Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 6 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Z o l t a n S z a s i\, einer der . bedeutendsten Publizisten Ungarns, schreibt im „Pesti Hirlafl": „Noch tragischer, wüster und bis in das Mark ergreifender sind die Leiden, welche dieser Weltkrieg über die Inden gebracht hat. Wahrhaftig, das Schicksal dieses Volkes zwingt zu immer neuer Verwunderung. Selbst eine vom Mystizismus vollständig freie Seele wird von eisigem Schauer ergriffen, wenn sie von den neuesten Leiden dieses Messinasvolkcs hört. ... In den Armeen dreier Staaten dienen ihre Mitglieder und sind gezwungen, ihre Glaubens- und Stammesbrüder zu morden. Das ist eine Pein, welche zum Beispiel der ungarische, französische oder englische Soldat nicht empfindet. Und dabei zerstört der Krieg wieder, ähnlich dem Schicksal der Polen, auch ihr Heim. Jede niedergebrannte polnische Stadt ist gleichzeitig eine Wunde an dem Körper der jüdischen Nation. Ja, in gewissem Sinne leidet der Jude noch viel mehr als der Pole. Der letztere ist nämlich zumeist Grundbesitzer, Eigentümer mächtiger Latifundien oderein kleiner Bauer. Wenn er demnach sogar seine wirtschaftlichen Gebäude, seine Maschinen, sein Vieh und seine Werkzeuge verliert, _ der Boden, der Grund und Hauptbestandteil des Vermögens, bleibt ihm und wird nach Abschluß dieses schrecklichen Ackerns dennoch wieder zu einer produktiven Bodenfläche gestaltet werden können. Das'Judentum hingegen ist ein Bürgervolk. Es besteht aus freie Berufe ausübenden Advokaten, Aerzten oder Kausleuten, hauptsächlich aber aus armseligen vermittelnden Kausleuten, bedauernswerten, von heute auf morgen lebenden, gewissermaßen aushelfenden Kleingewerbetreibenden. Es ist also ein Volk, dem der Kriegssturm alles aus der Hand reißt. Die Klientel, den Kundenkreis, seine in den Lagern angehäuften Waren, seinen jämmerlichen Laden mit all den: Krims-Krams, seine schmutzige kleine Verkaufsbude, seine trödlermäßige Wohnungseinrichtung, kurzum der Krieg zerstreut seine ganze Habe. Dem polnischen Bauern bleibt wenigstens, wenn der Krieg vorübergezogen ist, sein kahler Boden. Der polnische Jude hingegen ist in der Blutsintflut zu einein seiner ganzen Habe beraubten lebendigen Wrack geworden, und die meisten seiner Schicksalsgenossen sind auf solche Weise auf den nicht übermäßig freundlichen Boden des Nachbarlandes getrieben worden. Die Leiden des Judentums in diesem Kriege müßten »nt den erschütterndsten Farben des Alten Testamentes geschildert werden. Ich will jedoch jetzt, da die Tragödie noch im Zuge ist, an die ausführliche Lösung dieser Aufgabe, nicht herantreten. Ich begnüge mich bloß damit, auch diesen Gedanken in das Bewußtsein der Kulturmenschheit projiziert zu haben: Nach dem Kriege wird man die Sehnsucht der großen Massen des Judentums nach irgendeiner gesicherten Heimstätte erfüllen müssen. Ich habe in diesem Blatte schon die Hoffnung angedeutet, welche von der nach dem Kriege sich verjüngenden Türkei die Erfüllung des alten Planes des Zionismus, die Schaffung des palästinensischen Jndenlandes erwartet. Jetzt möchte ich es nur wiederholen, daß dieses Volk durch die Leiden dieses Weltkrieges eine solche Erfüllung ihrer Jahrtausende alten Sehnsucht sich ganz besonders verdient hat." Vielleicht ergreift Herr Szasz> zuerst einmal das Nächstliegende und macht seinen Einfluß dahin geltend, daß sich die Behörden Ungarns um! die jüdischen Flüchtlinge aus Galizien kümmern. Bis jetzt haben diese arnlen Menschen an den Behörden Ungarns alles andere eher als Wohlwollen gesehen, nnd wenn nicht die jüdisschSn Gemeinten wären, so hätten sic schon verhungert sein können. Persoualie» «. Kleine Mitteilungen. Nürnberg. Prof. Dr. Leo Türkheim erhielt den Titel Stndicnrat, Dr. Norbert Lebermann de» Titel Pr ose ssor. . Haag. Die Spendeneinkünste des Jüd. Nationalfonds im Januar 1915 haben 20,000 Mark betragen. An diesem Ergebnis partizipieren: Nordamerika mit 6990 M., Rußland 4332 M., Deutschland 3737 Rumänien 2394 Mark, Holland 906 Jk, Argentinien 704 .IL, Canada 466 M., Italien 292 .4, Griechenland 147 .AL, England 27 JL ' Anfangs Februar ist dem Nationalfonds ein Betrag von.534,10 überwiesen worden, der aus' dem.Vermächtnis des. auf dem westlichen Kriegsschauplatz gefallenen deutschen Zionisten Bendix Cohn stammt. Rew-Aork. Frau Henry Morgentbau geb. Josephinc . Shkes, die. Gattin des amerikanischen Botschafters-. in Konstantinopel, erhielt vom Sultan den Schcfuhat-Orden 1. Klasse in Brillanten und deren Töchter Fron Mor tim e r I. Fox., Frau Maurice Wertheiin und Irl. Ruth Morgentlj.au den gleichen höchsten Orden für Damen 2. Kl. Frakckfurter Israelitisches /Familienblatt. Ihr großzügiges Wirken aus philanthropischem Gebiete war die Veranlassung zu der Auszeichnung. — Henry Selig man, früher Teilhaber der bekannten Bankfirma Henry Seligman u. Eo., 45 Broadway, ist im 91. Lebensjahre, der bekannte Augenarzt Dr. Jsaac Leopold in Philadelphia im 51. Lebensjahre verschieden. — Abraham Steinum hinterließ dem „Hebrew Technical Institut" 50,000 Dollar. Deuts oha National-Misohong Hk. 2.90. Ohina-Qrustee Hk. 3.20.1 Ceyl. Or. Peko-HIschong Mk.4.20. Pake Sonohg.-Spitzen Mk.2.70.1 Kakao Soma Hk. 2 —, 2.40, 3.—. « Der Krieg «ud die deutsche« Jude«. Frankfurt a. M- Unteroffizier d. R. Max Lewisohn, Sohn des Herrn A Lewisohn, Mainluststraße 5, erhielt das Eiserne Kreuz. Berlin. Die Zion. Organisation vL'merkt: Fritz Meyer-Stettin das Eiserne Kreuz 1. Kl., Joachim Cafpary -Berlin, Alfred Romberg- Essen, Assistenzarzt Dr. Albert Eisberg, Stefan Dörnberg, Assistenzarzt Dr. Adalbert Sachs- Berlin das Eiserne Kreuz 2.-Kl., Lipschütz und Regierungsbanmstr. Baerwald -Berlin Beförderung zuin Leutnant, Walter Rosenberg-Samter und Willy Wolf-Karlsruhe aus dem Schlachtfeldc gefallen. Berlin. Bon den Mitgliedern der Jüd. Turnerschaft haben bisher das Eiserne Kreuz erhalten: Dr. Rosenban m- Königsberg, cand. E m a n n e l Roehr, Dr. Felix Th eil Hab er, Rechtsanwalt Exiner, Rechtsanw. Dr. Salli Hirsch, Dr. Rich. Blum-Berlin, Selmar Bütow-Gera, Dr. Weigert - Hamburg, Prof. Dr. C i t r o n, Dr. Georg Orkin, Max Lychenheim-Berlin, Leo Leßmann, Dr. Henry Hirsch, Hugo Goldschmidt- Hämburg, Erich Burlin, Joachim Caspari- Berlin, Dr. Adalbert Sachs, Carl Michel-Köln. Berlin. Die Zion. Bereinigung für Deutschland hat in der Woche vom 1.—7. Februar weitere 300 Sendungen ä 1 Pfd. an jüdische Soldaten zur Versendung gebracht: die Hälfte dieser Pakete ging an solche Soldaten, die als bedürftig angegeben wurden. Insgesamt wurden bisher über 2000 Pakete ins Feld geschickt. Das Komitee, z. Hi», von Herrn Max Wollsteiner, Charlottenburg, Roscherstraßc 5, nimmt auch weiterhin Adressen armer jüdischer Soldaten gern entgegen, da sich auch eine ganze Anzahl von Vereinigungen gemeldet hat, die an solche Wressen ebenfalls regelmäßig Liebesgaben .absenden wollen. Berlin. Oifiziersktlllvertreter Julius L Seligsohn erhielt das Eiserne Kreuz. — Rechtsanw. Georg Lewy - Berlin, Fritz Bonheim und Ernst Fuchs-Hamburg wurden zu Leutnants befördert. Lbermockstaüt. Moritz Siesel von hier erhielt das Eiserne Kreuz. Nürnberg. Oberleutnant Martin Rauh wurde zuni Rittmeister befördert. Darmstadt. Simon Schloff, Ritter des Eisernen Kreuzes nnd .der hessischen Tapferkeitsmedaille, ist — 23 Jahre alt — den Heldentod gestorben. Marburg. Unterarzt Dr. Max Oppenheimer ererhielt das Eiserne Kreuz. Breslau. August Freund -Breslau und Georg Cohn-Sohrau erhielten das Eiserne Kreuz. Köln. E r i ch E l i e l nnd Fritz Bing erhielten dos Eiserne Kreuz, nnd Richard Berg wurde zum Leutnant befördert. (L.) Pose«. Das Eiserne Kreuz eibielten Assistenzarzt Dr. Ludw. Peltesohn, Leutnant I. Priwin, Offiziersstellvertr. Dr. Franz Kantoxow i e z, Dr. C o b l i n c r, Referendar Martin G o t d - schmidt-Pösen, Unterarzt Dr. Artur Drncker- Mogilno, Willy L ippm an n-Rakel, Lndw. Kaatz- Pleschen, Rechtsanw. Leo Gans -Berlin (gebürtig aus Posen), Referendar Dr. Arthur S chö nlank-Berlin (gebürtig aus Posen), Wilhelm Warschauer- Schöneberg (gebürtig aus Posen). Wien. Die Fähnriche Paul Weinstein und Richard Grün selb erhielten die Goldene Tapferkeitsmedaille. Letzterer, der mit fünf Mann sechzig Russen gefangen nahm, wurde gleichzeitig zum Leutnant befördert. «eite 3. Frankfurter Berichte. Personalien. . Bor einigen Tagen wurde hier eine Frau zu Grabe getragen, deren Namen nie in der Oeffentlichkeit genannt wurde nnd es wahrlich verdient, genannt zu werden: Frl. Recha Stern. Still und ruhig wie sie gewirkt, so still uiü» ruhig ist sie von uns-gegangen und hat einem großen Kreis von Trauernden zurückgelassen. In jungen Jahren Hai sich Frl. Stern der sozialen Tätigkeit gewidmet, und obwohl sich ihr Wirkungskreis nur aus ein Waisenhaus konzentrierte, hat sie, geleitet vom inneren Drang, weit über das Maß hinaus ihre Pflichten gegen uns, ihre Zöglinge, erfüllt. In unermüdlicher Schaffensfreude stand sie uns vom ersten Tage am da wir ihr anvertraut wurden, helfend, belehrend und schützend zur Seite, aufopfernd für unser Wohl sorgend, lind was wir als Kinder von ihr empfingen, das gab sie uns auch noch in späteren Jahren» da wir längst ihrer Fürsorge entwachsen waren: ihre Liebe. Und als das schwere Scheiden von der Anstalt kam, von dem 'Heim, daß ihr und uns so teuer war nnd blieb, in dem sie Jahrzehnte lang gewirkt und gelebt, wußten wir, daß es sie einen schweren Entschluß kosten würde, sich der Ruhe nnd dem Frieden hinzugeben. Es war ihr nur eine kurze Zeit dieses Ruhestandes beschieden. — In einer großen Zeit ist Frl. Recha Stern dahingegangen, in einer glücklicheren Zeit hat sie gelebt und gewirkt. Ihr Leben war wertvoll, und wir alle, die sie gekannt und geliebt haben, werden ihr dankbar ein dauerndes, ehrendes Gedenken bewahren. K. «leine Notizen. Die Agndas I isr oe l-Ju g en dg r u pp e hat seit ungefähr einem Jahr einen Zimmernachweis eingerichtet. In Anbetracht dessen, daß zum 1. 'April wicker zahlreiche Zimmer gesucht werden, werde». Interessenten um Aufgabe von fieien Zimmern gebeten. Es sei bemerkt, daß die Vermittlung kostenlos erfolgt. Sprechstunde des Zimmernachweises: Donnerstag, von 9 bis 10 Uhr abends. Der am Montag bisher stattgefundene Nähabend der Mädchengruppe der Agudas Jisroel, der sich eines regen Zuspruches von Seiten der Mitglieder der Gruppe erfreute, soll eine bedeutsame Erweiterung erfahren. Dieser Abend soll von Mittwoch, den 17. ds. Mts. (abends 8—10 Uhr) in den Klnbräumen der Gruppe (Hanauerlandstraße 17) stattfinden. Ueber die Ausgestaltung dieser Abende wird den Mitgliedern in einem Sonderschreiben Mitteilung zugehen. Es ist selbstverständlich, daß — wie bei allen Veranstaltungen der Mädchengrnppe — auch Nichtmitglieder sehr willkommen sind. Die Verjagte». Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) Helsia raste zu ihren Kindern, Benno führte die halb besinnungslose Claudia aus dem Saal, Alexandru wetterte mit den Dienern, sie sollten hinunterlaufen uns die Uebeltäter mit Maulschellen traktieren. „Türen zu! Eisen vor!" donnerte Salomon. Die mächttgen Eisen-Jalousien wurden an den Fenstern herabgelassen, die Türen verschlossen. Der alte Abraham griff nach seinem Stock und war der Erste auf der Straße. Salomon und Herr von Kalagiceanu rannten hinter ihm drein und hätten jeder einen guten Revolver in den Händen; ein paar Herren, die als Nachhut kamen, hatten sich gleichfalls mit den ersten besten Schlag- und Stech- Jnstrumcnten bewaffnet. Vor dem Hanse umringte ein Haufen wüsten Gesindels einen Karren, der, mit schweren Steinen zum Brechen vollgeladen, i>em johlenden, schreienden Pöbel schier unerschöpfliches Material zu Wurfgeschossen hergab. Auf diesem Steinhügel thronte, wie Polyphem aus seinen Blöcken, der brave, alte Polizeidiener Thomas Tryphosowitsch und kommandierte erhobenen Armes das Bombardement auf das Liedertrost'schc Haus. Leider, ■hdttzv iöixrfcFf *10 amcqor 1 ^JjiJLiflßr j EUlcholz »Cigarren