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Neue jüdische Presse · 1915-02-19 · Heft 7 (19.2.1915) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 7 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Frankfurter Israelitisches FauMenSlatt. Seite 3. Nachrufe hielten der Papaer Raw, der hiesige Prediger Rabbi Samuel Donath-, der als Flüchtling hier weilende Tarnower Rabbi Löb Halberstamm, ein Wiener Schwiegersohn des. Hingeschiedenen und der Pester Dajan Schreiber, ein Mechutton des Verstorbenen. Jassy Vor einem zahlreichen Publikum hielt Moses I. Duff am .6. Februar in der jüd. Tohmbehalle einen Vortrag über den Talmud. Dem Wortrag wohnte auch der hiesige Universitätsprofessor Dr. Zosin bei, der dem Redner die Hand drückte und ihm seine Zufriedenheit .aussprach. Um den Antisemitismus, der in seiner Unkenntnis des Talmuds, in ihm einen reichen Stoff für Hetzereien sindet, gewissermaßen zu bekämpfen, wurde Herr Duff vom Vorsitzenden ersucht, einen.- 'Zyklus von Borträgen über den Talmud abzuhalten. London. Daily World nennt sich eine hier seit einigen Tagen erscheinende jüdische Tageszeitung. London. Dr. Alka ly, Oberrabbmer von Serbien, weilt hier, um. für die notleidenden serbischen Juden Geld zu smnmeln. Kapttadt. Die hiesige Universität hat beschlossen, daß in Rücksicht auf die jüdischen Hörer fernerhin an Samstagen keine Prüfungen abgehalten werden dürfen. Franz Mild Hi., (9. K11H1 Schfllonali*. 18m Telephon I, 8680. Seifen, Liebte, Kamm- und Bürstenwaren, Besen etc. Cosnretische Spezialitäten. Der Krieg »»d vie deutschen Jude». Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr. Alfred Carlebach, Leutnant im 1. bayer. Reserve-Feldartillerie-Regiment, erhielt das Eiserne Kreuz. Die Auszeichnung erfolgte außerterminlich und wurde ihm persönlich vom Oberst seines Regiments überreicht. Berlin. Das eiserne Kreuz erhielten: Assistenzärzte Dr. Fritz Cohn, Dr. Arthur Kronfeld, Dr. Ott Margulies und Dr. Adalbert Sachs, Walter Perl, Bruno Jacob, Unterarzt Kurt M a r c ü s e, freiwillliger Kriegsarzt und Chefarzt des Choleralazaretts in Kutno Professor Dr. F r i e d l ä n d e r, Hugo Metz, Paul Reichmann, Assessor Oskar Heidemann, Max Ber ger, Stabs- und Bataillonsarzt Dr. Markwald, Ernst Blumenheim, Paul L c v i, Sohn des verstorbenen Mitinhabers der Firma Hermann Gerson, Ofsizierstcllvertreter Walter Pleßncr, Offizierstellvertreter Bruno Anders, Assistenzarzt Dr. Franz Rosenthal, Referendar Dr. Hans ' Reich, Julius Münzer, Heinrich Opprower, Julius Glücksohn, Emanuel Röhr, Erich Burin, Feldunterarzt Ioachim Caspari, Stabsarzt Dr. Joachim Roth mann, LouisEick, Stabs- ' arzt Dr. Er n st Joseph, Offizicrstellvertreder Paul Solinger, Unterarzt Edwin Schiller, Oberstabs-' arzt Dr. Leopold Alkan und Stabsarzt d. R. Dr. Alfred WitkoWski. "" . Köln. Otto Brünell und Walter Cap ell erhielten' das Eiserne Kreuz. / Bamberg Leutnant E r nst We in e r, Sohn Justizräts W., erhielt das Eiserne Kreuz. - - i . Nürnberg. Ojfizierstellv. -Albert Schloßheimer, erhielt das Eiserne-Kreuz. .. . Motzwardei« lUngarn),, D er W iz n itz e r Rebbe ist eingetroffen. Er hätte iii. K o s s o w geweilt," als die Russen, dort einzogen. Er war nicht geflüchtet, weil die Ruthenen ihm für seine Sicherheit gebürgt'- hatten. - Die Ruthenen sind ihm nämlich dafür dankbar, daß er für die Errichtung eines ruthenischen und nicht, eines deutschen. Gymnasiums seinen Einfluß eingesetzt hatte (ein ruthenisches Gymnasium können nämlich die deutsch - sprechenden Juden nicht besuchen,' -und das 'wollte der Rebbe). Trotzdem: .verhüteten die Russen seine drei Söhne und bedachten sie mit Ragaikaschlägen, und erst nach drei-Tagen wurden sic frei ' gelassen. Breslau. Unterarzt Dr. Hans Eckstein. Willy Gold mann, Paul Hanf, Oberarzt Dr. Fritz Hermann und Dr. -Paul H einrichs d orff erhielten das Eiserne Kreuz. ' Zürich. Der von der hiesigen ..Agudas Jisroel Mädchen.gruppe" im „Jsr. Wochenblatt" erlassene Aufruf hat in der Schweiz inäch,tigen Wiedcrhall gefunden. Bereits über 1400 getragene Kleider und Wäsche sind von den Mitgliedern der A. I. Mädchengruppe eingesammelt worden. Bier große Kisten sind schon an die ,-Zentralstelle für die Fürsorge der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina" nach Wien .abgesandt worden. I Offenbacher Druckluft-Anlage I Ottenbach ». M. Telefon 123. (Anschlags mit Frankfurt). I Bewährteste Tepplehralnlcnng (100,000 qm jährlich) I sowie unQbertrof iene Bettenu.Bettfedernrelnlguna mittelst Druckluft ünd Wasserdampf. Gedächtnisfeier. Die Agudas Jisroel ° Jugendgruppe und 3L I.- Nlädchengruppe veranstaltet kommenden Sonntag (den 2,1. ds. Mts.), abends 6 Uhr in den Räumen - der Suppenanstalt eine Gedächtnisfeier für die im Kriege gefallenen Mitglieder und Führer der A- I. -I. -O. Die Gedenkrede wird Woli. S. Iacobsohu-Hamburg halten. Aus der Frankfurter Agudas Jisroel-Qrganisation Die Mädchen gruppe versendet soeben ihr Programm für die Zeit Februar -Dtärz. Aus der. „Uebersicht -über unsere Lehrtätigkeit" geht hervor; daß im Lehrplane einige Veränderungen eingetreten sind. — Einem vielfachen Wunsche entsprechend, hat S. Schachnowitz die Leitung eines Tnachkursus überiwmmen. — — Lehrer M. Hirschberg wird bis auf weiteres in seinem am Samstag Rachmittag stattfindenden Kursus die H a g g o d o h behandeln. Der bisher bestandene Nähabend .soll nunmehr zu einem allgemeinen Handar b eitsa-h end, der zugleich eine gemütliche Zusammenkunft der Mitglieder bezweckt, erweitert werden. Unter sachkundiger Leitung sollen an diesen Abenden Gelegenheit geboten werden, jede Art Handarbeit auszuführen. - Auf Wunsch stehen Schnittmuster zur 'Verfügung, um auch selbständiger Arbeit Gelegenheit zu geben. — Der Zeit entsprechend sollen auch für die durch den Krieg in Rot geratenen Glaubensgenossen Wäsche und Kleidungsstücke angefertigt werden. — Das Rundschreiben erwähnt dann noch, daß am 6. März eine Rezitation von Frau Elsbeth 'Selig stattjinden und am 20. März Dr. Heinr. Ä. Cohn-Basel sprechen wird. In der Jugendgruppe sind u. a. Haggodoh- Vorlesungen von Direktor Dr. G. Lange in Aussicht genommen. In den Mitteilungen lesen wir ferner: „Um die Beziehungen zu den im Felde stehenden Mitgliedern der Agudas Jisroel - Jugendorganisation, Bnird gesetzestreuer jüdischer Jugendvereinc aufrecht zu erhalten, hat ein Fremid und tätiger Mitarbeiter der Organisation größere Beträge für Liebesgaben gespendet." „Vaterländische Pflicht jedes Mitgliedes unserer Gruppe, das int Alter von 16—20 Jahren steht, ist es, sich an den militärischen Ausbildungskursen zu beteiligen." „Auf Veranlassung der Leitung der Jugendorganisation richten die Jugendgruppen Lehrlingsstellenvermittlungen ein. Auch wir haben eine solche ins Leben gerufen. Unsere Lehrlingsstellenvermittlung vermittelt Stellen für Lehrlinge und 'Lehrmädchen. Die Vermittlung erfolgt kostenlos. Stellensuchende belieben sich an uns zu wenden. Sprechstunde ist jeweils Sonntag von 11 bis 12 Uhr und Donnerstag von 9 bis 10 Uhr abends im Zimmer 3 der A. I. -Jugendgruppe." Kleine Notizen. Frl. B i n ch e n L c v i aus Werdorf (Kreis Wetzlar) ist am 20. Februar 2-» Jahre als Köchin in der Fmnilie Siegmund Sichel, Wittelsbacher Allee 11 tätig. Mtk. Die Verjagte». Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) „Ja", seufzte der alte Abraham, „besonders wenn man keine besseren findet." „Ich hab's", rief Helsia lebhaft. „Das Heil der Welt kommt vou den schönen Frauen", sagte Kalagiceanu, sich lächelnd verbeugend. Frau Helsia neigte wenig zu Ratschlägen, desto stärker zu Befehlen. „Wir geben am Namenstag des Fürsten rin großes Fest: Galaoper; wo Kenski's Truppe nicht' ausreicht, müssen wertgeschätzte Dilettanten sich beteiligen. Dann Festsouper, Bekleidung von hundert Waisenkindern, Blumenbazar, Zigaretten- und Champagncrkiöske, Malereien unserer ersten Künstler, Zeichnungen unserer größten Bankiers — der Ertrag wird nach Bukarest gesendet." „Vortrefflich!" rief Kalagiceanu, „das nenne ich mir eine Bersöhnungspolitik." ' , Der Stimmungs-Barometer der Gesellschaft, der vorher sehr bedrohlich auf Regen und Sturm gestanden hatte, stieg — wolkenlos auf Prachtwetter; man war wieder ungeheuer vergnügt. Die Männer applaudierten) die Damen waren mit Feuer dabei, die Details der Festvorbereitungen zu besprechen. Kalagiceanu bot Helsia den Arm, ein Herr setzte sich an das Klavier und spielte im Baß, der von den Steinwürfen leidlich verschont geblieben, eine Mazurka, ein paar muntere schnurrbärtige junge Leute pfiffen den Diskant, und bald tanzte das lustige Völklein leichtfüßig über Scherben und Trümmer hinweg. Abraham ging im Saale umher, besah leise stöhnend den Schaden an zerbrochenem Glase und Möbeln und räumte hier und dort abgeschlagene Vasen oder Holzsplitter bei Seite. „Vater, was sagst Du zu Helsias Einsals?", sragte Salomon. „Unternehmt's! Vielleicht habt Ihr Erfolg. Aber", fuhr er wehmüttg fort, „was wird aus den Tausenden unserer Brüder, die keine Galaopern und Blumenbazarq denen oben weihräuchern können, well sie kein Kleid für sich und kein Brot für ihre Kinder haben? Ich fahre morgen nach Bukarest, und erbitte mir eine Audienz beim Minister." „Du wirst einen Mann von Stein finden, Vater!" „Mose,' unser Lehrer, schlug auch Wasser ans dem Felsen", antwortete Abraham fest. „Guter Vater, fahre Du immerhin. Dich hielte ja wohl keiner zurück. Aber laß Dir sagen: von hartem Felsgestein konnte einst den Juden eine Wohlfahrt kommen, von einem rumänischen Minister nie!" „Salomon, Salomon!" Frau Helsia eilte mit hochroten Wangen herbei. „Mann, Du läßt sofort anspannen und nach dem Luxushändler in der Wulka schicken; die Kiste nnt den Kotillon-Ueberraschungen ist total zerschlagen worden." „Aber Kind, muß das sein? Hatten wir nicht Ueberraschungen vollauf? Ahnst Du, was der heuttge Abend kosten wird?" „Ach, sei nicht langweilig, Mann! Was liegt an hundert Lei weniger oder mehr? lind schaffe mir Alexandrn herbei? Es fehlt zum Contte ein Vis-ä-Vis." Im nächsten Augenblick sah man sie wieder wie eine Leuchtgarbe mitten im Trubel der Tanzenden hin und her fahren. „Hundert Lei weniger oder mehr!", seufzte Salomon. „Und dieses große Kind soll das Darben lernen!" Er fand Jemilian im Speisezimmer. Der schlug die Aufforderung rundweg ab. „Tanzen soll ich? Contretanzen! Eh — bin ich ein Student? Nein, mein treuer Freund! Entschuldigen Sie mich! Lügen Sie für mich, ich habe Kopfweh, die Musik macht mich nervös!" Die Wahrheit war, Alexandrn wollte einem ferneren Zusammensein mit Claudia aus dem Wege gehen. Er war ihr böse, daß sie vor aller Welt um ihn gezittert, ja ihn beinahe kompromittiert hatte. „Zum Teufel, die Neigung solcher Mädels ist unheimlich konservattv", sagte er sich. „Zu viel Liebe und zu wenig Geld." Er empfahl sich sehr zeittg. Sobald wollte er das Haus Liedertrost nicht wieder besuchen. Unterdessen hatten ihn ein paar blaue Augen schnsüchttg in allen Ecken des Saales gesucht. „Ist cs wahr, Herr Alexandrn ist krank?", fragte Claudia leise. „Nein", erwiderte Benno hart, „das lügt er von Grund aus." Im nächsten Augenblick bereute er seine Heftigkeit, Claudias Augen hatten sich mit Tränen gefüllt. „Verzeihung", murmelte Benno, „o verzeihen Sic mir! Weinen Sic nicht um ihn", flüsterte er ttef bewegt, „ich kann es nicht ertragen. Ich glaube, seit heute hasse ich diesen Jemilian. Und Sie, Sie haben Schuld daran. Sagte ich nicht. Sie hätten einen Fehler, Claudia? . . . Wohl, Sie sind so gut, viel zu gut. Und die reine Güte ist wie die volle, hehre Sonncnglut. Wir Menschen sind sie nicht gewöhnt und können sie nicht mehr ertragen!" Fünftes Kapitel. Es geht bergab. Der alte Abraham hatte nach Bukarest fahren »vollen, eine Audienz beim Minister zu Gunsten der ausländischen Glaubensgenossen nachzusuchen, und zwei andere Vorsteher der Gemeinde hatten die Absicht, ihn zu begleiten. Die Reise mußte aufgeschoben werden, es ward Liedertrost jetzt unmöglich, die Stadt zu verlassen. Ganze Schwärme von jüdischen Durchzüglern trafen ein, getrieben aus allen Tellen des Reiches, hungernd, zerlumpt, krank, lagerten sie auf fteicm Felde. Abraham lies an alle Türen, bat, bettelte für die unglücklichen Geschöpfe, erpreßte Summen von Freunden und Bekannten und gab sich selbst halb arm, um den Bejammernswerten vor allem ein Wellchen Obdach und geringe Wegzehrung zu verschaffen. Alle, selbst die Aermsten unter ihnen wollten nach Amerika! Fast war es ein Glück für den alten Herrn, daß sein Kopf jetzt vollauf mit ftemden Sorgen beladen war, so sah er wenigstens das Unhell nicht, das an seinem eigenen Herd sich herangeschlichen und wie eine garstige Riesenspinne alle Freuden, die bisher gleich hübschen, bunten Schmetterlingen in seinem Hause umhergeflattert, langsam aussog und tötete. Es war eine schwere, harte Demütigung für Salomon, da er sich nach vielleicht zwei, drei Wochen entschloß, zu Jemilian zu gehen und bei ihm, trotz aller schmerzlichen und widerwärttgen Bedingungen, die Erfüllung des versprochenen Darlehns nachzusuchen. Leider, schien Alexandrn diesmal viel weniger entgegenkommend und hilfberell. „Habe ich nicht gewarnt, daß Ihr — Pardon — lächerliches Zögern Sie zu Schaden bringen würdet, sagte er kalt. „Sie hätten wissen müssen, lieber Liedertrost, daß meine Voraussetzungen noch stets sich zu bewahrheiten pflegten. Da haben wir das Verbot für ausländische Juden, Grund und Boden zu besitzen!" „Aber mein Gott", rief Salomon, „eine solche Verordnung entsteht doch nicht im Handumdrehen ..." „Rumänische Gerechtigkeit! Was wollen Sie? Das Verdienst dieser Ueberraschung gebührt unserm Freund

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