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Neue jüdische Presse · 1915-01-22 · Heft 3 (22.1.1915) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 3 (22.1.1915)
Date
1915-01-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. von seinem Judentum dazu herangebildet, ein HÄdendasein zu leben; und mich, meine Freundin, dünkt das letztere viel schwieriger und größer zu sein als das erstere. Einen Heldentod zu sterben erfordert gewiß viel seelische Kraft und Größe; aber ein hartes, bitteres Leben unter den größten Entbehrungen und Leiden zu führen, und dabei seine ethischen Pflichten erfüllen, erfordert Mehr innere Größe. Ist jenes die Größe eines Augenblicks, so ist dieses die Stärke eines ganzen Lebens; ästhetisch schöner Mag gewiß der Heldentod eines Cato sein; ethisch höher ist zweifelsohne das Heldenlcben eines Jvchanan bau Sakkai. Andere Völker, als sie ihre Freiheit uird Selbstständigkeit verloren, gingen unter; wir Juden, nachdän unser Staat gestürzt, unser Tempel zerstört war, nahmen den Wanderstab in die Hand und begaben uns auf die qualvolle leidensreiche Bcchn des Exils. Und so sehr ich Hellas und Rom bewundere, mehr Größe scheint mir doch in der Leidensgeschichte des Ahasvervolkes enthalten zu sein. Denn, meine Freundin, unsere Größe birgt in sich auch, jene des Griechen und Römers. Wer wie ein Jude leben kann, verMag leicht wie ein Grieche zu sterben. Wv es sein Mußwo es sich um Werte handelt, die höher stehen als das Leben, weil ohne sie das Leben seinen Wert verliert, da können auch wir unser Leben hingeben; ich brauche Ihnen nicht wieder die vielen Helden unserer Geschichte zu nennen, die es beweisen. Nur daß wir nicht so leicht und schnell entschlossen sind, das Leben wegwerfen wie andere Völker'; nur daß wir wägen und werten, ob das Ziel dieses Opfers wert ist. Freudig, lorbeeruMkränzt, im Tänzerschritte gehen wir allerdings nicht in den Tod; denn wir wissen, ■ was es — ethisch — bedeutet, ein Leben aufgebe». Wenn ich mir die Scharen unserer Makkabäerhelden vorstelle, so schaue ich keine singenden, jubelnden, geschmückten Griechenjünglinge freudigen Schrittes dahineilen, sondern ernste, sinnende, erschlossene Männer gemessenen Schrittes dahinschreiten. Und auch hier wieder sei es gesagt: Wie die sittliche Tat, die aus bewußter Erkenntnis und Anerkennung des Sittengebotes fließt, ethisch höher zu bewerten ist als dieselbe Tat, wenn sie nur dem raschen Gefühle und der unbewußten Empfindung entspringt, so ist die bewußte, aus ruhigem Abwägen und Erkennen entspringende Lebenshingabe des Juden sittlich wertvoller, als der aus schneller Begeisterung und unbewußter Tollkühnheit resultierende Heldentod eines Griechen. Hier wie überall zeigt sich die sittliche Ueberlegenheit unserer auf bewußter Heiligung und Bersittlichung des Lebens beruhenden Läensauffassung über die nationale Weltkonzeption der Antike. Sind die Luden tapfer? ftagen Sie mich, meine Freundin. Hier meine Antwort: schwerer entschlossen, in den Tod zu gehen und starker am.Leben hängend üls andere Nationen, sind wir doch tapferer als sie; denn jene besitzen die , hohe Fähigkeit, als Helden zu sterben; wir aber die höhere und größere Fähigkeit, auch als Helden zu leben. X. -n. Aus Äeu Ereignissen des Tages. 3«m Geburtstag unseres Kaisers. Am 27. Januar feiert unser Kaiser seinen Geburtstag. Während auf den meilenwciten Schlachtfeldern in .Ost und West der furchtbarste Krieg tobt, den die Geschichte kennt, während das deutsche Volk in eiserner Wehr dasteht, kämpfend gegen eine Well neidischer, rachsüchtiger Feinde, tritt der Herrscher unseres Vaterlandes in das 56. Jahr seines Lebens ein. Keine H'vffeiern uüd Galafestc werden diesmal die Geburtstagsfeier begleiten; nicht Fanfarenklänge und Parademarsch, sondern das dumpfe Donnerte der Kanonen werden dies Jahr den Geburtstag unseres Kaisers der Welt verkünden. In einem Erlasse an den Reichskanzler, der in seiner schlichten Innigkeit charakteristisch ist für die Sinnesart unseres Kaisers, hat er den Wunsch ausgedrückt, daß man dieses Jahr von der Absendung der vielen Telegramme, Huldigungsadressen absehen Möge, um nicht die Arbeiten, die er und das Große Hauptquartier zu leisten haben, zu erschweren. So wird denn Frankfurter Israelitisches FmnilienblMt. schlicht und einfachsang- und' klanglvs der diesjährige Geburtstag des Kaisers vorübergehen. Und dennoch! Keinen 'schöneren, herrlicheren Geburtstag hat unser Kaiser je gefeiert als den, den ihm dieses Jahr bringt. An keinem anderen Geburtstage durfte er mit solcher Genugtuung, Mit solchem Stolze auf sein Lebenswerk zurückblicken als dies Jahr. Denn in diesen sechs Monaten des Krieges haben wir, hat unser Volk, hat die Welt erst wahrhaft die volle Größe und Bedeutung Wilhelms II. erkannt. Wenn .diese sechs KriegsMonate schon das eine mit unzerstörbarer Gewißheit der Welt bewiesen haben, daß alle Jntriguen und Pläne der Feinde Deutschlands zunichte geworden sind, daß Deutschland unbesiegbar ist; wenn heute unser Kaiser seinen Geburtstag auf Feindesboden feiern kann, so verdanken wir 'das neben der Tüchtigkeit und der Opferfreudigkeit des gesamten Vaterlandes doch vor allem unserem Kaiser. Er war es, der früher als selbst die größten der deutschen Staatsmänner gleich in den ersten Jahren seiner Regierung es erkannt hat, daß dieser Entscheidungskampf gegen England einmal kommen muß und in unermüdlicher, rastloser Arbeit das Deutsche Reicks gerüstet hat, diesen Kampf, wenn er kommen wird, mutig und gewappnet aufzunehmen und siegreich, durchzuführen. Man braucht bloß an den Helgoland-Sansibar-Vertrag zu denken, der zur Zeit seines Abschlusses von ganz Europa, auch von ganz Deutschland mit Staunen, ja Spott ausgenommen ward, und ohne den die englische Flotte heute vor Hamburg und Bremen läge; man braucht bloß an die Schaffung der Flotte zu denken, die gegen die Verständnislosigkeit, ja gegen denWidcrspruch der Majorität des Volkes durchgesetzt wurde, und ohne die der. jetzige Kampf gar nicht hätte geführt werden können; män braucht bloß an die Reisen des Kaisers nach Tanger, nach Konstantinöpel, Damaskus und Jerusalem zu denken, die damals von gar vielen klugen Leuten in Deutschland Mit Kopfschütteln und kaum verhaltenem Hohn begleitet wurden, und ohne die die Türkei heute auf Seiten unserer Gegner stände, .— Man braucht nur an diese drei „Ereignisse" .zu denken, denen sich noch so viele andere hinzugesellen, um die Größe und Bedeutung Wilhelms II. zu erkennen und zu verstehen, daß er der eigentliche und wahre Lehrmeister ' Deutschlands in den letzten Jahrzehnten, der wahre Schützer und Begründer dör Weltmachtstellung Deutschlands geworden ist. Große Männer erkennt man in ihrer wahreck Große stets nur in großen Zeiten; der. Völkerkrieg, der Deutschlands Macht und Existenz vernichten .sollte, hat dem ganzen deutschen Volke offenbart, was es an seinem Kaiser hat: den Mann, der nicht nur dem Namen und der Stellung nachsondern auch auf Grund seiner Bedeutung und Leistungen der wahre Führer und Herrscher Deutschlands ist in den gewaltigen Aufgaben, die ihm der Wille der Geschichte gestellt hat. ‘ Allein nicht nur unseren Kaiser verehren und bewundern hat uns dieser Krieg gelehrt, wir haben' ihn aüch in diesen Akvnaten mit erneuter, verllärter Kraft lieben gelernt. In dieser schweren Zeit, die an die sittlichen Kräfte jedes einzelnen von uns Forderungen stellt, wie kaum.eine andere Epoche in der Geschichte es getan hat, ist unser Kaiser zu unserem; leuchtenden Vorbild — zum Vorbild in unermeßlicher Vaterlandsliebe und starkem Gottvertrauen geworden. Sein großes Wort: „Ich kenne keine Parteien Mehr, ich! kenne nur Deutsche", hat uns die größte und bedeutsamste Forderung der Zeit erkennen .gelehrt: einig zu sein; seine Ruhe und Zuversicht, seine Willensenergie und Tatkraft gibt uns die Fähigkeit, in Geduld und unerschütterlicher Siegesgewißheit durchzuhalten in den härten Monaten des Harrens; seine Schlichtheit und Einfachheit sagt uns besser und wirksamer als alle Ermahnungen, wie wir jetzt leben muffen: .so ist unser Kaiser nicht nur. der Mann gewesen, der uns gerüstet hat, diesen Kampf aufnehmen zu können, er ist uns aüch der Lehrmeister geworden in diesem Kampfe selbst. Als großen Staatsmann, energischen Leiter der deutschen Politik und unermüdlichen Mehrer des deutschen Wohlstandes und der deutschen Macht bewundern wir ihn; als Len schlichtet:, gottvertrauenden, Willensstärken Herrscher aber haben wir ihn lieben gelernt. Nr. 3 Soh Bew nifrtl in Und so durste er denn mit Recht seinem Erlasse — der schon wegen seines tie religiösen Tones besondere Beachtung verdient aussprechen, daß er sich bewußt ist, bei seinem Geburtstage, der schlicht und einfach dieses Jahr verlaufen soll, durch innige, felsenfeste Treue mit seinem Volke verbunden zu. sein. Er dars dieses große stolze Bewußtsein wohl haben: wie ein Mann steht Deutschland hinter seinem Kaiser in dem es seinen Führer und Herrscher sieht, be wundert und liebt, der es durch Kampf und Not zum endlichen, endgültigen Frieden führen wird. stchw! Groj zum ttnid; Versicherungen und Testamente zu Gunsten des Jüdischen RatioualfoudS. Es sind in letzter Zeit neuerdings eine größere Anzahl Versicherungen zugunsten des Nationalfonds abgeschlossen worden, vornehmlich von amerikani schen Inden. Es geschieht dies dort in der Regel im Anschluß an eine persönliche Versicherung, in Weise also, daß z. B. der Auftraggeber für sich und seine Familie eine Versicherung im.Betrage von 10,00(j Mark aufnahm und weitere 1000 Mark zugunsten des Nationalfonds versicherte. Andere wiederum haben Versicherungssumme ausschließlich für den Nationalfondbestimmt. Insgesamt sind in Amerika Natioualsonds-Vcr sichernngen im Betrage von xa.. .120,000 Mark ab ge schlossen worden, eine Summe, die in Anbetracht de! Umstandes, daß es .sich meist nicht um reiche Leut« handelt, immerhin bemerkenswert ist. Aber auch' i den europäischen Ländern haben die bei vcrschiedcnei Gesellschaften abgeschlossenen Versicherungen zugunsten de- Nationalfonds erfreulich zugenommen. Auch testamentarische Zuwendungen den Jüdischen Nationalfonds mehren sich in letzter Zeit Aus dem Nachlaß von David Popkin, Bulavayo (Süd afrika) wurden dem Nationalfonds kürzlich; 1800 Mar überwiesen. Ferner haben manche Fe lb z ng s teil nehmer die Verwaltung des Nationalfonds von ihre« letztwilligen Verfügungen zugunsten des Fonds in Kennt nis gesetzt. Außer dem bereits in einer früheren Btittct lung erwähnten Leutnant Kraus hat auch der leide, vor .Kurzem ln Serbien gefallene Gesinnungsgenosse Ingenieur Ad. Kosma n n den Nationalfonds testamen tarisch bedacht. . Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß Ai, gehörige und Freunde eines gefallenen russisch-jüdische, Soldaten, namens Benzion Gntkin aus Malaja-Wischerl (Gouv. Nowgorod) einen -O e lb aum garten it| Palästina auf den Namen des Verstorbenen gestiftc haben. Aus aller Welt. Deutsches Reich. di' Frankfurt a. SH. Die „Freie Vereinigung fü die Interessen des orth. Judentums" schreibt Wir haben eine Kommission zur Prüfung der Frag eingesetzt, in welcher Weise! die Versorgung der im Feld st e h e n d e n gesetzestreuen jüdischen Soldaten mit er laubten Nahrungsmitteln am bevorstehenden Passahfeste, insbesondere der Ersatz des Brotes, bewerkstelligt werde, könne. Die Kommission bittet schon jetzt um An gab der Adressen derjenigen Soldaten, denen die mög lichste Vermeidung des Jssur Chomez Gewissenssache is, Alle Zuschriften auch etwaige Anregungen woll man an bas Büro der „Freien Bereinigimg, Schützen straße 14," richten. Mainz. Die Israelit. Gemeinde hat einen Teil ihr gehörigen jüdischen Altertümer zu einer Ausstellung im Sitznngssaale des G« meindehauscs an der Kanptsynagoge vereinigt. Nebe kostbaren silbernen und goldenen Kultusgeräten sieh man hier die altertümlichen gewaltigen Schlüssel vo Mainzer Synagogen früherer Zeiten, uralte Vertrag der Gemeinde mit der kurfürstlichen, der französische und der hessischen Regierung, hebräische Pergamentrollei alte Siegel des Rabbinats nsw. Das Prachtstück de Sammlung ist eine alte „Pesachj-Hagadah", ein Bm in Foliosormat, das Gebete, Gesänge und Erzählung« für die beiden Osterabende enthält. Die Hagadah stamn von dem Großvater des früheren Staatssekretär Beruhen Dernburg, David Dernburg, aus der Zeit, da diese erster Vorsitzender der Mainzer Gemeinde gewesen ist. RLrnderg. Samstag veranstaltete die Zion. Ortgrupp c eine Gedenkfeier für David Wolffsohn. Die Gedenkrede hielt Max Gorski, der n. a. so gendes anssnhrte: „Durch den Krieg hat das 'Hinscheiden Wolffsohi, in der jüdischen .und auch nichtjüdischen Welt wenig« Beachtung gefunden, als dies sonst der Fall gewest wäre. Wolffsohn wird in der Geschichte des jüdische an „Di, über die sür sond den Der jüdil von für die der gebl wie! nich stell eine daß hat! klär Zio ind, ofsi Nie e ute Di kr Tc Be Le! La Sc da! th Jjtc Gc tä Le un bo er! ,£ Kr O MI vo Di de ei, in ui P I m er be de K g- A ke D E R £ i) E r 2J

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