Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Helle 2. «lls mir absnts unsere WM gjngen. Wivsind aber Mr«tÄar der ZmMalmung, der BeMichtüng getveiht, sobald wir in den tosenden Strudel dös Völkerdaseinstampfes hineingezogen werden. Unsere , Rechte werden von niemand gewahrt, unsere Kraft von jedem mißbraucht. Zu Handlangerdiensten lvaren wir immer noch gut genug. Man appelliert an uns, man reicht uns herablassend die Hand, wenn es in einer' gegebenen politischen Konstellation nützlich erscheint. Dem: was eine gute europäische ijktfüü ist, ignoriert die Juden, läßt sich aber gern ihre Dienste gefallen. Dienste leisten wir aber in zweifacher Hinsicht: indem wir zum Gegenstand crbärnllicher, allzu erbärmlicher moralischer Heuchelei werden, und indem uns tatsächlich zugeMutet wird, mit unseren schwachen Kräften für eine ftemdc Sache herzuhalten; wobei wir natürlich gehen können, nachdem wir unsere Arbeit getan: Beides geschieht uns jetzt von Weiten des Dreiverbandes und seiner Wortführer. Sir Edward Grey, dieser europäische Politiker in Reinkultur, heuchelt bewußt, wenn er durch Vorspiegelungen und Versprechen, deren Hinfälligkeit von vornherein klar ist, die Sympathien jüdischer und liberaler Kreise Englands und 'Amerikas ködern will. Die Herren Johnston, Massijngh.am und die anderen judenfreundlichen Artikelschreiber . her erwähnten englischen Organe tun dasselbe unbewußt, indem sie durch Forderungen und Mahnungen, von deren völliger Aussichtslosigkeit sie doch selbst überzeugt sein, müssen, ihr eigenes empörtes Gewissen und ihre brennende Scham vb der schmachvollen, den besten Traditionen ihres Vaterlandes . hihnsprechenden Bundesgenossenschaft Mit dem Erbfeind der Freiheit .und der Kultur zu beschwichtigen suchen. Während aber bei einem Herde das elemtirtare Gerechtigkeitsgefühl durchschlug, fahren die Nachfolger I au res in der „Humanite" fort, durch wissentlich falsche Ausstreuungen die „El)re" ihres werten Bundesgenossen zu retten. Und auch dies aft majorem .Uatrine glomm. Die gewaltigen Zeitereignisse haben manche bedeutsame Erkenntnis gefördert,, und die, die lernen wollen, haben manche nützliche Lehre empfangen. Die wichtige .Lehre aber ist für uns iüe der nationalen Selbstbesinnung und Selbsthilfe. Und zwar „Selbsthilfe" im Sinne der „Autöemanzipatwn", nicht in dem des „Hüdeirstaates". Die Erfahrungen Herzls waren anscheinend doch nicht stark genug, um ihn, den Unentwegten, in seinem Glauben an Europa wankend zu machen. Das ist den Späteren Vorbehalten .geblieben. Die Erfahrungen der letzten . Jcchre haben diesen Glauben, der Noch manchen unserer Besten in seinem Banne hielt, zu Grabe gegrüben. Von Europa erwartet das jüdische Volk nichts Mehr.*) DasHöchste, das Einzigste, was wir von seiner Politik verlangen, ist das, daß es, wenn es uns keine Hilfe gewährt, auch unseren Feinden keinen Vorschub leistet. Denn weit schlimmer ist uns das letztere, als uns das elftere nützlich sein kann. Im übrigen wollen wir jener Verhaltungsmaßregel treu bleiben, die unsere Vorfahren in ähnlichen Verhältnissen und ruft Rücksicht auf die Machthaber von damals für richtig befunden haben: „Nehmet Euch in Acht vor der Macht, denn sie nähert sich einem nur zu ihrem Vorteil, steht ihm aber nicht in seiner Mt bei'" Dieser „Spruch der' Bäter" hat auch für die Nachfahren seine volle Bedeutung behallen. Denn in puncto po litische Moral . sowohl wie auch in der „Judenpolitik'' sind die Römer von heute nicht viel weiter, gebimmen, als die von damals. Brief aus Galizien. Bon Leon Weinreb, Baranow. 'I. Schon einige Tage zuvor wußten wir, was unser wartete. Die Hiobsbotschaften - häuften sich *) Von den famosen „Befreier" des Dreiverbands sicherlich nicht; — doch viel von einem entscheidenden Sseg der Zentralmächte über das Land der Judenpogrome. Ein Uebergehen Russisch-Polens auf die . Zen-, .tKnmächte-würde eine. wirkliche Befreiung der. russischen Juden bedeuten und die "Stärkung der' Türkei einen nnerbreßlichen nationalen Gewinn für-die jüdische Nation. . D. Redakt. Frankfurter Israelitisches FamilierMatt. mit jedem Tage, der Kanonendonner wurde immer vernehmbarer, die Munitivns-, Provicmtusw. Wagen, die bisher stets vorwärtsgefahren waren, gingen zurück, der Bahuverkehr wurde gänzlich eingestellt, und nun hieß es mit einem Mal,. daß die Post und das PolizeikomMandv unsere Stadt verlassen sollen. Dagegen waren noch Offiziere und Soldaten zu sehen, und diese sagten uns, daß der Einzug der Russen infolge ihrer Uebermacht imvermeidlich sei. Eine. Dodesstille bemächtigte sich der gesamten Bevölkerung; selbst die Polen fürchteten sich, dln ein Flüchten war nicht mehr zu denken, denn fast alle Pferde.waren zum Vorspann verwandt worden, und das Fliehen zu Fuß Machten die Kugeln der Feinde einerseits und . die - kleinen Kinder andererseits unmöglich. Man war hilflos. Juden und Christen eiicke die Mt. Die Furcht war hauptsächliche vor Niederbrennen; an die Möglichkeit des Plünderns dachte niemand. Es wurde deshalb alles Wertvolle in geeignete Keller und Gewölbe getragen. Die Schilder der Geschäfte wurden abgenommen, und jede Reklameaufschrift wurde verwischt. Die Woche zog sich bis Freitag hin, — da gegen Freitag Abend entstanden neuerdings ein gewaltiger Kanonendonner und ein furchtbares Geknatter von Maschinengewehren, daß die Fensterscheiben sprangen. Alles verkroch sich ängstlich in seine Zintmer. Erst spät am Abend verstummte der LärM. Doch die nun folgende Todesstille beruhigte die Menschen nicht, im. Gegentell: sie wurde wie die Schwüle vor dem Gewitter .emp- . funden. Die Nacht verging in Bangen, der Morgen kam, — und kein österreichischer Soldat war mehr auf der Straße zu sehen. Um 5 Uhr früh gingen wir in die Synagoge. Alles war im Gotteshanse versammelt, als die erste russische Patrouille ankam. Man hatte die Russen erst gegen Mittag erwartet und mar ' deshalb so früh zum Beten gegangen. Man war bei der Verlesung der Thora, — plötzlich schrien einige Frauen, die durch die Fensterscheiben geblickt hatten: „Sie sind schon da!" Doch die Vorlesung aus der Thora wurde nach kurzer, leiser Beratung ruhig fortgesetzt. Bei den Worten „Kemapechas sedaum w'a- Mauroh" erscholl im Vorhof ein wilder 'Lärm, — und che Man sich noch umzuschauen vermochte, standen plötzlich ftinf Russen in langen, grauen Mänteln und mit Lanzen .in der Hand im Saal. Wie festgeschmiedet blieben alle Anwesenden auf ihren Platzen, als ob Mn den Tod erwartete. Niemand dachte, daß man noch lebend davonkoMmen werde; so wirkte der. Anblick dieser Fünf. Diese standen in zornigem Glotzen einige Minuten still, dqnn fragte einer von ihnen: „Jewrei, was habt Ihr da?" Alles schwieg. Er wiederholte mit lauter, drohender Stimme iwchnmls seine Frage, und die vier anderen streckten ihre .Lanzen aus. Jetzt erwiderte ein Beherzter : „Ein Gotteshaus." „Nicht wahr!" schrien sie wie aus einem Munde, „Revolver habt Ihr!"- Sie stürzten sich auf einen in der .Ecke des AlMemor stehenden zitternden Mann und durchsuchten seine Taschen. Sie durchsuchten auch die anderen, und da sie nichts fanden, verließen sie unter drohendem Grinsen das Gotteshaus, um anderswo- Revolver ausfindig zu machen, in Wirklichkeit aber, uM etwas anderes zu finden. -Verstohlen schlich sich, jeder nach seiner Wohnung, wo Frauen und Kinder mit Beben harrten. Jedem Schritt drohte Gefahr,' denn {feinere und größere Soldatentrupps passierten die Gäßchen, öffneten mit Gewollt Schlösser und Riegel, untersuchten auch die vom Gotteshaus. Heimkehrenden und rissen sie unter rohem .Lüchen am Bart und Peiaus. Alle Häuser jedoch, die mit christlichen Heiligenbildern versehen waren, blieben verschont. Noch war keine Stunde seit Ankunft der Feinde verflossen, und schon wußten! unsere christlichen Nachbarn, die -sich gesferm erst sobrüderlich mit uns vereinigt hatten, .sich: mit .dem! Feinde anzufreunden. Sie ' zeigten./ihm die Häuser der vermögenden Juden, die man plündern könne. ' _Nr. 4 ,^Wie sahen nun, baß wir es nicht . Mit.einem gewöhnlichen 'Kriegsfünde' zu? tun hatten, . sondern mit dem bekannten/ verhaßten, echt. russischen Judenfeind. Wir erinnerten uns der Pogrome in Kischinew usw. Doch wir kamen nicht zu weiterem Nachdenken, denn jetzt zog das eigentliche russische Heer ein, und ter Hauptmann an dessen Spitze befahl, daß sich alle Juden auf einem Platze versammeln sollten. Brief aus Rumänien. Der rumänische Antisemitismus und - seine Folgen. Trotz des Ernstes der -Zeit setzt A. C. Cuza, der berüchtigte Jassyer Universitätspvofessor, seinen Kamps gegen uns Juden fort. Das braucht eigentlich bei einem Manne, der den Lehrstuhl der Wissenschaft zu einem Lehrstuhl für antisemitische Prinzipien gemacht hat, nicht wünderzunchmen. Auch : hat ihn sein Erfolg stolz gemacht. Seine Schüler sind znm Teil bereits in Amt und Würden gekommen und streuen die Saaten ihres 'Lehrers weiter. Sv hat jetzt der Antisemitismus auf die Mittelschulen übergegriffen, in denen heute bereits zahlreiche Schiller Cuzas lehren. Bon den Früchten dieses Geistes Mögen folgende Mlle erzählen: Am 21. Mvember war im Jassyer Lyzeum eine Feier des Patrons der Schule. Bor Beginn der Feier verkündete.der Schuldiener: „Auf Anordnung des Direktors müssen sich alle 'Fremden (— Juden) entfernen." Einige Zeit später, verfügte der Direktor, daß die Juden fortan an keiner Schulfeier mehr teilnehmen dürfen. Der Schüler Johan Stau aus Metrisch cha besucht das Gymnasium in Husch. Sein Vater brachte ihn bei einem jüdischen Geschästsfteunde unter. Ms der Direktor das hörte, sagte xr dem Jungen, es .sei eine Schande für einen Christen, bei einem Inden zu wohnen. Er drohte dem Vater, seinen Sohn zu entlassen, wenn er bei deM Inden wohnen bleibe, — und weinend Mußte der Junge die jüdische Familie verlassen, die ihn wie ein eigenes Kind gehalten hatte. Ms jüngst der. Turnlehrer der gleichen Schule die Schüler zur Bildung von militärischen Kompagnien aufforderte, wies er die Inden zurück, denn „sie hätten kein militärisches Talent". . Ich müßte ein ganzes Buch schreiben, wollte ich all' die Quälereien und all' das Unrecht schildern, die unsere jüdische Jugend zu erdulden hat. Ich will daher hier Halt machen und von den Judenverfolgungen und Judenausweisnngen aus den Dörfern sprechen, die jetzt aktuell geworden sind, und die meiner Meinung nach auch, als Folge des AntiseMittsmus beurteilt werden müssen, der dem christlichen Kinde und späteren Staatsbeamten (die Juden dürfen bekanntlich kein Staatsamt bekleiden) schon in der Schule eingeimpft wird. Der Jude Benjamin Schulmann aus dem Dorfe Tanaku, wo er auch geboren wurde und iM Jahre 1888 .seinem militärischen Dienst nachkam, fuhr eines Tages nach Hause. Auf dem Wege wurde er von einem Gendarmen ungehalten. Den Juden — sagte der Gendarm — sei es nicht gestattet, nach .den Dörfern zu fahren, uM dort 'Handel zu treiben: Er sei beauftragt worden, einen - jeden Juden, dem er begegnen wüÄe, zu verhaften. Erfolglos waren die Einwendungen des armen Juden, . er sei in demselben Dorfe geboren und auch jetzt dort wohnhaft, auch könne er sich im Wasluer Magistrat von seiner Unbescholtenheit : Überzeugen. Es half nichts, , und der wackere GenditrM, vergnügt, daß er einen Juden, erwischt hatte, Machte sich über ahn lustig und-versprach ihm, für einen Sack. Nüsse, deren der Jude viele ünf deM Wagen hatte, ihn zu befreien. Der Gen- ' darM bekam 'den Sack Nüsse, er ließ aber trotzt Lün! den Armen nicht , frei. Machte vielmehr. folgendes Pvctokoll: „Wir Jstinn Dumitru, Gendarmeriechef der Sektion Untermuntenien, den Distrikt Waslni heute inspizierend, hüben den Jrchen Benjamin Schulmann .ans Tanaku getroffen, nach den Dörfern fahrend, uM. mit den : Bauern Handel zu treiben. Der oben genannte Jude, erklärte, er wolle bei den Bauern Nüsse Nr. vbM E und di an sei Merken vom! 30 wonach de n D verhaft Ei chen R von de stratsm und n ihn tü Begleit Ei entmen liche ai Riwen eines 3 reni. l seine er es ' ihn ai nach d Gendar Gendar suchten außer sie: Du in Wir f folgte, aber g Matche dem H ben, fü und z zweiten wobei er gez den Bi Stall i tüchtig entlasst S Weg u Hinder kleine den S> Beendi grund, sein;! wir n Am Di Brot Elend Besser, »r. die M< daruntr einer t von gestN die So Leders, kaufsste die Jni aller lk aw sie Tefillin nicht: r den Mi ' Es sinmmc Tefillin Juteres Schütze! werben des'.B« wmger der.Kl SSSm