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Neue jüdische Presse · 1915-01-29 · Heft 4 (29.1.1915) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 4 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 Ceylonl-heeWsdda" I Ningob. Gongo-Mischang Uk. 4.—• Ohioa-Grustee Hk. 2.20. Oejl. Or. Peko-MIarfrang Uk. 4.20. Peko Soaohg.-Spltzen Mk. 2.70 Kakao Soma Mk. 2.—, 2.40» 3-—. nur die Rumänen tanzen können, nach den graziösen Metra'schen Melodien umher. Jemilian ruhte gemächlich in einem Fauteuil und wehte sich mit Claudias Fächer Kühlung zu; irgend wer hatte ihm seine Dame zum Tanz entführt — er wartete: er wußte, sie kehrt zu ihm zurück. „Mexandru", sagte Salomon, „wenn Sie auf eine Viertelstunde zu haben sind?" „Nicht gern", erwiderte dieser apathisch. „Es ist sicher vergnüglicher, mit dieser hübschen Moorbach zu walzen, als eine grausig langweilige Erörterung allerhand unerquicklicher Komptoirgeheimnisse anzuhören." „Wen soll man belästigen, wenn nicht seine Freunde?", murmelte Salomon bewegt. Ein Appell der Freundschaft an Jemilian wirkte immer. Sofort funktionierte der Korrektheitsautomat in ihm, und zwar ganz vorzüglich. . . . _Jemilian war ein aufrichtiger und zuverlässiger Freund. Seine Ratschläge waren durchdacht und vorteilhaft — in nicht allzu verzweifelten Fällen ließ er sich sogar bewegen, Geld zu leihen, und da der schlaue Praktikus sich seine Leute wohl ansah, wird ihm das seltene Geschick zuteil, daß er nie seinen Einsatz verlor und auch niemals Undank erntete. Er folgte Salomon in sein Arbeitszimmer, das Frau Hclsia heute dem Fest zu Liebe in einen kleinen Jeu-Tempel umgcstaltet hatte. Da saßen drei runde Millionen: die Herren Grünburg, Ehrlich und Jtzig in ihr Ukko vertieft — cm sehr hübsches Spiel: man kann dabei, während man eine Zigarette raucht, sein gesamtes Vermögen verlieren. Am geöffneten Fenster.standen Herr von Kalagicaenu und der alte Abraham, politisierten und regierten die Welt; Salomon warf einen Blick nach ihnen: auch von dieser Seite war er ungestört. Schweigend reichte er Mexandru ein Papier, das dieser hastig überflog. „An den jüdischen Kaufmann Salomon Liedertrost.. jüdischer Kaufmann ist gut . . Warum lassen Sic sich das bieten? . . . „Der in der Wulka gelegenen Tucherc. Fabrik der . Firma Dann und Liedertrost wird hiermit verboten, christliche Arbeiter ferner zu halten oder zu beschäftigen . . ." Sehr gut! Wen denn sollen Sie beschäftigen? Etwa die dicken Millionäre da drüben? „Zuwiderhandelnden Falles wird das gesamte Material der Fabrik Dann und Liedertrost beschlagnahmt und im Zwangswege versteigert!" „Fauler Zauber!" Jemilian schleuderte das Papier geringschätzig bei Seite. „Zum wievielten Male erhalten Sie den Wisch? Sie werden die Kopfsteuer der Kerle an Groducza wieder verdoppeln. Ein bischen teurer Scherz jetzt für Sie, was?" „Ich zahlte bereits das Zwölffache", sagte Salomon, „die zwölffache Steuer. Ich kann nicht weiter." „Machen Sie sich nicht lächerlich!" „Ich kann nicht", wiederholte Salomon seufzend. „Es gibt bei allem eine Grenze . . . Die meinige ist längst überschritten." „Sie haben Resourcen. Der Vater Ihrer Frau ist ein reicher Mann." „Gewesen. Von dieser Seite habe ich nichts zu hoffen." „So . . So . . Das — das ist recht fatal. Ihre Besorgnis steckt an. Es sieht aus, als müßte man Ihnen glauben." .Er richtete seine stechenden, schwarzen Augen fest auf Salomon, der beschämt und traurig seinen Blick erwiderte. Eine kleine Weile verging. „Und wieviel brauchen Sie vor der Hand?", fragte Jemilian. „Wenig genug",- antwortete Salomon, „dreißigtäusend Lire." „Das ist mäßig, allerdings." „Jawohl, das Unglück ist nur, öaß ich selbst dieses Mäßige mir nicht mehr zu beschaffen weiß." „Selbstverständlich werde ich Ihnen die Summe vorstrecken", sagte Jemilian nachdenklich, „selbstverständlich kann ich es nicht ohne entsprechende Garantien tun. Sie stellen mir eine Hypothek auf Ihr Fabrikgebäude aus, wenn Ihnen das genehm dünkt.". „O Jemilian!" Salomon streckte ihm die Hand entgegen, die dieser freundlich schüttelte. „Ich freue mich, Ihnen dienen zu können — abgemacht also! Allerdings eine Bedingung muß ich mir ausbittm." (Fortsetzung. folgt.) Frankfurter Israelitisches Faikiilienblatt. Neber den Gemeindegesaug. In einem Feldbriefe beklagt sich der Rabbiner aus Konstanz, Dr. Chone, über den Mangel des Gemeindegesanges bei uns Juden und NU dies aus dem besonderen Änlasse, weil er diesen Mangel bei dem von ihm abgehaltenen Feldgottesdienst so recht empfunden habe. Es kann über diese Angelegenheit gar nicht oft und viel genug gesprochen und geschrieben werden. Freilich gilt das, was nun folgen wird, nur denen, welche eine Kritik vertragen können und zu einer nützlichen Vervollkommnung gelangen wollen. Der griechische Schriftsteller Xenophon bringt in seinen „Denkwürdigkeiten" auch eine Abhandlung über die »FDrdnung." Als Hauptbeispiele werden dort ,Heer" und „Chor" angeführt, welche auf der Ordnung wesentlich beruhe». Ohne des weiteren auf diese ziemlich einleuchtende Stelle einzugehen, ist ein Rückschluß aus der Verwendung von „sodatischem Marsche" und „chormäßigem Singen" auf den Ordnungssinn eines Volkes wohl gestattet. Es ist auch gewiß, daß der „Parademarsch" sowie die Vorliebe für Chorlieder, die die Deutschen allenthalben kennzeichnen, das dem deutschen Bolle innewohnende Organisationstalent und den damit bedingten Ordnungssinn kennzeichnen. Bei uns Juden ist das nun bedenklich anders. Das Eingestehen eines Fehlers ist keine Schande. In unserem Wesen liegt nicht so tief eingewurzelt das Verlangen nach Ordnung, die innere Mahnung, sich in das Ganze einordnen zu müssen. Nicht auf das „Warum" und „Weil" dieses Gebrechens koinmt es jetzt an, sondern daraus, daß tatsächlich die Erziehung zur Unterordnung des einzelnen unter die Gesamtheit uns Inden noch immer not tut. Besonders — und unt diesen Fall handelt es sich hier — iin Gottesdienste mangelt die imponierende Geschlossenheit der Gemeinde. Für jeden, der mit der Geschichte der Liturgie vertraut ist, kann es keinem Zweifel unterliegen, daß gerade das Massengebet, der vielstimmige "Anruf Gottes zuerst und in erster Linie von den maßgebenden Faktoren beabsichtigt war. Die Juden solle» alle zusammen, gemeinschaftlich und die gleichen Gebete beten. Es ist anders geworden. Hier ist nicht der Raum, unt durch die Darstellung des Werdeganges den bestehenden Zustand zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Aber eine Eigentümlichkeit des betenden Juden hat ihn begünstigt, und darum soll sie sine ira et studko berührt werden. Der Jude liebt es, mit der Kenntnis der Religion zu prunken. Es genügt dem X. nicht, sein Gebet zu beten, daraus Krast und Erbauung zu schöpsen. Der Nachbar in der Synagoge soll sehen und hören, wie., fromm er ist. wie geläufig er beten kann, ja er soll wissen, daß noch frömmer ist als seist stiller Nachbar. Darum mutz er seine Stimme heben, muß sich etwas mehr vernehmlich machen, als nötig ist. Es ist ja auch ein bekanntes Witzwort, daß alle Juden gerne „chasenetzen" d. ,h. sie glauben alle, es utiitdest so gut, wenn nicht besser als der Borbeter zu treffen. Darum das Streben, sich! vernehnien zu lassen. Diesen Fehler tadelt schon der Talmud in taktvoller Form, indem er verwarnt: „Wer mehr als eben nötig, seine Stimme im Gebete hören läßt, gehört zu den Kleingläubigen!" Freilich kommt dieser Ehrgeiz auch dem Lobe nahe, daß der Beter in der Synagoge überhaupt betet, ja sogar gewißenhast betet, weil es ja noch eine andere Art Beter gibt, nämlich die, die nicht betet, entweder, weil sie nicht, mehr die Sprache der Gebete beherrscht oder weil sie über „das Beten" erhaben ist. Auch diese Art ist dem Gesamtgebete nicht förderlich. Wer in der modernen Synagoge, die über Ordnung und Stille verfügt, Umschau "hält, nimmt hinwiederum einen anderen Fehler, die große Teilnahmslosigkeit, wahr. Hier ist >der Vorbeter der Stellvertreter der betenden Gemeinde und hat die Betpflicht eines jeden zu übernehmen. Das Grundübel ist auch hier, daß jeder gerne nach „seiner Fayon selig wird" und den Gedanken der Gemeinsamkeit im Gebete vernachlässigt. Die äußerliche Ordnung kann dem kritischen Beobachter die „innerliche Unordnmrg" nicht verbergen. Dem allen soll nun der G e m e i n d e g e s a n g abhelfen. Er soll das neue Lebenselixir gegen die Andachtslosigkeit sein. Geht man unser Gebetbuch durch und fragt sich, welche Stücke so ungefähr alles beherrschende Melodie» haben, daß sie Bolksgesang werden könnten, so ergibt sich eine sehr schmale Ausbeute. „Schir ha-ma'alos" von Freitag Abend, „Ledowid boruch" von Sabbath-Ausgang und „Moos zur" von Chanukah. Alle anderen Stücke werden je nach Ort und Brauch verschieden gesungen. Statt aller theoretischen Auseinandersetzungen über den Wert des Ge- - mcindegesanges sei darauf verwiesen, daß jetzt in der Zeit des Krieges in fast allen Synagogen die Volks- Hymne gesungen wird. Alte singen Mit. Es ist ein Gemeinbegesang! Es ergeben sich sofort die beiden Kardinalbedingungen, von denen jede Möglichkeit des Gemeindegesanges .abhängt. Erstens: genaue Vertrautheit mit dem Texte; zweitens: eine unantastbare, unveränderliche Melodie. Diese beiden Bedingungen müssen aber erst hinsichtlich der Gebete geschaffen werden. Die Religionsschulen müssen .von allem Anfang bis zu allein Ende die zum Gemeindegesange bestimmten Stücke den Schülern so seit einpräKn, daß sie nicht mehr vergessen werden. Die Kantoren müsse» an den Melodien bestimmter Stücke mit .pedantischer, heiliger Gewissenhaftigkeit festhatten und jeden Eingriff einer Neu- und Ümkomposition energischest abweischen. Wird solches möglich sein? Alles hängt von dem Ordnungssinn der Juden, von der Organifationssähigkeit ab. Vielleicht wird dieser, schwere Krieg das Wunder vollbringen. Alle die vielen Inden, die heute die Organisation des, Heeres in sich aufnehmen, müssen Seite 5 heimkommen und das Gelernte in Gemeind estubs, Synagoge und Religionsunterricht in Anwendung gebracht wissen wollen. Es muß von jedem Vorstände der präzise Befehl herauskommen: .Diese und diese Gebete dürfen fortan nur mehr nach diesen bestimmten Melodien vom Kantor und Chor gemeinschaftlich gesungen werden." Bon den Haiiptstädten geht die Weisung aus, und keine Gemeinde darf davon abweifen. Bon Pestalozzi, glaube ich, rührt das'Wort her, „daß der ein schlechter Schulmeister ist, der nicht die Fidel spielen könne." Mit Abänderung möchte ich sagen, daß das .ein schlechter Religionsunterricht ist, der den Gesang völlig ausschaltet. Jeder Religionslehrer wird bald nach den ersten Versuchen bestätigen können, daß man ungleich bessere Erfolge erzielt, wenn man di« Schulkinder auch einige Gebetstücke singen läßt, d. h. gleich mit den dazugehörigen Melodien einübt. Leute» die im Tempelchore mitgewirkt haben, werden bestählen, daß ihnen dies die "beste Kenntnis des Gebetbuches beigebracht hat. Eine „Singstunde", dem Religionsunterrichte angefügt, könnte ungeahnte Vorteile für die Andacht und das Gebet bringen. Aber — das alles ist abhängig von der einen großen Frage: .^bringen wir Juden so viel Ordnungssinn, so viel Subordination, so viel Organisationstalent auf, daß bei uns ein GemciiMegesang Möglich werdet Der Gemeindegesang - ist uitd bleibt die Probe auf die Ordnung der Gemeinde, die Unfähigkeit, einen Gemeindegesang zu schaffen, ist und bleibt die Bestätigung für den Mangel an einer festen, unerschütterlichen Organisation. Peter Ehslein. Cafe Kaisepgapfen am Opernplatz ^Erstklassiges Eamilien-Caf6 - Naehmittags Konzerte. — Ff« Hansolmann, Besitzer. Chamischo Osor b'schtvat. Mir zu Füßen sinket hernieder Linde und mllde der friedliche Schnee, Breitend die reine, die schonende Decke lieber der Menschheit Schuld und Weh. Kahl und entblättert strecken die Bäume Ihre Zweige gen Himmel empor. Flehend und Nagend, daß starr und vernichtet. Was einst keimte, einst blühte hervor. Mir zu Füßen sinket hernieder Schnee in stiller, in friedlicher Ruh', Deckend mit reinen, mit schützenden 'Armen Smnen des Guten der Zukunft zu. Und in kahlem, entblättertem Dasein Quillt es wie Frühlingsahnen hervor. Daß es wieder sprosse und grüne, Sprosse und grüne zum Himmel empor. _M. S. ■ Spezialität: Francke & Weber4 ÜflelnKorKen. e~zr’mruJ ft««ft und Literatur. Jeschurun. Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. 'Herausgeber: Dr. I. Wohlgemuth. ' Inhalt: Unser Kaiser. — Probleme der Pentateuchexcgcse (D. Hoffmann). — Ter Psalter Davids im Wechsel der Tage (I. Carlebach). — Die halachische Deutung vou Lev. XXII./23. (S. Kaatz). — Ueber Namengebung bei den Juden (A. Sutzbach). — Das Große und fein« Lehre (E. Biberfeld). Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Herausgeber : Rabb. Dr. Grün w a l d, Wien. 17. Jahrgang, 4. Heft. Inhalt: Die Familiennamen der Karäer und der Krimtschaken (Dr. S. Weitzeuberg). — Das Testament Wolf Wertheimers (Rabb. E. Duckesz). — Zeemr urenu (S. Goldfchmidt, A. Marmorstein). — Bücherschau. Kriegspredigten. Gehalten in der Gemeinde- Synagoge. am Börneplatz von Rabbiner Dr. N. A. Nobel, Seelsorger der Garnison Frankfurt a. M. Zweite Folge: Der Tag des Kampfes. 30 Pfg. Frankfurt a. M., I. Kausfmann. Das Büchlein ist dem Andenken des auf dem Felde der Ehre gefallenen Alfred Mainz gewidmet. Geistreich wird ein inhaltschweres Psalmwort ausgeschöpst, d«n Wörtchen „Jaum neschek Tag des Kampfes)" wird Leben und Form gegeben. Allgemeine Mitteilungen. Im Scala-Theater und im Olymphia- Theater geht mit der hervorragenden Künstlerin Maria Carmi ein neues Schauspiel über die Leinwand. Ein Besucht der Theater bietet dem Publikum einen künstlerischen Genuß. [Frankfurter Edelmetallverwertung I GarlaoH A Weiss I Probieru. Schmelzanatalt. Metallurg. Laboratorium. I TMnmntr. 28. Frankfurt «. 3E, Tel. 1. 0743. I Ankauf aller Edelmetall-Rückstände, Brucbgold u. Silber. I , Barren — Feilnac — Ockräixzn — Abfallen.

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