Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 . Seite i Frankfurter Israelitisches FamilieMatt. N boxt errichtete Militärlazarett, das seit Ausbruch des Kriegs stets mehr als 100 Verwundete verpflegt, sondern auch! durch mehrere anfänglich nicht vorgesehene Einrichtungen und getroffene Verbesserungen sind die Kosten gegen den ursprünglichen Voranschlag gewachsen und werden auch wohl in Zukunft noch in die Höhe gehen. Der neue Friedhof, für den im verflossenen Jahre das in .zehn bis fünfzehn Minuten Entfernung hinter dem gegenwärtigen Friedhöfe gelegene Terrain erworben worden ist, wird voraussichtlich in etwa zwei Jahren in Gebrauch genommen werden. - Der bisherige Vereinsvorstand wurde wiedergewählt. Er besteht aus den Herren Hugo Frankel, Stadtverordneter Joseph Fromm, I. L. Goitein, Dr. mü». W. Hanauer, Dr. I. Heinemann, A. Levi, Eli Michael, H. Schwab und Julius Werner. Der Verein hat über 500 Mitglieder. ' „Agudas Jisro ell-Jngeudgrupp e. Die „A. I." - Jugendgruppe versendet folgenden Aufruf: Sie haben durch die Zeitung von dem schweren Schlage gehört den unsre Jugendgruppe durch den Heldentod erlitten hat, den ihr Gründer und eifrigster Förderer, Herr Martin Feist, gefunden Wer sich je mit der Agudas Jisroel-Jugendgruppe und chrer Entwicklung befaßt hat, weiß, welchen Anteil der Heimgegangene an ihrem.Ausbau hatte, wie er mit allen Fasern seines Herzens an ihr hing, wie er unermüdlich für sie arbeitete und seine ganze Kraft in chren Dienst zu stellen bereit war. Wir halten es deshalb für eine Ehrenpflicht, das Andenken Martin Feist's innerhalb der Ä. I. - Jugendgruppen für alle Zeiten durch! Schaffung eines Fonds festzuhalten, der einem der Zwecke zugute kommen soll, deren Förderung ihm besonders am Herzen lag, und der den Namen Martin Feist Fond führen soll. Wir denken hierbei besonders an zwei Zwecke: Die Erhaltung und Ausgestaltung der Beth- Hamidrosch-Bibliothek, die den Namen seines' unvergeßlichen Vaters trägt zmd die Schaffung einer Wanderbibliothek, die er selbst im Interesse der Jugendorganisaüon mit uns geplant hatte. Wir bitten Sie, Ihre Zustimmung zu unserem flaue durch Zeichnung eines Beitrags auf einliegender arte zu bekunden und. so e,in Werk mitschäffen zu helfen, das die Erinnerung an unsren unvergeßlichen Freund über die Gegenwart hinaus für alle Zeiten zu sichern bestimmt ist. ISS. Turnverein. Wie wir bereits an dieser Stelle mitteilten, haben wir zu Chanukah an unsere zahlreich! im Felde stehenden Turnbrüder Liebespaketchen gesandt. Darauf sind uns in den letzten Wochen von unseren wackeren Freunden Dankschreiben in großer Zahl zugegangen, die alle beredtes Zeugnis von dem guten, zuversichtlichen Geist ablegen, der unsere Heere beseelt und auszeichnet. Doch eine besondere Freude war es uns, aus vielen Schreiben zu entnehmen, wie lebendig die jüdischen Hoffnungen unsere im Felde stehenden Gesinmmgsgenossen selbst in dieser in doppelter Hinsicht schweren Prüfungszeit durchglühen. Was könnte unserem Zukunftsglauben wohl mehr Halt gewähren als die Ueberzeugung, die unsere Freunde draußen auf den Schlachtfest»ern mächtig durchdriugt, wo mit Blut und Eisen die Schicksale der Völker der Erde geschmiedet werden. — Doch lassen wir einigen unserer Turnbrüder selbst das Wort. So schreibt Harry 'Goitein: ,Jch nehme auf, was Sie sagen, und ich wünschte nur, daß es allen Juden und besonders den Kämpfenden zum Bewußtsein käme: Deutschlands Sache ist auch die unsere? Nur wenn Deutschland, Oesterreich-Ungarn und die Türkei vereint siegen, können wir hoffen, unserem, armen (unter russischen Fäusten und Füßen zertretenen, in englischer Laxheit und Aeußerlichkeit sich auflösenden, und in französischer Ueberkultur und Luxus untergehenden) Volke Rettung zu bringen, Ruhe zu schaffen in der Heimstätte, die chm seine Väter vererbt. Wir stehen hier draußen in Feindeslmid, in Sturm und Regen, bedroht von der Feinde Ueberzahl nick Lenken dennoch der alten Bande, die uns an unser Volk und an unseren teuren Boden knüpfen, für den jetzt unsere Brüder in der Türkei wirklich! und unmittelbar kämpfen dürfen. Das beweist wohl zur Genüge die Wahrhaftigkeit und Natürlichkeit des nationalen jüd. Gedankens. Wer in solchen Zeiten nicht sehen will, den hat Gott mit Blindheit geschlagen, daß er das Land noch nicht einmal sehen soll, in das er ja nie treten wird. Die können auch nicht mehr Führer unseres Volles sein. Wir sehen hoffnungsvoll in die Zukunft. Wolle es 'Gott, daß sich' aufden Schlachtfeldern Europas auch das Geschick des jüd. Volkeszum Guten und Starken entscheide!" Und aus dem Briefe Karl Rosenheimers sei folgende Stelle wiedergegeben: , „Wir sind ruhig. Die Natur gewöhnt sich tatsächlich an alles. Nach und nach stellt sich unincrklich die feste Ueberzeugung bei einem ein, daß cs vergebens ist, seinem Schicksal entrinnen zu wollen, und daß es ein Höherer ist, der es bestimmt. Dieser Gedanke macht mich furchtlos und gibt mir Sicherheit, — mögen die Kugeln pfeiffen, wie sie wollen!" Heim des ISS. Frauenbundes. Bericht über das Jahr 1914. Da wir in diesem Jahre der Kriegszeiten wegen von einem! gedruckten Berichte Abstand nehmen, so wollen' wirunseren'Freunden und .Gönnern nur einen kurzen, in erster Linie statistischen Ueberblick über die Tätigkeit int abgelaufenen ,Bereinsjahre geben, auf dessen zweite Hälfte bereits die Schatten des Krieges fallen. Im ersten Halbjahre gestallete sich unsere Arbeit so umfangreich, daß wir. 21 Neuaufnahmen zu verzeichnen hatten, in den Kriegsmonaten kamen 5 Aufnahmen dazu,' darunter zwei Schutzaufnahmen aus der Fremde für Mutter und Kind. Unter der Fürsorge des Heims wurden 6 Kinder geboren, 4 Kinder wurden zmn Schützaufenthalt vorübergehend bei uns ausgenommen, und ein sechsjähriges Kind kam ganz in unsere Obhüt. — Bier Mütter mit Kindern fanden nach der Entbindung Aufnahme bei uns, um .während der ersten Monaten chren Mutterpflichten genügen zu können. Unsere Arbeit entwickelte sich so lebendig und vielseitig, daß wir ,am 1. April 1914 unser zweites Haus eröffnen und in Betrieb setzen konnten. Wir waren dadurch imstande, unser Erziehungswerk planmäßig auszugestalten ..und die Fälle nach Art und Anzahl zu behandeln. Bei Ausbruch des Krieges haben wir unser Haus 1 als Lazarett der Behörde des Ortes zur Verfügung gestellt, und unsere Schutzbefohlenen im zweiten Hause versammelt. Die .Leitung der Anstalt liegt in den Händen der ersten Leiterin, die von der zweiten Leiterin und einer Handarbeitslehrerin unterstützt wird. Durch den Krieg und die mit der?tot der Zeit verbundene Ablenkung der Akittel und der Fürsorgetätigkeit sind die Einweisungen der Zahl nach! geringer geworden, doch können wir immer noch "die erhebliche Zahl von 38 Menschen nennen, für die ivir ausgiebig gesorgt haben. Die nachgehende Fürsorge ist in richtigem Gange. Rundschreiben Ser Israelit. Religionsgesellschast. „Im nationalen Interesse sehen wir uns veranlaßt, die Mitglieder unserer Gemeinde dringend zu ersuchen, während der Dauer des Krieges in ihren Haushaltungen vorzugsweise Kriegsbrot zu verwenden. Dasselbe wird entsprechend der neuen Bnndesratsverordnung auch in den unserer Rabbinatsaufsicht unterstehenden Bäckereien hergestellt. Die Not der Zeit verlangt gebieterisch, daß die Haushaltungen sich auch in der Herstellung von jeder Art Weizengcbäck, so weit wie möglich, Einschränkung anferlegen und bei der Bereitung von Mehlspeisen Sparsamkeit üben. Wer jetzt mit dem kostbaren Gut unserer Mehl- Vorräte verschwenderisch umgeht, versündigt sich an der Sache des Vaterlandes! Bei dieser Gelegenheit gestatte» wir uns, an die Mitglieder unserer Gemeinde die dringende Bitte zu richten, die gleichen Bäckereien, von denen sie bisher zum Teil nur Brötchen, bezogen haben und die nun durch die neuen Verordnungen fühlbare geschäftliche Einbußen erleiden werden, durch Entnahme des gesamten ^Bedarfs an Brot -zu unterstützen und ihnen damit über die schweren Kriegszeiten Hinweghelsen zu wollen. Wir vertrauen, daß die Mitglieder unserer Gemeinde in Erfüllung der für uns religiösen Charakter tragenden vaterländischen Pflichten die zeitlich gebotenen kleinen GennßbeschränÜlngen gerne aus sich'nehmen und unseren Aufruf gebührend beachten werden." Jüv. Bibliothek und Lesehalle. In der Generalversammlung erstattete Rabb. Dr. Lazarus &en Berübt. Das rege Interesse des'Leserpublikums für die jüdische Bibl. und Lesehchle hat auch jetzt in der Kriegszeit augehalten. Es ist also die berechtigte Hoffnung vorhanden, daß'- bei einem weiteren Ausbau des Bücherbestandes sich dieses Interesse Noch weiter steigern wird. Bei dieser Gelegenheit dankte Redner im Namen des Ausschusses und wohl auch im Namen aller Mitglieder und Leser der Verwaltung der israelitischen Hanptgemeinde für die Erhöhung ihres jährlichen Zuschusses von 500 auf 1500 Mark. Redner sprach den Wunsch aus, daß 'die Franffurt-Loge auch dieses Jahr ihren jährlichen Beitrag von 500 Mark geben möge und schloß mit dem Dank an Bibliothekar Dr. Schapiro für seine sachgemäße Wallung seines Amtes und Herrn Seckbach für seine fördernde Arbeit zugunsten der Jüdischen Bibliothek und Lesehalle. Darauf erstattete Herr Goitein den Kassenbericht. Der Barbestand gestattete keine neue Anschaffungen von Büchern. Die Wahl des Werwaltungsäusschüsses ergab: Rabbiner Dr. Lazarus (1. Bors.); Dr. Kauffmaun (2. Vors,);^ Fritz Sondheimer, I. Goitein, Dr. Merzbach, Dr. R. Geiger, S.H:Gold mann, Julius Falk Goldschmidt und Julius Werner. Kleine Nottze«. Anläßlich des Geburtstages unsere s-K a i s c r s faick in der Minka von Goldschmidt-Rothschild-Stiftung, z. Z. Vereins-Lazarett 33. eine erhebende Feier statt. Zunächst begrüßte Herr Joseph Wisloch, Mitglied des Vorstandes, die Verwundeten ünd die zahlreich erschienenen Gäste mit einer begeisternden Allsprache, und selbst aus 'dem Munde der Schwerverwundeten klang frisch und froh ein jubelndes Kaiserhoch. Dann folgten verschiedene künstlerische Darbietungen. Heitere Vorträge wechselten mit ernsten, der Zeit angemessenen, und schöne, tiefempfundene Lieder erhöhten den Eindruck der wohlgelungenen Feier. Besonderer Dank gebührt den Damen Lewisohn und Ba mb erg er, sowie den Schwestern Re in ach und Herrn Wagner für ihre Darbietungen. l Lomler & Laitich TeL Hansa 3148. Frankfurt a.M., Liebfranenberg33. Specialhaus für Unterkleider und Strümpfe. Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. faidßfon. Die Berjagteu. Eine Erzählung aus der Mitte des vorige» Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) Mit bezaubernder Artigkeit hatte sich der adlige Herr seinen Hut reichen lassen und sich beoeckt, da der alte Abraham den Segen über oas Brot sprach, während Alexandru als der Einzige im Saale saß, der, wie auf ein eingebildetes Borrecht pochend, barhäuptig blieb. „Finden Sie nicht auch die zeremonielle Frömmigkeit des guten Patriarchen ein wenig unzeitgemäß und outriert?", flüsterte er Claudia zu. „Immer noch der Atheist von vorgestern?", fragte sie scherzend zurück. „Die Atheisten, meiir Fräulein, sind nicht von vorgestern, sie sind die Leute von heute." „Und die Theisten die Männer der Zukunft!" Durch der Himmel weiß welches Manöver hatte Benno einen Platz an Claudia's linker Seite erobert, aber er stand noch und blickte Alexandru herausfordernd an. „Unstreitig. Sie haben das civige Leben", näselte Jemilian. „Sic kommen sogar in das Paradies und werben einem Engel zur Seite sein!" Seine begleitende Handbewegung dieser Phrase war so unwiderstehlich! drollig gebieterisch, daß Benno trotz allen Verdrusses sich lachend hinsetzte und ihm die Gegenrede schuldig blieb. „Orientieren Sie mich ein wenig über die Gesellschaft!", bat ihn Claudia leise. „Außer Herrn von Kalagiceanu habe ich mir keinen Namen gemerkt." „Aber diesen doch", mengte sich Jeniilian wieder in das Gespräch. „Es ist ein interessanter Mann", sagte sie lächelnd, „er hat ein rechtes Verschwörergesicht." „Brutus rumänisiert. Wenn er nicht vorher im Gefängnis stirbt, könnte ich ihn Ihnen als eine gute Partie sehr empfehlen." Er merkte nicht, wie Claudia über diese Taktlosigkeit erbleichte und Benno ihnr einen bitterbösen Blick zuwarf, sondern fuhr in seiner gewöhnlichen, nachlässigen Sprechart spöttisch fort: „Sein Nachbar rechts ist mit weniger romantischem Nimbus umhüllt: Herr Veilchenblau; ein sehr robuster Herr. Seine Gattin wird grün und gelb vor Aerger, wenn man sie bei ihrem Namen anspricht. Und weiter hinauf Herr Grünburg, von der sehr bekannten Börsianer-Dynastie Grünburg und Kompanie — diese Talmi-Rothschilds von Bukarest; vis-a-vis Frau Baruch, die seit zwanzig Jahren von dem Rufe früherer Schönheit zehrt . . . neben ihr ein Herr Ehrlich, der aber niemals eines schönen Rufes sich erfreute. Und jener dralle, runde Herr dort ist Herr Karo, sein vierschrötiger Nachbar dagegen heißt Kugelmann. Da sehen Sie auch einen kleinen Mann mit einer Nase, die fast bis zu seiner weißen Weste herunterreicht, Herr Jtzig, in Firma Jtzig und Jtzigsohn. Er stammt in direkter Linie von jenem weltberühmten Gentleman, der ungefähr 1325 vor Christo zu der historisch beglaubigten, famosen altägyptischen Nationalhymne: „Schmeißt ihn raus den Juden Jtzig, Zieht ihn: aus die weiße Weste", Veranlassung gab. Sehen Sie, meine Gnädige, dieser Adel ist doch noch älter wie der Ihre." Claudia lachte, daß ihr die Tränen Hl die Augen kamen. Ihr feiner Takt ließ sic aber bald empfinden, daß ihren Wirten schwerlich die ausgelassenen Randglossen Jemilian's gefallen würden, und nach einem freundlichen Blick zu Benno, der ihn für alle Unarten Alexandru's um Entkschuldigung bat, drängte sic Jemilian scherzend, er möge' doch ihrer allein nicht schonen und ihr gleichfalls eine Lächerlichkeit oder einen Fehler Nachreden. Aber Jemilian war auf seiner Hut. „Einen Fehler an Ihnen? Ich finde keinen." „Ich wüßte einen", sagte Benno ernst. „Wollen Sie mich nicht belehren?", fragte Claudia lächelnd. „Nicht jetzt, nicht hier. Aber ich werde ehrlich sein. Mein Wort darauf!" Man hatte die Tafel aufgehoben. Die junge Welt war in den Musiksaal geeilt und wirbelte dort, toll rvic üeyl. nur Mei sich Fäck zum zu Biei siche walj han! Fre imn ihm Fre Haft sogc Pro feite lor in m hati Grt -Tetn mai der! und We! dies Ale jüd das Tw hie, ode Sic „Z der im ger Sie Gr, setz' län ein hos Be Jh Au sei, Je tär Ml voi lick Si au ge! ge, au