, sind vielleicht berufen, noch eine große, historische Rolle zu übernehmen. Das Judentum, im Anschluß au das Deutschtum, könnte wahrhaft Großes für die Menschheit leisten. . ." Unsere liebe Frau. Roman von Max Grad. 4.— JL Berlin W., Egon Fleischet & Co. Dieser viel gelesene Roman ist jetzt bereits in dritter Auslage erschienen. Der beste Beweis, wie er von jedem, der ihn in die Hand bekommt, weiterempfohleu wird. Und man kann ihn empfehlen. Freilich, wenn man die ersten Seiten liest, dam; zuckt mau die Achseln. „Wieder das sexuelle Problem, doch anscheinend mehr das „Sexuelle" als das Problem." Doch bald wird man eines Besseren belehrt, und bis zum Ende des Buches bewundert man die seine Seelenzeichnung der Personen, besonders der Hauptperson. Daneben atmet man die echte Münchener Lust mit all' chren Reizen. Sehr sein ist auch die so ganz andersartige norddeutsche Heimat charakterisiert, die Gertrud Degenhart als 'Gattin des Professor Halliger gewinnt. Kaiser FriedricJb Qoelle ——— Offenbach m. 1. ——— Segen dicht and Bheimatfsmns bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl, Frankf.a.M., Günthersb.-Allee 37. TeLHansa259n.714. Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Losch.) SamStag, den 1. Mai (= 17. Isar.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 10 Mn. Sabvat-AnSgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 35 Min. in Berlin 8 Uhr 18 Min. Wochenabschnitt: Emaur.—Priestergesetze. Abhandlung über sämtliche Hauptfeste. Der goldene Leuchter. Der Gotteslästerer. Freitag abend (30. April) — 32. Omer. Samstag abend (1. 'Mai) — 33. Omer. Sonntag abend (2. Mai) — 34. Omer, usw. Wochengottesdienst in Frankfurt. Morgens 6 Uhr in den meisten Synagogen (Unterlindau, Bockenheim 6ys Uhr, Hauptsynagoge, Königsteinerstraße 7i/» Uhr). Abends 7Vt Uhr in den meisten Synagogen (Hauptsynagoge 4 Uhr). Frankfurter Familieuuachrichteu. Geboren. E. Sohn Alfted Herzberg (Rheinhold^, Weidmarmstraße 41. Barmizwos. Hermann Bing, Schützenstraße 12, Synagoge Friedberger Anlage. Gestorben. Hans Großmann, 22 I., Sohn von Ludwig G., Bäckerweg 27, im Feld. — Franziska Jsaac, geb. Strauß. — Benjamin Oppenheimer, 61 I., Rödelheim. —' Walther Bendix, 17 I., im Feld. — Helene Auerbach, 6tüe 5. T geb. Oppenheimer. 51 I., Leerbachstraße 72. — Rosa Kahn, geb. Levi, Bockeuhekmerlandstr. 124. — Dr. Simon Kirchheim, 71 I., Reuterweg 34. Auswärtige FamUieuuachrichte». Geboren. E. Sohn Rechtsanwalt Nenmamr, Alleustein. — Adolf Bachrach (Lazarus), Cassel. E. Tochter Berthold Horowitz (Jacoby), Gattentag. — Siegmund Loewenstein (Katzenstein), Genfungen. Gestorben. Heinrich Hirsch, 72 I. — Johanna Bukofzer, geb. Vogel, 43 I., Karlsruhe. — David Heß, 62 I., Köln. — Stud. jur. Ludwig Alfted Mayer, 20 I., Offenbach, im Feld. — Marcus Haas, 80 I., Affenheim. — Jeanette Klein, geb. Meyer, Nenstadt a. Hardt. — Karl Baer, 24 I., Mannheim, im Feld. — Emilie Marschall, geb. Pfälzer, 60 I., Mannheim. — Hauptlehrer Adolf Heidingsfeld, 68 I., Freiburg. — Hermann Schere?, Berlin, früher in Posen. — Julius Roseuthal, 39 I., Siegfried Krause, 32 I., Posen, im Feld. — Bernhard Levy, Schwerseuz. — Leo Jaschkowitz, Martin Lippmann, Breslau, im Feld. — Stud. med. Gerhard Reichmamr, ®togau, int Feld. — Rechtsauwalt Dr. Wilh. Gutseid, Adolph Fuchs, Berlin. Allgemeine Mitteilungen. Die Drexel-Lichtspiele bringen ab Samstag ein aufregendes Filmkunstwerk mit dem Erst- und Allein» auffiihrungsrecht für Frankfurt zur Vorführung. Das soziale Drama mit Vorspiel und 3 Akten: „Das Laster", verfaßt und inszeniert von dem bekannten Filmautor-Regisseur Richard Oswald. Er schildert die ergreffende Geschichte einer menschlichen Leidenschaft, die in ganz außergewöhnlichen realistischen Szenen wiedergegeben wird. Alfted Abel vom Deutschen Theater verkörpert den Helden des Dramas nnd Marianne Wulff, die sich hier durch ihr Wirken am Frankfurter Schauspielhaus einen Weltruf und die Gunst des hiesigen Publikums erworben hat, tritt in einer glanzvollen Rolle, die sich in niedrigen Kaschemeu bewegt, im Film auf. In Berlin wurde das Drama: „Das Laster" wochenlang in den Kammerspieleu gegeben und bildete das Tagesgespräch in der Hauptstadt. Man kann somit dankbar begrüßen, daß das sensationelle Kunstwerk auch nach Hier gebracht wird und mau darf im Voraus schon einer gespannten Aufnahme eutgegenfehen. Das Beiprogramm bringt u. A. die neuesten Ereignisse von den Kriegsschauplätzen. Spende«. Beim Frankfurter Jsr. Familienblatt gingen ein: N. N. 5 Jfj Lemaun Zion, 5 .M. Schaare Zedek, 20 JL Zion. Hilfswerk in Palästina, 10 Jfe hebräisches Schulwerk, 8 JL. Zion. Organisation, 5 J£. Tachkemouischule, 5 JL Nationalfonds zusammen öS JL Bei der Ncüionalfondskommissiou (Jsaac Heimauu, Zell 21) gingen ein: Büchseuleeruug: Nathan Liebes 9.60 JL N. N. 1.— „ Lllbert Seewald stiftet zwei Oelbäume aul. Jahrzeit 11. Jjar für s. seel. Mutter. 12.— JL Brieflnste«. L. Nach der Wiener,Hiid. Ztg." sei der Abschub der galizischcu Juden aus? Ungarn „auf Ansuchen gewisser jüdischer Kceise in Ungarn" erfolgt. Bereius-Kalender. Samstag. Montefiore, llVi' Uhr: Schinr (Dr. May); 5 Uhr: Gemütl. Zusammensein mit Sidra-Vortrag. — Mekor Chajim, 4 Uhr: Mkro-Vortrag. Sonntag. Montefiore, Hauptbahnhof. 8,08 Uhr: Auerbach. — Jiid. Wanderbund, 7,45 Uhr, Hauptbahnhof : Hofheim - Rossert usw. (Führer: Ä. Rothschild). — Tiseres Bachuriu, 7,40 Uhr: vorm. Hauptbahnhof: Auerbach usw. (Gäste willkommen,- Führer Rosen, Soudheim). Dienstag. Montefiore, 9 Uhr: Der Krieg und unsere Finanzen (M. Model.) -r . U! 's K Offenbacher Droeklnflanlage Gt. m. b. H. .Taunusstrasse 77 Olfenbach am Hain Fernsprecher 123 Uuuberlroßeue 7eppickreimguug mittelst Druckluft. Qualität: Smyrna nnd Perser . . . Preis pro qm 50 Pfg. Yelonrs nnd Axminster . . „ „ „ 40 „ Brasseier nnd Tapestry . . „ „ 35 „ Manilla und Wolle ... „ „ „ 30 „ — QnQIiertrotreiie Bittennnd Bettfedirn-Relnignng — mittels Druckluft nnd Wasserdampf. Ein jeder Versuch führt zur dauernden Benutzung uoaerer in hygienischer Beziehung einzig dastehenden Einrichtung. Die Reinigung eines Deckbettes kostet . . 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