Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 5 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 ihre treue Anhängerschaft an die Heimgegangenen schon jetzt zum Ausdrück zu bringen. Daher soll heute schon die Sammlung vorbehaltlich künftiger besonderer Bestimmung eröffnet werden. Einsendungen nimmt entgegen das Bankhaus Gebr. Oppler, Filiale Berlin, Kurfürstendamm 167. Postscheck-Konto Berlin, Nr. 11038. Rüben Cohn, Antwerpen. Dr. L. Franck, Altona. Sigmund Fraenkel, München. Sammy Gronemann, Rechtsanwalt. Dr. D. Hoffmann, Rektor des Rabbiner-Seminars. Kommerz.-Rat GeorgeMarx, Königsberg. Hermann Struck. Sally Wolf^, Antwerpen. Fritz Sondheimer, Frankfurt a. M. verii«. Laut Be'ch'nß des »roßen Aktions-Komitees der zionistischen Organisation ist in Kopenhagen ein Büro errichtet worden, das seit Ende Januar seine Tätigkeit begonnen hat. Mit der Leitung dieses Büros sind die Herren: Dr. Tschlenow, Sokolow und Leo Motzkin betraut worden. Als eine im neutralen Auslande befindliche Jnstution wird das Kvpenhageuer Büro den Zusammenhang zwischen sämtlichen zionistischen Landesverbänden ansrechterhalten und die Arbeit in den Ländern, in denen sie infolge der kriegerischen Ereignisse ruht/ zu beleben suchen. In seinem soeben erlassenen Aufruf weist das Kopenhagen er Büro des näheren auf diese Aufgaben hin. Die Adresse des Büros lautet: Kvpenhageuer Büro der zionistischen Organisation, Kopenhagen, Bestergade 1. Berlin. Der Jabreob riebt der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums widmet an erster Stelle den verewigten Prof. Wilhelm Bacher-Budapest, und Professor Jacob Barth- Berlin sowie dem früheren Schatzmeister der Gesellschaft Stadtrat Immanuel Landsberger-Glogau Worte ehrenden Gedenkens. Die Mitgliederzahl ist um abermals 100 gestiegen, ein Erfolg, der außer der werbenden Kraft der Gesellschaft und ihrer Leistungen auch dem glänzenden Verlaufe der Tagung in Frankfurt a. M. und Worms im Juni v. I. zu danken ist. Eine Reche wertvoller wissenschaftlicher Werke ist im Berichtsjahre erschienen; so der Bortrag Hermann Coheu's über „Die religiösen Bewegungen der Gegenwart" und das letzte große Werk Bachers „Tradition und Tradenten", das .eine Anlage zum Bericht mll Recht ,chie reife Frucht mühevoller Arbeit, das bewunderungswürdige Werk unermüdlichen Gelehrtenfleißes" nennt. Die Fertigstellung anderer Werke hat infolge des Krieges eine unliebsame Verzögerung erlitten. Die Erttägniffe der Ludwig Philippson-Gedächtnis-Stistung sind bttttmmungsgemäß zur Verbreitung gediegener jüdischer Werke verwendet worden. Berlin. Der Hilfsverein für die jüd. Taubstummen Deutschlands erhielt von einem Juristen und Landwehr-Offizier folgendes Schreiben: „Bor einigen Tagen erhielt ich den Aufruf des Hilfsvereins für die jüdischen Taubstummen zugesandt Wenn ich nun auch trotz meines Namens nicht zu Ihren Glaubensgenossen gehöre, und, sowett ich es »erfolgen kann, auch meine Familie. stets christlicher Religion gewesen ist, so senden zwei meiner Freunde und ich Ihnen per Postscheck gerade deswegen doch den Bettag von 20 Jk für Ihren Hilfsverein zu, von der Annahme ausgehend, daß es bei Unterstützungen nicht auf die Religion, sondern in erster Linie auf die Bedürstigkett ankommt, und daß wtt Deutsche nicht nur in diesen schweren Zellen, sondern überhaupt die Religionsunterschiede bei Gewährung von Unterstützungen wie auch im allgemeinen Verkehr mll unseren Volksgenossen als nicht vorhanden bettachttn sollen. Wir bitten daher auch diese Gabe güttgst annehmen zu wollen." Grotzbrilauuieu. ,^3lochs Oesterr. Wochenschrift" bringt einen Brief aus England, der sich über die Lage der. dorttgen Juden verbrellet und im wesenllichen folgendes berichtet: Die natürlich antirnssisch gestimmten eingewanderten russischen Juden haben wegen dieser chrer Gesinnung seitens der Regierung Chikanen zu erleiden. Die Kinder dieser Juden sind meist schon englisch patriotisch. Die eingebürgerttn englischen Juden überbieten natürlich die anderen Engländer noch an Pattivtismus. So sagte eine jüdische Lady, die mau um Spenden für galizische Flüchtlinge aus Antwerpen anging: „Mll einem Feind darf man kein Müleid haben, ich bin keine — Zionistin." Es gibt natürlich auch Ausnahmen, so Ernst und Otto Schiff, Verwandte des bekannten Newyorker Bankiers, die Hunderte von jüdischen Flüchtlingen unterhalten/ Wirtschaftlich wirkt der Krieg verschieden: der Mittelstand ist ruiniert, Whitechapel dagegen mll seinen Schneidern, Schustern ufw. macht glänzende Geschäfte. lleberall macht sich Antisemitismus bemerkbar. Niedertarrd. Haag. Im Hinblick auk die vom Jüd Nationalfonds unternommene Aktion zur Ausführung von Notstands arbeiten in Palästina haben einige seiner Landessammelstellen beschlossen, am bevorstehenden Purim besondere Veranstaltungen und Sammlungen für den genannten Zweck stattfinden zu lassen. Das Nationalfondsbüro für Amerika hat die Propaganda für die Veranstaltung eines ,ZlaggLntag" am Purim Frankfurter Israelitisches FmnAieMatt. eingeleitet und wandte sich an die. zionisttschen Organisationen des Landes mit folgendem Anftuf: „Der verhältnismäßig gute Erfolg unseres ersten Blumentages sowohl in materieller wie in moralischer Hinsicht veranlaßt uns, eine ähnliche Veranstaltung im Winter zu machen, nämlich einen „Flaggentag" der nun jedes Jahr stattfinden sollte und zwar während der Chauukah-Woche. Diese beiden Tage dürften dem Nationalfonds erhebliche Summen zuführen. In diesem Jahre war es nicht mehr möglich, den Flaggentag am Chauukah zu arrangieren, und so wollen wir im Hinblick auf die großen Anforderungen,. die der Nationalfonds jetzt an die amerikanischen Zionisten stellt, den Flaggentag diesmal am Purim, 28. Februar, veranstalttn. Der Arbeitsplan ist sehr einfach. In jeder Stadt sind Gruppen von Freiwilligen zu organisieren, vornehmlich von Frauen und Mädchen, die dem jüdischen Publikum an passenden Plätzen kleine blauweiße Flaggen verkaufen; die Höhe des Preises wird dem Verkäufer überlassen. Dem Flaggentag soll eine Propaganda in der Presse vorangehen, und es soll eine entsprechende Propagandaliteratur verbreitet werden. Der Flaggentag schließt mit so vielen Bolksversammlnngen als möglich ab. Die nötige Literatur und' Flaggen werden von uns zum Kvstenpreise geliefert. . ." Es wäre wünschenswert, daß die Palästinafreunde in anderen Ländern dem Beispiele der rührigen Amerikaner Folge leisten und am Purimtage ihr Scherflein dazu beittagen, die lltotlage in Erez Israel zu lindern. Italien. Rom. Der Verband der jüd. Gemeinden Italiens beschloß in seiner Zenttalkomitee-Sitzung, daß in Zukunft jede Gemeinde eine jährliche Summe für Palästina zahle. Die Verwendung bestimme dann der Verband. Mit dem System der Abgesandten ans Palästina solle aufgehört werden. , Cejr!onHiesWödd<L Wngeh. Goago-Hisnhonc Mk. 4__ Ohlna-Grustee Hk. 2.20. Ceyl. Or.Peko-Mlsehnng Mk 4.20. PekoSonoIie^SpltzenHk2.70 Kakao floma Hk. 2»—, 2.40, 8. Personalien «. Kleine Mitteilungen. (l,.l Posen. Rentier Michaelis, der noch jeden Sabbat das Gotteshaus besucht, feierte seinen 97. Geburtstag und Frau Kaskcl den 96. Geburtstag. — In Bromberg wurde Justizrat Aronsohn zum stellvertt. Vorsitzenden der Stadtverordneten gewählt: Rotterdam I. S. Bosman ist im Alter von 102 Jahren verschieden. Der Krieg «ud die deutsche« Juden. Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr. A Grünebäum, Leutnant im 7. bayer. Infanterie-Regiment, ist zum Oberleutnant befördert worden: Frankfurt a. M. Max Braunthal, der Inhaber des bekannten Damenmäutel-Hauses, erhielt das Eiserne Kreuz. Frankkurt a. M. M I. Ovpenbeimer, Rbeinsttaße, Offizier beim bayer. Automobilkorps und Vorstand der Kraftfahrerstelle Namur, hat das Eiserne Kreuz, die hessische Tapferkeitsmedaille und den bayer. Militärverdienstorden erhalten. Berlin. Oberarzt Dr Artur Proskauer S-chn des Geh. Regierungsrats Prof. Dr. P., RichardPalm und Max Schmul erhielten das Eiserne Kreuz. Berlin Max H a b n aus Hille und Arthur Rosenthal aus M.-Gladbach wurden zu Leutnants befördert. Berlin. Stabsarzt Dr. L. Halberstädte-, Gerhard Kohn, Sohn des Uhrengroßhändlers Moritz K., Rechtsanw. Hahn, Heinr. Bergmann, Rudolf Goldstein, Dr. F. Mainzer, Generaldirektor Paul Eisner, Julius Neumann, James Nöhmann, Kunsthändler Paul Cassirer, Rechtsanwalt Dr. Siegfr. Kurt Jaeo b, Paul Simon, Rob. Eisenberg, Stabsarzt Dr. M. Heinemann und Hans Lewin erhielten das Eiserne Kreuz. Bres'au. Willy Brauer erhielt das Eiserne Kreuz. — Haus ®uttmanit, Sohn des Herrn Max G. hier, wurde zum Leutnant befördert. Köln. D-m Dr. jnr Artbur Heidenbeim, Leutnant der Reserve und Kompägniefiihrer im 20. bahr. Jnf.-Regt., — Sohn unseres Mitgliedes des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde, Herrn Bruno Heidenheim —, der bereits früher mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, ist der b ayer. Mili tär-Berdienstvrdeu mit Schwertern verliehen worden. Wändien. Infolge bewies-ner Tovftrkeit erhielt bayerische Orden: Bernh. Maier-Fischach, Siegm. Weil-München, Gnstav Kleemann, Martin Würzburger, Ernst Seelig-Würzburg, Karl Burger, Siegm. Oppenheimer, Lothar Schönberg, Leutnant Julius Bernstiel-Nürnberg, Hanpünann Oskar Schlesinger-Bamberg, Oberleutnant Ernst Alexander, Gustav Hommel- Aschaffcnburg ufw. nsw. Regensburg. Oberarzt Dr. Lorenz Lehmann Ritter des Eisernen Kreuzes, ist gefallen. Aus seinem Nr. 5. Fellrbriese vom 23. Dezember sei hier folgende Stelle wiedergegeben: „Wann ist eigentlich . Chanurah? Schickt mir doch einen Wachsstock, wenn möglich werde ich meine Lichtlein anzünden. Auch eine kleine Tefilloh .hätte ich gerne, ferner wenn möglich eine kleine Ausgabe von den Psalmen und Jesaia, am liebsten mit guter deutscher Uebersetzung. Ich lese öfters gute französische Sachen, aber man hat merkwürdig das Bedürfnis, wenigstens .hie und im, etwas Ernsteres und Größeres zu lesen, und, was' ich nie gedacht hätte, ein wenig von dem Zug nach Religion macht sich auch bei unsereinem 'bemerkbar. Der katholische und protestantische Feldgeistliche sind in letzter Zeit mehrfach hier gewesen und haben bei ihren Leuten dje freudigste Aufnahme gefunden. Wißt Ihr vielleicht, wer der Feldrabbiner beim HI. Bayer. Korps ist?'" Königsberg. Der 32jährige Dichter Walther Hey« mann ist bei Soiffons gefallen. Sein Vater hatte es im Kriege 1870/71 zum Premierleullmnt gebracht. Hamburg. Der Verein für das tiverale Judentum veranstaltete zum Besten der Kriegsfürsorge seinen dritten Abend. Er bot einen hervorragenden künstlerischen Genuß. Hannover Bon den ehemaligen Schülern der Jlraclitischen Erziehungs-Anstalt zn Ahlem stehen ca. 85 im f elfte. Unter ihnen befinden sich zwei, die das Eiserne reuz 2. Klasse und einer, Fritz Meyer aus Stettin, der auch das Eiserne Kreuz 1. Klasse erworben hat und zwar, wie es im Regimentsbefehle heißt „flic vorbildliches Verhalten und hervorragende Tapferkeit bei den Kämpfen um Wytschäte." Guntersblum. GustavGrünebaum erhielt das Eiserne Kreuz. , >L.l Pose«. Stabsarzt Dr. Alfred Peyser erhielt das Eiserne Kreuz und den bayer. Militär- Verdienstorden. < Paseo. Max Schmul eihielt das Eiserne Kreuz. Prenzlau. Unterarzt Herm. Bähr. Sohn des hiesigen Rabbiners, erhielt das Eiserne Kreuz. Bühl. Max Rosenietd, der be-eils die goldene Verdienstmedaille besitzt und erst kürzlich zum Vizewachtmeister befördert wurde, erhielt nun auch wegen Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Krenz. Er wurde gleichzeitig znm Verpflegungs-Offizier befördert und znm Stab des Jnf.-Regts. Nr. 169 kommandiert. Offenbar« (Baden). Ludwig Wertheim er erhielt das Eiserne Kreuz. Würzburg. Sally He-mann aus Aub, Jakob Leiter aus Battenwiesen, Karl Fromm aus Großlangheim und Philipp Herz ans Kleinheubach erhielten das Eiserne Kreuz. Wien Die Czernowitzer Geiseln — darunter Bürgermeister Dr. Salo Weißelberger- und Dr. Mayer Ebner — sind nach Sibirien überführt worden. Der Heldenmut Dr. Weißelbergers, der unter der russischen 'Herrschaft die Stadt musterhaft weiter leitete und nicht floh, verdient die höchste Anerkennung. Er, der Millionär, blieb, im Interesse der Stadt, und stellte so seine ganze Person und all' seine Habe aufs 'Spiel. Fiai Dil Hai.. (0. KuM I Schlllonmtf. 18m Telephon I, 8630. Seifen, Liebte, Kamm« und Bü-stenwaren, H Bfs**n etc. Cosnretlsche Spezialitäten. W Frankfurter Berichte. Wandergruppe des „Monlefiore". Wie alle Organisationen, die gleiche Ziele verfolgen, hat auch die Wandergruppe infolge des 'Krieges einen großen Teil ihrer Mitglieder ins Feld ziehen sehen. Daß die Zahl der Einberufungen ans ihren Reihen einen besonders großen Prozentsatz erreicht, ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß sich nur die frischesten, gesündesten und lebenssrohesteu Personen zu . einer solchen Organisation vereinigen. Allein von den sieben Mitgliedern des Vorstandes sind fünf eingezogen worden und die Zahl der übrigen, die zur Fahne eilten, überschreitet zk der gesamten Mitgliederzahl. Es ist daher doppelt, erfreulich, auf der andern Seite wieder feststellen zu können, wie sich das Gefühl der Anhänglichkeit zu der für die Pflege edler Geselligkeit 'amd körperlichen Stählung außerordentlich viel nützenden Vereinigung auch bei dem weiblichen Styl seiner Mitgliedschaft ausgebildet hat. Dank deren unermüdlichen .Werbetätigkeit gelang es, die Wanderungen im vollen Umfange auftecht zn erhalten. Auch am letzten Sonntage hatten sich 20 Teilnehmerinnen (die einzelnen ,Lerren"-Mitglieder mußte man schon als „Gäste" ansehen) zur gemeinsamen Fahrt durch die in winterlicher Pracht daliegenden Täler des Fischbaches und des Lorsbaches, vereinigt. Als man sich in Frankfurt mit Worten aufrichtigen Dankes von der Führerin Frl. Grete Molke verabschiedete, belebten alle nur das eine Gefühl der neugewonnen Liebe an der Schönheit der heimatlichen Erde und der Treue znm deutschen Lande. Kleine Notizen. Anläßlich des Geburtstages unseres Kaisers versammelten sich in einem der schönen Säle des neuen Krankenhauses an der Gagernsttaße die verwundeten Soldaten zu einer von der Verwaltung veranstalteten Feier, in deren Mttelpunkt die Festtede des Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde, Justiziar Dr.. Blau, stand. Pattiottsche Gesänge, vom Schülerchor des Philanthropin unter der bewährten Leitung Oberkantors Scheu ermann vorgettagen, rahmten die Rede ein und gaben der.Feier bei aller Schlichtheit eine erhebende Wirkung. Nr. 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