Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 5 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2692297-2692924-2692929--08856-2704013- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. sechs aufgehängt, zum Teil schon verwest und angefressen. - , In Brzeziny wurde' in einer Dezeinbernacht eine russische Abteilung von deutscher Kavallerie überfallen und gefangen genominen. Am anderen Nachmittag kam ivon Lodz aus Verstärkung nach B. Ihre erste Tat war die, daß sie 26 Juden gefangen nahmen, und 13 von ihnen, darunter sehr angesehene Männer, als die verräterischen Urheber des deutschen Ueberfalls umbrachten. Bei zweien nur wurde gestattet, daß sie auf dem jüdischen Friedhof beerdigt wurden. In Plawna wurden 2 Juden ohne Grund aufgehängt und alle jüdischen Geschäfte geplündert. Bei einer Frau, Golde Schersack, wurden die Briten aus dem Hause geschleppt und auf der Straße verbrannt. In Klomnitz wurde der Schneider Chaim Kalischer aufgehängt, weil die Deutschen bei ihm gewohnt hatten. Der Jude Meier Chatke aus Klomnitz wurde in Noworadomsk aufgeknüpft. JniWloszczowe wurde die ganze Stadt pogromiert und acht «Juden erschossen, weil sic Proviant für die österreichische Armee geliefert hatten. In I a n o w wurden an einem Tage 4 Juden — Abr. Grünbaum, I. u. M. Tennenbaum und Rüben Tschennotz — aufgehängt, ihre Frauen geschändet. In S i e r a d z wurden alle jüdischen Häuser geplündert, der Schächter Samuel festgenommen und grausam mißhandelt, sodaß er bis heilte krank darniederliegt, eine Frau einige Tage nach ihrer Niederkunft vergewaltigt. In Sloti P a t e ck wurde das Haus" der Familie Blumke von allen Seiten angezündet. Eine Frau und ihr '-neunjähriges Kind verbrannten. In Koniecpol wurden sämtliche Häuser vollständig ausgcplündert, 9 Juden festgenommen und mit der Nagajka mißhandelt. Einem kleinen Jungen, Leibe! Kutscher, wurde auf dem Wege zum Cheder die Hand abgeschnitten. Eine Frau wurde geschändet. Nach Wielun brachten die Russen 3 Juden, die sie bei Sieradz gefangen genommen hatten. Zehn Tage faßen 1 sie im Gefängnis, und die Juden durften ihnen kein Essen bringen. Am elften Tage wurden sie aufgehängt. Die Stadt wurde pogromiert und zwei Frauen, davon 'eine unmittelbar nach ihrer Niederkunft, geschändet. ' In Noworadomsk gingen Mannschaften und Offiziere jede Nacht von Haus zu Haus und vergewaltigten Frauen und Mädchen. In das Haus eines sehr «angesehenen reichen Mannes kamen zwei Offiziere und verlangten, mit dem Tobe drohenb, baß er ihnen seine Tochter äusliefere. Mit großer Müh'e gelana cs ihm. sein Kind 'mit 2000 Rs. lnszukaufen und die Schande von. seinem Hause fernzuhälten. In D c z u r e k haben die Russen Juden mißhandelt »nd Frauen aeschändet und alles ausgeplündert. Was sie nicht wegschleppen konnten, wurde verbrannt. In das Haus des frommen und hochangesehenen Juden Ehrlich drangen zwei OsffOiere und forderten, daß dessen Tochter sich ihnen preis'gebe. Da der Vater dies ihnen weigerte, zon der eine Offizier seinen Säbel, legte dessen Schneide Ehrlich drohend an die Kehle, während der andere sich dran machte, die schlafende Tochter aus dem Bette zu zerren. Als der Vater, seinem Kinde helfend beispringen wollte, schnitt ihm der eine Offizier mit seinen! Schwert die Kehle durch. Angesichts der Leiche wurde das Mädchen mißbraucht und liegt heute noch schwer krank darnieder. Ein Bräutigam Israel aus Kon in fuhr per Rad nach Slupci.' um dort seine Braut zu besuchen. Zufällig stammte das Rad aus einer deutschen Fabrik und trug deutsche Marke. Sfüt die Russen, die ihm begegneten, Grund genug, ihn zu verdächtigen. Sie rissen ihn vom Rad herunter, steckten ifm in einen Sack und begruben ihn lebendig, ja - hatten sogar kaltes Blut genug, zu diesem teuflischen Geschäft jüdi- . sche Soldaten heranzuziehen und so Briider zum Henker des' eigenen Bruders zu machen. Wenn ich Ihnen die angeführten Begebenheiten erzählt habe, so ist es nicht nteine Absicht, aus die Nerven Ihrer Leser zu wirken. Die Feitön sind' Al ernst und die Dinge zu ungeheuerlich', als daß sie zu journalistischen Effekten ausgenü'kt werden dürften. Ich habe die Tatsachen ihre erschütternde Sprache reden lassen, damit die stammende Entrüstuna. die jeden empfindenden Menslben erfiillen must. und die Mich in diesem' unglücklichen Lande feit Monaten in Aufregung hält, sich auch Ihren Kreisen und all denen in Ihrem Lande mitteilc, denen Kultur. Gerechtigkeit und Menschlichkeit heilige Begriffe 'sind. Ich habe Fakten an Fakten gereiht, die sich zu einer schreienden Anklage verdichten müssen gegen eine brutale Barbarei, die Entsetzlichkeiten verübt, von denen man sich nicht vorstellen kann, wie Meuschenbirnc sie ausdenken und Menschenhände sie vollführen können. Dinge, ob deren — um ein biblisches Wort zu gebrauchen — jedem, der sie hört, die Ohren gellen müssen. Lodz, 25. Januar. Feldrabbiner Dr. Arthur Levy. Universitäts-Cafe BoewJSS“"p —Enmtklmmalaom Famlllon-Oafö. - ■V Xßtraige PretaA. -M» Besitzer: Emmi Dunkolm Bedeutsame Sitzung der Auglo Jewish Association in Laudon. Claude M o n t e f i o r c, der Präsident, cröffnete die Sitzung init einem Nachruf auf Narcisse Lewen, den Präsidenten der Alliance Jsraslite Universelle. Edelmann, der amerikanische Vizekonsul in Jerusalem, ergriff als Gast das Wort, schilderte die kritische Lage der Juden Palästinas und forderte zu Spenden auf; das amerikanische Konsulat werde die Verteilung übernehmen. Dr. Ga st er, der Chief-Rabbi der portugiesischen Gemeinde, brachte eine Resolution ein, daß das Ver. Komitee der Anglo Pewish Association und des Board of Depulies, dem die Erledigung von Fragen bezüglich der Juden im Ausland obliegt, vergrößert werde und besser die Interessen der GesaMtjudenheit vertrete. Besonders sei es notwendig, daß jetzt die Zionisten in dem Komitee vertreten seien. Die Verwirklichung des ^Zionismus sei jetzt nahe, wenn alle Juden einig seien und nach einem bestimmten Plüne handeln. Jetzt sei der Zeitpunkt, da die zweitausendjährige jüd. Frage gelöst werden könne. Werde dieser Zeitpunkt versäumt, dann sei flir uns Juden vielleicht alles verloren. Lucien Wolf-, der bekannte politische Schriftsteller, widersprach dem Vorredner. Es sei durchaus nicht sicher, daß Palästina den Juden angeboten werde. Wenn die Türkei zu Grunde geht, dann werden sich mächtige Völker finden, die vor den Juden Palästina verlangen. Zur Zeit der Friedensverhandlungen werde das Vereinigte Komitee ein von ihm verfaßtes Memorandum über die Lage der Judenheit vor das Tribunal der Mächte bringen. Eine Vergrößerung des Bereinigten Komitees sei nicht erforderlich. Zum Schluffe bedauerte Redner, daß man die Presse nicht von der Sitzung ausgeschlossen habe. Joseph Kisch, eines der wichtigsten Mitglieder der Association, sprach die Ansicht aus, daß es unmöglich sei, jetzt die Zionisten zu ignorieren. Sie seien die Vertreter der GesaMtjudenheit und müßten daher auch im Vereinigten Komitee sitzen. El kan Adler, der Bruder des verstorbenen Chief-Rabbi, erklärte sich mit den Ausführungen seines Vorredners voll einverstanden. Die Zionisten und die anderen leitenden jüdischen Persönlichkeiten ittüßten gemeinsam arbeiten. Eine Vergrößerung des Vereinigten Komitees sei leider ungesetzlich, und es Müsse daher eine andere Körperschaft zu diesem Zwecke geschaffen werden. Dr. Ga st er erklärte darauf in ernsten Worten, falls nichts geändert werde, werde eine Spaltung Antreten. Trotzdem wurde die Resolution Dr. Gasters mit 7 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Ebenso fiel eine Resolution Joseph Cowens durch, die die Auflösung des Vereinigten Komitees und Bildung eines neuen Koinitees verlangte. Die Zionisten erwägen nunmehr die Frage ihres Austrittes aus der Anglo Pewish ^Association. Interessant ist, daß auch Claude Montefiore, der Präsident der Association und bisher einer der extremsten Vertreter der Assimilation, den Zionismus als die Vertretung des jüdischen Volkes jetzt anerkennt und es fiir richtig hält, sich dieser Tatsache nicht zu widersetzen, sondern niit ihr zu rechnen. Nach seiner Meinung dürfen die Gegner des Zionismus, die in Wirklichkeit die Minderheit des jüdischen Volkes seien, sich nicht der Mehrheit eutgegenstellen, und es sei daher ihre Pflicht, auf der künftigen Friedenskonferenz im Sinne der Mehrheit des jüdischen Volkes die Jüdenftage zu behandeln und Palästina für das jüdische Volk zu verlangen. Kriegsstatistik. Unmittelbar nach Kriegsausbruch hat ^der ,/Verband der deutschen Juden", um die Teilnahme der Juden am Kriege zuverlässig festzustellen, an die' jüdische Oefsentlichkeit das Ersuchen gerichtet, ihm alle erforderlichen Mitteilungen zu machen. Aehnliche Maßnahmen sind von einer Reihe anderer Organisationen getroffen worden. Zwecks Zentralisierung dieser Bestrebungen wurde alsdann ein besonderer Ausschuß für Kriegsstatistik gebildet, dem folgende jüdische Organisationen angehöreu: Verband der deutschen Juden, Büro für Statistik der Juden, Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Großloge fiir Deutschland ll. O. B. B., Deutsch-Israelitischer Gemeindebund, Zionistische Bereinigung für Deutschland, Kriegshilfsausschuß der Berliner Logen, Verein zur "Abwehr des Antisemitismus, Kartell Convent, Kartell jüdischer Verbindungen. Da sich sowohl beim Verband der deutschen Juden als auch bei den übrigen Körperschaften das Material immer mehr anhäufte, ergab sich die Notwendigkeit, ein eigenes Büro zu bilden, welchem die Fortführung und Ausgestaltung der bisherigen "Arbeiten von dem erwähnten Ausschuß übertragen wurde. Dieses Büro ist denk Büro für Statistik der Juden angegliedert worden. Es sind daher in Zukunft alle zweckdienlichen Angaben aU das Büro für Statistik ^der Juden, Berlin 6. 2, an der Spandauer Brücke 15, zu richten, und zwar ergeht iM Hinblick auf die große Bedeutung einer zuverlässigen Kriegsstatistik von neuem die Bitte, sobald als möglich die Namen und Möglichst ausführliche Angaben über alle Kriegsteilnehmer der genannten Stelle nritzuteilen und hierbei die Adreffen derjenigen Personen zu vermerken, welche über die betreffenden Krieger genaue Auskunft erteilen können. Misrachi-Kouferenz in Amerika. Chicago, 7. Januar. Morgen beginnt die dritte Konferenz des Misrachi in Amerika. Für den ersten Tag — Freitag — sind Berichterstattungen festgesetzt. Freitag abend und Samstag früh werden in vielen Synagogen Reden gehalten werden. Samstag abend wird eine Beratung stattfinden, an der die Rabbiner Khicagos und die Vorsteher der Chicagoer jüd. Vereine teilnehmen werden. Auf der Sonntagvormittag-Sitzung stehen allgemeine zionistische Fragen zur Verhandlung und in der Nachmittag-Sitzung u. a. die hebräische Mittelschule „Tachkemoni." Montag nehmen die Verhandlungen ihren Abschluß. Generalsekretärs Berlin Reise nach.Amerika, Agitation, schriftliche Propaganda und Nationalfonds stehen für diese letzte Sitzung auf der Tagesordnung. Die Spendeneiimahmeu des Jüd. Nälioualfouds im Jahre 1914. Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds (Adresse: Keren Kajemeth, p. a. I. H. Kann, Den Haag, Bierkade 8a) teilt mit: Die Einnahmen des Jüdischen Nationalfouds an Spenden haben im Jahre 1914: 595,850 JL (im Jahre 1913 : 811,200 JL) betragen. Diese Summe verteilt sich auf: Nordamerika mit 157,849 JL (1913: 143,741 JL); Rußland 147,468 JL (237,285 JL); Deutschland 62,264 JL (1913: 107,905 JL); Oesterreich 50,506 JL; Galizien Mark 40,404 (1913: Oesterreich und Galizien 144,133 JL); Südafrika 22.009 JL (20,767 JL); England 19,724 JL (18,862 JL); Canada 17,561 JL (37,570 JL); Rumänien 11,626 JL (13,319 JL); Ungarn 11,511 JL (12,280 JL); Holland 8499 JL (14,493 JL); Belgien 8378 JL (8998 Mark); Türkei 7400 JL (7735 JL); Südslavische Länder 5073 JL (9003 JL); Griechenland 4604 JL (3014 JL); Bulgarien 3390 JL (2090 JL); Argentinien 3357 .Ä. (9319 JL); Schweiz 3083 JL (4583 JL): Australien 2645 Mark (3172 JL); Aegypten 2277 JL (720 JL): Frankreich 1692 JL (5472 JL); Italien 1305 JL (1887 JL); Brasilien 1145 M. (591 JL); Ostasien 1102 JL (2846 JL); Schweden 436 JL (750 JL): Serbien 330 JL (150 JL); Dänemark 210 JL (428 M.). Bemerkenswert ist, daß in der Zeit von: 1. Januar bis 31. Juli 434,474 JL, vom 1. August bis 31. Dezember 1914 161,376 JL vereinnahmt worden sind. Aus aller Welt. Deutsches Reich. Frankfurt a. M- Wir erhalten dcn folgenden Aufruf mit der Bitte um Albdruck: Barth-Gedenk-stiftung. Dem Andenken des Heimgegangenen Geh. Reg.-Rats Professor Dr. Jacob Barth sowie seines auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohnes Dr. Heinrich Barth soll eine an der Tachkc m o n i-S ckule — Jaffa zu errichtende Stiftung dienen. Geheimrat Barth gehörte dem Pädagogischen Rate der Schule an: auch sein Sohn hat stets ein besonders lebhaftes Interesse für die "Anstalt betätigt. Unter gegenwärtigen Unrständen läßt sich Näheres über Sondcrzweck und Einrichtung der Stiftung nicht bestimmen. Es wird aber vielen ein Bedürfnis sein.