Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 10 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Masche Eltern» ine ihre verwundeten Söhne, Frauen, die ihre MLiurer in einer Stadt außerhalb des Rayons besuchen, rverden binnen 24 Stunden uusgewiesen. Kurz, die Art, wie jetzt von Seiten der Regierung in dieser Hinsicht vorgegangen wird, ist von einer unsagbaren Niedertracht. Hat sich doch selbst die „Npwoc Wremja" veranlaßt gesehen, die Maßnahmen der Regierung zu verurteilen. Und dabei dienen jetzt an die 300,000 Jude» in der russischen Armee? Es sind naturgemäß nur spärliche Nachrichtcir, die hierher von Rußland Zu uns gelangen, Md e§ ist schwer, sich cim genaue Vorstellung von alldem zu machen. Es ist daher von Interesse, die Ansicht eines amerikanischen Schriftstellers zu hören, der seit langem als einer der besten Kenner Rußlands gilt und dessen Bücher über die sibirischen Verbannten, über die russischen Gefängnisse bä ihreur Erschienen den größten Eindruck in .allen Kulturländern gemacht haben. Es ist dies George Kennan. In mehreren Artikeln in dem angesehenen, von Roosevelt rcdigierteit „Outlook, wie auch in einem Interview mit einem Mitarbeiter des ,SM. Tagebl." inNewtzort hat er sich über die gegeirnmrtige Lage und die Znkunftsanssichten der russischen Juden geäußert. Die Lage in Rußland — sagt er — wird hoffnungslos bleiben, solange die jetzige Herrschaft anhalten wird. Mkolaus II. ist ein fanatischer Antisemit, und die Tatsache, daß Hunderttausende von Juden für ihn jetzt kämpfen. Ml aus ihn nicht die mindeste Wirkung aus. Die Unterdrückungen dauern ungestört fort. Zeitungen, welche die mindeste Freundschaft zu den Juden bekunden, werden bestraft oder ganz verboten. Die Moskauer „WjedoMosti" mußte 3000 Rubel Strafe zahlen, die „Rjetsch" in Petersburg wurde zeitweise ganz eingestellt. Ich will Ihnen ein charakteristisches Beispiel der gegenwärtigen Zustände geben: Ein jüdischer Flieger namens Jewgeni Spitzbcrg verlor sein Leben bei einem Rekognoszierungsflugc. Die, Zeitung, die die Nachricht von seinem Heldentode brachte, mußte die Tatsache, daß er Jude war, verschweigen. Da aber der Bericht schon gesetzt war, zwang der Zensor die Reimktion, alle Stellen, in denen feine jüdische Abstammuttg erwähttt mar, auszulaffen. So erhielt denn die geruckte Notiz folgendes Aussehen: „Wir haben die Nachricht erhalten, daß der Flieger Jewgeni D. Spitzberg fein Leben auf dem Schlachtfelde verloren hat. Er ist geboren in . . erzogen worden in . . . ging nach Frankreich . ... Dieser Spitzberg konnte als Jude in Rußland in keiner Universität 'Aufnahme finden und ging deshalb nach Paris, wo er sich als Flieger ausbildete. Er war gerade auf dem Wege nach Amerika, als der Krieg ausbrach. Ws guter Patriot kehrte er sofort nach RuWand zurück und trat freiwillig in die Armee ein, — unb dennoch hat dir Regierung den ZeitMgen nicht gestaltet, milzutellen, daß er Jude war." In seinen Artikeln im „Outlook" schlldert Kennan den fanatischen Judenhass des Zars und legi dar, mit welcher Kälte und Gleichgültigkeit dieser die zahlreichen jüdischen Deputationen empfangen habe, die zu ihm beim Beginn des Krieges entsandt wurden. Er führt sodann, noch zahlreiche andere Beispiele des zynischen Antifemitisnms der Regierung an. Einige nur seien hier wiedcrgegeben: „Ta viele russische Studenten in die Armee eingerreten sind und die Universitäten so sehr leer wurden, erwartete man allgcinrin, die Regierung werde erlauben, daß die leeren Plätze von jüdischen Studenten ausgesüllt werden könnten. Der Bildungsminister verfügte jedoch, daß die Pro- Zmlnorm (3 Prozent) streng eingehaltcn iverden müßte. Im Oktober 1914 bat der Senat 'der Petersburger Universität den Minister um die Erlaubnis, 21 jüdische .Abiturienten aufzunehmen, die das Gymnasium mir der goldenen Medaille beendet lsatten: die Erlaubnis wurde verweigert. Der Senat erjuchtc sodann rnn Erlaubnis, 18 jüdische Studcnlcn ansznnchmen, die von österreichischen und deMschen Universitäten wegen des Krieges ausgeschlossen wurden: aurl) dies wurde nicht gestattet. Im November ersuchte. der Magistrat der Stadt Mariampol die Regierung, sic möge erlauben, die Kinder der jüdischen Soldaten, die zur Front geschickt seien, in die städtischen Schulen auftnnchmen; das Gesuch wurde abgelehnt." Frankfurter Israelitisches Familienblau. Diese Beispiele, die Kennan anführt, könnte man nnt viele, viele vermehren. Sie würden aber stets nur dasselbe Bild zeigen: eine Verstärkung der bisherigen antiscM'.tischen Unterdrückungspolitik der Regierung, eine Verschlechterung der Mischen Lage in ungeahntem Umfang. Was aber von der Zukunft zu Hallen ist, darüber hat die russische Regierung keilte Zweifel gelassen. Tie Mitteilung des Ministers des Innern an die Dumamitglieder, daß. die Regierung iit der ixmcreii Politik keinerlei Acndcrung zulassen werde, sagt ja schon genug. Noch deutlicher aber hat der Ministerpräsident seinen Standpunkt dargelegt, indem er mit der allen russischen Machthabern eigcneit zynischen Logik erklärte: er verstehe LberhaMt nicht. Mit welchenr Rechte die Juden jetzt eine Verbesserung ihrer Lage verlangten; daß 500,000 Juden in der Armee dienen, sei doch Lin Grund; damit erfüllten die Juden lediglich ihre Pflicht, und für Pflichterfüllung dürfe man keinen besonderen Lohn beanspruchen. Daß aber auch, von der öffentlichen Aieinung in RnUand nichts zu erwarten ist, beweist die Tatsache, daß die Kadetten den Antrag der jüdischst Dumamitglieder, in der Duma die Beseitigung des AnsiMungsrayons zu fordern, einstimmig abgelehnt haben. . Was alle ehrlich Denkenden gleich zu Be-- ginn des Krieges behauptet haben, hat sich in den sieben Kriegsmonaten nur als allzu wahr erwiesen. Von Rußland selbst ist für die russischen Juden nicht das Geringste zu erhoffen. Lediglich ein Sieg unseres Vaterlandes und eine gründliche Niederlage des Zarenreiches ftnrn ihnen Besserung und Befteiung bringen. Gebe Gott, daß ihnen diese Befreiung recht bald komincn möge. Jüdischer Kriegsfouds 1915. In diesen schweren und lcidreichen Atonalen gibt es inmitten all des großen, herzzerreißenden Jammers, der Ms von allen Seiten umringt, nur eine einzige ErscheinMg, die uns Trost und Beftiedigung verleiht: der Anblick, wie in dieser Zeit der Not alle edlen Lebenskräfte des Menschen znm Vorschein kommen und den Kampf gegen das Leid und den JaMmer, in dem wir leben, aufnehmrn. Unsere jüdische Gemeinschaft hat besonders viel Schweres und Schmerzliches ' in diesem Kriege zu erdulden; mehr als alle anderen leiden unsere Brüder Mter den Nöten des Kampfes. Wer auf der anderen Seite dürfen wir doch Mit Stolz feststellen, daß auch die großen, erhabenen Seiten des Krieges unter Ms besonders stark und machtvoll sich offenbaren. Das alte „jüdische Herz" bekundet sich in diesen Neonaten in all seinem Reichtum an Liebe und Mitleid, und während noch rings herum die Kriegsflammen toben und wüten und des Kampfes Ende noch garnicht abzusehen ist, regt sich bereits allerorten, wo Juden wohnen, der Geist der jüdischen Solidarität, regt sich das jüdische Bruderherz^' und Merall schon werden die Grundsteine gelegt für. das große Werk des Wiederaufbaus all dessen, was der Krieg zerstört hat. Es ist naturgemäß, daß. die neutralen Länder, die nicht unmittelbar von dem Kriege zu leiden haben, in dieser Arbeit vorangehen!; das Judentum Amerikas hat sich mit edlem Eifer und in vollster Erkenntnis seiner großen Pflichten an die Spitze gestellt; gar mannigfach sind die Unternehmungen, Organisationen und Komitees, die unsere Prüder jenseits des Ozeans zu diesem Zwecks ins Leben gerufen habe». Wer auch innerhalb der kriegführenden Länder selbst erblicken wir die jüdische Wohltätigkeit und Solidarität eMsig am Werke. Irr Rußland, in England, in Oesterreich, überall wird gesammelt und gespendet, entstehen Organisationen und Körperschaften, die das furchtbare Elend, das der Krieg schafft, zu lindern bestrebt sind. Nr 10 Nr. Die deutsche Judenheil hat seit alter Zeit den Ruf, in philanthropischen Dingen stets an der Spitze zu stehen. Soviel man auch sonst vonr Mischen Standpunkte aus am inneren Leben unserer deutschen Judcnheit aussetzen und kritisieren mag, die offene Hand und den gebefreudigen, weitherzigen Sinn wird man ihr nicht absprechen können. In allen großen Krisen der letzten Jahrhunderte standen wir deutschen Juden in der vordersten Reihe derer, die Hilfe und RcttMg brachten. Diese stete Bereitschaft, zu helfen und zu spenden, haben wir auch in diesen Monaten in reichem Maße bewiesen. Wenn auch in manchem gefehlt ivordcn ist, manches vernachlässigt wurde, lvas hätte getan werden müssen, im großen ganzen hat doch die Judenheit unseres Vaterlandes sich als der großen Aufgaben, die die Zeit an sie gestellt hat, gewachsen erwiesen und die Pflichten, die ihr die Idee der jüdischen Solidarität auserlegtc, erftillt. Diese Pflichten koniucn. nicht nur darin bestehen, der Not zu steuern, die der Krieg innerhalb der deutschen Judenheit selbst hervorgerufen hat, sobald einmal dieser ersten dringendsten Aufgabe genügt war. Mußten wir der anderen Pflicht eingedenk werden, die uns das Bewußtsein der Zu gehörigkeit znm gesamten jüdischen Volke auferlegt: der Pflicht, jenen armen, unglücklichen Brüdern zu helfen, die außerhalb der Grenzen unseres Vaterlandes jetzt namenlose Leiden erdulden. Bon Polen, von Galizien, von der Türkei, von Merall her klingen die Klagerufe, die Hilfeschreie dieser Unglücklichen zu Ms, die sich, zai uns als ihren Beschützern und Helfern wenden. Mit Freude und Beftiedigung konstatieren wir, daß die deutsche Judenheit in diesen Wochen den ersten Schritt getan hat, um diese heilige Psli-chi zu erfüllen. Der „Hilfsvcrein der Deutschen Juden", die „Großloge Bne-Brith für Deutschland" und da? Frankfurter „Komitee für die notleidenden russischen Juden" haben einen Anftuf erlassen, in dem sie zur GründMg eines „Jüdischen Kriegsfonds 1915" auffordem, der den durch den Krieg geschädigten Juden Polens, Galiziens und der Türkei, ^besonders Palästinas, Hilfe bringen soll. Mit diesem Auftuf der zu dieser Hilfsaktion vor allen anderen berufenen jüdischen Organisationen Deutschlands hat die deutsche Judenheit. ein.bleibendes und sie ehrendes Zeugnis ihres lebendigen Mischen Gemeinbewußtseins abgelegt uni vor aller Welt gezeigt, daß sie auch in diesen schweren Wochen, in denen sie selbst so viel Leid reiches und Schmerzliches zu ertragen hat, in denen sic all ihre Kraft in den Dienst des Vaterlandegestellt, sie dennoch keinen Augenblick ihre Zu gehörigkeit zur großen jüdischen Gemeinschaft vci gessen will und nicht zögert, die Pflichten, die ihi diese Zugehörigkeit auferlegt, treu zu erfüllen. Diese Kundgebung ist auch deshalb von bcsonderem Wert, weil vereinzelte (Stimmen innerhalb der deutschen Judenheit in der letzten Zeit bereits das Ende der Mischen Solidarität verkündet haben. Herr Professor Ludwig Geiger hat c? für seine Pflicht gehalten, der russischen Juden heit ewige Feindschaft anzukündigen und es al? Mit dem deutschen Patriotismus unvereinbar zu erllären, daß deutsche..Juden ihren Brüdern in Rußland je wieder Hilfe znkommcn lassen. Er ftculicherweise hat sich fast die gesamte jüdisch Presse Deutschlands in entschiedener' Weise gegen Herrn Professor Geiger gewandt, und dieser Auftuj beweist, daß auch die leitenden Organisationen de? deutschen Judentums diesen enghmzig-chanvinistischen Standpunkt ablehnen. In dieser öffentlichen Bekundung der Treue zur Mischen Gesamtheit, in dieser Proklamierung der Hochhaltung der jüdischen Solidarität, die der Aufruf zum Ausdruck bringt ruht sein größter innerer Wert Md seine historisch Bedeutung. Wir sind überzeugt, daß der Ausruf den Erfolg haben wird, dessen er bedarf. Die. deutsch Judcnheit, die bisher all ihre Pflichten, die ihr diese Monate auferlegt, so treu erfüllt hat, wird auch dieser höchsten Pflicht gerecht werden und durch die Schaffung eines reichen „Jüdischen Kriegsfonds 1915" sich, der Welt und der Zukunft beweisen, daß der Krieg wohl Menschenleben ver Nichten, aber nicht Seelenwerte zerstören kann, und daß wir Huden, wenn auch physisch, materiell geschädigt und verwundet, so doch seelisch und' sittlich he vorgehi unsere »mso f betätig. Ambr Dll! für die Wien, eine de Annahn mrijr z Beginn gcrämni Nativ setzt ui sie die Es ,,»eigen, zialist Krankhe sür- Anc Nasenbetätige (stiftei», Katunsl Perschal Pflegers Ei, als St ein kla z» lief Kr, Ohren Orthop. Innere Innere Chirurc Augen Sehpro Zahn Haut-- . Kinder Frauen Halsi Nerven *) In latoriui jitnc ordnete Lcopoli in dri nneiitg. das R Bäde kostenlr eigenen speziell Paticni Milch bis dl Di iegenhk beobacl iPotwei Gutes brachte ist zu eingefl nicht x Unters, Del «, B newurde fügunx Liebes, kleiour oer Gi dorfer, uni er zu ver B sendet © der i kämpfe mit ei absicht 2000 bedürf haben, echter, in hä des sä eine Z die säi Abma, Preis deutsü Spei 8191^7