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Neue jüdische Presse · 1915-04-16 · Heft 14 (16.4.1915) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 14 (16.4.1915)
Date
1915-04-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14. r. 14 ca. Rat ittagcis, nb 450 verW oft, ituitgs ic „G, Seife & it Täti hat all, die st mit in ohlfahrt } bewähi voll CH ziehunge rsenkastc, jabeit u, und ih. der in ten itad rge »e wicht. gcfcl Vortrag, iirkel si ittage z Osfc, »den cii egensrci e Äoiii U n ter >' Arbeit innädchk ische wir den nst er Verci aber R e; .auß«!äschc a rer wur! Nähswi e Krieg, canksurii äsche g! ziert nt Breue Hedwi it 6 a un z schilt Dahl nctc fei em ivohl cn wurd im ftreil Von zcil : frische rein do aterrichts lerschickc» -> iise. j hundert. euz nid) er böl> Dir d« t häßlic Goldchci ich wil in eine» >ar über voll von Besuchern; Damen und Herren, schwarzgekleidete, nur im Flüsterton sich unterhaltetio, die in mitleidiger oder gar peinlicher Verlegenheit auf den kleinen Wüterich blickten. Da stand er, laut schreiend, mitten im Saal, stampfte mit den Füßen, während er zugleich an dem langen Kreppschleier riß und zerrte. „Sie haben den Knaben schlecht erzogen", sagte die Frau des Polizeimeisters Groduncza. Diese würdige Dame hatte bald nach der Nachricht von Jelisawetas Tod (Jelisaweta, so hieß Golochen jetzt) es sich nicht nehmen lassen, höchstselbst in das Haus der Neophiten zu kommen und die Trauerfeierlichkeiten samt und sonders mit allem Pomp und Prachtaufwand der rechtgläubigen Kirche vorzubereiten und zu bestimmen. Denn sie war die eifrigste Christin der Stadt, außerdem bildeten schöne Begräbnisse ihr Entzücken. Sie hatte alles angeordnet und selbst beschafft, die Ausschmückung des toten Kindes, das Heiligenbild zu Häupten des Sarges, die Kerzen, die Blumen, das Kruzifix, die Trauerkleidung der Frauen, und Salomon, obwohl im Innern tief verzweifelt, hatte sich ihr nicht zu widersetzen gewagt. Er stand am äußersten Ende des Saales und hörte mit finsterm Schweigen die strafenden Reden der Polizeimeisterin an sein Weib. „Das Kind ist grundverdorben, schlecht und unchristlich erzogen", schalt sie. Komm her Nikol!" Der Kleine stieß nach ihr. „Ich bin kein Nikol", schrie er. „O, Du mein Seelchen, natürlich heißt Du Nikol, Nikolai heißt Du jetzt, Du bist doch rechtgläubig getauft. Peter heißt Dein Vater und Elena Deine Mutter. Komm, nimm das schöne, silberne Kruzifix! Du gehst gleich hinter dem schönen Sarg, sieh wie Jelisweta da liegt, wie ein Engel; freut es Dich nicht, hinter denr Schwesterchen herzugehen, die so schön aussieht? So, Nikol, mußt Du das Kreuz schlagen." „Ich höre nicht auf Deine dunkmen Manien", kreischte der Junge erbost, „so niach ich nicht. Wir beten anders." ... Hilfesuchend sah Helsia nach ihrem Mann. „Peter"! gellte der Polizeimeisterin Stimme zu ihm hinüber. Salomon rührte sich nicht. „Salomon"!, flüsterte Benno, ihm die Hand auf die Schulter legend. „Kommst Du auch einmal?" Benno war, seit er um den Glaubenswechsel seiner Verwandten wußte, dem Bruder grollend aus denr Wege gegangen. Der Tod Goldchens hatte ihn wieder hergeführt; heut sah er wohl, daß Salomon nicht allein um den Verlust des Kindes furchtbar litt; aber ihn selbst quälte auch eine nagende Sorge. „Salomon", sagte er leise, „der Vater hat heut geschrieben." „Endlich. Nach sechs Wochen." „Er hat nichts ausgerichtet. Was soll nun mit dem Vater werden?" „Er reist vorläufig mit Dir." „So?", fragte Benno bitter. Salomon faßte krampfhaft seine Hand. „Mein Bruder, willst Du mir nicht helfen? Irgend eine Lüge findet sich wohl, die den Vater für Wochen von hier entfernen mag; wenn er dann zurückkehrt, ist der ganze Schwindel hier vergessen. Dann soll er seinen Gewohnheiten nachleben können, wie von jeher, ich bezahle von Monat zu Monat die Aufenthaltskarte für ihn..." „Das kannst Du nicht . . ." „Ich kann es, bald werde ich wieder. Dank der Lieferungen, mit denen man mich jetzt großmütig bedenkt, ein wohlhabender Mann sein; Du siehst, meinen Schandloh» habe ich schon weg." „Wenn nur der Vater nichts erfährt", seufzte Benno. „Darum eben soll er sogleich mit Dir fort", sagte Salomon heftig. „Wann wird er kommen?" „Das schreibt er nicht." „Er kommt am Ende heut?" „Ich fürchte es." „Es ist aber nicht möglich", rief Salomon erregt. Claudia trat zu ihnen. „Machen Sie ein Ende!", bat sie ängstlich „Helsia hält es nicht länger aus." „Jawohl ein Ende", murmelte Salomon. „Hol der Teusel die Polizeimeisterin! Ohne ihre Grimassen konnte die Geschichte schon vorüber sein." Sie kam eben zu ihm heran, die fromme Frau. „Peter, der würdige Vater Priszian, welcher zelebrieren sollte, ist verhindert zu kommen, man hat daher einen andern Popen benachrichtigt." „Sehr wohl. Es ist mir der eine genau so willkommen wie der andere." Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5 „Sie sind eine Seele, Peter, wirklich eine Seele, llebrigens kennen Sie den Popen recht gut, es ist Ihr Nachbar, der Obere der Boromäus-Brüderschaft, derselbe, welcher Sie auch getauft hat — Leonid Alexandru." „Auch das noch", knirschte Salomon wütend. Im selben Augenblick entstand eine Bewegung im Saal. „Der Pope!". Benno eilte hastig auf Griel zu. „Komm, mein Junge." Der Kleine ließ sich willig von seinem alten Spielkameraden aufnehmen, Benno führte ihn hinauf in das obere Stockwerk, wo er und sein Vater wohnten, und schloß sich mit dem Kinde für einige Zeit ein; so lange Leonid Alexandra da unten weilte, brachte ihn keine Macht der Erde wieder zurück. Desto begieriger war Claudia, den Bruder Jemilians. zu sehen und ihn mit Alexandru, der in diskret korrekter Haltung unter der Trauerversammlung stand, zu vergleichen. Beim Eintritt des Popen und seiner Gehilfen sanken die Polizeimeisterin und viele andere der Damen demütig in die Knie, die Männer bekreuzigten sich. „Gieb mir Deinen Arm, Claudia!" „Was hast Du? Du zitterst!" „Der Weihrauchduft — mir wird so übel —." Der Pope besprengte den Sarg, die Leiche und das Heiligenbild mit geweihtem Wasser, murmelte eine Reihe von Gebeten, in welche die Anwesenden zum Schluß mit dem eintönigen — „Hospodi" — „Hospodi" der Liturgie einstimmten, und nun näherte sich der Pope Helsia, über ihrer Stirn das Kreuz zu schlagen. Claudia betrachtete ihn aufmerksam. Nicht der Schatten einer Aehnlichkeit zwischen den Brüdern. Leonid war sehr klein, selbst die überaus hohe Mütze und der schleppende Talar verlängerten kaum seine Puppenfigur. Er hatte auch ein Puppengesicht, auffallend hübsch, den Mund eines Mädchens, mit schneeweißen, spitzen Zähnen, fast drollig wirkte der wohlgepflegte, goldblonde Backenbart. Auch sein Haupthaar quoll unter der Sammetmütze goldblond und lockig hervor; die ganze Erscheinung des kaum fünfundzwanzigjährigen Jünglings fiel durch die besondere Zierlichkeit und eine gewisse geschmackvolle Koketterie jedem Fremden angenehm ins Auge. Claudia war überrascht, in dem jungen Geistlichen, der als „verräterisches Scheusal" als „undankbarer Schurke" im Hause Liedettrost so glühend gehaßt wurde, einen ganz hübschen Menschen mit angenehmer, weicher Stimme zu finden; unstreitig ein allerliebster kleiner Beau im Priesterrock. Er schien zu erwarten, daß Frau Liedertrost, die ihn durch ihre stattliche Körperlänge weit überragte, sich vor ihm verneigen würde, und sah mit verstecktem Lächeln zu ihr auf. Jetzt gewahrte Claudia, daß der hübsche Priester hellblaue, wie Glas schimmernde Augen hatte, und daß sein Blick, frech und schamlos — einen Blick, wie ihn die unerfahrene Claudia noch nie in den Augen eines Mannes gesehen — die Prachtgestalt der schönen Frau überflog. Aber Frau Helsia antwortete diesem Blick. Ihre dunklen Augen funkelten einen so heftigen, tötlichen Haß^ daß der Priester, bis in die Stirn errötend, verlegen das Zeichen des Kreuzes in der Brust kopierend — sich von ihr wandte. „Elena", begann die Polizeimeisterin feierlich, „wenn Sie Ihren Engel noch einmal küssen wollen. . . ." „Nein", sagte Helsia hart. Die Polizeimeisterin winkte, die Träger ergriffen den Sarg. (Fortsetzung folgt.) gegr. Ko. 9 OUn.Znti.Sclig.-Hsebg.lt. 3.— OUna-Snutee . . . M.1.8Ö Darjeeling Orango-Peckpe. M-4.40 Po.-Souohong-Spitzen M.2.70 Kakao Soma Mk. 2.40, 3 — WW ÄtAt *2.0 (Nachdruck verboten). Der Bezwinger.*) Von Dr. T. Konczynski. Autorisierte Uebersetzung von S. H o r o w i tz. Tagtäglich stand auf den Mauern Jerusalems ein Mann von riesigem Wüchse mit finsterm Blick, weder jemanden grüßend, noch jemanden ansprechend. Er hieß Josef, der Sohn Aristeus! Es pflegte zu geschehen, daß eine, eine zweite und eine dritte Stunde verstrich, und er bald auf die obere Stadt, und den Fasalorturm, in welchem der Tyrann Simon sein Quartier anfgeschlagen hatte, .*) Aus einem Zyklus: „Das untergehende Jerusalem". schaute, oder er ließ seinen Blick gegen Antonie und den Tempel schweifen, oder er schien mit den Augen die Dicke und die Höhe der ersten Mauer zu messen und die Stärke des Frauen- und des Hippikos-Turmes abzuschätzen. Und wie er seinen schwarzen Bart mit den trockenen Fingern faßte und den Blick in das Innere des römischen Lagers tauchte, kormten ganze Truppenteile Kriegsgeschrei ausstoßen, konnte man ihn stoßen und ihn anrufen, so stand er für alles unempfindlich, von schrecklichem Nachsinnen ganz ergriffen. Mehr als einen von Simons oder Johannes Söldnern reizte Josefs Benehmen, jeder aber bezähmte sich bald, so bald er den Blick mit den Augen, die töteten, kreuzte. Anfänglich, als' die römischen Legionen noch nicht die Stadt zu stürmen begonnen hatten, sah man ihn an verschiedenen Punkten der Mauern. Die Wachen beim Essäertor kannten ihn ebenso gut wie Eleasers Soldaten oder Johannes Leute beim Psefinos-Tor. Seitdem aber Titus die Belagerungsmaschinen von der Nordseite vorgeschoben hatte und mit den Mauerbrechern die erste Mauer, die die Neustadt schützte, zu bearbeiten begann, erschien Josef hier immer häufiger. Er stellte sich in dieser Gegend bei Tagesanbruch und zur Mittagszeit, in der Abenddämmerung imd gegen Mitternacht ein, mit Fieber in den Augen, die Lippen rachsüchtig zusammengepreßt und rannte wie ein Besessener durch die Befestigungen, die von den römischen Maschinen verursachten Schäden untersuchend. Mehr als einmal hagelte es förmlich Geschosse, Steine und Pfeile aus den römischen Waffen und Schleudermaschinen, -ringsum Tod verbreitend — Josef aber, als wäre sein Leib aus Nebel und Wind, schob sich mit Riesenschritten vor, der Zurufe der jüdischen Soldaten, die ihm zuschrien, daß er znrückwiche, nicht achtend. Seine Todesverachtung, die Augen, die mit dem Blick töteten, das riesige nur von einer Haut überzogene Skelett, sein Schweigen, die rätselhaften Bewegungen erfüllten die verwilderten jüdischen Soldaten mit Angst und Bewunderung. Manchmal stand er wie ein Kampseszeichen eben dort auf den Mauern, wo der größte Regen von Wurfgeschossen niederprasselte und wo der Tod alles Lebendige wegraffte. Er höhnte die römische Macht, verhöhnte die kriegerische Begeisterung der Juden. * Die Arbeit der Mauerbrecher war eine vergebliche. Die riesigen Steinblöcke der Mauern fest ineinandergefügt, erbebten unter dem Anprall der ehernen Köpfe», aber es entstand nicht eine Ritze. Josef verwilderte noch mehr. Er war keck, schrecklich. Als einer der Soldaten ihm zudringlich in den Weg trat, zerschmetterte er ihm die Brust mit der Faust, — warf ihn zu Boden und ging wetter wie ein Gespenst mit fahlem Gesicht, sich gar nicht umblickend, was geschehen war. Niemand wagte, eine Waffe gegen ihn zu erheben. * Eines Tages beim Morgengrauen steigerte sich das Donnern der Mauerbrecher ungewöhnlich. Das Dröhnen der Stöße teilte sich in einem erschütternden Echo der ganzen Stadt mit. Und dieses schreckliche Krachen wurde von einem gedehnten, kleineren Gepolter, das sich mit mathematischer Genauigkeit wiederholte, als schlüge Donner auf Donner in Jerusalems Felsengrund, überboten. Es konnte scheinen, als zittere der Boden und gehe in Stücke. Der weiße Schrecken wehte durch die Sttaßen der heiligen Stadt, flog um alle Türme und Mauern und preßte die Herzen der Verteidiger zusammen. Haufen vor Hunger schwarz gewordener Einwohner ergossen, sich aus den eingeäscherten Häusern. „Was ist das für ein Dröhnen", rief man. „Brechen die Römer die Tore ein?" Das Gejammer wuchs wie eine Wasserflut. Bon den Lippen der vorbeirennenden, erbleichten Soldaten fielen kurze Erklärungen: „Die Römer haben die größte Maschine vorgeschoben." „Die Römer haben den Sturmblock mtt Eisenblech beschlagen!" „Alle Armbrüste und Schleudermaschinen arbeiten. Niemand vermag auf der Mauer standznhalten." „Noch ist es möglich, Wurfgeschosse und Feuer zu schleudern!" Die Weiber rausten sich das Haar. Die Männer streuten Asche auf ihre gespensterhasten Gesichter. In der ganzen Stadt gab es nur ein Geschrei:

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