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Neue jüdische Presse · 1915-03-19 · Heft 11 (19.3.1915) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 11 (19.3.1915)
Date
1915-03-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ar 11. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. £tite 5 Ebenso ist es ein Gebot, daß jeder Kriegsteilnehmer ^ünter" seiüen Äaffen ein. Stöckchen hängen! habe) damit er auf dem dazu bestimmten Platz damit die Erde äufgrabe und den Auswurf Nach Verrichtung der Bedürfnisse damit zudecke., . . r ,';; Für den Krieg: wurde ein besonderer Hohepriester ^geweiht". Dieser .hätte hie Verpflichtung, zweimal zum Kciegsvolke zu reden. Vor dem Ausmarsche citierte er das biblische Wort: ,Mer eine Frau jüngst geehelicht, ein Haus gebaut und noch nicht bezogen oder einen Weingarten gepflanzt und die Früchte noch nicht genossen, der bleibe fern dem Kriege." Ebenso wer zu schwach oder furchtsam. Zum Schluß mag noch etwas Aber die Psychohygiene im Kriege kurz mitgeteilt werden. Sobald alle Untauglichen und Furchtsamen zur Rückkehr ermahnt waren, Wurden die Reihen formiert, Heerführer ernannt und hinter den einzelnen Rotten handfeste kühne Aufseher hinpostiert, welche, mit eisernen Keulen ausgerüstet, jeden Feigling niederhauen dursten. . . (Tractat Sötah. Jbid): „Denn Flucht ist der Anfang der Niederlage!" (Jbid.). „Sobald jemand ins Kriegsheer eingetreten, darf er nicht sorgen, sondern soll Gottvertrauen hegen; er darf nicht zagen oder gar an seine Frau und Kinder zu Hause denken, sondern er lösche für die Kriegszeit ihr Gedächtnis aus seinem Herzen! Demi jeder, welcher sich mit unnützen Gedanken während des Krieges quält, Übertritt das Gebot: „Ihr sollt nicht zagen und weichherzig sein" (Deuteron. Jbid). Ja sogar das unnütz vergossene Blut wird ihm zur Last gelegt. Denn wer nicht ernst und mit Einsetzung aller Kraft an den Sieg denkt, der ist einem Mörder vergleichbar, denn er „tut Gottes Werk nicht redlich, verflucht sei er, er weigert sich, sein gerechtes Schwert in das Blut (des Feindes) zü tauchen; verdammt sei er" (Jeremias. XLVIII. 10) ... Der Sieg des Rechtes und deriSultur. Betrachtung zu Pessach. Von Dr, med. Ratner, Arzt zu Wiesbaden. „Es erstand ei» neuer König in Aegypten, welcher Joseph nicht kannte", so erzählt die Bibel. Unsere Weisen erklären es dahin, daß er ihn nicht kennen wollte, d. h. absichtlich die großen' Verdienste Josephs um Aegyptens Wohlfahrt ignorierte. Joseph hatte Aegypten vor Aushungerung bewahrt, indem er, wie es jetzt Deutschlands, große Staatsmänner in ihrer Weisheit tun, einer Gctreidenot verbeugte. Er ließ alle Getreidevorrätc in den Bahren des Ueberslusfes verstaatlichen, um sic in den ungersjahren gerecht unter das Volk zu verteilen. Pharo hatte ihn ja wegen dieses einzig dastehenden Rates „einen göttlichen Menschen" genannt, „den weisesten, vernünftigsten"! Pharo selbst hieß ihn, seine ganze Sippe nach Aegypten kommen zu lassen, wo ihnen „das ganze Land zur ÄUsiedelnng frei stehen sollte"! Und nun trachtete sein Nachfolger, die-Nachkommen 'dieses 'Joseph , äüszrüwtteu! Er fürchtete ihre Vermehrung. Alle jüdische Knaben, befahl er den Hebammen, im Ml zu ertränken. . . Alle Erwachsenen ließ er bis zur Erschöpfung Frohndienste tun! Körperlich und geistig sollten'die Inden verkommen: ,>Und sie (die Israeliten) konnten Moses nicht glauben wegen ihrer geistigen Beschränkung und des schweren Frohndienstes", lesen wir in Exod. VI. 9. Damit war die ägyptische Sklaverei genügend charakterisiert. Nicht nur körperlich übermäßig, ja unmenschlich wurden die Israeliten von den Epigonen Pharaos ausgebeutet, sondern auch geistig wurden sie vergewaltigt, daß geistige Stumpfheit an Stelle ihres sonst Hellen Verstandes getreten war! Sie hatten eine hochstehende geistige Kultur, das Erbe der großen .Erzväter» nach Aegypten mitgebracht, wo geistige Finsternis, Aberglauben, Priester- und Zauberschwindcl herrschte. Und dafiir wurden sie gefürchtet und gehaßt. Spiegelt dies nicht die ganze Tragik der jüdischen Geschichte bis in die Neuzeit hinein wieder? Die Träger der Thorah, die Hüter der Psalmen, die Vertreter der göttlichen Moral, verfolgt und gehetzt! Aber der Gott der Gerechtigkeit schläft nicht! Er hat sie, die, wie unsere Weisen im Midrasch erklären, trotz aller Bedrängnis und Mühsal die hohe jüdische Sittlichkeit bewahrten, erlöst durch Wunder. . . Wer kennt dieses Wunder nicht? Wessen Herz jauchzt nicht auf, wenn er das Siegeslied „Os Joschir" vorträgt? ... Ist das nicht zugleich ein Sieg des Rechts und der Kultur über Despotismus und Dummheit? Soll cs nicht auch ein Wahrzeichen für unsere große Zeit sein: „Gott ist ein Feldherr! Er läßt nur den Gerechten, den geistig Hochstehenden siegen". Er wird cs auch in unserer Zeit sein! Das Jüdisch-NationaleH'alS Erlösuugsmittel Betrachtung zu Pessach. Bon Dr. med. Ratner, Arzt zu Wiesbaden. „Wegen drei Dinge sind die Kinder Israel aus der ägyptischen Sklaverei erlöst worden und werden dereinst erlöst werden: weil sie nicht äderten ihre Namen, ihre Sprache und ihre Tracht", so heißt es in Midrafch- Rabbah. Letzteres ist nicht wörtlich, sondern bildlich zu nehmen. In Parschath Tezawch erklärt „Maldini" und führt im Namen des „Badraschi" eine herrliche psychologische Betrachtung an, daß „Begeh" sich auch auf die „Midöth" (die Sitte, Sittlichkeit) beziehe. Singt doch der redegewaltige Jesaias: „Ein Kleid der Gerechtigkeit umhüllt mich"! Also die Juden in Aegypten bewahrten die alt-jüdische Sitte der Keuschheit und Herzensreinheit trotz aller Drangsal und Knechtung. Sie assimilierten sich nicht, nahmen nicht den ägyptischen Götzenknltus an, den Priester- und. Zaubererschwindel, sondern blieben treu den Traditionen Abrahams, Isaaks und Jakobs, — und dafür habe» sic die Erlösung verdient.— Nur in der Bewahrung der nationalen Eigenart wurzelt die Kraft eines Volkes. Deatsoho NattoQal-Blisohans Hb. 3.90. China-Qruatee Mk. 2.20»! Ceyl. Or. Peko-Kischong Hk. 4^0. Peko Soncbg.-3püzen Uk2*7(k B Kakao Soma Mk. 2,40, 3.—. I Kunst und Literatur. E l e m e n t e d e r K a b b a l a h. 2. Teil: Praktische Kabbalah. Bon Dr. Erich Bischofs. 229 Seite» und Abbildungen 6 Ji, geb. 7.50 Berlin \V 30, Hermann Barsdorf. „Und mag dem Neider sei» Herz zerbrechen: dennoch bin ich der erste gewesen," — so darf ich mit Johannes Reuchlin sagen, der das stolze Wort den wissen-- schaftlichen Gegnern und Berkleinerern seiner hebräischen Grammatik an den Kopf warf. Auch ich bin mit der kurzen Skizze meiner ,Läbbalah" von 1903 und mit der ausführlicheren Darstellung in diesem Schlußteile meiner „Elemente" der erste gewesen, der eine gemeinverständliche Einführung in das große, unbekannte und schwierige Gebiet der praktischen Kabbalah versucht hat." „Mein Vorhaben ist, zu zeigen, daß auch die „praktische Kabbalah" kein Sammelsurium phantastischen Unsinns ist, sondern, daß vielmehr in ihren scheinbar „abstrusen" Einzelbestandteilen und Eigentümlichkeiten ein vielfach ungeahnt tiefer Sinn verborgen liegt. Um diesen zu erkennen, müssen wir freilich uns bemühen, „orientalisch umdenken" zu lernen.'. . Der orientalische Denkmachenismus ist von unserem abendländischen nicht nur dem Grade, sondern der ganzen Art' nach wesentlich verschieden! Wer diesen tiefgehenden Unterschied ingnoriert, der gleicht einem Musikbauauseu, der da wähnt, seit Olims Zeiten habe alle Welt nach unserer „zweiseitigen Tonleiter" mit ihrer Tonfolge musiziert..." „Man mag über die kabbalistische Ethik und ihre metaphysische Begründung denken, wie man will: Das muß man rückhaltlos zugeben, daß keine andere einen solchen unablässigen und energischen, begeisternden und überzeugenden, ich möchte fast sagen: grandiosen Antrieb zu — Drexel-Licbt8piele Gr. Frledbergerstr. 20 Das grösste und bedeutendste Sittendrama der Gegenwart. In den Hauptrollen die bedeutendsten nordischen Schauspieler und Schauspielerinnen. Ausserdem das hervorragende Elite-Programm und die neuesten Aufnahmon vom Kriegssohaupiatx Im Oaton und Woatanm —Jtrcnen~Srogerievon Geyer cfc Müller Kronprinzenstr. 33 Frankfurt a. ffl. Elbestr. 13. 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