Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 16 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Heile 2. . litauischen Schulen die Bibel vom Unterrichtsplane ausgeschlossen; die Unterweisung in der Religion war Sache der einzelnen Religionsgemeinschaften. Mit der Annahme der Bibel-Mll würde in die Schule der Kanrps zwischen den einzelnen Sölten und der Kamps zwischen den Richtungen innerhalb der Kirchen getragen werden. Man kennt diese Kämpfe ja aus England. Toch das berührt ja mehr die allgemeinen Interessen. Was aber besonders die jüdischen Interessen angeht, so würden die Schulen dann die jüdischen Kinder nicht nur wie bisher durch Amerikanisierung in ihrem Verhältnis zum jüdischen Volksganzen cntjüden, sondern auch in ihrem Verhältnis zur jüdischen Religion. Das sogen. Alte Testament, die jüdische Bibel, würde man ihnen in christlicher Beleuchtung bieten, und auch das Neue Testament würde man sie lehren. Aber auch in der staatsbürgerlichen Stellung der Juden würde naturgemäß eine Verschlechterung eintreten, denn in Schulen auf kirchlicher Grunt^ tage müssen ja jüdische, Lehrkräfte schwerer AnstÄlung finden. Mag das Schicksal der Bill auch sein welches es wolle, — das eilte ist sicher: will Die amerikanische Jüdenheit für eine jüdische Zukunft ihrer Jugend bedacht sein, will sie - sich erhalten, dann muß sie eigene Schulen auf Mischer religiösnationaler Grundlage errichten, die neben,den allgemeinen Fächern die Beherrschung der jüdischen Geschichte, der hebräischen Sprache und der Bibel im hebräischen Texte als Ziel haben. Aus aller Welt. Deutsches Reich. Kraakfurt O. M. Unsäglich ist die Not von Hunderttausenden unserer Glaubengenossen im Osten; der euren durch die Flucht vor den anrückenden Jinssen, der anderen durch die Unterbrechung ihres friedlichen Gewerbes infolge der Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen. Neben die materielle Not tritt jedoch auch eine geistige, die besonders die Kreise unserer Brüder im Osten schmerzlich empfinden, denen die Beschäftigung mit den Geistesschätzen des Judentums religiöse Pflicht und seelisches Bedürfnis ist. Die „Agudas-Jisroel" hat zur Linderung der materiellen Not vor einigen Wochen eine Geldsammlung eingeleitet, und ihr Ruf hat in den weitesten Kreisen lebhaften Widerhall gefunden. Slunmehr erweitert der Gruppenverband der „Agndas-Jisroel" in Deutschland seine Hilfsaktion auf die geistige Not durch eine t großangelegte Bücher-Sammlnng, zu der er im Jnseraten-Teil unserer heutigen Nummer auffordert. Ein Tell der gesammelten Bücher soll auch den Gefangenen-Lagern zugute kommen. Die Errichtung von fünf Depo.ts erleichtert wesentlich die Zusendung der Bücher. Gewünscht werden besonders Talmud-Exemplare (auch ernzelne Bände), Mischnajoth und sonstige hebräische Werke der rabbinischen Literatur, sowie Gebetbücher, Chumoschim und Tehillim. In zahlreichen Privathänsern und Gemeinden finden sich größere und kleinere Sammlungen von Büchern der erwähnten Kategorien und sind vielleicht seit Jahrzehnten unbenutzt Der Besitzer solcher Bücher hat jetzt gute Gelegenheit, sich durch Uebersendnng derselben an die „Agudas-Jisroel" an einem edlen Werk der jüdischen Menschenliebe zu beteiligen. Berlin. Verschiedene in Palästina arbe tende jüdische Organisationen Deutschlands, — so der Verein Esra, die Zionistische Bereinigung für Deutschland, der Kölner Verein zur Förderung jüdischer Ackerbaukolonien, der Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, das Breslauer PalLstimüKvmitee n, a. — haben ein Hilsswerk für Palästina t>egründet und fordern in einem großen Aufruf die deutchen Juden zu Spenden auf. Als erste Rate hat das Hilfswerk für Palästina soeben 20,000 JL für die notleidende jüdische Bevölkerung nach Palästina überwiesen. Die jüdische Bevölkerung leidet mehr als die arabische unter der Absperrung Palästinas' vom Welthandel, weil sie sich vor ällein in den jüdischen Kolonien mit dem Anbau von Exportfrüchten befaßt Die amerikanischen Juden haben eine großzügige Hilfsaktion für die palästinensische Bevölkerung organisiert und in Zusammenarbeit mit christlichen Gesellschaften auf dem amerikanischen Kvhlendampfer „Vulkan" einen großen Lebensmitteltransport im Werte von 150,000 Dollar nach Palästina gesandt Die jüdischen Organisationen haben sestgestellt, daß ein Zuschuß von mindestens 200,000 JL monatlich nötig sein wird, um der schlimmsten Not der jüdischen Bevölkerung zusteuern und die bestehenden Einrichtungen zu erhalten. Nun werden die deutschen Juden aufgefordert, au der Beschaffung dieser großen Summe zu ihrem Teil tatkräftig mitzuarbeiten, da ja Deutschland als Freund und Bundesgenosse der Türkei an erster Stelle zu dieser Hilfsaktion verpflichtet ist. In allen Tellen Deutschlands sollen SammelaÜionen organisiert werden, um den großen Zweck zu erreichen: der Rot der jüdischen Bevölkerung zu steuern und die Ergebnisse jahrzehntelanger hingebungsvoller Arbeit auf der heuigen Scholle der Väter vor schwer gut Frankfurter Israelitisches FmnÄienblatt. Nr. Iß. zu machendem Schaden zu hüten. —. Geldspenden werden auf das Postscheckkonto Berlin 4182 Hilsswerk für Palästina geleistet. Großbritannien. London. Die „Globe" griff Israel Zangwill dafür an, ler die Progrome in Rußland in die fresse gebracht habe, während bis dahin die englischen eitungen im Interesse des russisüien Bundesgenossen diese Tatic-che totgeschwiegen hatten. Zangwill sei eben mehr Juse als Engländer, meint die „Globe." Bei der Einweihung des Nenbaus der Neuen Synagoge, die früher im Zentrum stand nick jetzt mit einem Kostenaufwand von 50,000 Pfund in einer vornehmen Gegend des Nordens anfgebaut ist, sagte Sir Albert I e s s e l in seiner Festrede, die Inden Rußlands würden sicherlich beim Friedensschluß die Gleichberechtigung erhalten. — Na, das wird Sir Jessel selber nicht glaube», doch wird thnl für sein Bekenntnis die Globe nicht de» Vorwurf machen können, den sie Zangwill machte. London. Die ,Fflo" hielt dieser Tage eine Versammlung ab. Zangwill, Spielmann, Abrahams waren u. a. anwesend. Man sprach sich optimistisch über die jüdische Zukunft aus; der Krieg werde das jüd. Volk zu der Ueberzeugüng gebracht haben, daß es ein eigenes Land nötig habe. Besonders optimistisch äußerte sich General Morn er, ein Christ. Personalien n. Kleine Mitteilungen. Berlin. Die Beisetzung Professors Berliner. — Am Freitag 12i/s Uhr versammelte sich im Gotteshaus«: der Adaß Jisroel eine zahlreiche Trauerversammlung, ztt der auch trotz des nahen Sabbat verscbiedenc Herren von außerhalb gekommen waren. In eindringlichen Worten sprach Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer über den Verlust, den das Judentum und die Gemeinde erlitten. Der Rektor des Rabbinerseminars Dr. Hof mann sprach über den Gelehrten und Kollegen und im Namen des Vorstandes der Gemeinde Herr Rosenblüth von dem so verdienten Mitglied des Gemeindevorstandes. Kurz nach 2 Uhr fand die Beisetzung auf deni Friedhofe statt. Dort sprach der Rabbiner der Gemeinde Dr. Munt, der Altonaer Oberrabbiner Dr. Lerner im Namen der Schüler, Dr. Freimann-Frankfurt für den Mekize-Nirdamim und Hermann Struck für den großen Kreis der Familie, die in dem Entschlafenen ihren verehrten Senior betrauert. Schwäbisch-Hall. Die traditionstreue Judenheft hat einen schweren Verlust erlitten: Heinrich Herz, Vorsitzender des gesetzestreuen Landesvereins und Ausschuß- Mitglied dm fteie» Bereinigung für die Interessen des orth. Judentums, ist — 62 Jahre alt — verschieden. Kttzingeu. Hier, wo er bei seinen Kindern weilt, feierte Rabbiner Salomon Bamberg er, bekannt als der „Sennheimer Raw", seinen 80. Geburtstag. Es seien dem seltenen Manne — selten in der Größe seiner Gesinnungsreinheit, Menschenliebe und Liebe zur heiligen Thora und ihren Gesetzen — noch viele Jahre gesegneten Wirkens gewünscht. Danzig. Martin Kadiich hat nach 32jähriger selbslloser, unermüdlicher Tätigkeit sein Amt als Vorsitzender der jüd. Gemeinde Und der Chewra Kadischa niedergelegt. Die Gemeinde wählte für ihn Konsul Dr. Sigmund Schopf zu ihrem Vorsitzenden. Hamburg. Der Verein zur Unterstützung kurbedürftiger Israeliten (Theresien-Stistung) verhalf im vergangenen Jahre 80 Personen zu einer Kur und verausgabte dafür 8677 JL Nürnberg. Salomon Weil und Frau begingen die diamantene Hochzeit. Wiesbaden Hier staib der bekannte Libauer Bankier Elias Eliasberg im Wtcr von 79 Jahre. Er entstammte der berühmten Jwenitzer Familie Eliasberg; sein Großvater war Rabbi Lippele Jwenitzer, ein Enkel des „Beth-Schmuel" des Gaün (Rabbi Samuel Wilnaer). Seine, Frau, die ihm vor langen Jahren im Tode vorausgegangen, war von den direkten Nachkommen des Maharschal. Rambam. Posen. Unter militärischer Begleitung lwurde bier der 17jährige KriegsfreiwMge Oberprimaner Rudolf Lewin, Sohn des Kaufmanns Louis L. in Kurnik, beigesetzt. Er hatte ans einem Patronlllengange den Tod gesimden. Breslau. Oberarzt Dr. Georg Goldschmidt u. Richard Wendriner erhielten das Eiserne Kreuz. Me«. Der Borstand der ilraelit Kultusgemeinde überrascht die Oeffentlichkeit plötzlich mit der Nachricht, daß er sich nach einem Nachfolger für Oberabbiner Dr. Güdemann .umsieht und iu Dr. Hevisi und Dr. Venetianer-Budapest bereits seine Kandidaten hat. Bafel Im 23. Lebensjahre verschied hier an Herznnd Nierenleiden, hauptsächlich aber wohl an Entkräftung, der Student der Medizin Chaim Abraham Günzb erg aus Smarzow (Lithauen), Sohn des dortigen Rcckbiners, ein Mensch von phänomenalem jüdischen Wissen. Er hatte in der Wolosner, in der Brisker und in der Lidaer Jeschiwa gelernt. PartS. Leop. Louis Dreyfus, rumänischer Generalkonsul, ist im 83. Lebensjahre verschieden. Der Krieg und die deutsche« Jude«. Wiesbaden. Stud. med Erich Bragenheim-Wiesbaden und Lev Lahnstein-Jdstein erhielten das Eiserne Kreuz. Oppeln. Georg Fallenberg, Ritter'des Eisernen Benzes, erhielt tztz öftere. Tavferkeitsmedalle. Wien. Assistenzarzt Sr. Emil Tramer aus Fridcl der inzwischen'!»«! Heldentod starb, zuck Zahnarzt Dr. IS mit Steinschneider erhielten das goldene Verd ienstkrenz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille. In Dr. Tramer hat die zionistische Bewegung ein wertvolles Mitglied verloren. Paris. Ge-.eral Jutes Heymann wurde zum Kommandanten eines .Armeekorps und zum Großofsizier der Ehrenlegion ernannt.. Frankfurter Berichte. „Montestore"-Verein. In seinem gediegenen Vorträge „Weltfrieden und Judentum" wies Lehrer Fuchs auf die hohe Stufe hin, auf der die jüdische Weltaufsassunz als einzige Religion mit der gebotenen Pflicht der Nächstenliebe sich schon vor Jahrhunderten' befand, eine Strifc, die in so vollkommener Weise auch heute noch in keiner andere» Lebensauffassung erreicht worden ist. Er wies zugleich ans die Notwendigkeit hin, ausznharren in einem Streite, der uns die Verwirklichung unserer Ideale hoffentlich ein großc» Stück näher bringt. An den Bortrag selbst schloß sich eine lebhafte Aussprache über den Ausbau der einzelnen Vereinseinrichtnngen an. Es wurde mit großer Bcfriedignnq festgestellt, daß sämtliche fremdsprachliche Kurse ebenso dir kauftnännischeen Buchführungs- und Stenographielehrgüngieröffnet werden konnten. Da die Lchrkurse bei der Teilnahme keine Unkosten mit sich bringen, märe cs sehr;,u begrüßen, wenn die Zahl der sich daran beteiligenden Damen und Herren sich noch erhöhen würde und dadurch der Nutzen derselben ans einen noch größeren Kreis von jungen Leuten sich verbreitete. Anmeldungen bis zm„ 6. Mai: Büro Bleichstr. 70 schriftlich oder persönlich in den Zeiten Dienstags und Donnertags von 10 Uhr abends. . ' KriegSaukgaben der weibl. Jugend. Auf Anregung der Ortsgruppe Fraukfnr tid es Jüdischen Frauenbundes und der Vereine der weiblichen jüdischen Jugend sprach Fräulein Bertha P a p p e n h e i m am Sonntag Abend in der Frankfurt-Loge über „Kriegsanfgaben der weiblichen Jugend." Die schlichten, ergreifenden Worte der Rednerin galten der Jugend. Zn ihr sprach Fräulein Pappenheim von sozialer Arbeit, die heute dem Wesen nach die gleiche bleibt wie in Friedenszeiten, vergrößert nnd vertieft angewandt dem ganzen Volke zu dienen hat; von den Pflichte» der Frau, die im Lande znm Schutz deutscher Kultur alle Kräfte aufbietcn muß, wie es Im Felde der Mann tut. - Klar bewies Fräulein Pappenheim, daß die heutige Ethik auf alt-jüdischer Sittenlehre anfgebaut ist. Als Hüterin geistiger Werte stellte sie die Jugend hin und warnte davor, die Freude an Kunst und Natur zu verlieren. Ihre uns der Natur gewählten Bilder werden jeder Zuhörerin in Erinnerung bleiben. Der zweite Tell des Abends galt der Ernährnngsfrage. Fräulein PapPen- Heim sprach über das Sparen von Lebensmitteln, betonte, wie wichtig es sei, sich stets auK dem Laufende» zu halten nick vernünftig kriegsgemäß zu leben. Fräulein Pappenheims Worte gehört zu habe», war ein frohes Erlebnis in ernster Zeit; an der Erfüllung ihrer Hosimmgen mitznhelsen, ist uns ernsthaftes Bestreben. E. Z. Personalien. Im Alter von 71 Jahren verschied Dr. Simon Kirchheim, Stadtrat, Vorsitzender des Vereins für jüd. Krankenpflegerinnen und früher Chefarzt des Israel. Gemeindehospitals. In der Stadtverordnetenversammlung hielt heute Bürgermeister Dr. Luppe folgenden Nachruf: „Der Magistrat hat den Verlust eines tüchtigen Mitgliedes, die Stadt Frankfurt den eines verdienten Bürgers z» beklagen. Sein ruhiges, llares Urteil, die Festigkeit seines Charakters, sein freundliches Wesen haben ihm viele Freunde verschafft. Er hat sich große Verdienste um das Krankcnhauswesen erworben und er hat die Universität gefördert, die er auch in einer Stiftung bedacht hat." Der Vorsitzende G r ä f erinnerte an die langjährige, erfolgreiche Tätigkeit von Dr. Kirchheim in der Stadtverordnetenversammlung, rühmte seinen auftechten Charakter und nannte ihn einen Vorkämpfer sozialpolitischer Freiheit. Geheimrat Lndo Mayer, Inhaber der Weltfirma I. Mayer n.- Sohn in Offenbach, feierte am 28. April seinen 70. Geburtstag. Die Stadt Offenbach, um deren Entwicklung nnd Gedeihen er sich durch seine unerschöpflich reichen nnd vornehmen Stiftungen unermeßliche Verdienste erworben hat, nahm willkommene Veranlassung, ihn zm» Ehrenbürger zu ernennen.' Auch wir schließen uns von - ganzer Seele den Glückwünschen an, sie ihm bei dieser Gelegenheit dargebracht wurden. Denn weit über das Weichbild seines engeren Wirkungskreises hinaus hat er durch seine fürstliche Großmut und die sein bedachte Umsicht, mit der er sie öffentlich und im Geheimen übte, sich das Anrecht erworben, ein Ehrenbürger der Menschheit genannt zu werden. Möge er iwch lange in frischer Kraft auf den leuchtenden Bahnen weiterwandeln, die er sich vorgezeichnet hat. ___M. S p, Pension Deutsch. Wiesbaden Tamuuistrasse 49. 30 moderne Zimmer mit Salons, Balkons. Vorzügliche Wiener Küche.