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Neue jüdische Presse · 1915-03-19 · Heft 11 (19.3.1915) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 11 (19.3.1915)
Date
1915-03-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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tl Nr. 11 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. rten ung. ein »runst niunt ttneit, der jüdiseine ngnis »chen. :istes- N0zÜ, »t im Eröfität rund, :dcuti ist, wird des der nieder I i a - des unter ropas und estim- >as in n im einzig ntali- Zolk. der inoere zur ensch- »eltge- Kitteb lbend- :»oeseu ist, ische. alleil l auf rgleich angen w sich menauch muten nf der :n den n bc haben, er in kaum Leben Mag Irdischif, ein - Zw bodcn. ^anisaiedern Die -et, in Soliauch >i auf ttee. mrdeu >0,000 ldfirr rg der Geld -Havsmrg in Verbindung mit dem Hilfsverein der deutchen J'uden und anderen jüdischen Organisationen ur Verteilung bringen. Ein weiterer Gegenstand der Beratungen betraf die Ausrüstung eines Lebcnsmiittel-Schiffes irr Palästina. Bei dem Mangel an Schiffen dürste cs sehr schwer sein, ein Schiff zu erhalten. Sobald ein geeignetes Schiff gemietet ist, wird sofort unter der amerikanischen Judenheit eine große Agitation entfaltet werden, die Lebensnüttel zu chenken. * Soeben hat die Regierung der Ver. Staaten den Befehl erteilt, daß, das Kohlenschiff Vulkan eine Fracht Nahrungsmittel für das Amerikanische Jüdische Hilfskomitee mit nach Palästina nimmt. Großbritannien. London. Der größte Teil der Mutwerpener Juden ist bekanntlich nach hier verschlagen, worden. Wie leben diese Leute nun? Sehr traurig, denn, einst Diamantschleifer und -Händler, sind sie jetzt glücklich, bei lö stiindiger Arbeitszeit hinter einer Schneidermaschine ein Hungerbrot zu verdienen. m moderne Vorhang- und Möbelstoffe, TIscbn. Divandecken etc. Carl Biscltoff 19 Neue Mainzerstrasee 19 am Schanspielhans. Der Krieg rmd die deutsche« Juden. Berlin. Rechtsanwalt Dr. Willy Gotthelf wurde zum Rittmeister befördert. Berlin. Der Verband der Drutschen Ind en versendet wie zu Chanuka auch zum bevorstehenden P e s - sach eine kleine Druckschrift als „Gruß an die jüdischen Soldaten im deutschen Heer". Die Schrift enthält eine dem Fest entsprechende Zusammenstellung von biblischen und Hagada-Stellen und Psalmen, sowie eine Predigt von Rabbiner Dr. Cohn- Bonn. Sie wird vom Berbande an die jüdischen Feldgeistlichen zur Verteilung unter die Mannschaften ihres Bereichs versandt, sowie nach Möglichkeit auch anderweitig an jüdische Soldaten im Felde übermittelt. — Gemeinden oder sonstige jüdische Organisationen, die die Druckschrift jüdischen Soldaten im Felde oder in Garnisonen oder Lazaretten zukonrmen lassen Ivollen, erhalten auf Wunsch Exemplare vom Bureau des Verbandes, Berlin W. 35, Potsdamerstraße 45. Der Verband hat außerdem eine hebräische Hagada an die Feldrabbinen zur Verteilung an diejenigen Soldaten versandt, die den hebräischen Text verwenden möchten und nicht etwa von anderer Seite ins Feld gesandt erhalten haben. Die Feldrabbinen aller Armeen haben dem Berbande mitgeteilt, daß sie nach Möglichkeit für die 'Abhaltung von Seder-Abenden in den Truppenteilen ihrer Armee sorgen wollen. —. Köln. Fritz Branden st ein und Alfred Tietz sind zu L c u t e n a n t s befördert worden. Breslau. Offizierstellvertreter Fabrikant Alfred Cohn, Reisender S i e g f r. R u ß und Oberarzt Dr. Isidor Sanddowsky erhielten das Eiserne Kreuz. Nürnberg. Julius Berlin, Julius Bernstiel, Max Hecht, Oberleutnant Willy Berlin erhielten das Eiserne Kreuz. — Die Stabsärzte Dr. Siegfr. Blach stci n-Kissingen Dr. F r i e d r. L e w y - Hof und Dr. P a u l R o s e n t h a l - Hof m>nd der Oberarzt Dr. H c r m. G u n z e n h ä u s e r - Kaiserslautern erhielten das E i s c r n c K r e u z und Feldwebelleutnant Max Cramer-Speyer und Oberapotheker Max M a n d e l b a u m - Würzburg das bayer. M i l iv c r d i e n st k r e u z 1. Klasse mit Krone und Schwertern. Mannheim. Rechtsanwalt Dr. I e s e l s o h n ist zum Leutnant befördert worden. Cafe Kaisepgapfen am Opernplatz Erstklassiges Famillen-Cafe Nachmittags Konzerte. fr. Hanselmann, Besitzer. Personalien n. Kleine Mitteilnngen. Berlin. Die Sanitätsräte Dr. Michael Lasier und Dr. Otto Wiesenthal wurden zu Geheimen Sanitätsräten und Dr. med. Felix Pinkns wurde zum Professor ernannt. (L.) Posen. Im Verband der Saübatfreunde Ortsgruppe Posen, sprach Rabbiner Dr. Silberberg über: „Die soziale und ethische Bedeutung des S a b b a t h ". Er führte u. a. aus: Ein Judentum ohne Sabbath sei ebenso undenkbar wie ein Sabbath ohne Judentum. Er sei das Bekenntnis des Juden, daß er alle Kraft und Fähigkeit, mit welcher er sein Wochenwerk vollbringe, einzig und allein dem Schöpfer verdanke. Am, Sabbath lege der Jude durch Arbcitscnthaltung die Schöpfung dem Schöpfer huldigend zu Füßen. Schon durch diesen Gedanken wirkt der Sabbäth in sozialer Hinsicht ausgleichend und schütze vor Ueberhebnng und Stolz. — In ethischer Hinsicht kiiudct der Sabbath die Freiheit von den Erdenplagen der Werktage; er gibt dem Juden eine „neue Seele". (0.) Posen. Hier verschied Frau Henriette P l a c z c k Mutter des Stadtverordnetenvorstchers Justizrat P., und in S ch r i m m Kaufmann Pcritz W o l f f, Repräsentant der jüd. Gemeinde. — In der Generalversammlung des seit 68 Jahren bestehenden Vereins „ A n s ch e i C h e s e d " gedachte der Vorsitzende, Max Ehrenwert, der im Berichtsjahre verstorbenen Mitglieder Isidor Gabriel, Louis Glaser, Theodor Rosenbaum, Wilhelm Schwarz und Frau Ryczywol. Er erstattete sodann Bericht. Die Vereinsärzte wurden in 250 Fällen in Anspruch genommen, und die Frauen der im Felde stehenden Mitglieder wurden, soweit nötig, nach Kräften unterstützt. Wien. Hier starben: Flora Fall, Mutter des Komponisten Leo Fall, Leopold v. Lieben, Vizegouverueur der Oesterr.-Ungar. Bank, Berthold v. Weiß, früherer Präsident der Lloydgesellschaft und bekannt als Politiker. London. Lord Primrose, der neue Staatssekretär des Aeßeren, ist als Sohn des Lord Roseberry ein Enkel Nathaniel Rothschilds. Trotzdem er als Christ erzogen worden ist, betrachtet er sich als Angehöriger des jüdischen Volkes. In seinen Parlamentsreden braucht er häufig die Worte ,Mir Juden". > London. In der „Daily Mail" beklagt sich ein Engländer, daß er auf der Straße von einem eleganten Herrn mit der Bemerkung angerempelt wurde: Du schmutziger verdammter Jude, Jude, Jude", und schreibt dazu: „Hätte ich mich umgewandt und dem Mann eins versetzt, wäre es mir vor der Menge schlecht gegangen. Es ist bedauernswert, daß man nicht unbelästigt durch die Straßen gehen kann. Und dabei bin ich gar kein Jude, ich habe nur das Aussehen eines Juden. Meine Eltern waren Italiener. Aber selbst, wenn ich Jude wäre, so gibt das doch niemanden das Recht, mich zu insultieren. Es ist nicht das erste Mal, daß es mir so ergangen ist. Es scheint fast, daß diese Menschen glauben, die Briten kämpfen gegen die Juden." MoSka«. Der jüngst hier verstorbene M Gurland hinterließ 3 0 0,0 0 0 R u b e l an W o h l t ä t i g k e i t s v e re i n e. Warschau. Zwischen den nach hier und Grodsisk geflüchteten Juden befindet sich eine Frau von 140 Jach reu. Die „Boruch Josselte" ruft man sie. Sie ist die Grodsisker Hebamme gewesen und rühmt sich deshalb: „Ganz Grodsisk gehört mir." Bereits vor 100 Jahren mußte sie schon einmal von Grodsisk nach Warschau flüchten; es war, als Napoleons Heer sich ihrer Heimatsstadt näherte. Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. Rach Verfügung der städtischen Brotverteilungsstclle müssen für je 5 P f u u d M a z z e n mindestens 3 Brotscheine abgeliefert iverden. Die Ablieferungsstellen macht der Vorstand den Israelit. Gemeinde im Inseratenteil unserer heutigen Jkummer bekannt. Die diesjährige G e n e r a l v c r s a m m l u n g des Vereins „Montefiore" findet statt: Dienstag, 23. März abends 0 Uhr im Vereinslokale Bleichstr. 70. Die Verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) „Gabriel", rief der Vater streng von drinnen. „Ich will wissen, was noch!", schrie der Junge und stampfte mit den kleinen Füßen zornig den Boden. „Bist Du christlich oder jüdisch?" „Nun, das hättest Du bequemer haben können", lachte Abraham gntmütig, „natürlich bin ich jüdisch, mein Kind." Da spie Gabriel vor seinem Großvater aus: „Pfui, stinkender Jude!" Nicht so schnell war ihm das häßliche Wort entfahren, als ihm das Ohr blutete, so hatte ihn Salomou geschlagen. Ohne Aushören, wie ein Fuhrmann auf sein Pferd, hieb er auf. den schreienden Knaben ein. hart, roh. Da legten sich ein paar zitternde, alte Hände auf die seinen. „Laß das Kind los!", rief Abra'ham keuchend. „Nein, ich schlag' ihn tot." „Fort gehst Du!" Der alte Manu war noch stark genug, den Jüngeren, Kräftigeren zu überwinden. Dann nahm er den bitterlich weinenden Jungen aus seine Knie, streichelte ihn verstohlen und suchte ihm das Blut zu stillen. „Gabriel", sprach er sanft, „wie kommst Tu nur darauf. Deinem alten Großvater, der Dich herzlich liebt, ein so garstiges Schimpfwort zu sagen?" Seite 3. Der Kleine klammerte seine Aermcheu um Abrahams Hals, sah erbittert nach seinem Vater und schluchzte allerhand abgebrochene, unverständliche Worte. Saiomon kämpfte fürchterlich. Der Junge war sein Fleisch und Blut, er hätte ihn umvringen mögen: lieber ihn tot sehen, als ihn jetzt sprechen hören. „Sprich deutlich, Gabriel!", forderte Abraham eindringlich. Stotternd, stammelnd hob das Kind an: „Wie wir heut, nach Hause kamen, hat Goldchcns Matuschka zu mir gesagt: Gabriel, hat sie gesagt, nun bist Dic kein stinkender Jude mehr, nun bist Du ein rechtgläubiger Christ. . ." „Was soll das heißen?", fragte Abraham über den Kopf des Kindes hinweg. „Dienstbotengeschwätz", murmelte Salomon verwirrt. Dann schrie er: „Ungezogener Lümmel, habe ich nicht hundertmal Dir verboten. Dich in der Küche herumzutrciben?!" Er versuchte den Knaben von Abrahams Schoos; herabzunehmen; der Kleine hackte sich um so fester an seinen Beschützer - und rief: „Großpapa, Tu solltest es nicht wissen, wo wir heute hingefahren sind, aber ich sag es Dir doch, in der Boromäuskirche waren wir, wir sind jetzt Christen, Großpapa! Christen!" Abraham nahm den Knaben von seinen Knien und stellte ihn auf die Erde. Dann richtete er sich hoch auf. „Was ist wahr?" fragte er mit durchdringendem Blick. „Nichts", erwiderte Salomon. „Seit wann achtest Du auf das Geträtsch von Kindern und Dienern?" Mraham zog ihn zu dem Knaben. „Schwöre mir beim Leben Deiner Kinder,. daß es nicht wahr ist!" Salomon legte seine Hand auf Gabriels Haupt, mir überstarker Stimme sprach er Wort für Wort- „Ich schwöre beim Leben meiner Kinder, es ist nicht wahr!" Der Alte sah ihn lange, lange an, dann ging er still hinaus. „Warum soll ich nicht schwören?", sagte Salomon zu sich. „Ich habe heute schon einen falschen Eid geleistet, — das geht nun in einem hin." Als hätte der Knabe geahnt, wie fürchterlich es im Herzen seines Vaters aussehe, schlich er leise zu ihm hin. „Lieber Papa, nicht mehr böse sein!" „Unglückskind!", schrie Salomon. „Was hast Tu angcstiftet?" Und plötzlich breitete er die Arme aus, zog den Knaben leidenschaftlich an sein Herz und weite über ihm bittere, blutige Tränen. . . Die ganze Nacht wachten Helsia und Claudia an Goldchcns Bett. Die junge Frau auf einem Schemel und hatte den müden Kopf in der Freundin Schooß gelegt. Träne um Träne fiel aus den Augen' Claudias aus Frau Helsias' weiches Haar. Die junge Mutter weinte nicht. Trocknen Blickes starrte sie »ach der kleinen, unablässig zuckenden Gestalt. „Warum habt Ihr es getan?" flüsterte Claudia. „Salomon sagte, wir müßten es tun, wir würden sonst verjagt." „Da es Dir so schwer fiel — au Deiner Stelle würde ich ihm nicht nachgegcbcu haben." „Liebst Du nicht Jemilian?" „Wie Du fragst!" „Würdest Du Nicht Jüdin werden um -ihn?" „Ja, gewiß, mit tausend Freuden." „Nun, siehst Du! Wenn man einen Manu liebt, begeht man tausend Sünden für ihn." Sie richtete sich auf und horchte nach dem Atem des Kindes. „Meinst Tu nicht, daß es besser geht?" „Sie scheint mir auch ruhiger." „Wie werden wir dem Schwiegervater verbergen, daß sein Liebling krank ist!", seufzte dic junge Frau. „Darüber kann ich Dich beruhigen", erwiderte Claudia sanft. „Benno war vorhin hier." „Er frägt alle Stunden nach, der gute Junge." „Ja. Er berichtete, sein Vater märe heute Abend nach Bukarest gefahren." „Das ist recht gut", rief Helsia erleichtert, „dort bleibt er längere Zeit, und bis oahin ist Goldchen längst genesen. . ." Abraham hatte nach jener Unterredung mit Salomon in fieberhafter Eile das Notwendigste zusammengepackt und war mit dem nächsten Zuge abgereist; er mochte nun sein Vorhaben, den Minister um eine tolerantere Behandlung seiner Glaubensgenossen zu bitten, auch nicht eine Minute länger verzögern. Selbstverständlich war ein so großer Herr, wie der Minister, nicht so leicht für einen Juden zu finden. Zwar Abraham wußte, wie man sich mit Beamtcn- Personal zu verhalten habe, er sparte weder Bersprerhnugen noch Gold, nichtdcstowenigcr vcrtröstelctc man

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