Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. westeuropäischen Verhältnisse einzigartigen Harmonie sah er im Vaterhäuse verwirklichtes Sinaijudentum vor sich. „Findet wieder das Judentum der Bibel!" Dieses Wort möge die zionistische Bewegung, der Martin Feist selbstredend in seiner heißen Liebe zu seinem Volke angehörte, als Erbschaft von ihm annehmen. Es genügt nicht die Liebe zimi jüdischen Volke; esgenügt nicht, neben seinem westeuropäischen Denken sich auch zu bemühen, jüdische Gedanken zu erwerben, sondern es bedarf bet bewußten Verschmelzung im Denken und im Leben mit dem Judentum, wie cs den Vätern, als sie zum jüdischen Volke wurden, am Sinai wurde. Weil die Maffe der zionistischen Bewegung dieser konsequenten Auffassung des Zionismus noch fremd gegenübersteht, widmete Martin Feist, nachdem er einige Jahre an der Spitze der Frankfurter zion. Jugendgruppe gestanden hatte, sich dann ganz dem Lieblingsgedanken der letzten Jahre seines Vaters, der Organisierung der traditionellen Judenheit des Weltall. Wie sein Vater, der gleichfalls Mitglied der zion. Organisation war, glaubte er, daß eine Zusammenfassung aller Kräfte der traditionellen Judenheit zu gemeinsamen positiven Aufgaben unendlich viel Gutes für die Arbeit in Palästina bleute und damit auch dem Zionismus nütze, ja, daß einmal der Tag kommen könne, an dem die geeinte traditionelle Judenheit im Bewußtsein der gewonnenen Kraft sich der zionistischen Bewegung in corpore anschließe. Nächte hindurch! hat Martin Feist, nassem Gott vor zwei Jahren seinen Vater zu sich berufen hatte, für hie Verwirklichung dieser Organisation gearbeitet. Die Nächte mußte er zur Hülfe nehmen, denn die Tage gehörten dem Berufe, der beruflichen, allgemeinen und jüdischen Weiterbildung und den zahlreichen philanthropischen Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, und die zu erledigen, ihm stets Herzenssache war. Aber auch für den jüdischen Aufschwung Palästinas versuchte er bereits mit Kraft tätig zu sein. Ständig trug er sich mit Gedanken, wie man die palästinensische Jildenheit wirtschaftlich heben könne, und manches hat er bereits zur Ausführung bringen können. Auch behielt er die traditionell geleitete hebräische Mittelschule Tachkemoni in Jaffa, von der ,er bei seinem Aufenthalt in Palästina eine hoffnungsfrohe Meinung mitnahm, fortgesetzt im Auge und betrachtete es als seine Pflicht, später dieser Schule die materielle Fürsorge zu weihen, die zu verwirklichen nur der Tod seinen Vater verhindert hatte. Und nun hat auch der Tod ihn ereilt, ahnungslos ereilt ohne daß er ihm hier auf Erden noch zu Bewußtsein kam. Drei Alonate hindurch hatten ifjn schon an der Kampffront die Kugeln und Granatsplitter umtost, — da traf's ihn in einem Augenblicke, als anscheinend keinerlei Gefahr vorhanden war. In Schönheit, in seinem reinen, großen Wollen, das aus jedem seiner Füdbriefe sprach, ging er von uns. Ob er sein Wollen bei der Engherzigkeit und kurzsichtigen Kleingeistigkeit der Menschen so verwirklicht hätte, wie es chm vor Augen stand, — das steht Sei Gott. Das aber weiß ich: wenn wir hundert solcher Jünglinge hätten, wie Martin Feist einer war, hundert Jünglinge von Be- Sing und Kraft, von hoher allgemeiner und jüdischer uug und dabei von jüdischer Reinheit des Charakters, von jüdischer Gewissenhaftigkeit in Wahrung des unscheinbarsten Gesetzes d«s Judentums und tiefster Be- ' geisterung für das jüd. Volk, wie sie Martin Feist eigen waren, — dann, ja dann würde bald wieder wahrhaft jüdisches Leben in unseres Volkes Mitte und bald auch wieder in Palästinas Gefilden blühen! Ausschuß der Israelit. Gemeinde. Die Sitzung begann mit einer interessanten Debatte über die Beschaffung von Dauerfleische Für diese Frage ist bereits eine Kommission seitens der Gemeinde eingesetzt, und diese hat bereits beschlossen, daß die Herstellung von Fleischkonserven ins Auge gefaßt werden muß. Der Ausschuß beschloß, den Vorstand zu ersucheu, daß die Gemeinde zu bestimmten Tagespreise einen festen Abschluß mache, um den ärmeren Mitgliedern Fleisch zur Verfügung zu stellen. Der Ausschuß bewilligte: Für das.Krankenhaus — JL 1500 Pessachgcschirr, Jk 6200 Pflasterung der Gartenwege, JL 660 sechs Polstertüren und JL 1140 ein Dauerbad. Damit dürsten für absehbare Zell die Nachbewllligungen für das Krankenhaus erledigt sein. Für die Israelit. Religionsschule 17,800 Mark. Das Defizit der Schule beträgt JL 18,234. Es ist ein bedeutender Rückgang der Geschenke eingetreten, und die Ausgaben für Lehrergehälter haben sich vermehrt. Der Besuch der Religionsschule ist von ■ all auf 574 gestiegen. Für die .Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums 1000 JL Musikalisch-deklamatorischer Abend im Moutefiore. Der gute Ruf, dessen sich gerade diese Veranstaltungen des Vereins schon stets erfreuten, ließ es' als selbstverständlich erscheinen, daß dieser Besuch ein autzerordenllich starker war. Inhaltlich rechte sich die Veranstaltung würdig denen der früheren Abenden an. Aus dem Bortragsprogramm sei hervorzuheben: das treffliche Biolinspiel der Herren F ä b e r und Selig, der äußerst wirkungsvolle und schöne Gesangsvortrag des Herrn I. Fichcrmann. Als Künstler des Wortes zeigten sich die Herren A. Wassermann und L. Ro os. Die Begleitung der Gesänge und Violine wurde von Fck Lind in vollendeter Weise durchgeführt. Herr S. Singer übernahm es, den Mitwirkens:» zu danken. Er teilte u. a. zugleich mit, daß der Verein zu Purim seinen „im Felde stehenden Mitgliedern eine Sondersendung übermittelte und daß auch für die Pesiachtage die treuen Kämpfer draußen von seiten des Moutefiore durch geeignete Liebesgaben in größerem Maße noch als gewöhnlich beacht'werden sollen. Personaliea. ' Fein und geduldig ging' sie durchs Leben, die entschlafene Frau Prof. Altmann — fein und geduldig in den Tod. , Sie war die Krone ihres Hauses, das sie durchhellte und durchsonnte, der Stolz ihres Gatten, dessen altjüdischen Adelsnamen sie hochhielt, die Wonne ihrer Kinder, die an ihr emporwuchsen, eine Unermüdliche Bäuerin am Ewigkeitstempcl des jüdischen Heims. Und welch eines Heims! In dem kein Gedanke aufflammte, kein Begehren sich regte, kein Wort sich hervorwagte, die nicht jüdisch durchgeistigt und durch» sittrgt waren, in dem tiefste Gottesfurcht sich paarte mit feurigster Gottesliebe. Dem vereinsauiten Gatten, den Töchtern, die schon weiterschassen am Ewigleitstempel und die weiterschäfieil werden, rufen wir zu: möge die linde Erinnerung den Schleier der Wehmut breiten über Euren Zuckenden Schmerz und Ihr getröstet iverden im Gedenken an das selige himmlische Heim, das ihr nach 'standhaftem frohbemühtem Erdenwallen ward! M. SP. „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Han«» Tal. 20«’2., |g GotlCDtStraSSB II. Han»» Tal 2002 Spezialität.: Kragen. Manschetten und Hemden. IßiiiMon. Die Verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Von C. Berg. (Fortsetzung.) „Mein Wohnhaus kann ich überhaupt nicht verkaufen." „So? Warum nicht?" „Well es laut Testamentbeschluß meines Großvaters Fideikommis ist." „Was?!" Jemllian sprang in die Höhe. „Und das höre ich heute zum ersten Mal!" „Ich auch. Ich wußte cs bis heute wirklich nicht", sagte Salomon gedrückt. „Nun, Sie haben alle Ursache, sich bei ihrem Ahnherrn zu bedanken; er hat Ihnen da eine recht hübsche Zwickmühle mit diesem Hause hinterlassen. Behalten dürfen Sie es nicht, well Sic Jude sind, und verkaufen können Sie cs erst recht nicht, well die Regierung die Fideikommisse sanktioniert. Ich bin ganz offen, lieber Liedertrost: ich habe den Vorschlag mit der Hypothek auf Ihre Fabrik nur angeregt, weil ich hoffte, Sie zu dem Hausverkauf an Leo zu bewegen. Das Kloster hätte uns willig ein Heidengeld bezahlt. Aber so! Fideikommis! — Unglaubliche Narrheit!" Er lief ärgerlich auf und ab und blieb Plötzlich vor Salonron stehen. „Sagen Sie mir, Liedertrost, wie lange gedenken Sic noch sich so wahnsinnig zu quälen? Zum Teufel, merken Sie denn nicht, daß man Sie mit Fleiß chikaniert? Die Regierung läßt Sic seigner en blanc. Heute dieses Verbot, morgen jenes, übermorgen findet Groducza eine neue kostspielige Ueberraschung für Sie heraus und so fort; denn er wird dafür angestiftet und bezahlt von oben. Und was will man von Ihnen? Ein bischen kaltes Wasser auf Ihr Haupt, und Ihre Peiniger sind zufrieden. A propos die Hälfte der hiesigen Juden sind berells beim Protestantismus angelangt, was allerdings nur eine Aufschubsstafion sein dürfte. Tauchen Sie völlig unter und werden Sie rechtgläubig samt Frau und Kind, dann hat die liebe Seele Ruh! Es ist ja das reine Kinderspiel. Lconid hat in diesen Tagen Unzählige getauft, nur Wenige nahmen die Geschichte so tragisch wie Sie. Die Meisten haben ganz famose Witze gerissen und machten die Zeremonie mit vielem Anstand als einen nicht zu umgehenden Muinpitz mit, und die Leute leben nach wie vor, ja gedeihen besser wie vorher; denn im Schatten des Kreuzes ist auch gut wohnen." Salomon war wie betäubt. Jemllian geleitete ihn bis zur Tür und flüsterte ihm noch einmal eindringlich zu: „Ich wiederhole Ihnen, das Ganze ist ein Kinderspiel. Man wird Sic schon wieder in die Höhe bringen. Man wird Ihnen Lieferungen geben und Sic auf andere Weise begünstigen. Prosclytcn werden finanziell begünstigt, als wollte man an ihnen Millionäre züchten. Ueberdics Ihr Vater braucht ja gar nichts zu erfahren." ... Seit Wochen sprach die ganze Stadt von dem Fest, welches die schöne Frau Liedertrost zu Ehren des Landesherrn in Angriff genommen. Letzteres im buchstäblichsten Sinne des Wortes; denn Helsia mußte kämpfen wie ein auf Schlachtfeldern-ergrauter Korporal. Erstens mit Nr. 8. dem Festkomitee, das jeden Tag ein neues Programmj aufstellte/zweitens mit den Müttern, die nur Hauptrollen für ihre Töchter verlangten, mit den jungcnl Mädchen, die in dem zu errichtenden Wohltätigkeitsbazar eine jede Zigaretten und Champagner verkaufen wollten, während das Lager leider meist aus aus-! rangierten Rückenkissen, Sachets, Sophaläufern, bei deren Anblick ein mit nur halbwegs gesundem Farbensinn begabter Mensch sofort davonlief, Schlafmützen in den! schreiendsten Farben, Papierblumen, kurz aus Hunderts anderen Geschmacklosigkeiten bestand, mit deren Anfertigung zarte Frauenhände die liebe, Zeit totschlagen.I Das Fest sollte im deutschen Theater stattfinden, und schwer, aber endlich war ein „allerletztes endgültiges Programm" aufgestellt. So weit war alles im bestens Gang; und wenn Helsia hundert Mal des Tages erklärte, daß sie längst vor dem Fest noch vor lauter! Aerger, Aufregung und Uebcranstrengung mausetot sei» werde, so geschah ihr damit ganz recht; warum war sie töricht genug, ein so verantwortungsvolles Amt zu übernehmen! Nichtsdestoweniger kam sie heute wieder! frisch, blühend, eine Anzahl Pakete von Bänder», Blumen, Konfekte», Spitzen auf den Armen, eine Unzahl Neuigkeiten auf den roten Lippen in das Zimmer ihres Gatten: „Fünfhundert Billete haben wir jetzt verkauft, fast der gesamte Adel der Stadt hat zugesagt.." Salomon entwortete nicht. Aergerlich über sei» Schweigen, wollte sie mit ihm zanken, doch nach einem einzigen Blick in sein Gesicht warf sie Blumen, Bänder und alles, tvas sie sonst in Händen hielt, auf die Erde und stürzte auf ihn zu. „Mein Gott, Mann, was ist Dir geschehen?!" „Nichts. Laß mich in Ruhe!" „O, Du hast Kummer — ich muß ihn erfahren, ich wlll auch meinen Teil daran." Und sie schmeichelte so lange, bis er nicht länger widerstand. Da sagte er ihr alles. Helsia konnte vor Weinetr kaum sprechen. Sie waren ruiniert. Und sie hatte nichts gesehen, nichts gemerkt — sie war neben dem seit so langer Zeit verzweifelnd kämpfenden Manne dahingetändelt, oberflächlich, sorglos, wie eine Leichtfertige, nicht tote eine teilnehmende Frau. „Und ich habe gelebt, als ob wir reich, endlos reich wären", stamnieltc sie schluchzend, „und nun bin ich mit an Deinem Ungück Schuld!" Er streichelte ihren blonden Kopf und antivortetc mit trübem Lächeln: „Das läßt sich nicht leicht leugne», Herz, Du hast ein wenig toll gewirtschaftet. Doch das ist niein Vergehen, ich mußte denken für uns beide. Aber selbst, wenn wir gespart und geknausert, wie die Harpagone, wir hätten unser Schicksal nicht aufgehaltcn. Der Millionär unterliegt demselben Zwange wie der Bettler, den Du jeden Freitag beschenkst: Entweder taufen oder hinaus." (Fortsetzung folgt.) Pioniere dem bri Schi öffnete kehren aber nc Vor flugs w Seite, i schon «l ecke fühl Hause i lich zur wie die Türe z, ist er Wir abgelade durch il 3 Wage, Als wir meister: anfange Wagen b Nek kochen. Bitten den Sl verbran auf der Es war Ich An ein Mitten und ei deckten Jsroel" Wv als wir Leiterin Schmie! laden > So Schmie! und Nl war n Ich einem welchen ich ha! später vollste großer c N. ROSENAU Englische Herren - Schneiderei IO OovtlteitraM« IO. Vornehm® Ausführung. Massive Preise. Ans Feldbrieseu. Wir lagen in S. . . . (Belgien) und backten fleißig Brot, als unser Proviantmeister mit der Nachricht kam, es müßten sofort 5000 Brote an die Front gebracht werden. Im Nu hätten wir die Brote verladen — auch rch hatte mich freiwillig gemeldet —, unsere Karabiner umgehängt, und fort ging's. Es war ein schöner Freitagmittag, und ich dachte: „Bis Sonnenuntergang bist du wieder zurück." Aber es sollte anders kommen. Ueberall sah man Spüren von kurz vorher stattgefundenen Kämpfen, und Gewehrfeuer und Kanonendonner sagten uns, daß es noch 'ein heißes Ringen galt, bis die Maas in unseren Händen ist. Bei M. . . überschritte»' wir die belgisch-französische Grenze. Ein Grenzpfahl war nicht zu sehen, dagegen das arg mitgenommene Grenz- Gasthaus. Die deutschen Kanonen hatten inanches Luftloch gemacht, an den Fenstern hingen Stühle und andere Utensilien, Guirlanden hingen an den Türpfosten, als wenn es der größte Feiertag wäre. Aber gleich darauf sah man, daß inan in das schöne Frankreich gekommen war. Alles blühte und pranktc in Gottes Natur. Bald glaubte ich, hier eine andere Sonne vor mir zu haben, als in denr steinigen, düster» Belgien. Auf den Wiesen und Acckern lagen Betten, Kleidungsstücke usw. Herrnlos lief das Vieh herum und brüllte. Hier und da lag ein toter Franzose, der aus Mangel an Zeit noch nicht begraben werden konnte. Mittlerwelle war es Sabbat-Anfang geworden. Ich war auf dem Wagen einen Augenblick eingeduselt, und da hörte ich im Geiste: „Lccho daudi" und sah meine liebe Frau die SabbaÜichtcr entzünden. Ein Stoß über einen harten Stein tveckte mich auf, und ganz tveit sah ich zwei große Lichter zum Himmel brennen und leuchtendaneben tausende Funken und Flammen, ich war in Freitagabeickstünmung trotz Kanonendonner und Gewehrfeuer. Da rief der Herr Proviantmeifter: „Wir De, 4 I Di niec jen< Am Frank a. 1 jetzt'. Heilgy Eig Hoch s i s i i ■= i Ge Grosi Hi