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Neue jüdische Presse · 1915-03-05 · Heft 9 (5.3.1915) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 9 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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^eite 2. das Recht, ihr den Untergang M predigen. Der Nestor der deutschen Sozialdemokratie wird es sich wohl gehörig verbitten, wenn ein junger Genosse ihm sagen wollte: Du bist alt und abgenutzt; bitte verschwinde. Mit demselben Recht, ja mit mehr Recht, darf es sich das jüdische Volk verbitten, daß ein Fremder, der es nicht kennt, ihm den ungebetenen Rat ertellt: Geh unter. Ter Zionismus mag Herrn Kautsch ein Symptom! der ungebrochenen, starken Lebfensenergie sein, die unser Volk noch besitzt. Mit Hilfe dieser Energie hoffen wir, schon allein und durch eigene Kraft die Judenftage zu lösen und der unerträglichen Situation, in der wir leben, ein Ende zu bereiten. Tie Prophezeiung, mit der Herr Kautsch seine Predigt schließt, wird sich bewahrheiten: „Ahasver wird endlich zur Ruhe kommen." Wer nicht in dem Sinne unseres Prüngers, daß er „in der Erinnerung als der größte Dulder der Menschheit forlleben wird, der am meisten von ihr gelitten, der chr am meisten geschenkt", sondern in dem schöner«: und besseren Sinne, daß er, in seinem Lande zur Ruhe gebimmen, mehr als er der Menschheit bisher schon geschenkt, m Zukunft ihr noch schenLn wird. Brief aus Oesterreich. Tie bisherige Zahl der gefallenen jüdischen Reserve-Offiziere und Kadetten wird auf mindestens 400 angegeben. Ter von den Russen nach Sibirien verschleppte Czernowitzer Bürgermeister Dr. Weisselberger, ber mit unerschrockenem Mute bis zum letzten Augenblick auf seinem "Posten aushielt, ist nach langen Verhandlungen von der russischen Regierung fteigegeben worden. In Wien leben gegenwärtig fast 200,000 Flüchtlinge aus Galizien und der Bubiwina, von denen mehr als 40,000 in Gefahr sind, an den Pessach tagen in arge Bedrängnis zu geraten. Me Weibliche Fürsorge (Wien I, Schottengasse 19) hat deshalb, um der verhängnisvollen Wirkung des MaWosmangels nach Möglichkeit vorzubeugen, beschlossen, für die Wüchtlinge während des Pessachfestes eine Kartoffelvertellung und -Ausspeisung einzurichten. Dazu bedarf sie aber auch der Zusendung von Spenden.von außerhalb, da die jüdische Bevölkerung Wiens schon zu sehr in Anspruch genommen ist. Ein Advokat schreibt in der „Neuen National- Zeitung": ,, . . . Die Notverordnung des GesaMtministerillms und die daran geknüpfte Sperre der Wiener Advokatenliste für fremden Auzug hat in den Wiener Advokatenkreiseir sehr peinlich berührt. Wohl mag es einzelne unter uns geben, die so kurzsichttg sind, von der Eintragung einiger Dutzende der Flüchtlins-Advokaten eine .Koickurrenz oder gar eine Proletarisierung des Wiener Advokatenstandes zu befürchten, die Majorität der Wiener Advokaten sieht in der Maßregel des Justizministeriums einen inhumanen Akt, der den ihrer Habe unb Existenz beraubten, von ihrer heimatlichen Scholle vertriebenen Kollegen gegenüber gewiß nicht am Platze war. Andererseits aber mutz ich zugeben, daß das gleichgültige, ja un°, sremrdliche Verhallen der Wiener Advokaten ihren Wichtlings-Kollegen gegenüber danach angetan war, beim Justizminisler den Glauben zu erwecken, als ob er durch seine Prohittv-Mäßregeln den Intentionen des Wiener Barreaus entgegenkonrmen würde. Es ist nichts geschehen, um diesen unglücklichen, heimatslosen Kollegen ausgiebig zu helfen; man gibt ihnen lediglich ein Bettelgeld von 20 bis 30 Kronen wöchenttich, und davon soll eine Wvokaten-Familie leben! Der juridisch-politische Leseverein Hütte wohl die menschliche Pflicht gehabt, diesen armen Kollegen seine Pforten ju öffnen; "dem Präsidenten Baron Mayer fällt dies nicht ein. Wie kollegial iväre es, wenn wir, wie es die Wiener Richter mü ihren galizischen Kollegen tun, auch für unsere galizischen Kollegen von Fall zu Fall gesellschaftliche Zusammenkünfte veranstalten oder ihnen unsere Kanzleiräume für ihre vorübergehenden Arbeiten zur Verfügung stellen oder beim Justizministerium erwirken würden, daß ihnen der große Advokatensaal im Justizpalast für Arbeits- und Erholungszwecke überlassen werde! Wir haben uns aber die galizischen Kollegen fern vom Leib gehalten und glaub«: wahrscheinlich, in den frankfurter Israelitisches Familienblatt. Augen der Wiener Bevölkerung dadurch unser Prestige zu wahren. . ." Ja, ja, — von der „liebenswürdigen" Aufnahme der galizischen Flüchtlinge läßt sich mancherlei erzählen. Besonders Wien ist eine „gemütliche Stadt. Brief aus Galizien. Bon'Leon Weinreb, Baranöv. V. (Schlußprttkel.) Während die Kosaken Städte niederbrannten, Dörfer einäscherten, Guts- und Mererhöfe dem Boden gleichmachten und viele Menschenleben vernichteten, suchten die Führer der regulären Truppen auf „zivilisierte" Art und Weise den moskowitischen Bandalismus auszubreiten. So befahl der russische Kommandant Werdiew in Miel ec, daß Man den reichsten Juden, Kultuspräsident und Vizebürgermeister Israel Hermele, nach Rußland bringe. Es half kein Weinen und Flehen, der Arme wurde nach mehreren Ohnmachtsanfällen von fünf Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett abgeführt. Nach der Ursache dieses Handelns beftagt, erklärte der KommandaM, Hermele habe den polnischen Kämpferlegionen mit 1000 Kr. beigestanden. Zn Sanok verordnte der Kommandant, ein besonders hoher Offizier, die Inhaftnahme des Bürgermeisters, bis man ihm 1500 Brot für seine Truppen verschaffen würde.. Für seine Freilassung verwendeten sich die Gebrüder Kanner, zwei galizische Großgrundbesitzer, und erklärten, daß sie sich bemühen würden, dieses Quantum aufzubringen. Gleich wuchs die Zahl von 1500 auf 1800. Dieser zuvorkommende Kommandant suchte nur einen günstigen Vorwand, um die Bevölkerung eines Vergehens schuldig zu machen. Als die Brüder Kanner erklärten, daß auch 1500 Brot nur mit großer Mühe bei den gegenwärtigen Verhältnissen anznschaffen sein würden, sagte ihnen der Kommandant barsch, daß dies bis morgen früh geschehen müsse, widrigenfalls sie geschlossen und nach Rußland geführt würden. Um seiner Sache sicher zu sein, schickte der Kommandant in später Abendstunde zwei Offiziere und verfügte die Verhaftung des einen Bruders. Dieser versicherte unter Tränen, daß sie das verlangte Brot abliefern würden, da sie alle Hebel ins Werk setzten. Es half nichts, man nahm chm den Schlüssel seines Geldschrankes ab, entnahm einen Bettag von ca. 1600 Kronen und transportierte ihn ins Gefängnis. Am zweiten Tage morgens, als das Brot abgeliefert wurde, behielt Man noch Kanner in Hast, ohne es zu motivieren. So saß er hinter Schloß und Riegel, bis die Oesterreicher nach drei Tagen einrückten. In Rzeszöw verlangte Oberkommandant MaxiMow eine Million Kronen innerhalb 24 Stunden als Konttibution. Sein letztes Wort war, wenn Man ihm diesen Bettag nicht nach Glogotv, wo das Hauptquartier war, bringe, werde er die ganze Stadt bombardieren. Und dabei war es unmöglich, auch nur 50,000 Kronen zusaMmeiMbringen; waren doch die Reichen geflüchtet. Man begann dennoch zu sammeln; arme Leute brachten ins Rathaus ihren letzten Heller, auch Schmucksachen und andere wertvolle Gegenstände wurden zusammengebracht. Furcht und Schrecken bemächtigte sich der Bevölkerung, als es Nacht wurde und noch nicht einmal 50,000 Kronen zusammen waren; — .da, im letzter Minute, erschien österreichisches Militär, — und die Stadt war gerettet. Me Freude der Bevölkerung kann man mit Worten nicht schildern, man küßte die Hände der Offiziere und umarmte die Soldaten. Kommandant Maximow wurde von unseren Offizieren in Glogow gefangen und 'durch Rzeszöw geführt. Als man ihn vor dem Rathaus vorüberführte, sprang ein Metzgerbursche zu und versetzte chm eine schallende Ohrfeige mit den Worten: ,^fier hast du deine Million." Bier Wochen hatten die Höllenqualen der russischen Herrschaft gedauert. Nr. 9 Nr, BorstaudssttznugdesJüd. Frauenbundes. Bertha Pappenheim (Bors.): Ich habe auS einem tiefen inneren Bedürfnis heraus' der Schriftleitung gegenüber den Wunsch geäußert. Sie zusamnten» znbitten. Eine ruhige und friedliche Zeit hat uns vor einem Jahrzehnt vereint, heute erleben wir eine Art Probe auf unsere Zusammengehörigkeit, denn mit einer einzigen Ausnahme begründeten Fernbleibens haben sich alle Vorstandsmitglieder eingefnnden. Somit ist unser heutiges Zusammensein der Beweis, daß lebhaftes sachliches und, wie ich auch überzeugt bin, warmes persönliches Interesse uns bindet, vor allem aber, daß wir alle den Willen haben, in dieser Zeih die jedem Schweres bringt — unfern Weg als' jüdische Frauen nicht zu verlieren. Als deutsche Frauen wollen wir an unserer Stelle unsere Schuldigkeit tun, so.' wie die jüdischen Männer. freudig Gut und Blut fürs Vaterland opfern — als dem Lande der Bundesgenossenschast zugehörig fühle ich mich eins mit ihnen —, aber auch unsere jüdischen Gemeinschaftsaufgaben dürfen wir nicht vergessen. Wir wollen uns versprechen, uns treu zu bleiben! Zu dem Prvwkoll der letzten Sitzung wird bemerkt, daß das Korrespondenzblatt nicht mehr erscheint, es mußte durch die Zeitlauste eingehen. Auch die Herausgabe des..Jüdischen Franenbuch" ist aufgehoben. Als Vorsitzende der Jugendkommission berichtet Sidonie Werner-Hamburg, daß dort schon eine Wische Jugendpflege bestand, und nun noch ein Mädchenklub dazu gekommen sei, ebenso wie inzwischen in Mannheim ein solcher nach unseren Mustern entstand. Auch in Lehmig ist nach Frau Levys Bericht endlich ein Mädchenllub zustande gekommen. In lebhafter Debatte ergibt sich der Wunsch nach Zusammenberusung der Delegierten der Jugendvereine und Mädchenklub des I. F.-B. unter dem Vorsitz der Jugendkommission. Auch die Notwendigkeit einer gemeinsamen Tagung aller Ortsgruppenvertreterinnen tritt zu Tage. Frl. Pappenheim meint, daß der I. F.-B. gerade in dieser Zeit seine Wirksamkeit betonen sofle. Es wird beschlossen, daß die Ortsgruppensitznng zeitlich und örtlich mit der Sitzung der Jugendkommission Zur Frage des Gemeiudegesauges. Nachdem durch den Feldpostbrief Rabbiners Dr. Chone-Konstanz neuerdings die Frage des Gemeindegesanges, welche die Kantorenschast schon lange in vielen Schriften und Werken beschäftigt hat, wieder in Fluß gebracht wurde, teilt der Ausschuß des „Allgemeinem Deutschen Kantorenverbandes" der jüdischen Oeffentlichkeit mit, daß eine gemischte Kommission in der Bildung begriffen ist, der die Aufgabe zufallen soll, die Frage des Gemeindegesanges eingehend zu prüfen und Richtlinien für die Erreichung praktischer Ziele aufzustellen- Der Ausschuß des A. D. K.-B. wird sodann mit den in Betracht kommenden Organisationen zur Verwirklichung der" gewünschten Bestrebungen in Verbindung treten und hofft, die tätige Anteilnahme der Gemeinden an dem Gottesdienst damit fördern zu helfen. Aus aller Welt. Deutsches Reich. macherl 1 Bürr 23 Hau ve, Der Er ver sür um lichen i landwir D« ziehen. Bei „Be zusammenfallen solle und zwar in Berlin unter dem Vorsitz der Ortsgruppe Derliu. Der Vorstandsbeschluß soll sobald 'wie möglich herausgehen, da die Zusammenkunft in Len ersten Apriltagen stattfinden soll. Hierbei wird .gleich festgesetzt, daß im kommenden Jahr von der satzungsgemäß nötigen Delegiertenversammlung in Anbetracht des Krieges Abstand genommen und solche durch die oben erwähnten Kommissionssitzungen ersetzt werde. Jsabella Heim-Nürnberg erstattet Bericht über die Kommission Bahnhofshilfe, der später durch die Presse gehen wird, ebenso Helene Meyer über das Kartell der jüdischen Arbeitsnachweise und die Auskunstsstelle für Berufsberatung, in denen vornehmlich aus die Notwendigkeit von gründlicher Vorbildung ans bestimmte Berufe und auf Lehrjahre ebenso wie auf Bernssmöglichkeiten hingewiesen wird. Frl. Pappenheim erwähnt die Eröffnungsfeier des zweiten Hauses in Neu-Isenburg. Das Haus 1 sei als Lazarett angeboten worden, die Zöglinge sind in dem andern ziemlich eng beisammen. Die Anstalt habe große finanzielle Sorgen. Der Vorstand des I. F.-B.. bewifligt 500 -k für N.-J. * In weiterer Erledigung der reichen Tagesordnung^ wird beschlossen, eine kleine Kommission zu bilden, dieschleunigst ein Flugblatt entwerfen soll, das: weitere jüdische Kreise über Ernährungsfragen vom Standpunkt heutiger vaterländischer Notwendigkeiten auf-- llärt und belehrt. Frl. Pappe »heim empfiehlt die Gründung einer „Kasse 1915", die aus Jahresbeiträgen möglichst vieler flauen und Mädchen gebildet, bei Eheschließungen leine Kapitalsbeiträge auszahlen soll. Die Möglichkeit der Eheschließungen zu erleichtern, werde eine wichtige soziale Ausgabe der Zukunft sein. Die Idee wird vom Vorstand des I. F.-B. sympathisch ausgenommen, ihre Ausführung aber bis zur nächsten Vorstandssitznng znrückgestellt, um bis dahin Aeußerungen und Rat aus maßgebenden Kreisen, vielleicht auch aus dem Publikum selbst entgegenzunehmen. läßt d< j dieses | die Fr schlieW und in jenigen! Frequer lich 3k I Fahne beschäfti j meisten immerh! weilen wohl f Händen j daß bi< I stiger \ I Zähre ist die! Anfgem I 3112 i Se j trotz ei verstorb j HSHe > trags | auf 30 Mark | noch a haben t tätet | und V. I Werks Fr, I eingeric versend« jahr, I [ 31,21 3 tage ei; lich 15> 38c j Häuser Zedek-! gehakte, auch ti nimmt Frankfi Der Hannover. Dem dieser Tage zur Versendung gelangten Jahresbericht der " . - Jsr. Erziehungsanstalt zu Ahlem sei fotzendes entnommen: Zum Frühjahrstermin 1914 waren im Knabenhause 43 Gärtnerlehrlinge, 3 Schnh- Sr« >ist Ha gesal infolge — er treu — Ganz M. Hei I Chefs, Sr. Herrn die He Sr. I Bankdü iKreuz v, I Offiziei lund S s das E «e IS ied > >3lrthi Izum ß< I Stettin iLevy Vt lArthi «Siedl l arzt D iMarb lamter iSchle lRechtsa Izum O . H" Ider 1' iSteri lund B llich wi

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