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Neue jüdische Presse · 1915-03-19 · Heft 11 (19.3.1915) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 11 (19.3.1915)
Date
1915-03-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Frankfurter Israelitisches Familienbiatl. Nr. 11 derung unserer politischen, bürgerlicher Gleichberechtigung ist so alt wie die moderne Zivilisation, das Ideal einer jüdischen Heimstätte in Palästina aber so alt wie unser Galuth. Wie daher auch immer das endgültige Ende des Krieges sein, wer auch der Sieger und wie stark der Sieger sein möge, unter allen Umständen werden wir von der Kulturmenschheit fordern müssen, daß, man uns in allen Ländern, in denen wir leben, volle Gleichberechtigung erteile, und das: man unscrenr Volke die Möglichkeit gebe, in seinem alten Heinmtlande ein eigenes Milieu und eine eigene Kultur aufzubauen. Biel weniger fraglos und llar aber werden die Verhältnisse, sowie man zu den vielen Spezialsragen übergeht, die durch den Krieg entstanden sind. Hier wird die Lage unsicher und schwankend, und hier fehlt noch vielfache in dem Stadium des Krieges, in dem! wir uns zur Zeit befindet, die Grundlage eiirer fruchtbaren Erörterung. Wie sehr die Debatte über diese Einzelprobleme auf schwankendem Fundamente ruht, ja eigentlich nur in der Lust schwebt, zeigt die interessante Broschüre, die W. Kaplun-Kogan unter dem Titel: „Der Krieg. Eine Schicksalsstundc des jüdischen Volkes." vor kurzem hat erscheinen lassen. (Verlag A. Marcus und E. Weber, Bonn.) ZN dieser Schrift beschäftigt sich der durch sein Werk über die „Wanderbetvegungen der Juden" der jüdischen Oeffentlichkeit bereits bekannte Schriftsteller mit dem russisch-polnischen Judenproblem Er gelangt dabei zu dem Ergebnis, daß die russisch-polnische Judenheit durch! den Krieg ihre nationale Autonomie erlangen werde. „Im 19. Jahrhundert haben wir eine Emanzipation der einzelnen Juden erlebt; im 20. Jahrhundert werden wir Zeugen einer Enranzipation des jüdischen Volkes." Zu diesem Ergebnis gelangt Herr Kaplun-Kogan auf Grund folgender Argumentation: „Sollen die unermeßlichen Opfer, die in diesem Zrotzen Kriege gebracht werden, Europa einen dauernden Frieden sichern, so wird nwn sich vor allem hüten müssen, im Osten Europas einen neuen politischen Wetterwinkel entstehen zu lassen. Das heißt, daß man im Osten ein wirklich sicheres Bollwerk gegen jegliche russische Expansionsgelüste aufbauen muß. Dies wird aber nur dann möglich sein, wenn man die Gebiete, welche von verschieh denen Nationen bewohnt sind, unter eine oberste Reichsherrschast brächte, die ihrerseits eine freie, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung aller dort wohnenden Völker zulassen und fördern würde. Es dürsten mithin keiner einzigen Nation besondere Rechte eingeräumt werden; es wird deshalb auch nicht zweckmäßig sein, wenn man nur ein nationaleinheitliches Gebiet dem russischen Reiche entreißt. Denn es Muß verhütet werden, daß auf dem Gebiete des neuen deutschen Bollwerks gegen .Rußland irgend eine Natron die Oberherrschaft bekommen und sich eventuell Mit dem russischen Nachbar rerbünden könnte." Aus diesem 'Grunde werde man auch den russischen Juden neben den Polen nationale Autonomie geben müssen. Dieser ganze Gedankengang basiert natürlich Es einer Voraussetzung: daß nämlich Deutschland nicht nur siegen wird, woran niemand von uns zweifelt, sondern daß es auch beim' Friedensschlüsse fähig und gewilll sein wird, näht nur Polen von Rußland wegzunehmen, sondern auch die an Polen angrenzenden Gebiete, also den größeren Teil des Ansiedlungsrayons. Es ist nun zunächst einmal fraglich, ob Deutschland stark genug sein wird, einen solch ungeheuren Ländcrkomplex von Rußland abzureißen; und selbst wenn dies angenommen werden sollte, ist es noch staglicher, ob cs überhaupt gewillt sein wird, dies zu tun und sich. RuUand so zmn dauernden Feinde zu machen. UM diese Frage beantworten zu können, müßte mau das wichtigste aller für unser Vaterland jetzt existierenden politischen Probleme gelöst haben, ob nämlich Rußland oder England unser Hauptscind jetzt und für die Zukunft ist, nrüßten wir also uns mitten in die Erörterung der Kriegszielc und Friedensbedingungen begeben, was uns aber jetzt weder gestattet ist, noch überhaupt uns nützlich erscheint. Man sicht, wie schwankend die Grundlage ist, aus der sich der ganze Gedankengang der Broschüre aufbaut. Unddabei sehen wir ganz von den mannigfachen anderen Schwierigkeiten ab, die die Verleihung der national-kulturellen Autonomie an die russische Judenheit überwinden nmßte; und die Herr Kaplun-Kogan gar nicht beachtet zu haben scheint. Das ganze Problem des Nationalitätenstaates, in den: die verschiedenen Nationalitäten Autonomie besitzen sollen, ist ja noch durchaus theoretischer Natur linb nirgendwo praktisch gelöst. Hinzu aber kommt noch in unserem Fälle die außerordentliche Schwierigkeit, die es zu beseitigen gälte, wollte Man den Juden neben den Polen Autonomie verleihen; nur vermögen nicht zu erkeimen, wie ein gedeihliches Schaffen und Leben beider Nationalitäten nebeneinander möglich wäre bei dein fanatischen, geradezu 'krankhaften Hasse, Mt dem die Polen die Inden verfolgen mrd unterdrücken. Alle diese Momente werden in der Broschüre überhaupt nicht erwähnt. Ter Autor scheint davon überzeugt zu sein, daß ein Machtspruch Deutschlands genügen würde, um .einen solchen neuen Rassenstaat mit Autonomie für die verschiedenen Nationalitäten ins Leben zu rufen, — und was wichtiger ist — auch existenzfähig zu gestalten. Tie Geschichte des 19. Jahrhunderts aber hat zur Genüge bewiesen, daß man durch Beschlüsse am grünen Tisch und Kabinettsentschcidungcn noch keine Staaten zu gründen vermäg, diese vielmehr natürliche, organische Entstehungsursachcn und Dascinsgründc haben müssen, uni lebensfähig zu sein. Ob aber ein solcher Pufferstaat, der in erster Reihe nur zu dem rein politischen Zweck gegründet wäre, ein künstliches Bollwerk gegen Rußlands Expansionslust zu schaffen, solche natürlichen Daseinsgründe besäße, erscheint uns recht zweifelhaft. Wir wollen mir diesen kurzen Bemerkungen keineswegs den Gcdankengang des Herrn Kaplun- Kogan und das Ergebnis, zu dem' er gelangt, als praktisch unmöglich, und irrealisabel bezeichnen. Dies wäre ebenso verfrüht wie die sicher« Prophezeiung, die er verkündet. Die Lage ist eben noch zu ungeklärt, das endgültige Ergebnis zu unsicher, die politische Orientierung Deutschlands beim Friedensschlüsse zu ungewiß, als daß man schon über Dinge debattieren, geschweige denn bestimmte Behauptungen aufftellen könnte, die doch das Ergebnis des Krieges zur Voraussetzung haben. Wir Juden können vorderhand nur unsere zwei Hauptforderungen klar formulieren und über die Mittel, sie durchzusetzen, beratschlagen: politische .Gleichberechtigung in den.Diasporaländern und Möglichkeit der Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina; diese zwei Ziele stehen uns llar und leuchtend vor Augen, unbeeinflußbar und unabhängig von dem Verlauf der kriegerischen Ereignisse, von dem Resultat der Kämpfe, llnd uns dünkt, diese zwei Ziele sind so groß so herrlich mrd so bedeutungsvoll, daß wir vorderhand genug zu tun haben, wenn wir alles unternehmen wollen, was notwendig ist, sie ganz oder teilweise zu erreichen. Und es tut deshalb nicht not, unsere Zeit und unser Interesse auf jene Speziglprobleme zu verwenden, deren Gestaltung noch ganz im Dunkel der Zukunft ruht, und die Man.erst llar wird zu erkennen vermögen, wenn die Entscheidung auf den Schlachtfeldern bereits endgültig und unwandelbar gefallen sein wird. Die Jude» als Bolk des Orients Am 10. März hielt im dichtgefüllten Sitzungssaal des Preußischen Abgeordnetenhauses im Rahmen des vom Kartell Jüdischer Verbindungen veranstalteten Vortragszyklus Tr. Martin Bub er einen Vortrag über „Die Juden als Bolk des Orients." Bubcr suchte in groß angelegter Zusammenfassung und .tiefdringender volkspsychologischcr Untersuchung die gleichartige Struktur orientalischen Geistes als eine eigentümliche und .einheitliche Totalität auszuzeigcn. Der orientalische Mensch verkörpert ihm den motorischen Typus im Gegensatz zum abendländischen, der den sensorischen darstellt. Der motorische Charakter des Orientalen bewährt sich zuhöchst in dem Pathos d e r F o r d e r u n g. Das Grimdprinzip des orientalischen Geistes ist im Mischen Volk zu einer Wendung gelangt, welche das. Schicksal der Menschheit für die bis zu uns reichende Epoche entschieden hat. Die Grundanschanung des Juden- Nr. tums ist die Anschauung von denr absoluten Wert der Tat als einer Entscheidung. Dieser Alt inr Judentum ist nicht nur ein ethischer, er ist der religiöse. Durch die Inbrunst seiner Forderung der Umkehr hat das Judentum den Okzident für -die Lehre des Orients gewonnen, durch sie ist das Judentum recht eigentlich der wirkende Orient geworden. Die Epoche der großen Fruchtbarkeit des jüdischen Geistes, in der auch das Urchristentum' seine Wurzeln hatte, wurde durch das große Verhängnis des Untergangs des jüdischen Staates zerbrochen. Daraus ist zu erklären, daß die grßen Geisteskämpfe inr Judentum, wie sie sich in Spinoza, in den messianischcn Bewegungen und zuletzt im Chassidismus äußerten, zu keiner großen Erneuerung des Judenturrrs und der Rcligiösität führen konnten. Und doch besteht der Grund, auf dem einst das für das Abendland bedeutsamste Werk orientalischen Geistes entstanden ist, weiter: die Seele des Juden. Allerdings wird eine große Schöpfung, die die Kontinuität des jüdischen Werkes wieder aufnimmt, nur in der Kontinuität des palästinensischen Lebens wieder erstehen können. Bubcr nennt unser Zeitalter das der asiatischen Krisis. Die führenden Völker des Orients sind teils unter die Gewalt, reils unter den innerlich vergewaltigenden Einfluß Europas gekommen. „Tie Seele Asiens wird gemorst, und es selbst tut bei diesem Morde mit. Selbstbestimmung, Einkehr, Umkehr tut not. Das Volk, das in dieser vorangehen muß, ist das, dessen Leben im Geiste und dessen methaphysische Schöpfung einzig imj modernen Europa denen der großen orientalischen Völker verwandt ist, das deutsche Volk. Es muß sich unterfangen, eine neue Aera der Erhaltung' des Orients und des Einvernehmens zwischen ihm und dein 'Wendlande zur gegenseitiger Förderung und gemeinsamer, rnenschheitlicher 'Arbeit zu begründen. Für diese weltgeschichtliche Mission bietet sich Deutschland ein Mittelvolk dar, das alle Weisheit und Kunst des Abendlairds erworben und sein orientalisches llrwesen nicht verloren hat, das berufen und befähigt ist, Orient und Okzedcnt zu verknüpfen: das jüdische. Zum Schluß stellte Bubcr dar. Me unter aller: Nationen Europas die deutsche am stärksten auf den wandernden Juden eingewirkt und zugleich vom Judentum die stärksten Eindrücke empfangen hat. Jetzt dürste der Augenblick nahe sein, wo sich dieser Zusammenhang in einem Zusammenhang der Aktivität erproben "fa:m. Von der M. Jugend Amerikas. In der „Jewish Gazette" lesen wir: Ter junge amerikanische Jude steht, auch wenn er noch so weit von der jüdisch-nationalen Bewegung entfernt ist, deshalb keineswegs ans der Schwelle der Assimilation. Man kann zwischen Len in Amerika geborener: jungen Juden solchen begegnen, die keine Ahnung vom Judentum haben, — dem Typ des Assirmlatronsjuden, wie er irr Westeuropa gang und gäbe ist, Mrd Man kaum treffen, denn den: amerikanischen jüdischen Leben fehlen die Vorbedingungen zur AssiMlation. Mag der junge amerikanische Jude noch so wenig Jüdischkeit insich haben, so ist er doch stolz darauf, ein Sohn des jüdischen Volkes zu 'sein. Unrer einer solchen Jugend findet die ziorlistische Bewegung einen geeigneten Nährboden. So gibt es heute die zionistische Jugendorganisation „Jehudo-Hazoir" nnt tausenden Mitgliedern und die studentischen „Menauroh"-Vercinc. Die „Jehudo-Hazpir" haben „Kinderklubs" errichtet, in denen jüdische Geschichte gelehrt und jüdisch« Solidarität geweckt und gepflegt wird. Stark -ist auch der Einfluß, dieser jungen nationalen Juden auf die ältere Generation. Amerikanisches Indisches Hilfskomitee. Auf der letzten Sitzung des KoMtees wurden 100,000 Dollar für Russisch-Polen und 100,000 Dollar für Deutsch-Polen bestimmt. Das Geld für Russisch-Polen wird die Petersburger Abteilung der Jüdischen.'Kvlonialgesellschaft („Jca"), das Geld für Deutsch^Polen M. M. Marburg u. Söhne-HaMburg i schen I -ur Vk Ei traf d für Pa cs sehr bald ei unter Mitati schenke: den B eine, F Lo, ist lrekc diese S schleifer diger Hunger Der «e zum R v« versend sach c Soldat Di jomme; Psalmc Bonn. Si lichen rcichs jüdisch, sonstig' schen < retten plare damcrj D' die Fi versan nicht , haben. 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