Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 51 (31.12.1914)
- Date
- 1914-12-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692872-2692923--08807-2703982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2, hoHem-Gchiwe-'-Wül LV-Gvad Friost> wobei tue Beraubten Äoch grausam mißhandelt wurden. Mit Tränen in den Augen schreibe ich das nieder, meine Aufregung ist zu grvß> und darum bin ich nicht imstande, die Feder weiterzuführen. Das Herz bricht mir, wenn ich daran denke. Wie das Ende sein wird, weist nur Gott. Zn der ganzen Stadt ist kein Brot, kein Holz um» .auch kein Heller bares Geld. Du kannst Dir die Lage denken, wenn ich Dir erzähle, daß die Ermordeten vier Tage gelegen sind; man wagte nicht, sie zu beerdigen, und es war in ganz Sadagora nicht ein StLkchen Webe oder Leinen zur würdigen -Bestattung dieser heiligen Märtyrer. Wir sind' von aller Welt abgesperrt, und Gvtt weiß, wie unser Ende sein wird: . Ob wir nicht vor Schrecken oder Hunger oder Kälte unser Leben werden enden müssen. Auch setzt, wo. Czernvwitz sich wiüier in russischen Händen befindet, will man uns «nicht aus Sadagora hinauslassen." Brief aus Ungarn. Die gwße Zeit hat das Judentum! Ungarns auf der Hohe seiner Ausgabe gefunden. Ausgerüstet Mit den seltensten Tugenden des Geistes und des Herzens, hat es seine ganze Kraft, seine geistige wie finonziäle Macht in den Dienst des Vaterlandes gestellt. Ans dem Felde, wo der Mannesnrut alles und das Leben nichts bedeutet, kämpfen unsere Brüder wie die großen Makkabäerahnen und schreiben durchs ihre Heldentaten ihren Namen in die Marmortafel der Geschuhte ein. . Man begegnet darum -auch unseren kämpfenden Brüdern im Heere mit besonderem Entgegenkommen. Sie werden, wo es nur irgend angeht, in den Uebungen ihrer religiösen Bedürfnisse gefördert. Es gehört gar nicht zu den großen Seltenheiten, daß in einem Kasernenhof ein recht kräftiger Kubisch die Anwesenheit eines gesunden Minjans jüdischer Streiter verrät. Bei gewissen - Regimentern, deren Ergänzungsbezirk aus dicht gesäter jüdischer Bevölkerung besteht, kommt es auch vor, daß ein jüdischer Schvchet und Koch die Verproviantierung seiner Truste besorgt. Die brennenden Wunden, die der Krieg unserem sozialen Leben geschlagen hat, werden von unseren Juden mit wcchrer Opferfreude gemildert. Das gesälschastliche Hilfswerk ist ohne die jüdischen Namen garnicht denKar. Manfred Weisz, Kohner, Dirstay, Herzog, Mzsongi, Vöszi, Ehrlich, Redner, die Chewra Kadischa, die orth. Mensa imd WM not least die Zionistische Zentrale sind Hilfszütwörter, ohne die der Sprachenschatz der Kriegschrvnik kaum ausbimmen Wnnte. Sie alle stehen als wohlorganisierte, die Helligkeit und ©röfje ihrer Aufgabe bewußt erfassende Landwchr da. Unsere Zionisten, so schwache ihre Organisation in Friedenszeiten auch sein Mag, jetzt stehen auch sie mit einem Schrllt auf der Höhe ihrer Aufgabe. Das zionistische Büro wurde gju einem Kriegslazarett umgewandelt, in dem die verwundeten Krieger ohne Unterschied der Konfession mit koscherer Kost versehen werden. Für die Kriegsanleihe brachte das Leine Häuflein organisierter Zwnisten 300,000 Kr. auf. Einfach erhebend war es auch, zu sehen, wie die jüdischen Gemeind^ den Schmuck ihrer Tauro ins Münzamt lieferten, um dadurch die Widerstandskraft des Staates zu stärken und seine Hilfsquelle zu stillen. Die Golusflucht unserer galizischen Brüder stellte uns vor Neue große Aufgaben. Die flutende Völkerwanderung überschwemmte unsere Hilfsorganisationen und stMe Riesenansvrderungen an uns. A. H. Die Sriegsuot im heiligen Lande. Die Dentsch-HollLndischie Palästinas Verwaltung empfing von Direktor Moses Auerbach in Pethach-Tikwa unterm, 25. Nov. folgendes Schreiben: Die neueste Phase des Völkerkrieges, die Kriegserklärung der Türkei, hat für Palästina ganz besondere Bedeutung. Mit Recht betrachtet die türkische Regierung die hier wohnenden russischen Juden nicht als "Heinde; weiß sie doch, daß 'Liese Unglücklichen hier ein Asyl ' vor den Bedrückungen 'ihres Geburtslandes suchten Und Hunkfurter Kraelitisches FaMilienblatt. Nr. 51. fanden. Die Regierung erleichtert daher die Erwerbung des türkischen Staatsbürgerrechtes, Und zu. Tausenden treten die russischen Juden in den vttomanischen Staatsverband ein. Bon der Regierung wird die' arabische Bevölkerung darauf hingewiescn, daß die Juden treue Freunde der Türkei sind, und an vielen Orten sinden Verbrüderungs-Demonstrationen zwischen Juden und Arabern .statt. So erfreulich also die allgemeine politische Lage der hiesigen Juden ist, . vonso erschütterndem Ernste, ist ihre wirtschaftliche Situation. Bereits vor zwei Monaten wies ich auf die drohende Katastrophe hin, welche das Arisbleiben der regelmäßigen Unterstützungsgelder im Gefolge haben muß. Leider ist das 'Gefürchtete cingetrcten. Tausende von Menschenleben, die mittelbar oder unmittelbar von den großen Anstalten abhängig sind, stehen buchstäblich vor dem Verhungern. Der Handel liegt säst völlig brach. Der Export von Wein und Orangen ist unterbunden. Die Orangcnerntc "tm Werte von 3 Milt. Francs ist so gut wie verloren. Zu dieser Notlage kommen noch'die militärischen Sorgen. Biele Familienväter sind eingezogen, ohne, daß sie oder Freunde, für die Familie sorgen konnten. Außerdem herrscht noch die furchtbarste Teuerung. Ausländisches Mehl ist nicht mehr vorhanden, das inländische kostet ungefähr das doppelte des normalen Preises. Ebenso teuer ist Zucker, der immer knapper wird. Für ein Pfund Kartoffel müssen etwa l4 Pfennig bezahlt werden. Bor etwa 14 Tagen versuchte man, auf eincin neutralen Schiff größere Mengen von Lebensmitteln hierher zu bringen, doch wurden sic von den Engländern als Kriegskonterbande beschlagnahmt. Die durch' die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung überwiesenen Geldmittel waren für den Augenblick eine rettende Tat, nur reichen diese Summen bei weitem nicht aus, um dem großen Kreis von Gefährdeten zu helfen. Schnellste weitere Hilfeleistung ist dringend notwendig. Aus Saffed wird der „Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung" geschrieben: Die Lage der Armen ist verzweifelt. Wir bitten vor allem um Erhöhung des Budgets für Krankenhilfe,. da das jüdische Spital leider aus Mangel an Mitteln geschlossen werden mußte und andererseits zum Glück die englische Missionäre ihre Tätigkeit auf dem Gebiet der Krankenpflege seit der Kriegserklärung einstellen mußten. Wenn nun auch die Arbeit unseres Komitees für ärztliche Besuche und Krankenhilfe aus Mangel an Mitteln aufgehoben werden würde, so wäre dies eine schwere Katastrophe für unsere arme Bevölkerung, der zur Zeit keine andere Hilfe zur Verfügung steht. Die hier veröffentlichten Briefe sprechen für sich selbst. Nur ein kräftiges, von den weitesten Kreisen unterstütztes Eingreifen kann eine Katastrophe abwenden. Spenden für Ercz-Jisrorl nehmen außer den bekannten Vertrauensmännern der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung deren Zentralen in Frankfurt a. M., Schützcnstraße 14, Berlin, Heidereutergasse 4 sowie auch sämtliche Filialen der Deutschen Bank(Konto Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung) entgegen. «IOIFSEGK Dfepopulärsie Cigarre unsortiert 12$ sortiert 15^ G.M.HOLZ Hoflieferant FRANKFURTaM Aus aller Wett. DerttfcheS Reich. Hannover. In der KuratoriumSfiHung dsr I s r a e l. Erziehungsanstalt zn Ahlem wurde nachträglich! die Zustimmung dazu erteilt, daß der Vorstand einen Teil der Anstalt, nämlich! das Haus der Mädchen- Abteilung, dem Kriegsministcrium als Hilfslazarett zur Verfügung gestellt hatte. . Zur Zeit befinden sich in der Anstalt 84 Zog-; linge, darunter 48 Lehrlinge und 16 Haushaltungs- Zöglinge; außerdem 20 Schulkinder, die den Schulunterricht genießen, soweit es die .Verhältnisse zülassen. .Eine Einschränkung' der Tätigkeit der Anstalt hat also nur inbezug auf die Schüler-Abteilung stattgefunden; sie . mußte nach Ausbruch des Krieges vorgenommen werden, ) weil die Lehrkräfte nicht mehr voll zur Verfügung standen und weil die' Finanzlage der Anstalt infolge des; großen, in der Gärtnerei zu erwartenden Ausfalls einen vollen Betrieb niW zuließ. Der Krieg »«d die deutsche« Jude«. Frankfurt a. M. Alfred Wertheimer. Sohn von Leopold W., Griincstraße 15, erhielt das ®i ferne Kren z. . Berlin. Vom K C (Kartell Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüd. Glaubens) stehen 450 Mitglieder im Feld. Berlin. StabsarztDr. Rich Benjamin, Dagobert Philipp-Berlin, Unterarzt Erich Jarnslawsky- Rastenbnrg erhielten das E i s e r n e. K r e n z. Die Zivil. Organisation verzeichnet den 'Heldentod folgender Mitglieder: Sieg fr. Hirschseld, cand »ied. Arthur Löwen stein-Berlin, Willi, Wolf- Karlsruhe, Alexander H a n r o w i tz - Königsberg und Dr. Wolfs Co b lin er-Hamburg. Berlin. Den Heidenroo starb der 4l jährige Kriegsfreiwillige Eduard Schwerin, Sohn des Geh. Sauitätsrats Dr. S. und seiner verstorbenen Gemahlin Jeanette geb. Abarbanell, der Gründerin des Hauspflegevereins, der Mädchen- und Frauengruppe für. soziale Hilfsarbeit lind der Auskunftsstelle über die Wohlfahrtseinrichtungen Berlins. ’ Eduard Schwerin, eine interessante Persönlichkeit, besaß die bayerische Rettungsmedaille und den mecklenburgischen Greifenorde». verttu. Aisti.e-zarzt Dr. Ernst Marcuse, Wachtmeister Dr. Kurt Mühsam, Stabsarzt Dr. Karl H a r t o g und Bizcwachtmeistcr Dr. Kur t S tern b er g erhielten das Eiserne Kreuz. Breslau. .Stabsarzt L r. M a r t i n D i b r t ft e t n, Hauptmann der Landwehr Jul. Löwcnsohn, Walter Stein und Stabsarzt Dr. Samuel Winkler erhielten das Eiserne Kreuz. Hannover Von I. Samuelsohn in Burgdorf ist nun der' zweite Sohn gefallen. Das Schreiben, welches den Tod anzeigt, schließt: „Er war einer der tapfersten und brauchbarsten Unteroffiziere. Er hat oft auf gefährlichen Patrouillcngängen dem Tode lachend ins Angesicht geschaut. Ich wollte ihm das Eiserne Kreuz verschaffen und hatte es schon meinem Bizefeldwebel Hornbostel am Abend vorher gesagt. .Wahrscheinlich hat Ihr Sohn davon noch vor seinem Tode erfahren. Auf Ihren Sohn können Sie stolz sein. Wir haben ihn am selben Abend zur letzten Ruhe gebettet. Ich kann aber diesen Brief nicht schließen,, ohne Ihnen die Versicherung zu geben, daß der Verlust Ihres tapferen Sohnes mir persönlich ganz außerordentlich nahe gegangen ist. Mit dieser Versicherung bin ich Ihr ergebener (gez.) Vietmeyer, Hauptmann und Kvmpagnieführer der 10. Kompagnie des Infanterie- Regiments Nr. 77." . Dieser .Hauptmann Vietmeyer mm ist der ehemalige antisemitische Reichstagsabgeordnete von Waldeck-Phrmont. Wien. B >r w-nigen Wochen ging durch die Zenungen der Entente eine Meldung, daß die verbündeten Mächte die Absicht hätten, nach ihrem- Siege den Juden Palästina zur Gründung eines Judenstaates;u überlassen. Die Tendenz dieses Gerüchtes war zu offensichtlich, um von der jüdjschen Oeffentlichkeit nicht sofort durchschaut zu werden.''Die Juden haben schon mit Beginn des Krieges ihre ganz selbstverständliche Stellungnahme gegen das Rußland der Pogrome manifestiert, und besonders den Juden der Zentralmächte ist es eine Selbstverständlichkeit und eine glückliche Fügung, gegen dieses Rußland kämpfen zu dürfen. Ein wahre Begeisterung aber weckte der Anschluß des vttomanischen Reiches an die Zentralmächte. Und besonders die Zionisten — jene Organisation, welche die Schaffungeiner öffentlich, rechtlich gesicherten Heimstätte ' für das jüdische Volk in Palästina anstrebt und darum ein starkes, konsolidiertes ottomanisches Reich wünscht — nimmt jede Gelegenheit wahr, demselben die, echte Sympathie kundzngcben. So plant im Einvernehmen mit dem Zionistische» Zentralkomitee für Westösterrcich der „Zionistische Herzl- Klub" eine hebräische Theatervorstellung, deren Reinerträgnis dem Roten Halbmond zufließe» soll. Zur Ansführnng wird das historische Drama „Makkabäer" von Libuschitzky gelangen. Abgesehen von dem Ereignis einer hebräischen Theateraufführung in Wien, ist cs ein Zeichen besonderen Entgegenkommens von Seiten der höchsten türkischen Kreise, daß Seine Hoheit der Botschafter des. kais. vttomanischen Reiches Hussein Hilmi Pascha das Protektorat der Veranstaltung übernommen hat. Die Theateranffiihrnng findet am 9. Januar im Lustspieltheater statt. Wie«. Die zion. Organisation verzeichnet den Heldentodihrer folgenden Anhänger: Leutnant Jngenieitr Mor itz Deutsch, Dr. Markus Schapira, Lcop. Brtsgel s ki (Berlin), Hng o S'chleich (Röbel) und Ben di x Cohn (Berlin). Wie». Die zwn. Organisation hat einen schweren Verlust erlitten: Dr. Hugo Zucker mann, Wyokat in Meran, Leutnant d. R., ist an einer auf dem Schlachtfelde erhaltenen Wunde in Eger verschieden. Z., eine für die jüdische Sache noch viel versprechende Persönlichkeit, war auch ein Dichter von Eigenart. Budapest. Dr. Julius Kraus, A H der Maklabäer, und Ignaz Munk, Mitglied des Jüd. Sportklubs, erhielten die Goldeine Tapferkeitsmedatlle. Budapest. Alexander Szüs z, ein jüdischer Holzhändler und.Leutnant der Reserve, fand auf dem südlichen Kriegsschauplatz den Heldentod. Seine junge Witwe erhielt dieser Tage das ihrem Gatten vom Herrscher verliehene Militärverdienstkreuz sowie ein Schreiben in dem es heißt: . . ' v ... Mit Totesverachtung und wünderbarer Selbstaufopferung stürmte er an der Spitze seiner . Leute .'gegen den feuerspeienden Kanonendonner' und rettete so die Position. :