Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 12 (26.3.1915)
- Date
- 1915-03-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Frankfurter Israelitisches FmrnlienAatt. Nr. 12. aus Holz und Stein, und ihre Verirrung ward schließlich so groß, daß sie rächt mehr zu unterscheit«n wußte zwischen Gut und Böse, zwischen Mcht und Unrecht, zwischen -Schön und Häßlich. Da gereute es den Herrn ob des Menschen, den ek auf Erden geschaffen, und er tilgte den Menschen hinweg von dem ErWoderr; Menschen und Vieh, Gewürm und Vögel des Himmels. Denn äur des Menschen willen, dä Menschen im Ebenbilde Gottes, nur seinethalben, Phm^um Nützen, wurden die Tiere allesanrt MchäMn. Die Menschheit ward vernichtet. Nur der gerchhte Noah,' seine Familie und eine AlHahl Tiere hatten Gnade in den Augen des Herrn gefunden- Es entstand ein neues Geschlecht; allein auch die neue Menschheit ward nicht viel besser als die vorhergehende. Nur.Abraham erkannte Gott, übte Recht und Gerechtigkeit und schloß mit Gott einen ewigen Bund für sich und seine Nachkommen, in seinen Wegen zu wandeln, um Recht und. Gerechtigkeit znüben. Doch Gott ließjetzt die verdüble Menschheit gewähren^ da „der Trieb des Menschenheizens bös ist von seiner frühesten Kindheit auf". — Damit sich aber die Menschheit bessere, bedurfte es erst einer Offenbarung des Schöpfers, um die Menschen zu belehren, was eigentlich Gut ürrd Böse, Recht und Unrecht sei'; und Gott holte seine Thora von seinem Throne und wandelte mit ihr von Volk zu Volk. .Denn es war sein Wille, daß alle Völker im gleichen Maße feer Lehre teilhastig werden sollten, um sie zur Göttlichkeit, zum MenschtuM im Ebenbildc Gottes MÄchuführen;*) ällmn niemand wollte sie in Empfang nehmen, die Völler waren zu tief gesunken, um die Thora verstehen zu können'; die göttliche Lchre widersprach ihrem Wesen und ihrer sündhaften' Natur. Nur ein einziges Volk, dessen Ahnen bereits mit Gott einen ewigen Bund geschlossen, hatten, das.Volk Israel, dessen Sitten und Gebräuche schon von altersher zumeist mit den Geboten der göttlichen Lehre übereinstimmten, erklärte sich bereit, sie zu empfangen und alle ihre Verbote und Gebote — 613 an Zahl — zu beobachten. Gott offenbarte daraufhin am Sinai seine Thora, Israel nahm die Lehre durch Moses, den Propheten Gottes, in Empfang, und es war so zum Helligen — „am kodosch" — zum auserwählten Wolke geworden, das, wie zu Beginn der Schöpfung die ganze Menschhüt, im Ebenbild Gottes als höher geartetes Wesen auf Erden wandelt. Und 8a es ein'engeres, besonderes Band mit Gott verbindet, «cfteute es jederzell sich des besonderen persönlichen Schutzes Gottes, während Me anderen Völttr, die nur sieben Gebote zu beobachten haben, nnt Ausnahme der Frommen unter ihnen — genannt - chasidei umot hoolam — nur unter dem Schutz der Sphären stehen.**) So kommt es, daß, nÄhrend Me änderen Böller, nur unter normalen Verhältnissen, nur auf der eigenen Scholle leben können, Israel auch unter noch so furchtbaren abnormen Berhättuiffeu zu existieren vermag. Doch Israel vergaß biswellen seines Schöpfers, und Lo ward es zur Strafe und zur Läuterung aus dem Lande seiner Verhüßnng, dem Erbgute, das von Gott seinen ÄHnen gegeben wurde, vertrieben, bis das Maß seiner Lewen voll geworden und die Stunde seiner Erlösung geschlagen haben wird; dann wird seine Rückkehr nach dem gelobten Lande seiner Väter, wo. die Herrlichkett Gottes, die „schechinoh" ruht, erfolgen und die große herrliche Zukunft Israels wird beginnen. Und die Völker? Auch die Völker, die „lifne hadibur" (vor der Offenbarung Gottes am Sinai) tief gesunken waren, werden „leachar fjabiBur" (nach der Offenbarung) durch das Licht der Thora, das ihnen — wenn auch nur halb undin ganz «nderen Farben ... — zugeführt wird, dem Ebenbllde Gottes näher kommen, auch die Völker werden am Ende der Tage aus langer, schwerer Verirrung erwachen, auch ihnen wird das göttliche Licht sich in seinemganzenundwirklichen Münze offenbaren, und sie werden erkennen, wie sie geirrt hatten, und daß sie ihrem Urbilde, dem *) Siche Mechilto Abschnitt „Wajika" und JaKut Thora, auch Tanchümo .Mmridbor." **) So die Ansicht Philos und die der meisten andern jüdischen Philosophen. Ebenbllde Gottes, entrückt waren; und sie werden sich auftnachen und zu einander sagen: „Auf, wir wollen ziehen zum Tempelberge des Herrn, zum Hause des Gottes Jacob, daß er uns seine Wege lehre und wir aus seinen Pfaden wandeln, denn von. Zion geht die wahre Lehre aus und das Gotteswort von Jerusalem:" „Gott wird alsdann richten zwischen den Nationen und zurechtweisen die vielen Völker. Dann werden sie um-, schmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebcnmessern." „Eine Natton wird nicht fürder das Schwert erhchen gegen die andere, und sie werden nicht mehr das Kriegftrhren lernen." Also dem Volle Israel wie der gesamten Menschheit winkt eine glänzende Zukunft; denn Wesen, deren Ursprung das Ebenbild Gottes war, ^können imd dürfen nicht elend zu Grunde gehen, „die Menschen,- die iwch auch nur Fleisch uttfe Blut sind, deren Trieb bös ist von ihrer Jugend", können wohl eine Zeit lang irren, aber schließlich müssen sie zur .Besinnung gelangen, zur höheren, menschlichen Stufe zurück kehren — zur Ursprungsstufe, zum Menschen im Ebenbllde Gottes! So gestattet sich das Werden Israels und der Lauf seiner Geschichte in Vergangenheit und Zukunft, so auch das Werden der Menschheit in Vergangenheit und Zukunft, im Lichte desjüdischen Schrifttums! Mein nur das Gesamtbild und auch dieses nur in -kurzen knappen Strichen haben" wir gezeichnet; im folgenden wird dieses Bild im einIÄnen, sorgfältiger, eingehender ausgeführt, woraus sich uns erst volle Klarheit über die Stellung 'der Fremden jrn Judentum ergibt. ÄeÄsistfS s s rg S g £5£ 64 5 5 5*5 a ä ■e j »Ol ► s 04 BÄ 0 ® S . «LTi* O fcE“ gQ CO 8? tz «ea fc £ gj &S «bS 9 o Deutsche Weltpolitik und türkische Entwicklung. In dem vom Kartell Jüdischer Verbindungen zu Gunsten des roten Halbmondes veranstaltüen Vortragszyklus im Preuß Abgeordnetenhaus sprach am 17.. März Dr. Ernst Jaeckh über „Deutsche Weltpolitik und türkische Entwicklung." Der türkische Orient trägt keineswegs den Keim des Unterganges in sich. Allerdings haben sich die Machte des Dreiverbandes systematisch bemüht, die Türkei der Auslösung zuzutreiben, weil sie sehr wohl sahen, daß eine starke türkische Entwicklung mit der Stärkung der deutschen Weltmachtstellung und die deutsche Weltmachtstellung mit der türkischen Entwicklung eng verknüpft seien. Der Niedergang Vorderasiens, der durch dessen Herausdrängung aus der Weltstraße Mischen dem Orient und dem Okzident und' die jahrzehntelang getriebene Polttik der europäischen.Mächte verschuldet sei, werde nach der siegreichen Beendigung des Krieges durch systemattsch« Arbeit in sein Gegenteil verwandelt werden muffen. Die erste Vorbedingung für ein wirtschaftliches.Aufleben des türkischen Orients hat die Beseitigung der KapitulMonen schaffen müssen. Die zweite unerläßliche Voraussetzung eures wirtschaftlichen Aufschwunges ist die Durchführung einer großzügigen Agrar- Refornr. . Das wichtigste aber ist, daß die Türkei für eine erfolgreiche. Friedensarbeit das richtige Menschenmaterial bekommt, das die Durchführung reicher Kutturarbett ermöglicht und die Entfaltung der inneren Kräfte des Orients verbürgt. Die von den Franzosen und Engländern in ihren Kolonien angewendeten Aufschließungsmethoden, die zu einer oberflächlichen kapitalistischen Ausbeutung des Landes und damtt zu einer dauernden Mederhaltung seiner Bevölkerung führen, dürfen nicht angewendet werden, well es dem mit der Türkei verbündeten Deutschland an ihrer wirllichen inneren Kräftigung gelegen ist. Im Zusammenhang mit der Frage des Menschenmaterials erörterte der Redner, daß eine Besiedelung der Türkei durch deutsche Kolonisten nicht anzuempfehlen sei, wie es schon Generalfeldmarschall von der Goltz dem Sultan Abdul Ha Mid erllärte. Darum Kimmen außer den Armeniern hauptsächlich, die Juden in Betracht, die schon bisher reichen Anteil an der Wirtschaftsentwicklung der Türkei genommen haben. Me Türkei kann in der Arbeit des für diese Ziele organisierten Judentums eine wertvolle Hilst finden. Me Voraussetzung einer dauernden - Verwendung des jüdischen Elements als Bindeglied Mischen Orient und OMdent ist natürlich dieOttomanisierung der sich in Vorderasien ansiedelndeii Inden. Die Türkei braucht ein zahlreiches Siedlerelement für Vorderasien, und die Juden bringen besondere Qualitäten mit, die für die Herstellung eines neuen Verhältnisses zwischen Orient und Okzident entscheidend werden können. Für die deutsche Weltpolitik wirdsich die Frage ergeben, od und nach welchen Richtungen hin für sie eine'bewußte Arbeit mit dem für diese Ziele orgarttsierteu. Judentum auch auf anderen Gebieten förderlich werden kann. . Zum Schlüsse erörterte der Redner die Schwierigkeiten, die der wirtschaftlichen und kulturellen EntfMung des Orients eNtgegenstehen, gab aber der Hoffnung Ausdruck, daß ihre Ueberwindung mit Hilfe deutscher Gewissenhaftigkeit und Energie gelingen werde. Ei« Kriegsgericht in jiddischer Sprache «der England Die Stimmungen und Neigungen der amerikanischen Juden spiegeln sich wieder in folgendein köstlichen Gedicht von I. Jaffe. Das Gedicht erschien in der Zeitung „Die Wahrheit" (Newyork), einem der Verbreitesten Organe der östlichen Juden Amerikas: . Zwiegespräch. Kommt der Daitsch Ml angeschwommen, Tief von unten, tief von unten! Sentt ein paar von John BMs Schiffen Zu den Gründen, zu den Gründen! ' Sagt der Daitsch zum Engelländer: Paß auf unten, paß. auf unten! Sonst liegt bald dein ganze Flotte. Auf den Gründen, auf den Gründen! Kuckt der lluge Engclländer bald nach unten! Hebt der Daitsch sich, auf zum Himmel, Auf den Zeppelins und Toben, Und er schickt sein Flamm und Feier,. Auf den Engclländer von oben! Sagt der Daitsch zum Engelländer: Paß auf oben, paß auf oben! Sonst zerstören dich ganz sicher Meine Zeppelins und Toben! Kuckt der lluge Engelländer bald nach oben! Nur so weiter in dem Kriege, Bis zum letzten großen Siege! . > Vertreibung derJuden aus dem Städtche« Erodztsk Jin Petersburger „Raßwjet" lesen wir über den Exodus der Inden aus dem Städtchen Groözisk (Russisch-Polen): * „Me Trommel erschallt, und wir alle ohm Ausnahme erhalten den Befehl, die Stadt zu berlassen. Es erhob sich ein Klagen und Weinen wir verließen unsere' Läden und Wohnungen, un mit den Kindern auf dem Arm, mit Kranken und Greisen, treten wir unseren traurigen Exodus an. Wir mußten durch Schmutz und Sümpfe wandern, unter strömendem Regen. Möglichst schnell mußte die Stadt verlassen werden, wenn wir unser Leben retten wollten. ... Und doch fand sich einer, der sich entschloß die Frau und Kinder allein zu lassen, um unter Lebensgefahr zurück in die Stadt zu kehren. Das war der alte Synagogendiener, feer Angst hatte, daß die heiligen Thora-Bücher entweiht würden. Nr. Durch den S alle Ti zimMe Mei 5 und 2 cs ihi 'ehrt Die 2 Zahler Ä lich 7: Könnt es fid Juden und t "mg iitacher die Ir vertrel 38—6 Nest s Lien 1 tr ieiuöfel Galizie Do und d za Hefts Bcuölke reicher uns ei irre D auf dc o. h. bleiben Eintrit und z iriedlicl Icns i Tpionj die S Ztrang Fü oder N »ad f Geiseln Di friedliö deren < dieselbe troffen scchsmr der II bcvölke 2 sischen gesicht nage 1. in die 2. sagt, t reisen. 3. 3000 g Wort folgen das l rung lich z an m die I die ja Pole russiscl Russist und! gegen W> heimra Der gi