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Neue jüdische Presse · 1915-04-23 · Heft 15 (23.4.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 15 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Fainikienblatt. M. 15. Beide Brüder geHdn ein Beispiel, das als Kidduschhaschenr nicht hoch genug bewertet werden kann, wie »ran auch als traditionstreuer Jude vorwärtskommen kann. Sie haben beide auch jüngst die große goldene Medaille der Universität Kopenhagen erhalten. London Rothschilds Nachlaß Nach der „Times" beträgt der Nachlaß von Lord Rothschild 2,500,000 Kstr. Zu Testamentsvollstreckern sind seine Witwe, sein Sohn dlataniel Charles und seine Brüder Alfred Charles und Leopold bestimmt. Der älteste Sohn, Lionel Walter, erhält eine Leibrente von 5000 Lstr. Die Witwe erhält 100,000 Lstr., alle Juwelen und Schnrucksachen, seine Geschäfte und seine Stadtwohnung. Besondere Bestimmungen sind über seine Kunstsachen getroffen. Sein Sohn Nataniel Charles erhält den Anteil des Vaters in der Firma N. M- Rothschild Sons. Ferner erhalten seine Brüder Alfred Charles und Leopold und jeder seiner Enkel je 5000 Lstr. Etekfar. Liebt-, Kraft-, Schellenand Telefon-Anlagen. Tel. Taunus 4889. ff. Referenzen. Savfgnjvtragsc 51. Frankfurter Berichte. HaushaltungSvlan der Israelit. Gemeinde. Ordinarium. Einnahmen: Hauptsynagogc 7100: Synagoge Börncplatz 24,200: Synagoge Königsteinerstraße 24,400: Synagoge und Religionsschulc Bockenhcim 1600; sonstige Gottesdienste 1250; Bcerdigungswesen 55,200; Rituelle Betriebe 27,450; Ritualbad 3500; Verwaltung und Unterhaltung der Gemcindegebäude 19,655; Zinsen 40,532; Steuern 610,000; Verschiedenes 160; Etatsausgleich 106,823; Gesamtsumme 921,870. Ausgaben: Allgemeine Verwaltung 43,350: Hauptsynagogc 47,986: Synagoge Börneplatz 36,480: Synagoge Königsteinerstraße 50,500; Synagoge und Religionsschnle Bockenheim 13,580; sonstige Gottesdienste 6700: Pensionen 25,454; Philanthropin 108,000; Hospital 162,080; Bcerdigungswesen 22,805; Rituelle Betriebe 53,280: Ritualbad 3240; Verwaltung und Unterhaltung der Gemcindegebäude 17,300; Versicherungen 3000; Verzinsung und Tilgung 249,935; Steuern 14,000; Religionsunterricht 35,880: Beiträge für allgemeine Zwecke 18,300: Ausgaben ohne Titel und Unvorhergesehenes 10,000: Gesamtsumme 921,870. Aus dcm Extrao rd inarium. -Ausgaben: Neubau des Krankenhauses 70,000; Anlage eines neuen Friedhofes 236,300. Bereinigung jüd. Akademiker Frankfurt a. M. (iv.J.Al). - Ebenso wie man mit Genugtuung von dem in so imgünstige Zeit fallenden ersten Semester der Frankfurter Alma Mater gesprochen hat, könne» auch wir mit Zufriedenheit auf das erste Semester unserer hiesigen V. I. Azurückblicken. Wenn auch die Zahl unserer im Anfang so stattlichen Korona von 44 ortsansässigen Mitgliedern allmählich durch Einberufungen zum Heeresdienst' verringert wurde, so hat die Vereinig- ' ung doch Ersprießliches geleistet. Unser Hauptaugenmerk war auf die Ertüchtigung der jüngeren zum Teil ncueintretenden Mitglieder gerichtet. Neben den regellnäßigcn Schurim wäre hier auf den unter Leitung von Bbr. Rechtsanwalt Dr. Isaak Breuer allwöchentlich stattgehabten Fuxcnunterricht hinzuweisen sowie aus die wissenschaftlichen Vereinsabendc, ausgefüllt durchs Vorträge, an die sich rege Diskussionen anschlossen. Es fanden folgende Vorträge statt: . Rechtsanwalt Dr. I. Breuer: „Der Krieg und die deutsche Orthodoxie." Oberlehrer I. Kauffmann: „Die Schemauno ESrei." sind. phil. E. Posen: „Ueber die jüd. Persönlichkeit." Rechtsanwalt Dr. H. Brinkmann: „Bildung und Religion." Oberlehrer M. Munk: „Kant'schc und jüd. Philosophie." stud. phil. Jakobs: „Grundlinien einer jüd. Symbolik." stud. med. H. Bernstein: „Die Reform." stud. med. A. Schuster: „Das. jüd. Gebet." stud. med. F. Rothschild: „Kunst und Judentum." Der Vorstand setzt sich zusammen aus cand. med. A. Adler (1. Vors.); Oberl. I. Kauffmann (2. Vors.); stud. phil. E. Posen (1. Schriftf.); stud. chem. Ph. Fe i st (Kassierer); stud. med. F. Rothschild (2. Schriftführer); Ferienpräsident Oberl. I. Kauffmann. 9hir noch eine Woche trennt nns vom Beginn des zweiten im Zeichen des Krieges stehenden Semesters. Möge es uns den Frieden bringen, damit auch unsere Frankfurter P. I. A. sich zur vollen Blüte entfalten kann. Kleine Notizen. Der Jüdische Frauenbund Ortsgruppe Frankfurt a. M. und die Vereine der weibl. jüd. Jugend veranstalten Sonntag abend 8i/» Uhr in der Frankfurt - Loge eine I u g e n d v c r s a m m - lung. Frl. Bertha Pappenheim wird über die Kriegsaufgaben der weibl. Jugend sprechen. Die Bereinigung ,Merias Hatauroh" gibt denjenigen, die am Samstag morgen am Besuch des Gottesdienstes verhindert sind, Gelegenheit, des Nachmittags (3 Uhr im Lokal der Agudas Jisroel - Jugend- . gruppe) die Thoraverlesung zu hören. Mitgliedsanmeldungen 'bei Siegfried Roscnberg, Friedbergerlandstr. 9. I krsMfarter LLelmetLUververlmig | GarlaeH & Wefas I Probier' n. Scbmelzanstalt. Metallurg. Laboratorium. I Tanuuotr. 28. Frant.farta.ll. Tel. 1. 6743. I Ankauf aller Edelmetall-Rückstände, Brachgold u. Silber. I Barren — FetlniJf — Gekratzen — Abfällen. I 9B9 r WEAjt. KM t. *2.0. Ko. 9 Ohtn. Ind. Sohg.-Msohg. M. S.— Ohlna-Gruatee . . . M.1.SO Darjeeling Omnge-Fackoe. JU.4.40 Po.-Soaetiong Spitzen M.2.7O Kakao Soma Mk. 2.40, 3 —. Die Verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) Auf der Straße ordnete sich der Zug. Voran die Kirchendiener, auf ihren Schulten: das aus Stangen ruhende, hoch aufgcbautc Gerüst der Bahre tragend, obenauf der rote Sammctsarg von einem Wald von Kränzen verdeckt, hinter den Leichenträgern die Mönche der Boramäus-Brüdcrschast mit brennenden Kerzen und Fahnen, darauf ein Bruder mit dem juwclenfunkelnden Marienbild, hinter ihm der Pope im Ornat, ihm folgend die große Menge der Leidtragenden und die Karrosscn mit den Damen. Der Zug schritt die Hauptstraße, dann die Altstadt hinauf. Ucberall an den Rändern der Straße bleiben Neugierige und Gaffer stehen. „Ein schönes Begräbnis!" „Wer ist cs?", frägt ein hübsches Mädchen ihren Nachbar. „Weiß ilicht. Scheint reicher Leut Kind." „Da geht auch der neue Pope mit, ein bilohübscher Mensch. Sich, dem steht das goldgestickte Gewand recht gut. Ach, und das prächtige, silberne Kreuz. Wie ein kleiner Heiliger sicht er ans!" „Der kleine Heilige ist ein großer Schürzenjäger", ruft ein junger Mann in die Menge. Nichtsdestoweniger entblößt der Spötter, da der Zug sich nähert, ehrerbietig vor Leonid Alcxandru sein Haupt wie alle anderen Gläubigen. „Du sieh nur, wer das ist!", sagte eine alte jüdische Frau und stößt ihren Mamr in die Seite. „Weiß ich's denn nicht?", brummte der Alaun grimmig. „Abraham Liedcrtrosts Enkel nimmt ein schönes Ende! Wenn der Alte hier wäre, bräche er dem Sohne den Hals." Der Zug bewegt sich langsam, Schritt für Schritt. Weit, hinter ihm, rollt ein Gefährt in rasender Eile, wahrscheinlich ein Verspäteter, der an der Bestattung sich noch beteiligen will. Endlich, jetzt hat der Wagen das Traucrgcfolge erreicht, Herr von Kalagiceanu springt aus dem Cab, sein anderer Insasse, Benno Liedertrost, rast weiter die Bahnstraße hinaus. „Wieso sich Kalagiceanu wohl verspätet hat?", denkt Salomon ziemlich gleichgültig, wie ihm jener aber atemlos entgegentritt, weiß er schon: das ist kein Nachkömmling, der sicht entschuldigen tvill — er ahnt Unheil. „Mich suchen Sie?" „Ja wohl. Ihr Vater hat depeschiert ... Er kommt soeben . . . Setzen Sic sich in einen Wagen — Sie und Ihre Freunde alle — daß man Sie nicht sieht ... ich werde Leonid überreden, den Zug nicht die Bahnstraße zu führen . . . Benno holt Ihren Vater von der Bahn; er lvird seinerseits versuchen, auf der Rückfahrt einen Umweg zu nehmen." Salomon und seine Freunde stiegen sofort in die Equipagen, deren Fenster, mit ounklcn Vorhängen versehen, ihnen einen leidlichen Versteck gewährten! Kalagiceanu bemühte sich, möglichst unauffällig in Lconids Nähe zu gelangen. Der Pope hatte bemerkt, daß sich hinter ihm etwas Ungewöhnliches zutrug. „Papascha, sagte Kalagiceanu, mit all der ihm eigenen Leschmeidigen Höflichkeit, „Papascha eine demütige Bitte an Dich." „Was wollen Sie?" „Eine Kleinigkeit, Väterchen, befiehl, daß der Kondukt nicht am Bahnhof die Chaussee vorüberziehe . . ." „Warum? Was gibts?" Ehrlichkeit ist der beste Aushelf, denkt Kalagiceanu. Er kannte die ehemaligen Beziehungen des jungen Geistlichen zum Hause Licdcrtrvst sehr genau, er wußte auch durch bestimmte Acußerungen Jemilians, daß Leonid jede Begegnung mit seinem einstigen Pflegvater in wahrhaft abergläubischer Angst zu vermeiden strebte; er sagte ihm also unverholcn den tvahren Grund seiner Bitte. Zu jeder anderen Stunde hätte Leonid unweigerlich nachgrgebcn, aber der eitle Mensch hatte sich über Helsias Nr eisige Geringschätzung geärgert; die Gelegenheit der! stolzen Frau mit einer öffentlichen Demütigung t!jrc»| Gatten doppelt heimzuzahlcn, kam ihm eben recht. „Was geht das mich an, ob der alte Jude koimml oder nicht?", antwortete er tückisch. „Will Peter schuij sein Christentum verleugnen? Nein, cs wird kein llnr=| weg gemacht/ Kalagizeann überlegte. Sollte er Jemilians Ver-I nrittelung anrusen? Aber Jemilian hatte dem Leiche»/ gefolge nur der Form nach bis zur Altstadt das Gr-I lcit gegeben und war längst nach der Stadt zurückge-I kehrt. ... Er sah auf die Uhr — zehn Minuten nach! vier — der Zug von Warschau kam vier Uhr. fünf.s Der alte war also schon da: man war ihm bis jetzi! nicht begegnet; offenbar hatte Benno seinen Vater, wie! verabredet, bereits in einem Bogen über Pfaffcndorf i»| die Stadt gefahren. Vier Uhr zehn . . . Nun mochten die Träger ruhigl in die Bahnstraße einbiegen, es konnte kein Unheil! mehr passieren. Voll des angenehmen Gefühls, eine! schtvicrige Angelegenheit leidlich erledigt zu haben, flieg] er zu Salomon in den Wagen und sagte: „Ich glaube, wir ängstigen uns umsonst, Ihr Vater wird durch den! langen Umweg kaum etwas gewahr werden. Der gnädigen Frau würde ich empfehlen, auf der Rückfahrt! bei einer ihrer Freundinnen vorzusprcchen und dort] auf alle Fälle sich des verräterischen Krepps und de- Kreuzschmnckcs zu entledigen." .Herr von Kalagiccani!] war ein sehr kluger Mann, aber je klüger die Leute, je dümmer die Zufälle, die sich ihnen in den Weg] werfen. Der Zug von Warschau hatte sich um lumpige zehn! Minuten verspätet. Benno stand wie aus Radein, er hätte der Lokomotive cntgegenlaufcn mögen — endlich kam sie. Da war auch der Vater. Müde, abgespannt, mir traurigem Lächeln ließ er sich die Umarmung des Sohness gefallen. „Steht alles wohl?" „Ja, Vater". Er reichte ihm den Arm und wollir ihn an den Wagen führen. „Ist das nicht Kalagiceanus Cab?" konnv Der lefunc 2 Abenl grabe Diese mr 2 Iuliu Heime <5 lebt, bürg »essen Glase Mazz jüd. freiwi Offizi unser des ( die T von ,Ja, Vater. Steig nur schnell ein!" fw Dittil HÄ, (9. Ktiasti SchSHarmtf. 18m Telephon 1, 8630. Seifen, Liebte, Kamm- und Bflrstenwaren, Besen etc. Cosnretiscbe Spezialitäten. etgew Käme za v aussp! i und er fi tändi Er i „Wo denkst Du hin, Junge? Es ist Freitag. Ziiuij Fahren ist es viel zu spät." „Aber der. weite Weg?!" „Ich werde doch deswegen nicht in den Sabbathf hinein fahren! Ich bin durchaus nicht müde. Komm! Sie gingen ein Stück Weges die Chaussee hinab,! der Alte schweigsam, offeirbar sehr trübe gestimmt, während sich Benno das Gehirn zcrmatterte, eine Ausrede zu finden, um den Vater von der geraden Rontc über die Bahnstraße abzulcnken. An der Ecke kreuzte! sich der Weg. „Wir wollen an der HermincnvUla vorbei." „Warum nicht die Bahnstraße?" „Ich habe Salomon versprochen dort in dein I Nippertschen Bureau einen Auftrag auszurichten." „Dann gehe allein, mein Sohn! Mir ist der Unnveg! zu weit. Auch sehnte ich mich sehr nach den Kindern." I (Fortsetzung folgt.) D r I! Aus Feldbriese«. Sederabeud im Felde. Wir. ans unserer Kompanie ivarcn 4 Juden bei der Bagage. Wir .berieten, wir wir die schönen, heiligen Sederabende in Ruhe verbringen könnten. Das eine hatten wir schnell: „das Haus", — aber woher Mazzes und Hagadah nehmen? Nach T. durften wir ohne Bescheinigung nicht, und dann war der Weg — ungefähr 23 Kilometer — doch etwas anstrengend. Am Erew Pessach bekam einer unserer Kameraden Mazzes von zu Hause gesandt, und so war das eine erfüllt. Trester (Koscher schel Pessach) hatten wir auch. So versammelten wir uns denn, nachdem einer von den Kameraden, der eine Feldküche bedient, die Mannschaften draußen gespeist hatte, um 7 Uhr in einem trauten Häuschen, wo ein Kamerad den Sedertisch herrichtete, bestehend n. a. aus Palmzweigen und sonstigen Verzierungen. Als Einleitung begannen wir mit der Brochob über Mazzes und Trester. Leider sehlten nns ja die übrigen Sachen, besonders die Hagadah. So nahmen wir ein gutes Nachtmahl, ein, worauf wir Messumon benschten. Manche Träne ^floß, indem wir der lieben Angehörigen gedachten: aber wir erinnerten unsder schönen Worten Rabbi Akibas: Gaur,fu letauwo, auch daczum Guten. Wie eine Vorsehung Gottes kam am ersten Pessachtage ans Frankfurt eine Hagadah nebst nochmals Mazzes, und so war unser Wunsch nun ganz erfiillt, und wir in i St aus gesu Spe Wi mit gun> gelu Ja En

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