Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 13 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. IliOmler & Laitich I Tel Hansa 3148. Frankfurt a.M., Liebfrauenberg 83. ■ Specialhaus für Unterkleider und Strümpfe. ■ Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. D zur Stätte des. Schmutzes. Und warum? Was haben ich, was haben wir alle Böses begangen?" Er wartete und wartete. Seine Gedanken flogen nach Haus. Dort stand manches schlecht, er ahnte und fühlte, man habe ihn über allerlei trübe Dinge hinweggetäuscht. Nur mit einem hatte ihn sein Sohn gewiß nicht betrogen, er hatte ja beim Leben seiner Kinder geschworen, das sei nicht wahr ... Dann dachte er an das kleine Mädchen, das krank lag, und dieses Kind, das den Namen einer teuren, noch unvergessenen Frau trug, es starb vielleicht, während er, der es liebte, sich von ihm entfernt. . . . Nein, nicht daran denken, sonst hätte er längst nmkehren müssen — wie das sein Herz krumpfte.- Andere hatten auch Kinder und liebten sie, er stand hier für alle. Und in all seinen Kummer um die Seinen, um die bald hcimalloscn Brüder seines Stammes, ging ihm unaufhörlich ein Vers durch den Sinn: „Aber er hoffte auf Rechtlichkeit, und siehe Bestechlichkeit, auf Wohltat und siehe Gewalttat." Die Nacht wurde immer kälter. Abraham überfiel eine glicderlösende Schläfrigkeit; müde lehnte er den Kopf an die Mauer, Auf! Auf! Er durste nicht schlafen — endlich, gelobt sei Gott, da kamen Schritte. Ein großer, breitschultriger Mann trat auf das Haus zu, ihm folgte der wohlbekannte Sekretär, der, beit Mantel seines Herrn auf dem einen Arm, mfl dem andern verstohlene Zeichen machte. Abraham verstand den Mann nicht, aber sein Herz schlug schneller; instinktgemäß umllammerte er Hie Bittschrift in seiner Hand. Jetzt hatte ihn der Minister erblickt. „Gehören Sie in das Haus?" „Nein." „Was treiben Sie hier?" Der rauhe, ttefe Baß des Ministers, dazu ein Gesicht, auf dem sich Strenge bis zur Brutalflät ausgeprägt mit starrem Hochmut paarte, das war nicht sehr ermuttgend für den armen Patriarchen, er antwortete daher ziemlich verzagt: „Ich warte auf Euer Exzellenz." „Wie heißt Du?" „Abraham Liedcrtrost." „Liedertrost! Was das für ein dummer Name ist!" „Es ist ein ehrlicher Name, Herr!" „Ehrlicher Name! Bist Du verrückt? Ich glaube gar Du bist ein Jude." „So ist cs." „Mach, daß Du fortkommst!" Verwirrt, beschämt wollte Abraham gehen, da überkam ihn ein standhafter Trotz, der Minister mußte ihn hören, er vertrat ihm den Weg. „Exzellenz, ich wollte untertänigst bitten, nicht für mich, für meine armen verfolgten Brüder." „Was ist's? Haben Sie gestohlen?" „Nein, Herr. Sic sind Ausländer.. ." „Wie! Ausländisches Hundepack! Und Du wagst cs, mir bei Nacht aufzulauern? Da. . ." Er riß Abraham die Bittschrift aus vcn Händen und warf sie in den Kot. „Verfluchtes Jüdengesindel! Binnen Jahresfrist werde ich Euch alle, Mann für Mann des Landes verweisen/' „Gehen Sie fort, stenrder Mann!", rief der Sekretär und stellte sich zwischen ihn und seinen Herrn, aber verzweifelt faßte Abraham nach des Minister Hand: „Herr — unr haben nichts getan, wir sind Menschen so gut wie Sie. .". ." „Geh' zum Teufel! Fort mit Dir, Jude!" Die Faust, die ihn vor die Brust stieß, war so gewaltig, daß Abraham wohl zehn Schritte dahinflog, gegen die Mauer prallte und bewußlos nicderfiel. Er lag geraume Zell, Ha Erwachte er; er merkte auch, daß sich Jemand bemühte ihn aufzurichten. Es war der Sekretär, der sich über ihn beugte und ihm mit einem Talgstümpchen ins Gesicht leuchtete. „Verwünscht, Alter, das hat wehe getan, wie?" sagte er gutmüttg. „Tragen Sie cs mir nicht nach, ich hatte es gut gemeint, aber Sie wollten ja nicht hören. — Sehen Sic, das war unser Herr. . . . Eine Sünde, (Frankfurter Edelmetallverwertimg I Gerlach & Weins I Probier' n. Scbmelzanstalt. MetaUurg. Laboratorium. I ■ TannnsKtr. 28. Frankfurt a. BL. Tel. L. 6748. I Ankauf aller Edelmetall-Hockstände, Brucbgold u. Silber. I Barren — Feflnng — Clebr&lzen — Allfällen. | Frankfurter Israelitisches Familienvlatt. wahrhaftig in Gott, eine Todsünde ist's, einen alten Mann wie Sie so zu schlagen. . . . Sie hätten ihn heut doch lieber nicht anreden sollen. Warum haben Sie nicht auf mich geachtet? Sahen Sie nicht, wie ich die Hand an die Gurgel führte? Er hat schon so viel gesoffen heut, darum war er so scharf. Er ist gar kein Christenmensch, er ist ein verfluchtes Tier. . . . Stehen Sie auf, Alter! Können Sie stehen?" Der gutmütige Bursche säuberte ihn und stützte ihn. Abraham richtete sich auf, noch einmal blickte er gegen das Haus, in welchem der Minister verschwunden war. Er konnte es kaum mehr erkennen. Dichte weiße Wolken, — war es Schnee? war es Nebel? — wallten vor seinem Auge, wie wenn Himmel und Erde ein weißes Meer verschlänge. ... Ein Sturm erhob sich aus Mitternacht, mit wildem Sausen peitschte er. Erde und Firmament. . . . Jetzt tellte sich die weiße Flut und Abraham sah. Das Haus stand wieder da, eingehüllt in Schnee. Vor dem Hause hielt einer Wache, gespenstisch, riesengroß, der richtete sein Schwert in die Höhe. „Hinaus! Hinaus!", heulte es in Sturmcsürausen — „austreiben, ausweisen, in einem Jahre alle ausweisen. . . . Hinaus, hinaus!" Der Sturm rüttelte an dem gxoßen Hause, daß die Balken krachten. Verweisen, des Landes verweisen will er, der Einzelne, Tausende des Landes verweisen. , . . Verwesen wird er, modern vor Jahresfrist, der Stolze daliegen, — ein Häuflein widriger Staub. Törichter, vergänglicher Menschcnwurm, das Geschick Tausender willst Du bestimmen und vermagst Dein eigenes, elendes Leben nicht um eine erbärmliche Minute nur zu verlängern? — „Und Gäste seid Ihr alle auf dieser Erde." Der Engel stand und richtete sein Schwert in die Höhe. „Kommen Sie, sagte der Sekretär leise, „grausig ist es hier." ‘ Er schlug ein Kreuz und führte Abraham davon. Sie schritten die lange Gasse hinauf, bis sie plötzlich aus der Finsternis die strahlend helle Hauptstraße vor sich erblickten. Wagen auf Wagen rollte daher, der Sekretär hielt den exsten besten an. Abraham stieg hinein. Er be° schenkte seinen steundlichen Helfer reichlich und fuhr dann in sein Hotel zurück. (Fortsetzung folgt.) gegr HBJt *2.Q. Ko. B Chin. Indßchg.-Mschg, M.3.— Ghlna-Grostee . . .M.1.80 Darjeeling Orange-Peckpe. M.4.40 Po.-Soaohong-Spiteen M. 2.70 Kakao Soma Mk. 2.40, 3—. __ ZSe-erabe«dNn Danzig H jgj Ein Frankfurter Gerichtsassessor, der schon seit Monaten auf einem Lazarettzug tätig ist, schreibt uns: Freitag vor Pessach langten wir mit unserem Lazarettzug von Rußland kommend in Danzig an und bezogen für einige Tage Bürgerquartiere. Vorzüglich waren wir da aufgehoben, besonders wenn man. wie ich das Glück hatte, bei Glaubensgenossen wohnen zu dürfen. Jedoch.Heffach stand vor der Tür, und die Zahl der Orthodoxen oder wenigstens derjenigen, die Sederabend abzuhalten pflegen, ist nicht so groß wie die der gesetzestteuen Juden in Frankfurt a. Main. - Es wäre mir also nur die Wahl geblieben, den Sederabend, den ich sonst zum ersten Male dieses Jahr hätte entbehren müssen, in einem Restaurant zu verbringen. - Jedoch das Glück war mir holder als ich gedacht. Kauin in der Synagoge angelangt, wurde ich von Herrn . Rabbiner Dr. Kaelter in sei» Zimmer gebeten und dort zu einem von der Synagogengemeinde Danzig veranstalteten Sederabend eingeladcn. Ich folgte natürlich srcndig Hem Ruse,, und wie überrascht war ich, als ich in den herrlichen Räumen der Bnai Brith-Loge angekommen, dort etwa 70 Soldaten aller Waffengattungen zur Sederfeier vereint vorfand. An dem Kopfe der Tafel hatten die Vorstandsmitglieder der Synagogengemeinde, in der Mttte S. Hochw. Herr Rabbiner Dr. Kaelter, Platz genommen. Auch zwei Damen hatten die Liebenswürdigkeit, der Feier anzuwohnen. Die Tische waren wunderschön gedeckt, für je 10 Mann stand eine. Sederschüssel und Wein in Menge da. Kiddusch begann, .und Ma Nischthannoh.sagte ein 18jähriger Kriegsfteiwilligcr. Eifrig war die Beteiligung der sehr begeisterten Kameraden, unter denen auch ein Oesterreicher nicht fehlte. . Anschließend an einzelne Gebetstellen wurden Reden vom Stapel gelassen. Herr Rabbiner begrüßte und wünschte allen glückliche Heimkehr in das gerade an diesem Abend so sehr entbehrte Heimathaus. Der Vorstand der Synagogengemeinde hieß im Namen der Gemeinde, herzlich willkommen, worauf einer der Kameraden seinen offiziellen Dank aussprach Dieser Rede schloß sich ein begeistert ausgenommenes Kaiscrhoch.an, und wieder an- Nr. 13. Nr der Si Weile, bei ei flämmci glühten war ii langen finster. Es heiliger . weiter sierblick hallt hinaus jubeln Ick stimme: eine j derbere Sie st mit fe sie sie freudlo Ihr K es — die Be das S Armler Jankest geben, Wirst greisen D< uuentn crnücht strömt Licht flackern Ohren Schabt Franz Dittnth Ml (9. KuM Schlllermtr. 18m Telephon I, 8630. Seifen, Liebte, Lamm- und Bttrstenwaren, Besen etc. Cosmetiscbe Spezialitäten- I dere Kameraden - erinnerten an das Elend unserer Glaubensgenossen in Rußland. So kam die Zeit des Mahles, das uns allen — man merkte es an dem Zuspruch — vorzüglich mundete. Wie gut der Palästinawein schmeckte, ersah man aus der Stimmung beim zweiten Teile der Feier. Mt einem Worte gesagt: Es war ein herrlicher Gedanke, uns Soldaten eine solche Feier zu bieten, und jeher, der daran teilgenommen, wird gerne jenes Abend gedenken, von Dank erfüllt dem Herrn Rabbiner und der Danziger Shnagogengemeindc. Gebe Gott, daß wir unsere kommenden Feste im Frieden feiern können. Die Schreckenslage inMarinaros-Szigeth. In plastischer Weise schildert Abraham Fried,! im offiziellen . Organ der ungarischen Zionisten dic Flucht der Marmaroschen Judenheit vor der rufst-! schen Invasion! Unvergeßlich bleibt mir, was ich in Sziget gesehen habe. . . . Acht Eisenbahnzüge mit je 60—70 Waggons standen dampfend, auf das Signal harrend, im Perron. Ein nervöses Her- und Hinjagen! Ich suche fragend mit zitterndem Blicke Freunde, Verwandte. „Malke, Malke!" schreit ein verzweifelter Ruf durch den wimmelnden Menschenknäuel. „Joßele, Joßele" gellt es aus der anderen Richtung herüber. Greise suchen ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, Brüder die Geschwister. Alles ist aufgeregt und nervös bis zum Wichnsinn. Ich rufe wiederholt den Namen meiner Lieben. Es ist aber eine vergebliche Mühe. Meine verzweifelte Ansttengung 'kann die tolle Sttmmensymphonie nicht übcrtönen. Ich eile zurück in die Stadt. Ein unendlicher Wagenpark bringt in Masse die herflüchtende Menschenmenge und ihre Bündel. Turmhoch sind die Gepäckstücke hier ausgestapelt. Mter Plunder und schreiender Modekram. Ein Talisbeutel neben dem Damenhut mit rollender Straußfeder. Endlich habe ich ineineu Bruder, der mir erzählt, daß sich gestern am Jom-Kippur, bei Mussaf, eine furchtbare Panik der Juden bemächtigte. Man jagte aus der Synagoge heim und begann zu packen. Biele flohen noch am heiligen Tag. Nicht weit von uns stand der „Rebbe", dem man auch in dieser verzweifelten Stunde mit devotestem Respekt begegnete. Ihm wurde vom Stattonsvorstand ein Abteil zweiter Klasse eingeräumt. Vor den Läden standen Riesenkisten. Diese ausgestopft mit wertvollen Sachen, die irgendwo versteckt, vergraben „und verborgen werden sollten. Die Angestellten .würden besttmmt — für doppeltes Salär und freies Verfügungsrecht über die Waren — zu bleibe». Die älteren 'Kaufleute schicken nur ihre Familien. Sie haben nicht den Mut, als Bettler durchs Land zu schleichen. Daß .die Russen kommen werden, war gewiß. Um zwölf setzte sich der Zug in Bewegung. Wohin? Das wußte keiner. Wir beruhigten uns äußerlich. Es lief wie kaltes Grauen über unseren Körper, wenn wir bedachten, daß unsere Eltern dort geblieben sind. Ein unendlicher Zug. Die Waggons aus allen Weltteilen zusammengekoppelt. Deutsche, belgische» galizische, böhmische und ungarische. Flüchtlinge aus allen Gegenden. Vorherrschend aus Galizien, Bukowina und Oberungarn. Ich eile von Wagen zu Wagen. Im Zug herrscht ein wahrhafttges babylonisches Sprachengewirre. Man hört ungarisch, deutsch, hebräisch, polnisch, rumänisch ruthenisch sprechen. Ein hebräisch sprechendes, nettes Mädchen zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Wir waren bald bekannt. Ein Vers aus Jesajas leitete unsere Diskussion ein. Es war erschütternd, wie dieses intelligente Mädchen mit lapidarer Sprache im Ursttl der Bibel seinen Leidensweg, das bittere Golus der Bas Zion, schilderte: „Schon im September mußten wir flüchten. Die Kosaken kamen nach Snyatin unverhofft. Wir rafften unsere Barschaft zusammen und flohen. Wir führten nichts mit. Ein Fuhrmann nahm uns großmüüg 380 Kronen für die Beförderung bis zur nächsten Station ab. Wir lebten bis jetzt in Sziget, jetzt gehts weiter." Eine furchtbare Erregung bemächtigte sich des Mädchens. Ich gab dem Gespräch eine andere Wendung. Wir diskutierten über Zionismus, über die Judenfragc und die Perspektive der Zukunft. Ich machte bewundernd die Wahrnehmung, daß ihr edler Idealismus seine Glut in dieser dunklen Zeit noch immer nicht verloren habe. Ihr heißester Wunsch, war, daß der Russe zerschmettert und die Judenfrage einen Schritt zu ihrer Lösung näher geführt werde.. Jetzt wolle sie nach! Wien, um Hort in einem Spital Krankenwärterdienste zu leisten. ' Es wurde indes Morgen. Im. Zuge wurde es lebendig. Das Gerassel der tosend rollenden Räder wurde von den zum Himmel steigenden Keduscho, Borchu usw. der im Zuge betenden Minjanim übertönt. Am Freitag kgmen wir nach Szoluck. Wir waren im Herzen des Landes und atmeteten beruhigt aus. BewäJ sowie Rabb Zci Wörl Lami In j sogenai | Welle ergießt | Volksff bankan | Humor jüdisch | erhebt, ist es! Quelle D.! ist seil zu den! biete d wort, Bildkn and ein« und Bch Biel Das EckJ jed. Art a. Preislage kauft 511 -ui tilg. man gut und preiswert im W Trauring - Eck 7MU Frankfurt a. H.,Trierische Sasse 31. Ecke TöDgesgasse,vls>a-vis d, Hasengasse. Fr* Pletzscb.^^SSter. I