Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 3 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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in tc ei D!llk rr lie er, K' fcot cb. Volkes einen Ehrenplatz einnehmen. Es war ein großer Sohn nnseres Volkes, ein Führer der jüdischj-uationaleu Bewegung nnd eine überragende Persönlichkeit der zionistischen Organisation. Sein Lebensgang war hart und -schwer. Vom Chederjungen entwickelte er sich znm Großkaufmann, vom Zigaretten verkanfenden Jndenjungen zmn Präsidenten der zionistischjen Weltorganisation. Er wnchs stets mit seiner Stellung nnd arbeitete rastlos an sich! selbst, um seiner Position gerecht zn werden." „Die nächste Znknnft wird zeigen, ob seine von Herzl übernommenden Arbeitsmethoden die richtigen waren oder die seiner Gegner. Ebenso wie Herzl, wird auch! Wolffsohn sür viele jüngere Zionisten ein Vorbild sein, insbesondere darum, weil er sich stets dagegen wandte, den Zionissus in eine Pärteischablone zu zwängen. Der Zionismus sei eine Bewegung sür das gesamte jüdische Volk. Diese Anschauung sollten wir als Erbe von Wolffsohn übernehmen." Das Absingen der Hatikwah und eine Sammlung für die David und Fanny Wolsfsohn-Stiftung schloß die kurze, aber würdevoll verlaufene Veranstaltung. Rutzlauv. erc ids!i° gel dc< Petersburg. Hinsichtlich der Drangsalierungen der jüdischen Bevölkerung ist alles wie vor dem Kriege geblieben. So wurden hier in der ersten Januarwoche wieder nächtliche Haussuchungen veranstaltet nnd 293 nichtwohnberechtigte Juden verhaftet. md M dedu nbi Ser bedeut, ii net Amerika. Rochefter. David Pinski, der bekannte Schriftsteller, rief auf der Tagung per „Panalei Zion" eine stürmische Debatte ' hervor. Als er erfuhr, daß die Paualei Zion vor Jahren den Beschluß gefaßt hatten, der sozialistischen Partei sich anznschließen, erklärte er seinen sofortigen Austritt, wenn die Paualei Zion nicht vollständig unabhängig bleiben. Pinski errang für seine Auffassung die Mehrheit, indem beschlossen wurde, mit keiner sozialistischen Partei offiziell verbunden zu sein. ‘ deai »eit Ad tnr ist Tee-Schmidt gegr. 1730 älteste deutsche Teefirm» Harke Teesehmidt. . . . No..l2 Mk. 4.40 Harke Wedda.No. 0 Mk. 4.90 China Grustee .. Mk. 2.9» ' Pefco Souehnng Spitzen . . No. 2 Mk. MO Orang- Pehobltttenspltsen No. 3 Mk. 3.20 1 Hako Soma Mk. 2 — 2.40 3.— Niederlagen ln allen Stadtteilen. irci mt :tci idei In len Au chei jer, ii iftc fü ibt cag ld ei cdei rb rtßfl is> ioli tzeu di ‘ Gi ebe sieh vo räg che llei de 8m ige mn har iesc st-, cti fo Der Krieg und die deutschen Juden. Frankfurt a. M. Dr. S i g m Heiche ' heim. Regiments- und Stabsarzt d. R., erhielt das Landwehr- Di e n st k r e u z 1. Kl. und das hessische Sauitätskreuz und Bizefeldwebel Leopold Fei st die hessische Tapferkeitsmevaille. Frankfurt a M. Ernst LobI, Sohn des bekannten Besitzers des Kaffee Astoria, ist infolge hervorragender Leistungen znm Leutnant befördert worden. — - Rechtsanw. A. G r ü n e b a u nt, Leutnant im 7. daher. Landw. Inf.-Reg. und Vizewachmeister Willy Stern, Sohn des Sanitätsrats Dr. Stern in Eschwege, erhielten das Eiserne Kreuz. Frankfurt a. M. Dem Webrmonn Hans Rosenthal (Sohn von Lonis R., Mittelweg), der erst vor Zier, Wochen ins Feld rückte, wurde vom kommandierenden General das E i s e r n e K r e u z an die Brnst geheftet. Frl. Dr. med. Käthe Neumark ist als Militärärztin im Reservelazarett Technikum Bingen tätig. Berlin. Gottfried Sender, Lehrer an der jüo Lehrerbildungsanstalt, Ritter des Eisernen Kreuzes .1. und 2. Klasse, ist znm Leutnant befördert.worden. .Hamburg. Oberingenieur Eugen Munk, ein geborener Wiener, seit vielen Jahren aber in Hamburg, erhielt für Tapferkeit vor dem Feinde den Orden „Signumlaudis" nnd das Militärverdienstkrenz mit der Kriegsdekoration unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberleutnant im 6. Honved - Husaren - Regiment. Ueber das Reiterstückchen, das ihm diese Auszeichnungen einbrachte, teilt er folgendes mit: Ich war vor drei Wochen mit einer schwachen Patrouille in ein Dorf geschickt, wo mau Russen vermutete. Plötzlich wurden wir, die wir vom Pferd abgesessen waren, .von einer dahersausenden Schwadron Kosaken überfallen und in den Straßengraben geworfen, mußten uns ergeben nnd die Waffen ablegen. Da drehte sich plötzlich das Pferd des Kosakenoffiziers, scheu geworden, gegen mich. Ich befahl rasch dem neben mir stehenden Husaren, mir seinen Karabiner, der auf der Erde lag, zu geben, er sagte es weiter, und sofort schossen wir ans die bei uns stehenden Schwadron. Diese rannte panikartig davon, wir schossen nach, holten den Offizier, zehn Kosaken herunter, nahmen drei Stück samt den Pferden gefangen und machten uns rasch aus dem Staube. Slls 'die Kosaken zur Besinnung kamen und zurückkehrten, waren wir auf und davon. Müuche«. Das Eiserne Kreuz erhielten Dr. Maudelbaum, Sohn von Beit M. in .Aub, Dr. Erust Bing, Häuptmann Oberndorfer, Leutnant Robert Ottensooser, Oberarzt Dr. Ludwig Obermeyer-Nüruberg, Assistenzarzt Dr. Eisenheimer, Dr. Leo Steinberger-Würzburg, Dr. Ernst Oberndörffer-Hof, Stabsarzt Dr. Heinrich Adler, Kurt Guttmaun, Leo Adler- Akünchen. — Bayerische Orden erhielten Stabsarzt Dr. Alfred K atzen st ein-Kissingen, Krankenpflegerin Pina Bravmann-Höchherg. — ihn tifli »esc sche r Die Oberleutnants Lion L ö w i n s o h n und Alexander Durkelsbühler sind zu Hauptleuten befördert worden. Dffenbach a. M. O'fiziersstellvertreter Ingenieur Gustav Gabriel erhielt das Eiserne Kreuz. Köln. Es wurden mit dem Eiserneu Kreuz ausgezeichnet: Sanitäts-Unteroffizier Wilh. Hertz, Referendar a. D. Sohn von Simon H. nnd Unteroffizier Max Oppenheimer. — Dem Musketier Sally Boos aus Bonn wurde vom Großherzog von Oldenburg das Peter-Friedrich-Ludwig-Kreuz 2. Klasse verliehen. Boos wird seit dem 31. Oktober vermißt.. — Rechtsanw. Dr. Max Goldberg -Düsseldorf und Rechtsanw. Wundermacher -Neustadt i. W. wurden zu Leutnants befördert. Breslau. Zahnarzr Fritz Gerstel und Erich Käst au erhielten das Eiserne Kreuz. — Rabbinatskandidat Dr. Alfred Zweig,, gebürtig aus Eichenau, O.-S., vorgefchlagen znm Eisernen Kreuz, starb in Rußland den Heldentod. (I,.) Pose» Eiserne Kreuze wurden berlieden: Unterarzt Wilhelm Schmalz, Fritz Sandberg, Gustav Deutschmanu, Sally Moses (Bromberg), Arthur Marcus, Arthur Lewy (Schildberg), Hermann S a r n e r und Dr. Barn ch. — Der Reservist Siegfried Chaym, Inhaber des Eisernen Kreuzes, Sohn des .Herrn Carl Chaym in Murowana - Goslyn, fand den Heldentod. Basel. Der jährige Emanuel Goldschmidt, gebürtig aus Würzburg, zuletzt hier wohnhaft, der-nach dem Kriege 1870/71 zum Leutnant befördert worden, ist im gegenwärtigen Kriege zum Oberleutnant befördert worden. Er steht in Antwerpen. Wien. Korporal Samuel Bauer erhielt die Gol.dene Tapferkeitsmedaille. — Die Oberstabsärzte Dr. Phil. Riwezes und Dr. Karl Radlmesser, der Stabsarzt Dr. Arnold Raschkes nnd der Regimentsarzt Dr. Leopold Herz wurden mit dem Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Baude des Militärverdienstkreuzes ausgezeichnet. — Leutnant Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Felix Lemberg er, der einzige 'L-ohn einer Witwe, starb den Heldentod. Wien. Die Zion. Organisation verzeichnet wiederum ' eine Reihe Auszeichnungen in dem Kreise ihrer Anhänger. So erhielten die Assistenzärzte Dr. Ladislaus L i ch t e u st e i n und Dr. I s a a k Klapper das Goldene Berdiensttreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille und Fähnrich Hermann K l o p p e r unter Beförderung zum Leutnant und Korporal Julius Gerstl, der Führer des jüd. Wanderbundes „Blau - Weiß" in Wien, die Goldene Tapferkeitsmedaille. Budapest. Armin Bokor, Bürgerschulprofeffor, ein wertvolles Mitglied der Misrachi-Organisation, ist auf dem Kriegsschauplatz gefallen. Petersburg. Nach einer Berechnung des hiesigen Büros der „Jca" habe der Krieg rund zwei Millionen russ.-poln. Juden heimnnd mitte l l oL gemacht. London. Board of Devuties, die offizielle Vertretung der Inden Englands, will die Forderung stellen, daß bei der Friedenskonferenz auch ein Vertreter der Juden teilnehme. Personalien n. Kleine Mitteilungen. Berlin. Julius Jacoby, von 1901 bis vor wenigen Monaten Präsident der jüdischen Gemeinde, ist im 91. Lebensjahre verschieden. Karlsbad. Ludwig Moser beging sein 40jähriges Jubiläum als Knltusvorsteher. Budapest. August Beer, Musikreierent des „Pester Lloyd", als Mensch, Musiker und Schriftsteller von hohen Qualitäten, ist im 65. Lebensjahre yerschiedeu. Budapest Als der berühmte M-kor Philipv von Laßlo jüngst englischer Staatsbürger wurde, stellte sich heraus, daß er einst Laub hieß und Jude war. Komoru (Ungarn) Oberravb Dr. Armin Schnitzer, ein Schüler des Kessaw-Sofer, ist im hohen Alter von 78 Jahren verschieden. Er war mit Jokai, Fürstprimas Vaszary und Johann Orth befreundet. — In Mitrovica (Slavonieu) verschied — 41 Jahre alt — Rabb. Dr. Herm. Gärtner. Paris. Narcifse Leven, der Präsident der Alliance Jsraelite Universelle, ist — 82 Jahre alt — am 7. Januar v e-r s ch i e b c n. Rew Aork. 117 Qafyre und 15 Tage alt wurde Frau Hanna Kosokoff, die Dienstag abend im Heime „Danghters of Israel of Harlem", 32 East 119th .street, sanft einschlief. Bis zuletzt war .sie ijn Besitz ihrer geistigen Kräfte. Sie hinterließ 14 Enkel, 13 Urenkel und 1 Urnreukel. Frankfurter Berichte. Agudas JiSroel-Äugendgruppe. Die Agudas Jisroel Jugendgruppe veranstaltet am 21. Februar (7. Adar) zum Gedächtnis ihrer auf dem Felde der Ehre gefallenen Mitglieder einen Abend, au dem u. a. Herr Wolf Jacobsohn -Hamburg sprechen wird. Näheres über die Versammlung wird noch mitgeteilt werden. Die A. I, - Jugeudgrnppe hat zum Gedächtnis ihres Gründers und eifrigen Förderers Martin Feist, der ihr mit allen Fasern seines Herzens anhing, unermüdlich für sie arbeitete, seine -ganze Kraft in ihren Dienst stellte, die Schaffung eines Martin Feist- Fonds beschlossen. Dieser Fonds soll einem Zweck zugute kommen, deren Förderung dem Unvergeßlichen besonders am Herzen lag: Der Erhaltung und Vergrößerung der Beth - Hamidrasch - Bibliothek sowie ferner der Schaffung einer Wunder - Bibliothek, die Martin Feist anläßlich der Kenesioh - gedauloh im Interesse der. Jugend - Organisation zu gründen plante. Ausschutz der israel. Gemeinde. Der Ausschuß wählte zu seinem Vorsitzenden Rechtsanwalt Dr. Baerwald und zu seinem stellvertr. Vorsitzenden Dr. med. Wilh. Hanauer. Er delegierte in das Pflegamt des Krankenhauses Tr. Hanauer, iu die Ritualrommission Hugo Fraenkel, in die Krankenhaus-Baukommission Dr. Hanauer, Dr. Hanau, in die Goldschmidtsche Stipendienstiftung Prof. Tr. Graesfenberg, in die Maaß'sche Stiftung Schopflocher, in die Rießer - Stiftung Dr. Mainzer, in die Jsr. Religionsschule Hugo Fraenkel, in die Religionsunterrichtskommission Dr. Katzenstein, Prof. Dr. Graeffenberg, iu die Sichel-Stiftung Dr. Baerwald und in den Schulrat des Philanthropin Dr. Merzbach und Dr Katzenstein. Kleine Rotizeu. Der „M ontefiore"-Verein veranstaltet am 26. Januar abends 9 Uhr in seinen Räumen Bleichstraße 70 eine Kaiser-Geburtstagsfeier, die in ihrem Programm dem Ernst der Zeit entspricht. Die Festrede wird Rabbiner Dr. Lazarus halten. Anläßlich des Geburtstages unseres Kaisers, findet Mittwoch früh 9 Uhr 30 Min. iu der Synagoge Börneplatz ein Militär-Festgottesdienst statt und abends 6 Uhr iu der Synagoge Königsteinerstraße ein Festgottesdienst. Ü Ißtttilßfon. W Die Verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bou C. Berg. (Fortsetzung.) „Gewiß", versetzte Benno, „wir werden die junge Dame tunlichst fördern. Einstweilen aber steife ich mich auf meine Beschützerrolle Ihnen gegenüber, meine Gnädigste. Sie müssen jetzt unwiderruflich müde sein und einige Augenblicke rasten." „Einen Augenblick noch! Was ist das hier gegenüber für ein elegantes prächtiges Haus? Zwölf Fenster Front, säulengetragenes Tor, marmorne Freitreppe mit diesen prächtigen, gußeisernen Kandelabern. Ist es ein Gesandtschaftspalais oder sonst ein Regierungsgebäude'?“ „Keines von beiden. Es ist ein Hotel, allerdings das fashionabelste unserer Stadt. Hier wohnt Alexandru . . . Mein Himmel, Fräulein, was haben Sie?!" „Schwindel. Er überkommt mich immer, wenn ich diese breiten Treppen sehe. Ich bin einmal schwer gefallen. ..." Wir wollen augenblicklich nach Haus. ..." „Nicht doch. Das verliert sich. Wie sagten Sie, Herr Alexandru wohne hier?" „Jawohl. Er hat im ersten Stock drei Zimmer inne nebst seinem Bureau. Aber wenn er nicht draußen in K. steckt, findet man ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit hier in der Theater-Konditorei, in welche Sie jetzt unweigerlich Ihre Schritte mit mir lenken müssen," Die Erwähnung Jemilians hatte ein feines Rot auf Claudias Antlitz getrieben, das sich in Scharlach tauchte, als sie beim Eintritt in den geräumigen, von sehr eleganter Gesellschaft besuchten Saal wirklich Alexandru am andern Ende in einer Fensternische erblickte. Er hatte ihr Kommen nicht bemerkt; denn er saß mit dem Rücken zur Tür, über ein Schachbrett gebeugt, als ihn sein Partner, der junge Groducza, hastig ausstörte. „Alle Wetter, dieser kleine Liedertrost!" „Was ist's mit ihm?" „Ein bildschönes Mädchen führt er herein." Alexandru richtete sich ein wenig auf, erkannte Claudia und grüßte mit vielem Anstand hinüber. . „Das ist kein Mädel, mein lieber Groducza." „Also ein Frau?" „Nein. Eine Dame ist es." Groducza wandte seine lüsternen, wasserblauen Aeuglern, die begierig auf Claudias anmütiger Gestalt haften geblieben, ziemlich erstaunt nach Jemilien. „Der Tausend! Unterscheiden Sie fein." „Ja, das ist nicht jedem gegeben." Da er nicht sogleich eine Antwort zu finden wußte, nahm Groducza einen Bauer vom Brett und warf ihn Alexandru an den Kopf. Aber geschickt sing jener die Figur auf, und sie seinem Gegenüber unter die stumpfe, kleine Nase haltend, sagte er mit seiner gewöhnlichen Apathie: „Ach! Gehen Sie ein wenig rücksichtsvoller um mit Ihresgleichen."