Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 14 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. 14 da? Zur Lage der jüdische« Kolonisten iu Galiläa. rasten Fragi die ngen Power i un- 1 ihn er räftc' junel r der ’c mit nid) nun : m s zu- :baren ■t, der nicht ■Kßoti dann! Jn- >aru. richte! rer rchlcir. <■ u d« in feien, teurer rf von M’ verorthon dir unter sie sich ein, b( >ßMrbi [C u» Sie c i Wchtchobcii apestci t ven Mchi gefuirum ch um t dem rtvußi t der öchsten t der i & litische \ «u er aus Palästina Grzlich eingetroffene Lehcr M a y e r K a tz, der in denletzten fünf Monacit in Galiläa wohnte, gab dein jüdischen Tagblatt ,Unser Leben" folgende Mitteilungen: Unsere Brüher in Galiläa haben unter den Weltereignissen in jeder Hinsicht — sei es in ökoloinischer, sei es in politischer Beziehung — am reuigsten gelitten. Dies erklärt sich damit, daß fl|I >ic galiläischen Kolonien von Ackerbau leben und , elbst Brot und Gemüse erzeugen. Plantagen sind fast keine vorhanden. Tie Broterzeugung ist vom Weltmarkt unabhängig, alles wird im Lande verbraucht. Röhrend die Kolonien in Judäa schwer mter dem Mangel an Lebensmitteln zu leiden haben — selbst Brot findet sich, dort nur in bechränktem Maße —, sind in den beiden Kolonien des Nationalfonds, Dagania und Kinereth (von Mcrihawjah abgesehen), größte Getreidevorräto vorhanden. Die Zeitungsnachricht, daß die Regierung Getrcibe und Mehl requiriert habe, bezieht sich nicht ms Galiläa. Nur in Tel-Adaß bei Haifa hat die Regierung ein Getreidemagazin versiegelt. Es ist aber zu erwarten, daß sie auch! dieses Siegel in Kürze abnehmen wird. Davon abgesehen, ist in Galiliäa bisher keine weitere Requisition vorgeifoutnten. Alle Kolonien in Galiläa haben die ottomanische Staatsangehörigkeit erworben. Das Leben geht seinen normalen Gang. Die Arbeit ist in keiner eise unterbrochen, sondern wird mit Energie und citz fortgesetzt. Arbeiter und Arbeiterinnen, die eine Arbeit hätten, sind zur Zeit nicht vorhanden. Auf die Frage, in welcher Weise die Arbeiter entlohnt würden, da ja Bargeld'nicht in genügener Weise vorhanden sei, antwortet Herr Katz: Die Arbeiter ^halten ihren Lohn durch, Verabreichung von Getreide an Stelle des Geldes. Derjenige, der einen Ueberschuß übeir den eigenen Verbrauch, besitzt, tauscht hierfür andere Bedarfsmittcl ein. In dieser Hinsicht glauben sich die Leute in uralte Zeiten versetzt. Die Verhältnisse mögen uniequeM sein; sie sind aber zu ertragen, insbesondre in den Kolonien, wo das Leben einen ganz anderen Charakter als in der Stadt trägt. Wie gesagt, ist in den Nationalfondsfarmen Lagania und Kinereth genug Getreide für den ganzen Jischub in Galiläa vorhanden. Dagegen herrscht in Judäa ein großer Mangel an den nötigsten Lebensmitteln. Getreide ist in Judäa nur noch für eine bestimmte Zeit vorhanden. Wäre der Verkehr im Lande selbst nicht eingestellt, so würde sich der Mangel nicht so fühlbar machen. Leider sind die Wege sehr schlecht, und es sind auch keine Zugtiere für die Ueberführung des Getreides vorhanden. Diese Störungen ließen sich, noch .überminden, wenn man wüßte, wie sich die maßgebenden Autoritäten dazu verhalten würden. Es wurde darum beschlossen, die Ueberfiihrung des Getreides von Galiläa nach Judäa noch bis zur Klärung der Lage aufzuschieben. lieber die Frage endlich, wie die kulturelle Lage in Galiläa jetzt beschaffen sei, erklärt Herr Katz, daß die 'Verhältnisse in dieser Beziehung nicht schlecht seien. In Haifa ist die Realschule geöffnet, die Schulen in den Kolonien funktionieren, und der Unterricht geht normal vor sich. :eilung Zehnzu bell auch tätigen »Mine» [eit die arische htlingt!N Hai . nicht öftere cht bs Maß- :n, die m - gewähi Ver- Konferenz über „Eruähruugssragen".' Frankfurt a. M.» Regierungsrat Drescher, welcher von dem Regierungspräsidenten mit der Einrichtung der Ausklärung über die Ernährung im Kriege beauftragt ist, hatte eine Besprechung mit Vertretern Indischer Organisationen einberusen, um zu beraten, wie von jüdischer Seite aus eine zweckmäßige Propaganda für kriegsgemäße Ernährung betrieben werden könne. Einleitend teilte er mit, daß es seitens der Regierung im Interesse einer tiefgreifenden Propaganda nötig befunden worden sei, die Vertreter der Kirchengcineinden und konfessionellen Vereine besonders zu organisierter Tätigkeit aufzusordern und anzueifern. Dann wies er darauf hin, daß Deutschland durch den Abschluß von dem feindlichen Ausland, das uns sonst einen großen Teil der notwendigen Lebensmittel lieferte, genötigt ist, mit den im eigenen Land hervorgebrachten Erzeugnissen auszukommen. Berechnungen, denen die in Friedenszeiten von Mensch und Vieh in Deutschland verbrauchten Lebensmittel zu Grunde gelegt sind, haben ergeben, daß wir bei unveränderter Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. Lebenshaltung mit. dem vorhandenen Vorrat nur bis Mai reichen könnten. Wenn nicht die Regierung zeitig Vorkehrungen zur Sparsamkeit getroffen hätte, wäre also alle Ursache ernster Besorgnis vorhanden gewesen. Das Abschlachten von einer großen Zahl Schweinen und Rindvieh wurde augeorduet und der Betrieb von Brauereien, Brennereien und Seifenfabriken als Verbraucher von Getreide und Fett eingeschränkt. Durch Höchstpreise wurde versucht, die unbemittelte Bevölkerung zu schützen, und die bekannten Brotzettel wurden eingeführt, die den Brotverbrauch regeln. Aber diese Staatsmaßnahmen genügen nicht, sie müssen durch sreiwillige Maßnahmen ergänzt werden. Das erste freiwillige Gebot muß heißen: Weniger essen! Drei Mahlzeiten sind genügend, Zwischenmahlzeiten unnötig. .Alkohol sollte gänzlich fortgelasseu werden. Durch besseres Kauen und den Gebrauch der St o cf) E i st e können wir die Speisen besser anfschließen, d. h. sie in ihren Nährstoffen besser für den Körper aus nützen. Durch die Abfallverwertung können viele Stoffe, die sonst nutzlos chleiben, der Landwirtschaft dienstbar gemacht iverdcu. Ein Berliner Restaurant z. B. hat Abfälle und Speisereste für 8000 JL jährlich verpachtet — ein Beweis, wie viel Werte in den Msallstoffen liegen. — Selbstverständlich ist die Marktlage gut a u s z u n ü tz e n. Als knapp .sind Kartoffeln, Mehl, Fett, Eier und Milch zu bezeichnen. Als reichlich vorhanden eigentlich nichts. Darum ist .größte Sparsamkeit und vollständiges Verbrauchen des Vorhandenen dringend geboten, doch ist die Bevölkerung diesen Forderungen bis jetzt nur sehr mangelhaft nachgckommen. Regierungsrat Drescher schreibt üen Religionsgemeinschaften und konfessionellen Organisationen besonderen Einfluß zu und bat die Anwesenden, Vorschläge für die Propaganda einer zweckmäßigen Kriegsernährung in jüdischen Kreisen zu machen. Einil Heidenheimer erklärte, als Vertreter der israelitischen Gemeinde, deren Bereitwilligkeit zu energischer Mitarbeit. Frl. Bertha P a p p e n h e i m berichtete, daß der Jüdische Frauenbund iu Erkenntnis der Wichtigkeit der Angelegenheit schon in eine Propaganda für kriegsgemäßc Haushaltführung cingetreten ist, die um so kräftiger wirksam werden könne, als der Jüd. Frauenbund in ganz Deutschland verzweigt sei. ll. A. brachte der Bund ein Flugblatt: „Achtel das Brot-- in 30000 Exemplaren zur Verbreitung. In Frankfurt a. M. haben schon 2 Vorträge, veranstaltet von der Loge, der Ortsgruppe des Jüd. Frauenbundes und deren angeschlossenen Vereinen, stattgesunden. Frau N a s s a n e r ergänzte diese Mitteilungen dahin, daß die Frankfurter Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes beabsichtige, in nächster Woche einen Redncrknrsns zu veranstalten, in dem Rednerinnen und Redner dafür vorbereitet werden sollen, in einer Reihe von Gemeinde» der Umgebung Frankfurts Borträge zu halten. Frau S e l i g m a n n , namens der Frauenvcreinigung der Frankfurt-Loge, Frau Be st h o f f für die Jüd. Frauenvereinigung, Dr. B a m b e r g e r für die Israelitische Religionsgesellschaft, .Frau Mainz, für die jüdische Hanshaltungsschule, Moritz Metzger für den Ist. Hilfsverein und L. Klau namens der Israelitischen Suppenanstalt berichteten, was bereits auf dem genannten Gebiet unternommen wurde und erklärten sich bereit, in der noch beabsichtigteil Propaganda mit der Ortsgruppe des Jüd. Frauenbundes gemeinsam vorzugehen. Bor allein einte man sich dafür, zwei große Jugendversammlungen durch den Mo utesivre-Verein, die Jugendgruppe der Frankfurt-Loge, den Mädchenklub unddie Agudah anzuregen. Regierungsrat Drescher gab zum Schluß der Beratung seiner Anerkennung und Freude Ausdruck über die tatkräftige Bereitschaft der Frankfurter jüdischen Organisationen in dieser notwendigen Aufklärungsarbeit jytb versprach deren Förderung auch über den Stadtkreis von Großfrankfurt hinaus, soweit die angebotene Propagandatätigkeit der Frauenvereine dies wünschenswert erscheinen lassen werde. P. N. Bom Jerusalemer „Schaare Zedel"-Krankenhaus. Der in Frankfurt a. Ai. domizilierende Borstand des Schaare Zedck-Krankenhauses erhielt von dessen Verwalter ein Schreiben, das wie folgt schließt: War es schon früher hart. Schwerkranke von unserer Schwelle zu weisen, so ist die Notwendigkeit, solche in der heutigen Zeit aufzuuchiuen, noch größer geworden. Es gibt jetzt unter unseren Glaubensgenossen eine ganz beträchtliche Anzahl alleinstehender Personen, die in einem Krankheitsfalle zu Hause ganz verlassen sind. Es fehlen ihnen nicht nur die notwendige Pflege oder Stärkungsmittel, sie haben auch kein Geld für einen Arzt. — Obwohl zur Zeit nicht der vierte Teil Aerzte als wie im Aorjahre hier sind — und der Gesundheitszustand keinesfalls zugenommen hat —, haben selbst diese wenigen Aerzte nichts zu tun, mau ruft sie nicht, man hat kein Geld, sie zu bezahlen. Ich bitte Sie herzlichst und innigst, im Namen unserer so hart leidenden Glaubensbrüder in Jerusalem, erbarmen Sie sich über dieselben und rufen Sie das Erbarmen unserer Glaubensgenossen in Deutschland, Oesterreich-Ungarn und den neutralen Ländern für dieselben an, lassen Sie unsere Kranken nicht verkommen und in Fällen, wo ihnen mit Gottes Hilfe geholfen werden kann, sie nicht ohne Spitalsbehandlung sein! Wie manche Menschenleben könnten so gerettet werden, und wenn sie dann noch einige Zeit darben müssen, bei gesundem Körper, können sie dieses eher äushalten, so lange, bis bessere Zeiten kommen, und diese bessere Zeiten werden kommen und mit Gottes Hilfe: bald kommen! Heute aber ist es meine Pflicht, Sie von der Lage unserer Kranken zu benachrichtigen und Sie innigst zu bitten, uns recht rasch telegraphisch Auftrag zu geben, die Gratisbelegungsziffer in unserem Krankenhause bis auf weiteres zu erhöhen. Möge es Ihnen gelingen, die Herzen unserer Glaubensgenossen zu erweichen, daß sie reich und schnell geben und wir dadurch in Jerusalem in etwas dem stirchtbaren Elend steuern können. gez. Jonas Marx. moderne Vorhang- und Möbelstoffe, Tischn. Divandecken etc. Carl BisehofT 19 Neue Mainzepstrasse 19 am Schauspielhaus. Aus aECev Wett. Deutsches Reich. (L.) Posen. Aus Kutno wird berichtet: Der deutsche Stadtkommandant verordnete, daß die Juden an ihren Ruhetagen die Geschäfte offen halten müssen. Zuwiderhandlung: Geldstrafen von 10—10 Jk Der Borstand der jüd. Gemeinde — Bankier Wladislaw Hirschburg — begab sich daraufhin zum Kommandanten, erreichte aber nur einer Schließung der Geschäfte vormittags von 10—12 Uhr, damit der Gottesdienst abgehalten Werden könne. Da die Soldaten auch an den Samstagen mit Mem Nötigen zu versorgen seien, so müssen herklärte der Kommandant — in der ernsten Zeit des Krieges die Traditionen zurückstehen. Nach seiner Ansicht sei übrigens eine so durchgreifende Sabbatstrenge nicht nötig; habe doch Josuä die Stadt Jericho an einem Samstag besetzt. Bad Durrheim. Biele Eltern hatten im Interesse ihrer erholungsbedürftigen Kinder gehofft, daß unser Friedrich-Lnisen-Hospiz, nachdem es den Winter über geschlossen gewesen, nn Frühjahr wieder eröffnet werden würde. Dies war jedoch nicht zn ermöglichen. Dagegen ist nunmehr die Wiedereröffnung für den Sommev beschlossen. Wenn auch infolge der Verteuerung aller Lebensbedürfnisse ein finanzieller Ausfall zu erwarten steht, hat die Verwaltung unter den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen sich doppelt verpflichtet gefühlt, eine so bewährte Stätte der Heilung und Kräftigung für unsere Jugend ihrer schönen Ausgabe nicht länger zn entziehen. Da für Juli und August schon zahlreiche Anmeldungen vorliegen, möge, wer sicher aus Ausnahme rechnen will, sich baldigst „an die Schwester Oberin des Friedrich - Luisen - Hospizes in Bad Dürrheim, Schwarzwald--, wenden. Der Krieg und die deutsche» Jude«. Berlin. Zu Leutnants wurden befördert: Naphtalie Ehrenreich-Höchberg, Dr. Theo Schohl-Pirmasens, Georg Tillmaun-Hamburg. Julius Lion-Bonfeld und Fritz Mecklenburg- Berlin. Berlin. Das Eiserne Kreuz erhielten: Unterarzt Heinrich Zolki, Unteroffizier Max Hirsch, Feldwebel KnrtJoseph, Gefreiter E r i ch C o h n, Osfizierstellvertreter Regierungsbaumeister Max Israel und sein Bruder Unteroffizier Paul Israel, Offizierstellvertreter Dr. Hans Kaim , Stabsarzt Dr. Max Litthauer, Bataillonsarzt Dr. Ernst Herzfeld, Gefreiter Salomon Katz, Kanonier Bernhard Sommerfeld» Unterarzt Dr. Gerhard Salomon. Oberarzt Dr. Artur Zeh den, Bataillonsarzt Friedrich Lewinski, Unterarzt Felix Mottek, Unteroffizier Wilhelm Glasfeld, Oberapotheker Georg Grunwald, Feldwebel Kurt Joseph, Wehrmann Hermann Schiff, Oberarzt d. R. Dr. Alfred Horwitz und Oberarzt Dr. Erwin Freund. Breslau. Stefan Cohn, Stabsarzt Dr. Fritz Chotzen, Hans Schreiber und Arthur Löwenstein wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. — Alfred Rcichmann,Amtsrichter Dr. Georg Hartmann, Rechtsanwalt Heinr. Caro und Rechtsanwalt Leo Perl wurden zn Leutnants befördert. Walter Grünfeld, Martin Lippmann, Art hur Weitzen, Georg Wollheimu. Herbert Krebs sind ans dem Felde der Ehre gefallen. RorSbausen. Erich Heilbrun erhielt die seltene Auszeichnung der bayer. Goldenen Militär Verdienstmedaille. Das Eiserne Kreuz hat er bereits. Lffenbach a. M. Der Offizier-Stellvertreter Gustav Gabriel (Ingenieur und Hauptlehrer an den Technischen Lehranstalten), Ritter des Eisernen Kreuzes und Inhaber der hessischen Tapferkeitsmedaille, ist zum Leutnant befördert worden. Eubigheim. In der Synagoge fand, jüngst eine Trauerfeier seitens der Gemeinde und Lehrer des Rabbinatsbezirkes Mosbach für den in Nordftankreich gefallenen Lehrer E. Hausmann statt. Rabbiner Dr. Löwenstein-Mosbach, schilderte den Gefallenen als einen gewissenhaften Lehrer, dem das Pflichtgefühl als Höchstes galt, bis der Tod seinem Leben im Kampfe fürs Vaterlandein Ende setzte. — Das lehrreiche Bild der „Poroh-Aduwoh"-Jnstitution wendete Dr. Lauf an: „Alles Irdische vergeht, der Geist bleibt--, — und auch H's Geist 'wird in Eubigheim 'weiterleben. Lehrer Thälmann-Wertheim sprach im Namen des Bad. Lehrervereins. —> Als letzter sprach Lehrer E. Wertheimer-Hardheim. Er gedachte besonders des DortrageS, den H. am 7. Juni auf der