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Neue jüdische Presse · 1915-03-26 · Heft 12 (26.3.1915) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 12 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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12. schon Sultan außer etracht, schastsx diese e Hilst «et. -beglich ieOtto- »elndeii nedleriringen 'tellurrg t und Ir die ben, ob ine'beanisierförder Schwieurellcn b aber nndrmg »rache merikagendm ht erwyork), Juden unten! en! »tchev c über Groo- : ohm xu Per- Leinen n, un m und us an. andern, mußte Leben tschloß» unter 1 Das fjotte, Erden. Nr. 12 Durch ein Wunder gelang es ihm> unbemerkt von den Soldatm in die Synagoge zu gelangen, tvo er alle Thora-Bncher zusankmenpackte, sie in ein Dachzinüner brachte imd selbst dort als Wache blieb. Drei Tage und Nächte verblieb er dort ohne Essen und Trinken,. bis die Lage sich geändert hatte und cs ihm möglich wurde, die heiligen Bücher untier* ehrt nach Warschau zu bringen." Die Bürgerkomitees und die Jude«. Warschau, 15. März. Die „Hazefirah" bringt folgende interessante Zahlen: .Insgesamt sind in Russisch-Polen augenblickich 71 Bürgerkomitees tätig. Davon sind in 62 Komitees die Juden garnicht vertreten, obwohl es sich um 'solche Plätze handelt, in welchen T>ie Juden mehr als die Hälfte der gesamten städtischen und etwa '13—14 Prozent der gesamten Bevölkerung des Gouvernements resp. des Kreises ausmachen. In den übrigen 19 Bürgerkomitees sind die Inden meistens durch ein oder Kvei Mitglieder vertreten; es sind jedoch Städte, wo die Juden 35—68 Prozent der Bevölkerung bilden. Bestrafte Baterlandstreue -er Juden. Wien, 20. März. Die russische Heeresleitung in Galizien hat folgende Verordnung erlassen: „Die .Erfahrungen des Krieges haben uns die ieindselige Stellung der jüdifchen Bevölkerung Polens, Galiziens und der Bukowina deutlich gezeigt. Das jedesmalige Berlafsen dieses oder jenes Rayons imd dessen Einnahme seitens unseres Gegners führt zu heftigen Maßregeln gegen die mit uns sympathisierende Bevölkerung, gegen welche die Juden , sowohl die Oesterreicher als auch die Reichsdeutschen anshetzen, Ilm die »ns ergebene Bevölkerung vor Grausamkeiten und unsere Truppen vor Spionage, welche letztere die Inden ans der ganzen Front ausüben, zu .beschirmen, hat der n. h. Armeekomma»dant durch einen Erlaß das Verbleiben der Juden tut Rayon der Armee und deren Eintritt im Rayon westlich der Stadt' Jaroslan verboten und zur Verhinderung eventueller Verleumdungen der jriedlichen, mit uns sympathisierenden Bevölkerung seilcns der Inden und zur etwaigen Aussindung von spionju.de» anbefohlen, Geiseln zn nehmen, ans welche die Strafe anferlegt wird: Todesstrafe .durch den sträng. Für jeden einer Strafe seitens der Oesterreichcr oder Reichsdeutschen unterworfenen friedlichen Bewohner und für jeden gefangenen Spionjuden werden zwei Geiseln zur Verantwortung gezogen. Diese Maßregel wird 'ausschließlich im Interesse der friedlichen, mit uns sympathisierenden Bevölkerung zu deren Schütz vor de» Aufhetzereien unseres Gegners auf dieselbe auf.Grund der Verleumdungen der Juden getroffen und erscheint als erztvungencs Resultat einer sechsmonatigen Geduld und der festen Uebcrzcugung von der Illoyalität und Grausamkeit der Juden der Ortsbevölkerung gegenüber." Ferner bestiichnt eine Verordnung des russisischen Generalgouverneurs Graf Bobrinski „angesichts der in der letzten Zeit erhöhten Spionage der Inden": 1. Personen jüdischer Nationalität ist der Eintritt in die Provinz Galizien untersagt. 2. Personen jüdischer Nationalität ist es untersagt, von einem Kreise Galiziens in den andern zu reisen. 3. Auf Zuwiderhandlungen, steht Geldstrafe bis zn 3000 Rubel oder Gefängnis bis drei Monate. lieber diese schurkischen Erlasse ein Wort der Kritik zu verlieren, ist überflüssig. Nur folgendes sei gesagt: auch diese Erlasse beweisen das längst Bekannte, daß. die österreichische Regierung im Osten nur in den Juden eine wirklich zuverlässige Bevölkerung hat, was an und für sich schon die Wut der Russen gegen die Juden erklärt. Es ist aber auch Beleg für die Verleumdungstätligkeit der „edlen" Polen. Tausende jüdische Menschenleben, die die russische Soldateska in Oesterreichisch- und in Russisch-Polen vernichtet hat, sind dem! Judenhaß, und dem wirtschaftlichen Kampf, den die Polen gegen die Juden führen, zuzuschreiben. Aus alter Wett. Deutsches Reich. Wiesbaden. Im Saale der Loge Plato sprach Geheimrat Profefsor Dr. Cohen- Berlin über Deutschtum und J udentum. Der groß, angelegte, beinahe ,2Vr St. dauernde Vortrag Frankfurter Israelitisches Familienbkatt. zeigte, wie sich der deutsche Idealismus mit dem Idealismus der altjüdischen Lehre deckt. Wenn auch manche Nebensächlichkeit zum Widerspruch reizte, wie z. B. die Behauptung, daß Abr. Geiger in Wiesbaden „zuerst" das Judentum als Weltreligion proklamierte, oder daß .der Philosoph Bergson als „Sohn eines polnischen Juden" gegen Deutschland sprach .(bekanntlich gehört Bergfon dem Judentum nicht mehr an und neigt dem Neukatholizismus zn), so war das Ganze doch sehr verdienstvoll. Im übrigen wäre es dringend erforderlich, daß auch von religiöspositiver Seite — gegenüber dem Cohen'schen Radicalismns — Stellung zu diesem Thema genommen werde! Rambani. Oesterreich-Ungar«. Wien. Die israelit. Kultusgemeinde hat eine e i g e n t ü m l i ch e B e k a n n t m a ch n n g erlassen. Sie macht nämlich darauf aufmerksam, daß sic die fo segensreiche Einrichtung eines Freitisches für Gymnasiasten und Studenten („Mensa Mademica") f n r die Dauer des P e s f achtest es anfhebt. Hoffentlich wird dieser Schildbürgerstreich einer „jüdischen" Gemeinde wieder rückgängig gemacht. Amerika. New.Pork. Ein neuer Gesetzentwurf, der dem Parlament des Staates New-Iork vorgclegt worden ist, fordert das Lesen von täglich zehn Bibelvcrsen in den öffentlichen Schulen. Der Entwurf hat unter den Juden lebhafte Erregung hervorgerufen, und es find mehrere große Protestverfammlungen im New-Porker Ostend veranstaltet worden. Der Entwurf hat die Empfehlung des Staatskomitecs für Erziehung, und. cs besteht .starke Aussicht, daß er angeiionimen wird. In diesem Falle werden an Gouverneur Whitman Petitionen gesandt werden, damit er dem Inkrafttreten des Gesetzes feine Unterschriften verweigere. Die Bibelverse würden nämlich in evangelischer oder in katholischer Auffassung gelesen werden, und nicht nur aus dem sogenannten alten, sondern auch aus dem neuen Testament. Elefctr. Licht-, Kraft-, Schellennnd Telefon-Anlagen. Tel. Tamms 4389. ff. Referenzen. Savlgnystrasse 51. Der Krieg und die deutsche« Juden. Frankfurt a. M. Dipl.-Jng. Max Opvenheim, Sohn der Frau Thekla Oppenheim Ww., Rossertstr. 11, erhielt das Eiserne K r e u z. Er ist leider im Osten gefallen. Frankfurt a.M. Stud. med. Fritz Weinberg Sohn der Frau Weinberg Wwe., Neuhausstr. 1, erhielt das Eiserne K r e n z. Berlin. Beim Jüd. Verlag erschienen dieser Tage „Kriegsbriefe deutscher nnd öftcrr. Jude n", auf welche bedeutsame Erscheinung an dieser Stelle hingewiesen sei. (Weiteres siehe Inserat in der heutigen Rümmer.) Berlin. Rabb. Dr. Rosenack in Bremen und Rabb. Dr. Sali L e v i in Bros l a n sind als Feldr a b b i n e r cinbernfen worden. Dr. R.. ein geborener Ungar, ist der „Deutschen Armee in Südungarn" überwiesen worden und hat sich über Breslau nach den Karpathen begeben. Dr. L. ist der X. Armee im Osten zngcteilt worden. Berlin. Die Pensions-Witwenu. Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche, die sich an der ersten Kriegsanleihe mit 100,000 Jf. beteiligt hat, hat auch auf die zweite Kriegsanleihe wiedermu 90,000 JL gezeichnet. Hamburg. Der 20jährige Leo -Mendel von hier, ein Urenkel Rabbiners Samson Raphael Hirsch s. A-, hat bereits 17 Schlachten mitgemacht- Jüngst unternahm er in den Argonnen einen äußerst gefahrvollen, dreistündigen Patronillengang und löste seine Aufgabe glänzend. Er hat jetzt das Eiserne Kreuz erhalten. Chemnitz. Auf dem Schlachtfelde fiel Offizier-Stellvertreter Rechtsanwalt Dr. L. Mühl selb er, Sohn des verstorbenen hiesige» Rabbiners. Er war einer der ersten, die das Eiserne Kreuz erwarben. München. Asfistenzarzt Dr. Karl Landauer erhielt das Eiserne Kreuz und den württembergischen F r i e d r i ch s o r d e n 2. Klasse. Crone a. d. Brahe. Offizier-Stellvertreter Arnold Brühl, ^Ritter des Eisernen Kreuzes, ist einige Tage vor der Beförderung zum Leutnant gefallen. (L.l Posen. Aus einem Feldpostbriefe des Gefreiten Max Hirsch, der sich aas dem russischen Kriegsschauplatz befindet: „Ich habe s i e b e n S e s c r t o r a h , die hier im Tempel ansbewahrt sind, vor dem Verbrennen gerettet. In der Synagoge waren russische Gesangenen, darunter ein Jude, untergebracht. Dieser bemerkte, wie die Gesangenen beim Feueranmachen im Ofen neben anderen Gegenständen auch dir Sesertorah mitbenutzen wollten. Zufällig ging ein jüdischer Zivilist vorüber, und jüdische, russische Gefangene machte ihn ans das Vorhaben aufmerksam. Der Zivilist kam zn mir. Ohne weiteres ging ich zum wachhabenden Offizier; der zeigte sich sofort bereit, mir behilflich zn sein und freute sich, daß ich für die Nettung des heiligen Gegenstandes so eifrig eingetreten bin. Er schickte einen Mann mit, den Befehl ausrichtend, daß Ich alles ans dem Gotteshause nehmen könne, was ich für richtig finde. Es kamen ünehrere Juden zusammen, und genieinsam Krügen wir alles aus dem Tempel heraus, was die russischen Soldateska sonst vernichtet hätte. Die ■ jüdischen Bewohner des Ortes bedankten sich bei mir mit vielen Segenswünschen." Seite 3. Wie«. Rittmeister Maier Freiherr v. Rothschild erhielt das .Signum laudis am Bande des Militärverdien st kreuze» und der erst' 24 jährige Oberarzt Dr. BiktvrGärtne r aus Eperjes das Goldene Verdienst kreuz am Bande der Tapserkeits medaille. Krakau. Wie die Russen in der Gegend vouStanislanhausten, darüber liegt folgender Bericht vor: Der größte Teil der 5000 jüdische Seelen zählenden Stadt Nadworna liegt in Trümmern. Die Bevölkerung haust in Baracken, ähnlich wie in dem 3600 jüdische Seelen zählenden D c l a t y n, welche Stadt die Russen gleichfalls fast vernichtet haben. In S » l o t w i n a wurden die Häuser am Ringplatze — meist von Juden bewohnt — cingeäschert. Auch in Botworodczany, das 5000 jüdische Einwohner hatte, sind die Häuser meist eingcäschert. S t a n i s l a u selbst ist von Verwüstungen ziemlich verschont gehlieben. 2k. Wler©, Optiker, Liebfrauenstr. 1. Brilleny PIncenez, Operngläser, Feldstecher» in jeder opt-mechan. Spielwaren f Preislage Eisenbahnen. Dampfmaschinen, laterna-Magica, Kintmafoaraphan etcfeniffefon. Die Verjagten. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) Der alte Grünbnrg war so unendlich gewissenhaft, das seinem Freunde abgegebene Versprechen zn erfüllen, daß er sich noch am Morgen seiner HeimkehriBeimo holen ließ, ihm gutgemeinte und, wie wir nur gleich hinzufngen wollen, auch nicht unverdiente Vorwürfe machte. „Wozu sitzen Sie noch hier?!" schloß er ärgerlich seine Strafpredigt; „warum kehren Sie nicht nach Deutschland zur Beendigung Ihrer Studien zurück? Verfügen Sie über mich, über jede Summe, welche Sie bedürfen." „Sie legen mir eine höchst unverdiente, politische Bedeutung bei", lachte Benno spöttisch. „Welche Beweise hat man wohl für meine staatsgefährlicheil Umtriebe?" „Belveise!" rief Grünbnrg. Er laugte von seinem Schreibtisch ein aufgeschlagcnes Buch herbei und deutete mit dem Finger auf eine Stelle. „Lesen Sie, ja lesen Sie nur, es ist „Kohelet", ein sehr gutes Buch, das Ihr überstudiertes junges Volk der Neuzeit freilich das ganze Jahr nicht ansehct. Lesen Sic: „Auch in Deinen! Innern fluche keinem König... denn der Vogel des .Himmels möchte Deine Stimme hinwegführen." Grünburg schlug das Buch zn und sprach: „Beweise! Mein lieber Junge, wenn man Ihnen erst Beweise bringen wird, wird Ihre Sache bereits ganz verloren sein. Also Freundchen, bereiten Sie Ihrem Vater kein Herzeleid, und machen Sic sich fort von hier, je weiter, je besser!" Benno ging ziemlich niedergeschlagen hinweg. Vor allein wollte er zn Kalagiceanu, ihn warnen, sich von ihm Rat einholen. Vor Grünburgs Haustür traf er einen Wagen, ans dessen Fond Kalagiceanu und Claudia ihn lächelnd heranwinkten. „Wohin? wohin?", fragte er, da er mit in den Wagen sprang. „Nach dem deutschen Theater", befahl Kalagiceanu. Claudia berichtete sofort: „Die kleiiie Golde befindet sich einen Schein wohler heute. Diesen günstigen Umstand benützte Ihr Bruder, um Helsia an die vernachlässigten Vorbereitungen zum Feste des Fürsten zn erinnern." „Salomon ist ein Barbar", schalt Benno. „Er muß es sein", erwiderte Kalagiceanu ernst. „Jetzt die Feier unterlassen, dünkt mir geradezu gefährlich. Er würde schnell genug oben verdächtigt scheinen, und nicht nur sich allein, alle Beteiligten zöge er mit hinein." „Soweit mein Können ansreicht, spiele ich gern ein wenig artistische Leiterin, Helsia zu entlasten", sprach Claudia sanft. „Ein wenig", rief Kalagiceanu, „gestehen Sie, daß Sie den ganzen Vormittag unter einem Berg von Kommissionen, Besuchern, Reklamationen, Borwürfen der halben Stadt geseufzt haben, und wenn Ihnen Frau Helsia nicht meine Begleitung aufgezwungen hätte?". . . „Dann freilich würde ich bereits unter der Geschäftslast erstickt sein", lachte Claudia. „Aber da sind

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