Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 9 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2692297-2692924-2692933--08892-2704053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. Nr, 9 macherlehrlinge, 7 Gchneiderkehrlinge, 1 Bäckerlehrling. 1 Bürolehrling mtb 38 Schüler und im Mädchenhause 23 Haushaltungszöglinge und 18 Schülerinnen. Berlin- Recht interessant ist der Jahresbericht des Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands. Er verbreitet sich über die Bedeutung des Ackerbaus für uns Juden besonders hinsichtlich unserer staatsbürgerlichen Stellung und 'behandelt dann die Frage des landwirtschaftlichen Berufes für das jüdische junge Mädchen. Der Jahresbericht ist -kostenlos vom Verein zu beziehen. (Wresse: Charlottenburg, Englifchestr. 30). Berlin. Der Jahresbericht des „Vereins Jüdische Arbeiterkvlonie in Weißensee" läßt deutlich den Einfluß des Krieges auf den Betrieb dieses so wichtigen sozialen Instituts erkennen. Während die Frequenztabelle für die Monate Januar bis einschlieAich Juli eine Durchschnittsziffer von 75,1 ergibt und in den Zcchlen Mr die einzelnen Monate mit denjenigen der früheren Jahre übereinstimmt, sinkt die Frequenz während der Kriegsmonate auf durchschnittlich 35,4 herab. 86 Kolonisten sind dem Rufe zur Fahne gefolgt. Die Zahl der während des 'letzten Jahres beschäftigten Russen ist von 98 auf 42 gesunken, die meisten davon kommen natürlich auf die Friedenszeit; immerhin ist anzuerkennen, daß die Behörde das Verweilen einzelner vertrauenswürdiger Russen duldet. Obwohl für die Kolonisten günstige Arbeitsgelegenheit vorhanden ist, fehlt es an Zuzug, ein Beweis dafür, daß die Beschäftigungsverhältnisse in freier Arbeit günstiger sind. Die Zahl der Aufgenommenen ist im letzten Jahre von ca. 1000 auf 700 herabgegangen, denrwch ist die Zahl der Verpflegungstage für vorübergehend Aufgenommene und Erholungsbedürftige von 2904 auf 3412 gewachsen. Sehr ungünstig ist die finanzielle Lage der Vereins': trotz einer größeren einmaligen Zuwendung seitens des verstorbenen Kommerzienrats H. Auerbach aus Berlin in Höhe von 3000 JL und der Erhöhung des Jahresbeitrags der Jüdischen Gemeinde, Berlin von 2000 JL auf 3000 JL hat sich wiederum ein Defizit von 3000 Mark ergeben. Der Zeitpunkt, an dem sich der jetzt noch auf 15,510 belaufende Betriebsfonds aufgezehrt I haben wird, ist nahe bevorstehend, .falls sich nicht Wohltäter großen Stiels finden, die durch Zuwendungen und Vermächtnisse die Weiterführung des großen Hflsswerks ermöglichen. Frankfurt a. M. Die hiesige Verwaltung des modern eingerichteten und musterhaft verwalteten „Schaare Zedek"-Krankenh aus in Jerusalem versendet den Bericht über das 10. bis 12. Berichtsjahr, die eine durchschnittliche tägliche Belegung von | 31,21 Betten hatten und zusammen 34,144 Berpflegungstage ergaben. Außerdem fanden in der Poliklinik täglich 150 Behandlungen statt. Während infolge des Krieges fast alle Krankenhäuser Jerusalems schließen mußten, hat das Schaare I Zedek-Krankenhaus seinen Betrieb ununterbrochen offen | gehalten. Doch sind große Spenden nötig, wenn dies auch weiterhin fortgesetzt werden soll. Geldsendungen I nimmt entgegen Karl Mosbacher (i. Fa. Karl Pessel L Co.), | Frankfurt a. M., Bogelsbergstr. 32. moderne Vorhang- und Möbelstoff». Tischu. Divandeck-n etc. Carl B*8(ahojf 19 Naue Nalnzerstrasee 19 _am Schanspielbans Der Krieg uuv die deutsche» Jude«. Frankfurt a. M. Aul dem östlichen Kriegsschauplätze ist Hans Heimann, Sohn des Herrn Bernhard H., gefallen. Der erst 22jährige Jüngling hatte sich infolge seiner ausgezeichneten persönlichen Eigenschaften — er war ein Mustermensch, edel, gerade und pflichttreu — bereits das Ansehen weiterer Kreise erworben. Ganz besonders betrauert ihn das Personal der Firma M. Heimann Söhne» für das er nicht der Sohn des Chefs, sondern stets Freund und Kollege war. Frankfurt a. Bk. Max Wiesbader. Sohn des Herrn Julius W., erhielt das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapferkeitsmedaille. Frankfurt a. W. Rcerendar Max Maier, Sohn Bankdirektors Herm. Maier, erhielt das Eiserne Kreuz. Berlin. Stabsarzt Dr SalomonSky»Berlin, Ofsizierstellvertreter Otto Gompertz -Charlottenburg und Stabsarzt Dr. S tern he im-Hannover erhielten das Eiserne Kreuz. Berlin Die Zion. Oraanisat'on verzeichnet: Dr Erich S ied ner-Kattowitz das Eiserne Kreuz, Dr. Arthur Kauffmann-Frankfurt a. M. Beförderung zum Leutnant, Leutnant Walter Hammerstein- Stetti», Fritz Speyer-Hannover und Arthur Levy (nicht. Fränkey -Rakel gefallen. Berlin. Das E> ferne Kreuz erhielten: Dr. Arthur Lazar, Willi Liemann, Dr. Erich Siedner, Assistenzarzt Dr. Georg Braun, Unterarzt Dr. Ernst Rachwalski, Augenarzt Dr. Max Marbe, Arthur Arndt, Offizierstellvertreter, Beamter der Diskontogesellschaft Georg Lachs, Ludwig Schlesinger, Arthur Löwenstein-Berlin und Rechtsanwaft Loebinger -Kattowitz (unter Beförderung1 zum Oberleutnant). Haan«. Während eines Gefechtes am 18. Februar fiel der 17jährige Kriegsfreiwillige, Gymnasiast Julius Sternau von hier. Er hatte sich bei Kameraden und Vorgesetzten großer Beliebtheit erfteut und hätte sich wiederholt sehr ausgezeichnet. Btrftein. Willi Goldschmidt aus llnterreichenbach, Unteroffizier beim Landwehr-Fußartillerie-Reg. 7, erhielt das Eiserne Kreuz. Lffendach a. M. Ingenien, Gustav Gabriel. Inhaber des Eisernen Kreuzes, erhielt die hessische Tapserkeitsmedaille. Köm Oberarzt Dr. Felix Loeb, Sobn von Leopold L. in Sobernheim, erhielt das Eiserne Kreuz. München- Leutnant Sela Ujoely und Ove leutnant Gustav Mannheimer erhielten das Eiserne Kreuz. — Max Geller aus Gunzenhause.a wurde zum Leutnant befördert. Sennheim >Lwer»ElsaD. Infolge der vor zwei Monat n befohlenen Räumung unseres Ortes hat auch die israelitische Gemeinde zu bestehen aufgehört. Die Gemeindemitglieder haben sich nach allen Richtungen zerstreut; die meisten suchten in der Schweiz Zuflucht. Der 80jährige Rabbiner H. S. Bamberg er wollte bis aufs äußerste ausharren. Bor einigen Wochen mußte er jedoch mitten im Kugelregen in .einem Wagen geholt werden, den der Rabbiner des benachbarten Bollweiler, Dr. I. Weil, schickte, um den wegen seiner tiefen Frömmigkeit und bewundernswerten Thoragelehrsamkeit verehrten Rabbiner in Sicherheit zu bringen. Bald darauf eilte dessen Familie herbei, um ihn bei sich aufzunehmen. Jetzt ist auch die Synagoge verschwunden: sie ist vorige Woche samt ihren 14 Thorarollen verbrannt. Wie«. Baron Altons Rothfchi d wurde in Anerkennung seiner Leistungen zum Rittmeister befördert. Budapest. Oberleutnant der R serve Ernst Rosenberg, ein Schwager des Borstandmitgliedes der orthod. Gemeinde Jacob Diamant, wurde das Opfer eines Eisenbahnunfalles. Rosenberg lebte streng nach den traditionellen Gesetzen des Judentums. Personalien ». Kleine Mitteilungen. Berfi«. Infolge des Todes ihres Borfitzenden LouiS Sachs wählten die Repräsentanten 1>er jüd. Gemeinde Dr. Minden zmn Vorsitzenden und Geheimrat Dr. Blumenthal und Professor Blaschke zu stellvertr. Vorsitzenden. — Der Versammlung lag u. a. die Beschlußfassung über die Annahme einer Erbschaft von 364,000 JL vor. Die Erblasser — Wolf Oliven und Frau geb. Buchholz — haben jedoch die Bedingung gestellt, daß an den Sabbaten nach ihrer Jahrzeit im Gotteshaus vor versammelter Gemeinde ein „El molei rachamim"-Gebet zu ihrem Andenken verrichtet werde, und wegen dieser Bedingung bedarf's noch der Anhörung des Rabbinats. (L) Pose«. In Mngilno wurde Fabrilbefitzer I. London und in Ex in Justizrat Loewy zum Stadtverordneten- Vorsteher gewählt. Philipp Wolffreim-Berlin vermachte der jüd. Gemeinde Rogasen 5000 JL. — In Kempen wurde Dr. Moritz Schlesinger in den Magistrat und in Hohensalza Rittmeister Assessor Levy in den Provinziallandtag gewählt. Regeuöburg. Nathan Schwarzhaupt u-d Frau KatHi geb. Sundheimer feierten die g o l d e n e H o ch z e i t- Köln. Im Jüd. Lehrerseminar hätten >m Herbst 9 Zöglinge die Notprüfung gemacht, da sie sich als Kriegsfreiwillige gestellt hatten. So hatten sich jetzt nur zwei Schüler zur Prüfung zu stellen; sie bestanden beide mit gutem Erfolg. Wie». Dr. Siegm. Fränkel, und Dr. Wilh. Türk wurden zu außerordentl. Universitäts- Professoren ernannt. Rom. A 8 Zweig de- Jtal-Asiat. Gesellschaft hat sich eine Gesellschaft für die Geschichte der tuden Italiens («ocieta per la storia degli drei d'Jtalia) gebildet. Leitung: Professor Umberto Cassuto- Florenz, Professor Ermanno Loewinson-Rom und Dr. Alberto Olivetti-Florenz. Rew-N»rk Die diesig-n Bereinigten Jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaften (United Hebrew Charities) verausgabten im letzten Jahre die große Summe von 375,115 .Dollars. Dabei ist natürlich zu bedenken, daß New - Dort, das 1874 noch 60,000 Juden zählte, heute nahezu 1 Million Juden zählt. Frankfurter Berichte. Der Krieg und sei« Einfluß auf die Jugenüvereine. Ueber dieses Thema sprach im Montefiore vor gut besuchter Versammlung I. K a h n. Er führte u. a. aus: Zu den Vereinen, deren Arbeit auch während des Krieges unter keinen Umständen aufhören dürfte, gehören zweifelsohne die Jugendorganisationen. Gilt es doch der Heranbildung des zukünftigen Geschlechtes, und bringen doch gerade die Kriegszeiten die Gefahr der Vernachlässigung der geistigen und kulturellen Interessen mit sich. Es ist daher die Pflicht jeden jungen Mannes, gerade jetzt für die Jugendorganisationen tätig zu sein und das Fehlen so vieler wertvoller Mitarbeiter durch eine doppelte Tätigkeit auszugleichen. Die anschließende Aussprache nahm einen sehr angeregten Verlauf. Lehrer Fuchs glaubt, daß vor allem die stärkere Betonung eines positiven Judentums nötig sei, um auch in diesen Zeiten der Jugend ein Ideal zu geben, das ihr stets voranleuchte. Meyer weist auf die große Verschiedenheiten innerhalb des Judentums hin, die eine Einigung fast unmöglich machten. " Rosenblatt ist der Meinung, daß eine solche Einigung Wohl zu erzielen sei. Er weist zugleich auf den schönen Erfolg hin, die die Gruppe des Montefiorevereins bei den militärischen Vorbereitungskursen erzielte. Ebenso wie hier die jüd. Jugend zeige, baß sie der nichtjüdischen auch im Zusammenhalt gleichwertig sei, so würde es auch innerhalb der jüd. Jugendorganisation möglich sein. Schwarzschilb, Kornis und Roos glauben» daß einem Anschluß an die Jugendorganisationen schon aus dem Grunde entsprochen werden müßte, um den antisemitischen Jugendvereinen, die nach dem Kriege doch wieder aufleben werden, einen mächtigen Gegenfaktor gegenüber zu stellen. Man sollte bei der Propaganda für den Anschluß an die Jugendorganisationen den jüd. jungen Leuten dieses Moment ganz besonders stark unterstreichen. Der Referat wies in seinen Schlußworten darauf hin, daß ein Zusammenarbeiten der jüd. Jugendorganisationen der verschiedensten Richtungen sich bei den großen Zielen von selbst ergeben würde. Dem Antisemitismus gegenüber würde sich der Zusammenschluß von selbst einstellen, ebenso wie die jetzige Zeit das großartige Bild der Einigkeit der verschiedensten Richtungen des deutschen Volkes abgegeben hat. Zionistische Ert8«-nW>t. In der letzten Versammlung sprach Referendar Wohlfahrt über die Kautsky'sche Broschüre „Rasse und Judentum." In einer sehr geschickten und sachlichen Weise wies er nach, wie falsch die Voraussetzungen seien, von denen Kantsky ausgeht, und wie unrichtig somit die Konsequenzen seien, die er aus ihnen zieht. Kantsky behauptet» so meint der Redner, wir Juden wären schon seit 2 Jahrtausenden untergegangen und hätten aufgehört als Volk zu existieren. Da sich aber die Tatsache nicht aus der Welt schaffen läßt, daß wir doch noch bis auf den heutigen Tag leben» so hilft sich Kantsky damit, indem er sagte, daß die Juden, die bis jetzt existieren, keine Nation mehr bilden, sondern nur eine Ritusgemeinschast find. Der Referent erwidert nun im weiteren Verlaufe seines Vortrags darauf, daß eben dieser Ritus — den Kantsky nur für Zeremonie hält — ein festes nationales Band bildete und noch bildet und so mit beigetragen hat, daß wir uns bis heute in unserer Eigenart und Reinheit erhalten konnten. Dem Bortrage, der mit großem Beifall ausgenommen wurde, schloß sich eine lebhafte Aussprache an. in der Goitein, Bender, Schloß, Seligmann und andere sprachen. Kleine Notizen. Das Büro des Montefiore bittet wiederholt um Angaben von Feldadressen zwecks Msendimg von Liebesgaben, die gerade jetzt mit Rücksicht auf die nahenden Pessachtage doppelt erwünscht sind. Ebenso bittet der Vorstand um weitere Zuwendungen für diesen Zweck (Liebesgaben und Geldbeiträge in jeder Höhe und Zahl), da auf diesem Gebiete „nicht genug geleistet werden kann". Zuwendungen und Adressenangaben nimmt auch S. Singer, Röderberg 32 (I. 9989) entgegen. In der Zion. Jugend gruppe sprach K. Daugilaicky über das Thema „Der Krieg im Lichte des Judentums." Wir werden den Bortrag, der zahlreiches Material brachte, im Wortlaut abdrucken. r N. ROSENAU Englische Herren-Scr.neiderei IO Ooetbeainua» 40. . Vornahme Aoafähmog. *w»l»a Frei»«. FmiMmi. Die verjagte« Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) „Gut", sagte sie trotzig, „dann gehen wir! Adam mußte sogar ans dem Paradiese und hat auch noch ein Unterkommen gefunden." „Und wovon leben?", ftagte er finster. „Bon vorn beginnen wie ein Keiner Kommis? Dort probieren, da probieren? Benno — der kann es wagen. Der Junge hat seine Kunst und steht allein. Aber wir — durch unzählige Bedürfnisse verwöhnt, an tausend Bequemlichkeiten gebunden! Du kennst das Leben nicht, das kleinliche, ängstlich erwägende Leben. Du wirst jeden Tag unglücklich sein, jeden Tag von neuem. Was weißt Du, was ein Kleid kosten darf, oder ein Hut! Dann heißt es, telle es Dir ein, rechne, spare, und das hast Du nie gelernt, und wirst es niemals verstehen. Und erst die Kinder! Dich darben sehen — Dich und die Kinder! Nein!", ries er heftig. „Ich will nicht, daß meine Kinder in Not und Kummer ihre Jugend verlieren und bei jedem lleinsten ihrer unschuldigen Wünsche hören sollen: Das darfst Du nicht, oder: Du kannst es nicht haben. Ich will nicht, daß Deine schöne Gestall, die meine Lust ist und mein Augentrost, vor der Zeit verfalle, und Sorge und Gram Deine Blüte zerstören." „Bin ich nicht jung?", sprach Helsia. „Jugend hat Kraft und Schönheit auch bei armen Leuten- Und wo Du und die Kinder find, werde ich stets ftoh und überglücklich sein. . . Geliebter Mann, glaube mir, ich will Mitarbeiten lernen! Du sagtest sonst, ich wäre anstellig