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Neue jüdische Presse · 1915-02-12 · Heft 6 (12.2.1915) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 6 (12.2.1915)
Date
1915-02-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches FanMienAatt. SMe 2. ist 8er ^internationale Bund" näher bestiinimt; er enkpüppk sick) väls 'Ane internationale Religionsgeniieinschast,' '-Mer Präziser Magt, - eine internationale Ritnsgenteinsch aft. Hier erheben sich nun wiederum: eine Anzahl rechts lästiger Fragen, an denen K. wie an alten rvesentlichen Problemen achtlos vorbeigegangen ist. Zunächst: Ast cs denn wirklich wahr, daß nur der religiöse Ritus den internationalen , Bund der Juden zusainnienhiel^ nicht aber auch das religiöse Denken? K. scheint keinerlei Ahnung davon zu haben, daß gerade die Inden jener Zeit, die schon keine Nation, sondern mir eilte internationale Ritusgemeinschaft bildeten, im Talmud sich eine religiöse Weltanschauung schufen, wie sic sie in dieser Geschlossenheit und Konsequenz die Juden der früheren Zeiten, da sie noch in Palästina lebten, nicht kannten, wie sic in dieser Konsequenz und Totalität vielleicht niemals wieder in der Geschichte von einer religiösen Gemeinschaft ausgebildet wurde.' K. weiß eben vom! Judentum ebensoviel wie jeder gebildete DurchschnittseuropIer: danach ist der Talmud ein Sammelsurium von lächerlichen Disputationen über Ritualien und Zeremonien und das Talmudjudentum nur eine Sunüne von Riten und Formalitäten Man kann K. keinen Borwurf daraus Machen, daß er den TalMud unddas Galuthjudentum so wenig — so wenig ist noch zuviel gesagt — kennt, es ist schließlich für einen Nichtjuden glicht leicht, Einblick in die Welt des Talmudjudentums zu ge- / winnen Wohl aber muß ntan den schweren Vorwurf gegen ihn erheben, daß er unbelastet von aller sollen Kemrtnis sich für befähigt und berufen hält, die Judenfrage zu lösen mrd dem jüdischen Volk den liebenswürdigen Rat zu erteilen, unterzugehen. Doch weiter: Angenommen, es sei wahr, daß nicht das religiöse Denken, sondern. nur der religiöse Ritus die Juden zusammenhielt und doch wohl bis auf den heutigen Tag zusammengehalten hat, wodurch ist es denn zu erklären, daß von allen Werten und'Schätzen der jüdischen nationalen Kultur aus der Zeit, als die JUden noch, eine Nation bildeten, gerade nur der Ritus erhalten bleiben konnte? Man bedenke, was es eigenüich bedeutet: ein Volk verliert seinen Staat, sein Territoriumseine-Sprache, seine Kultur, seine Religion, sofern sie Mythen und Philosophie ist, seine Weltanschauung, seine Traditionen, Hoffnungen, kurzum alles, was eine Nation als Nation existieren läßt, und ausgerechnet der Ritus, der so schwierig zu befolgen ist, bleibt erhalten? Seltsame, unerklärliche Erscheinung! Wäre das religiöse Denken erhalten geblieben, es wäre verständlich; die innere Weltanschauung erhält auch: den äußeren Ritus am.Leben; aber hier geht alles Innerliche, Bedeutungsvolle unter und; allein das Äußerliche bleibt und erhält sich durch volle 2000 Jahre, trotz der schlimmsten Verfolgungen und aller Versuche, es zu vernichten. Merkwürdige Menschenkenntnis muß K. besitzen, wenn er glaubt, Menschen seien imstande, durch die Leidensgeschichte hindurchzugehm, durch die das Judentum in den. 2000 Fahren des Exils hindurchgegangen ist, solche Unterdrückungen, Verfolgungen, Demütigungen uitd Qualen zu ertragen, wie wir sie erlitten haben, und .all dieser über- Menschliche Heroismus, all diese Energie und Dulderkrast nur deswegen, weil uns. ein äußerlicher Ritus binde, d,en wir nicht aufgeben wollen. Alles Große, Innerliche, Geistige, was wir besaßen, Sprache, Kultur, Religiöse Wellanschauung haben wir vor 2000 Jahren ohne weiteres verloren gehen lassen, aber der. äußere Ritus —.uM seinetwillen haben wir Qualen und Leiden auf uns genommen, wie sie noch nie ein Volk durch so lange Zeit hindurch ertragen hat. Es gehö rt wirllich der ganze . starre Blick eines geborenen Doktrinärs und die ganze psychologische Unfähigkeit eines historischer Materialisten dazu, um solches. .für möglich zu halten. Ich könnte solcher Fragen noch viele erheben. Die zwei mögen genügen. Sie erweisen mit genügender Klarheit die Haltlosigkeit Und Flachheit dieser K.'schen Konstruktion von dem internationalen, nur durch den religiösen Ritus zusamrnengehaltenen Bund der Juden. Sic ist ebenso geistreich und klug wie alle Hirngespinste, die man erdacht hat, um sie an Stelle der angeblich untergegangenen jüdischen Nation' zu setzen. Dürfen wir Kv raten, so werdest ° wir ihists zweierlei Wchfehlest: zunächst!möge .er sich ebenso eingeherrd, .wie er sich mit der Rassentheorie, auseinandergesetzt hat, nunmehr mir der Theorie der' Nation beschäftigen. Jellinek und Renan werden schon genügen, ihn zu belehren, daß eine Nation nicht nur buch Terrritorium Md Sprache gebildet wird, .'andern auch durch gemeinsame Traditionen, und vor allem — und das allein ist das Entscheidende — durch; gemeinsamen Willen zu einer gemeinsamen Zukustst. .-.Sodann möge sich. H eist wenig in die Geschnhte. des Diasporajudentstrsts vertiefen; er wird.tarnt, entdecken, daß die.Juden, als .sic ihr Territorium verloren, ihre Spräche und ihre Kultur, ihre historischen Traditionen und ihre Zukunftshofsnungen, ihre religiöse Weltanschauung und nationalen Ideale mitgenommen und bis zum heutigen Tage sich bewahrt haben — und daher all ihre .Leiden und VerfdlgMgen so heldenhaft ertragen konnten, weil sie nicht um einen äußeren Ritus, sondern um. die große, reiche, nationale Kultur kämpften. Und wenn K. all dies erkannt haben wird, ävird ihm jmnn wohl der logische Schluß nicht schwer fallen, daß also die Juden trotz ihrer Zerstreuung allen Rechtens nach förtfahren, eine Nation, zu bilden, wenn diese auch staatlich, nicht anerkannt wird. Hätte K., bevor er diese Assimilationspredigt in . die Welt hinaussandte, die nationale Theorie Md die Geschichte des Diasporajudentums studiert, er hätte nicht den schülerhaften Fehler gemacht, die Existenz der jüdischen Nation zu leugnen, weil er die Nichtexistenz einer Mischen Rasse bewiesen hat. So aber hat er aus diesem Grundirrtum, der den Inhalt des fünften Kapitels bildet, noch fünf weitere Kapitel aufgebaut, von denen das eine an Jrrtünrern reicher ist als das andere. Sie alle besprechen und richtigstellen, hieße einige neue Broschüren vom Umfäng der seinigen zu schreiben. .Aber es soll uns eine angenehme.Pflicht und ein Müheloses Vergnügen sein, die wichtigsten dieser JrrtüMer wenigstens, die sich auf dem ersten, grundlegenden, aufbauen, im folgenden llarzststellen mrd kritisch zu besprechen. Brief aus Galizien. Von Leon W c i n r c b, Baranöv. III. „Ihr lebt noch, solange die Kosaken nicht Herkommen", sagten uns russische jüdische Soldaten. „Unsere Truppen sind noch brav zu nennen gegen die Kosaken!" . Gegen Abend trajen die Kosaken ein. Schon der Einzug war furchtbar. Eine halbe Stunde zuvor war ein. ungeheurer Lärm zu vernehmen, ein Schreien, Singen mrd dazu Hufeisenschläge von einigen hundert Pferden. Was in unseren Herzen sich damals absp.ielte, ist man außerstande, mit tausend Federn zu schildern. Und wirllich war das Borgehen der bisherigen Truppen brav gegenüber diesen Kosakensotnien. Gleich bei ihrem Ankonrmen rillen sie mit ihren Pferden in die Zimmer, die einigermaßen wieder hergestellt waren, hinein. Alles wurde niedergemäht, mit ihren Pferden zerschlugen, sie Md zertraten alles, was im Wege war: Mensch, Tier oder toter Gegenstand. All' das geschah mit unaussprechlicher Wut, gleichwie ob man ihnen etwas weggeMnynen und versteckt hätte, unb da man ihr Sprechen nicht verstehen konnte, sprangen sie von ihren Pferden herunter und bissen die Menschen wie wuttolle.Hunde an. In dieser treuen Bestürzung liefen viele in die Synagoge. War es doch die erste Nacht Roschhaschonoh, was mcur bei aller Pein nicht vergessen hatte! Dort wollte man wenigstens vor Gott das Herz äusweinen. Wer welcher Anblick bot sich! An den Tischen mrd Bänken waren Pferde angebunden, auf dem Almemor wurde ein Ochs geschlachtet, und viele .große ,Talmud-lütter schwammen in der Blutlache. Manche wurden hier ohnmächtig beim Anblick - dieser furchtbaren Szene, andere wurden halbtot von den Prügeln, die man ihnen für ihren. Besuch aufzählte. Der Jammer war grenzenlos. Selbst der.glänzendste-'RÄner, selbst die Schilbenmgskraft der besten .Geschichtsschreiber wärenicht imstande, ein -Bild dieser. Stunden z« geben. - Nr. 6. Zwei KosakenWhrer stellten folgende! Befehle: 1. daß Man ihnen' zehrt der schönsten Mädchen und Frauen zur Verfügung stelle,2. daß man ihnen binnen zwei Sturrden .300 Brot anschafse. Geschehe das nichtso werde alles teils niedergemetzelt, teils nach Sibirien geschickt. — Die unglücklichen Frauen und Mädchen wollten eher ihrem.Leben ein Ende machen, als sich dieser Schande auszusetzen. Aber auch di« 300 Brote aufzubringen war unmöglich, litten wir doch selbst den größten Hunger. Mit einem Stück altem Brot, das eine jüdische Frau von einer mitleidigen christlichen Nachbarin bekam, teilten sich acht Personen. Was war zu tun? Rasche Hilfe war nötig, wenn wir alle nicht innerhalb weniger Stunden zu Grunde gehen, sollten. Als die Verzweiflung schon den Gipfel erreicht hatte, entstanduns ein Retter aus unserer Mitte: Dr. Jakob Meller, Stadtarzt aus Baranöv, sagte, daß er es noch versuchen werde, sich zum Platzkommandanten zu begeben. Urrd wahrlich, Gott hielt diesmal seine Rechte Mer die Häupter seiner Kinder; inbrünstig Eöraten wir jedes Jahr am Roschhaschonoh dem Himmlischen für seine Gnade danken und dabei des Namens Dr. Meilers denken. Der Kommandant, ein Finnländer und schon darum kein barbarischer Charakter wie die Russen, ließ sichdie. zwei Kosakenführer rufen und sagtedaß sie unverzüglich vorwärts müßten, zumal sie rroch im Laufe des Abends in Dembica sein müßten. Die Kosaken verließen sofort dr« Stadt. Als Dr. Meller und andere JUden dem Kommandanten dankten, sagte dieser, daß, solange er in der Stadt bleibe, die Ordnung aufrecht gehalten werde. Aber, was wir schon am zweiten Tage von Dembica erfuhren, was für Schandtaten die Kosaken dort gleich nach ihrer Ankunft angerichtet hatten, übersteigt jede Schilderung. Ruffische Versprechungen. Man weiß in Deutschland schon seit langem, daß es Mr russischen Versprechungen nicht weit her ist. In Rußland wird immer sehr viel versprochen, aber sehr wenig gehalten. Di« unmenschlichen Unterdrückungen der Inden in Rußland seit dem Ausbruch des Krieges haben ihrerseits den GlaMen an die Versicherungen der konservativen russischen Kreise völlig erschüttert. Nun veröffentlicht die jüdische Zeitung „Moment" (Warschau) eine Unterredung. mit einer hochstehenden Persönlichkeit, die anscheinend zu der liberalen Richtung gehört. Es ist bemerkenswert, mit welchen Vorbehalten auch von dieser Seite. den Juden die bürgerlichen Rechte versprochen werden. Der russische Politiker hat sich folgendermaßen über die zukünftige Gleichberechtigung der Juden geäußert: ' „Es wird geplant, den jüdischen Ansiedlnngsrayon abznschaffen, jedoch nur in Bezug auf die Städte. Das Wohnungsverbot fite die Dörfer wird auch künftighin bestehen bleiben. Man denkt daran, die Prozentnorm in den mittleren und .höheren Schulen fallen zu lassen. Es ist aber nicht sicher, ob dieses gleich oder erst im Verlaufe von einigen Jahren geschieht. Man will indes den Juden erlauben, eigene Schulen zu gründen. Es ist ferner.möglich, daß man den Juden den Zugang zur Advokatur wieder gestatten wird; man denkt sogar daran, jüdische Offiziere zu ernennen. Jedoch hält man dieses Projekt in den maßgebenden Kreisen für verfrüht. Die hohen Finanzkreise sind sehr dafür, daß man den Ansiedlungsrahon abschafft. Sie machen aber. gleichzeitig darauf aufmerksam, daß dadurch die Auswanderung von nicht diplomierten jüdischen Handwerkern aus Polen nach Rußland einen * zu großen Umfang annehmen wird, wodurch eine große Konkurrenz zwischen, dem jüdischen Arbeiter, der fite' einen viel niedrigeren Lohn arbeitet, und dem russischen Bauer - entstehen wird. Mit der Befreiung Galiziens wird sich für Rußland eine neue Jndensrage bilden. Die galizischen Juden leben noch ärmer Äs die Juden Polens und sind bereit, für einen noch kleineren Lohn zu arbeiten. Auch von diesen Inden ist im Falle der vollen Freizügigkeit eine starke Konkurrenz zu befürchten. Zn beachten ist es, daß die galizischen Inden an ein freieres Regime gewöhnt sind, weshalb sie sich nicht so leicht mit den neuen Zuständen ab finden toezben.l Die maßgebenden Kreise halten deshalb eine Organisation der jüdischen Massenauswandernng fite sehr wichtig. Wir glauben, daß England eine von-Len deutschen Kolonien bekommt und sie uns dann wiedergibt. Jeoensalls wäre es Hehr wünschenswert, wenn Syrien unter Erglands 'Protektorat käme. Dieser Landstrich soll dann den Juden unter der Garantie der vollen Selbstverwaltung überlassen werden. Man wünscht auch, daß über diese Fragen eine öffentliche Disnrssion sich, entwickelt. Insbesondere hält man in Nr. den ma ragen 2 Ausfü Juden erlang ie ih Publff ,ß greisem die JU Volkes eine v eisigem Leiden I» und s brüder Beispie nicht - ähnlich nieder« an de Sinne Der! tümer Wenn eine | liert, Bermö chreckli Bodens gegen ausüb« Schlich bebaue wisserii also ei reißt, angehö dem j seine Krieg bleibt sein! der B lebend salsgei mäßig wordei D mit b geschill gödie Anfga mit, c mensch wird des $ ten l diesem der ri füttern ung warte! Volk Erfüll besonb mal dahin um! 1 Bis Behö wolle Gen« sein P s Titel Titel S im I diesem Rußlo Mark, tii6 . 27 Jk von > mScht fallen V;*jj Jvsep schuft! Schc und Mau thai

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