Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Auf der einen Seite brannte jedes Haus, auf der andern Seite war schon alles niedergebrannt. Als wir um eine Straßenecke fuhren, stand ein alter Mamr vor seinem brennenden .Hause und rang 'die Hände. Ich wollte ihm freundlich zureden, das Haus zu verlassen; aber mißtrauisch, wie die Franzosen sind, ging er hinein, schlug die Türe zu, und trotz meiner Bemühung, ihn zu retten, ist er verbrannt. Wir kamen bis zur Schmiede, dort sollte das Brot abgeladen werden. Die Häuser gegenüber gaben uns durch ihr Brennen Beleuchtung, und flugs hatten wir 3 Wagen dort in der Schmiede und die Wagen entleert. Als wir den 4. enlladen wollten, sagte der Proviantmeister: „Wir werden beschossen; auch könnte die Schmiede anfangen zu .brennen; laßt die andere Brote auf dem Wagen!" Neben uns war eine Sanitätskylonne am Kasfeekochen. Jeder von uns hatte Durst, und auf unser Bitten erhielten wir Kaffee. Das Vieh lag.mitten auf den Straßen,. wollte in die Ställe, die schon längst verbrannt waren. Betten, Mobiliar, alles lag haufenweis auf der Straße irnd brannte. Weiber schrien, Kinder weinten. Es war ein entsetzlicher Anblick! Ich war sehr müde, die andern Kameraden auch An ein Zurückfahren in der Nacht war nicht zu denken. Mitten auf der Straße stand ein Sanitätswagen, ich und ein Kollege, wir legten uns auf diesen Wagen, deckten uns mit Stroh zu, und'mit den Worten „Schmäh Israel" schlief ich ein. Wir mochten ungefähr % Stunde geschlafen haben, als wir unsanft mit dem Rufe geweckt wurden: „Feuer, Leiterwagen brennt, wollt Ihr verbrennen! Auch die Schmiede brennt, das Brot muß sofort wieder aufgeladen werden!" Sofort wurde sämtliches Brot aufgelade», denn die Schmiede brannte an allen vier Ecken. Es war' 11 Uhr, und nun wunderten wir die ganze Nacht. An Obdach war nicht zu denken, weil es überall brannte. Ich ging in dem brennenden Ort umher, unter einein rauchenden Haufen fand ich einen Vorhang, in welchen die 10 Gebote ans jüdisch gestickt waren; ich habe den Vorhang immer bei mir und werde ihn später unserer Gemeinde vermachen. Es war die grauenvollste Nacht, die ich bis jetzt im Kriege trotz schon großer Strapazen erlebt habe. Am Samstag Morgen lächelte der Himmel über dem großen Trümmerhaufen, den das Dorf geworden war. Von 2 Uhr ab kam Kompagnie an Kompagnie und holte Brot. Einigen verwmldeten Offizieren war ich Samariter und wusch ihnen das Blut und den Schlamm vom Gesicht. Um 10 Uhr Samstagmorgen ging es denselben Weg zurück. Die Verwundeten begegneten uns, itnd tzoir nahmen? viele bis zur nächsten Verbandsstation mit. lieber 300 gefangene Franzosen und Engländer mußten dort die toten Tiere begraben. Wir bogen wieder auf die Hauptstraße, nachdem wir die Maas überschritten. Dort, wo die Hauptstraße eine Biegung macht, hat 1870 Napoleon Bismarck seinen .Degen überreicht. Bon da auS ging es flott heimwärts zu unfern Kollegen. Diese dachten, wir wären verloren und freuten sich, daß wir wieder bei ihnen waren. Es war fast 6 sihr abends, als wir .ankamen, uitd um 7 Uhr lag ich schon auf meinem Stroh und träumte von diesem Sabbat, den ich nie vergesseit werde. H. N—m. Frankfurter Edelmetallverwertnng Gaplach & Weins Probier* n. ScbmelzanatalL Metallurg. Laboratorium. Tauniis«tr. US. Frau »-fort n. M. Tel. 1. 6743. Ankauf aller Edelmetall-Rückstände, Bruchgold u. Silber. Barren — Fellnng — CfhrStirn - Abfallen. Bunte Chronik. Betrachtung zu Purim. Von Dr. med. Rainer, Arzt zu Wiesbaden. Niemand konnte so gut verleumden wie „Haman", so stellen unsere Weisen im Traktat Megillah dem ehemaligen Premierminister des Ahasveros das Zeugnis aus' „Sie sind Kosmopoliten, überall zerstreut, sie erfüllen die Gesetze des Königs nicht." Unsere Weisen fügen noch die Erklärung hinzu, daß Haman geradezu behauptete, die Juden würden den König verachten: „Denn, wenn eine Fliege in den Weinbecher gefallen ist, holt sie der Jude heraus und trinkt den Wein, nicht aber wenn der König den Wein berührt hat!" Ferner soll er, nach Traktat Megillah, behauptet haben, daß die Juden Fanllenzer seien, die jedesmal Sabbath und Feiertage vorschützen, um nicht zu arbeiten und sich auf Kosten anderer ernähren zu lassen. „Dem Könige lohne cs sich nicht, sie im Lande wohnen zu lassen ■, für den etwaigen Steuerausfall wollte er, Haman» fünfhundert Zentner Silber der Staatskasse großniütig spenden!" Ein Judenmädchen war es dann, Esther (der Stern), die den mächtigen Günstling des Königs stürzte und ihr Volk rettete. . . . Wag Verleumdung.bedeute, das verspürt jetzt baS deutsche Voll am eigenen Leibe, dafür sorgen die englischen Vettern, die bramabasierendeu Franzosen, die bärbeißigen Russen! Man erfindet oder legt die eigenen Schandtaten dem Gegner zur Last — und „havasiert" in die Welt hinaus „Geh' hin, verteidige dich." Aber wie einst den zu Tode verdammten Juden, ebenso wird auch in unserer Zeit der Wahrheit Hilfe kommen — von o b eu! Und wie einst der Erzverlrumder an dem von ihm selber für Mordechei hajehudi erbauten Galgen aufgeknüpft wurde, ebenso werden Deutschlands Feinde und Verleumder an ihren eigenen Lügen und Schandtaten zerschellen, zertreten. . . Die Wahrheit siegt, muß siegen. . . Bl. IViere, Optiker, Liebfrauenstr. 1. Brillen, Pincenez, Operngläser, Feldstecherl in jeder opt.-mechan. Spielwaren I Preislage Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Latorna-Mapica, KiromatDoraphro etc. Spenden. Bei der Nationalfondskommission (Jsaac Heimann, Zeit 21) gingen ein: S p e n d e » b u ch: Geschwister Feist anl. des Heimgangs ihres Bruders Martin 50,— M. Frau Caroline Hamburger und Sohn zum 5. War " 10.— „ Beim Franks. Israelit. Familienblatt ginge» ein für die heimgesuchte» Juden Galiziens: 8t. R. _ 2,— Jfc Martin Feist-Stiftung der Tachkemonrschule, Jaffa: Emma Geis anläßl. Jahrzeit ihrer felg. Mutter Auguste Schmidt geb. Möller 5.— JL Hafner Friedrich Quelle - Ottenbach a. M. ■ Gegen Gteht und Bheumatimnun bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Fran|[f.i«.W_ ßflntherxh-Alle«. 37. T«* EanM^h 714. Wochen-Salender. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 27. Februar I--- 13. Adar.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 llbr 35 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 50 Mim in Berlin 6 llbr 20 Min. Wochenabschnitt: Te z awe h. — Der goldene Leuchter. Die Priesterkleider. Die siebentägige Priesterweihe. Die täglichen Opfer. — Drexel -Lichtspiele Gr. Friedbergerstr. 20 Ein Theaterereignis ersten Banges! Dep Slaganzug des gewaltigsten sozialen Dramas der Gegenwart! I 4 üte. Absinttl S!! lb Samstag.! der MSrder des französischen Volkes. Di© Entsittlichung einer grossangelegten Nation. Dl© Entnervung der höchsten Gesellschaftskreise und der 1 niedrigsten Volksmassen, der eleganten Boulevard-Spaziergänger und jener, die in den verratenen Pariser A pachen-Lokalen ihr | dunkles Dasein fahren. Ausserdem das übrige hervorragende Programm, u. a. Die | neuesten Kriegsberichte von Ost und West! Erstklassiges' Künstler-Konzert. Orthopädisch-Chirurgisches Institut E-raniftirt ZZF. LtU88l»UCC TelephN°“ Taunus früher fast 9 Jahre hei Betrat v. Hessing-Göggingen jetzt Bockenheiiner Landstr. 18, Eingang Oberiindau. Heilgymnastik u. Massage, Röntgenuntersuchung u. Behandlung, Radiothermbäder, Diathermie, kflnstl. Höhensonne. Eigene Werkstätten für Schienenhülsenapparate u. Stütz-Korsette. Hochfeinste Schellfische, Cabliau Z Feinster. Rheinsalm g> lachsforellen “ Lebende Forellen ~ Hummer Turbots Heilbutt Soles Halbsoles Feinste holl. Austern Schollen Zander Hechte Karpfen Schleien Stinten, Merlans Georg Schauermann Söhne Grosse Bocfeenheimerstr. 46. 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