Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 50 (24.12.1914)
- Date
- 1914-12-24
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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T Serie 4. und Steiler boten, trug er auf/ um' die Müden, Geplagten, von Ort zu Ort Wandernden zu loben. Wie werde« sie jammern diese armen Menschenkinder, wenn sie von dem Heimgang ihres Wohltäters hören, dessen Wohltun keine Grenzen kannte! Mit seinem Heimgang ist der Fankilie der Glanz, unserer Gemeinde ihr Stolz, dem Horatreuen Judentum einer -seiner besten Söhne genommen. Bon der allgemeinen Liebe und Verehrung legte die Bestattung beredtes Zeugnis' ab. Aus allen Richtungen waren Verwandte, Freunde und Bekannte herbeigeeilt, um dem Heimgegangenen den Beweis der Liebe und Wertschätzung zu zollen. Auf unserem durch Geschichte Und Alter besonders geheiligtem Friedhofe entwarf in formvollendeter Rede Provinzialrabbiner Ar. Bamberger-Kanau ein Lebensbild des Entschlafenen. Im Namen der Familie rief der älteste der Schwieger- .söhne, Julius Bickhardt-Frankfurt, dem Familienoberhaupt ein ,/Leich lescholaum" nach Nach der Beisetzung sprach - Provinzialrabbiner Dr. C a h u - Fulda als Freund des Frankschen Hauses Worte des Gedenkens. Ihm folgte mit einem tief empfundenen Hesped Lehrer Strauß. Zum Schluß ergriff unser verehrter Provinzialräbbiner Dr. Bamberger nochmals das Wort, um . dem Heimgegangenen den Chower-Titel zu verleihen. Köln. Frau Leonbard Tietz bat zum Andenken an ihren jüngst verstorbenen Mann 100,000 Mark der Handelshochschule zu Stipendienzwecken für bedürftige Schüler aller Konfessionen und 70,000 Mark für Wohltätigkeitszwecke gestiftet. München. Es dürfte weitere Kreise interessieren, daß bei den Erneuerungswahlen zur Müncheuer Stadtvertretung, welche Mitte Dezember stottsandeu, der einzige Kandidat der Antisemiten .unter» legen ist. Bon jetzt ab ist daher die Münchner Stadtverwaltung „antisemitenrein." München. In der Zion. Ortsgrupve sprach am 17. Dezember vor einem zahlreichen Auditorium Dr. Paul Rohrbach über die „Zukunft des Orients." In einem deutschen Sieg sieht er auch eine glanzende Zukunft des Orients. Für die zionist. Bewegung hatte er anerkennende Worte, er betrachtet Palästina und die umliegenden Länder als gute Kolonisationsobjekte bes. für die osteuropäischen Juden. Budapest. Hier verschied im Atter von 76 Jahren Baron Herzog, ein Mann der sich aus kleinsten Anfängen zu einem der bedeutendsten Industriellen emporarbeitete. Er war Mitglied des Magnatenhauses. W üM M.V.MM Schillai’&tr. 18m Telephon I, 8630. Seifen, Lichte, Kamm- und Bfirstenwaren, . JBearxi etc. Cosnretische Spezialitäten. Frankfurter Berichte. Generalversammlung der Israel. Religionsgesellschaft. Die Generawersmumlung der Jsr. Religionsgesellschäft ist stets eine Gemeindeversammlung im vollsten Sinne des Wortes^ da sich sozusagen jedes Mitglied verpflichtet fühlt, auf' ihr anwesend zu sein. Dagegen entspinnen sich eigentliche Debatten nur selten, wohl der Beweis, daß die Verwaltung das Vertrauen ihrer Gemeinde genießt. Diesmal nun ^ab's eine sehr lebhafte, lang andauernde Debatte im Anschluß an den Geschäftsbericht, und es zeigte sich, daß sich sin Laufe des letzten Jahres mancher Gärungsstoff innerhalb der Gemeinde angesetzt hat. Der Geschäftsbericht selbst gab ein erfreuliches Bild von der Jahresarbeit der Verwaltung und dem Interesse der Mitglieder an dem Wähle der Gemeinde. Es wurde für das zu errichtende Krankenhaus eine Fläche von' 5000 gm für 220,000 Mark von der Stadt gekauft und zwar an der Bornheimer Landwehr und Gagernstraße gelegen. Ein Komitee der-Aerzte der Gemeinde hat sich bereits mit den Einzelheiten des Banplanes beschäftigt. 30 Krankennnd 12 Reservebetten soll das Krankeichaus enthalten. Mit der Ausführung der Miklveh ist begonnen worden. Sie wird 18 Zellen erhalten. Da die Kosten sich auf 55,000 Ja beziffern, so haben Herr und Frau Meier Selig Goldschmidt ihre Spende für Liesen Zweck auf 55,000 Jk erhöht. Für den Friedhof wurde ein Gelände von 10,000 gm für 100,000 JL gekauft. Die alte Synagoge in der Schützenstraße sollte erst an Ausländer als Synagoge vermietet werden; diese Absicht würde jedoch' durch ein Kaufangebot vereitelt. Das Kaufangebot selbst ist durch den Krieg ausgeschoben worden. Die Kriegssür sorge beanspruchte das gespannteste Interesse der.Verwaltung. Es wurde ein Fonds gesammelt und in vertraulicher. Weise Gemeindemitgliedern zur Seite .gestanden. Zur Linderung der Notlage der hier weilenden ausländischen Glaubensgenossen wurde noch eine besondere Kommission gebildet, die den Obdachlosen Wohnung und Unterhalt gemährte. Auch bei der Ausweisung der ausländischen Glaubensgenoffen intervenierte die Verwaltung tatkräftigst. Die gefallenen Söhne der Gemeinde solle» in das Memorbuch eingetragen werden. Zur Minderung des vorjährigen Defizits gingen 5030 Jk ein. Die Institutionen der Gemeinde wurden wiÄer mit einer Anzahl größerer Spenden bedacht (Wolf Stern, Meier Selig Goldschmidt, Nathan Sondheimer, Baronin Rothschild usw). Die Jahresbeiträge für die .Bolksschüle haben sich durch die Propaganda des Herrn Goldschmidt für diese um 4000 Jk erhöht; doch ist das noch lange nicht genügend. Das diesjährige Defizit des Kassenberichts betragt nur 7000 JL Das Frankfurter Israelitisches FamilienAaÜ. Schulgeld für auswärtige Schüler wird au der Realschule um IM M erhöht. Bemerkenswert ist, daß die Einnahmen für Mizwaus in der Synagoge km "letzten Vierteljahr 1600 Jk weniger betrugen als in der gleichen Zeit des Vorjahres^, eine Folge des Krieges. Die FortbiLrungsllasse in der Realschule wird vom nächsten Schuljähre au aufgehoben. Der Bericht geht zuni Schlüsse auf die schwereaber große Zeit ein, die >>unser deutsches Vaterland jetzt durchlebt. — Nun begann die Debatte. Siegfr. Löwenthal rollt die Eruw-Angelegeuheit aus, die, in der Art wie sie von offizieller Seite der Gemeinde behandelt worden sei, den inneren Zusammenhang der Gemeinde gefährde. Louis Kahn, wie stets sehr radikal, verurteilt es scharf, daß man in der Kriegsfürsorge mit einem Zentralkomitee der Richtliniengemeinde znsammenarbeitc, Rufe „Unverschämtheit?', „Ungezogenheit" unterbrachen bei dem Gebrauch des Ausdrucks „Richtliniengemeinde" den Redner, er geißelt es ferner, daß' neben den Wahlzetteln der offiziellen Kandidaten jetzt in der Kriegszeit, in der Zeit des Burgfriedens, auch Zettel für andere Kandidaten vorliegen, das sei das Werk der Gemeindeorthodoxen in der Religionsgesellschäft, die den Zankapfel in diese Versammlung werfen wollen, und er erwidert dem Vorredner in der Ermv-Angclegenheit. Jakob Rosenheim, der Vorsitzende, gibt zunächst den geschichtlichen Hergang der Eruw-Angelegenheit. Ende vorigen Winters sei zum ersten Male an den Vorstand in dieser Angelegenheit herangetreten worden. Der Eruw sei ja im Prinzip von großer Bedeutung: doch als Symbol der Gemeinsamkeit sei er in unserer Stadt, in der das jüd. Gemeindeleben so zerrissen ist, ein gewagtes Unternehmen. Es wurde ein Expose zugesagt, aber erst am 24. Juli erhielt der Vorstand ein Schreiben, daß der Erüw Samstag in 8 Tagen in Stand gesetzt werde. Alles war also geschehen, ohne die Mitwirkung und die Gutachten von Seiten der Religionsgesellschaft zu beanspruchen, — und nun verlangte man von einer Sache, die ein langes Prüfen und ein gewissenhaftes Studium erfordert, eine schnelle Entscheidung, als wenn es sich um einen gebrochenen Hühnerflügel handle. Am 6. August erschienen beim Vorstand Abgesandte des für den Eruw gegründeten Tiknn Schabbos - Verein, uni die Zustimmung des Nabbinats für den Eruw herbeiznführen. Die Herren legten zu diesem Zwecke ein gedrucktes Gutachten vor, über das sich das Rabbinat über de» Freitag nachmittag schlüssig machen sollte. Es würde ein Aufschub von einer Woche erreicht. Ani 15. August schrieb der Vorstand an den Verein, daß Rabb. Dr. Breuer im Prinzip zu einer sachlichen Prüfung bereit sei; diese beanspruche jedoch Zeit, nnd er könne sich daher an einen bestimmten - Termin nicht binden. Beim Rabbinat war übrigens die Vorstellung seitens einiger Mitglieder der Religionsgesellschaft erweckt worden, daß sie die Verwirklichung eines Eruw betreiben und die Prüfung des Rabbinats wünsche«; — diese Mitglieder verschwanden, und .plötzlich war der Eruw da. Der Vorstand der Religionsgesellschäft nnd das Rabbinat haben korrekt gehandelt, und der Vorstand hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß sich in der unangenehmen Angelegenheit eine Verständigung anbahnen lasse. Neben der geschichtlichen Schilderung des Hergangs, machte der .Vorsitzende einige bedeutungsvolle Aenßerungen. Er erkannte an, daß es wie in allen gesetzlichen Fragen auch in der Eruw-Frage bei dcn^ kompetenten Persönlichkeiten verschiedene Anschanungeii' geben könne. Er sprach' den Wunsch aus, daß man alles zu einem konzilianten Verkehr der orthodoxen Kreise zu einander tue, und er gestand ei», daß in der Predigt des Rabbiners Worte gebraucht wurden» „die vielleicht vom grünen Tisch der Gemeindeverwaltung nicht zu bllligen .sind." Er verlangte, daß sich jedes Mitglied der Religionsgesellschäst dem vorläufigen Verbot des Tragens seitens des Rabbinats füge. Die Gemeinsamkeit der Beobachtung des Religionsgesetzes habe bis jetzt trotz politischer Gegensätze die Orthodoxie geeinigt, — und diese Gemeinsamkeit zu stören, sei wahrlich eine sehr schwerwiegende Handlung. Also möge man doch das Verbot des Tragens noch eine Zeitlang aus Liebe zur Krhilloh beobachten. Herrn Kahn erwiderte der Vorsitzende noch, daß unter dem Gefühl der außergewöhnlichen Sachlage der Vorstand der Religionsgesellschaft dem Vorstand der isr. Gemeinde, hinsichtlich der Kriegsfürsorge, eine gemeinsame Aktion vorgeschlagen habe, daß jener aber ablehnend .antwortete. Martin Levigard wendet sich sodann gegen Lopis Kahn. Siegfr. Löwenthal spricht den .dringenden Wunsch mcs, daß der Eruw beschleunigt werde, denn wie die Dinge gegenwärtig liegen, bringe er zwischen Söhnen und Vätern in der Religionsgesellschäft Zwiespalt. Josef Bamberger wünscht, daß. Rabb. Dr. Breuer nicht mehr die Monatshefte zeichne, deren scharfer und gehässiger Ton absolut nicht geeignet sei, de» Frieden in der Gemeinde zu wahren. Der Vorsitzende lehnt .ein Einschreiten ab, der Rabbiner sei nur seinem Gewissen verantwortlich. Jakob Wolfs hält Rosenheims Worte zur Versöhnlichkeit innerhalb der Othodoxie für L» spät, der Bruch sei bereits vollzogen. Nathan So yd he im er begrüßt die Versicherung des Vorstandes, daß Wege zur Erledigung der Eruwfrage gesucht werden; er .hält aber die Behauptung des; Vorsitzenden, daß .die, die den Rabb. Nobelsch<:n Eruw-bereits anerkennen, einen „Chlllul Schabbos" begehen, für recht bedenklich; es gab stets Differenzen in den Ansichten unserer Gesetzeslehrer, es habe aber uie der eine, die Ansicht, des ändern.- als nnerläübt erklärt. Sit 50. Nr Dernächste Punkt der. Tagesordnung betraf etneiil Antrag . Wreschner und Genossen, verlangend - eine ein-I jährige Wartenszeit ausscheidender Verwaltungsmitglieder.I Louis Grebenau begründete den Antrag; nach ben| Ausführungen des Vorsitzenden .wurde ' er jedoch äbg«. lehnt. - Für die ausscheidenden Verwaltungsmitglieder Sanitätsrat Dr. Rosenbaum (Vorstand), Dr. Bamberger undl Emil Jsaac (Ausschuß) . wurden gewählt: Dr. Bam°I berger in den Vorstand, Sanitätsrat Dr. Rosen-I bäum und Nathan Sondheimer in den Aus-I schuß. Ganz unmotiviert ließ der Vorsitzende — ent-I gegen bisherigem Brauch — die Wählen für den Ans-I schuß erst vornehmen, nachdem das Wahlergebnis in den Vorstand' bekannt war.. 1 wuchsen Haus, galt st Und w den» Hn armer und dc Ei bewegst Unhell den M> das B Zionistische Jngendgrnvpe. Am vorigen Donnerstag rief die hiesige $ugenb.| gruppe zum erstenmal nach Kriegsausbruch eine Versammlung ein''. Zahnarzt Nathan eröfsnete die Versammlung. 6s| sei trotz des Krieges notwendig, hin und wieder - zusammenzukommen, um sich darüber klar zu werde», welche Aufgaben unser nach Beendigung des Krieges I harren. Die Jugendgruppe wird deshalb des öfter«! solche Abende veranstalten. Darauf erteilte er ftub/j med. Eilbot das Wort zu seinem Referate „Problems des deutschen Juden." Referent zeigte, was das Deutschtum mit dem Jüdeutnnr «gemeinsam hat; Er versuchte dann das Wesen! ües deutschen Juden zu zeichnen nnd kam zu dem Schluffe, daß wir Inden getrost in diesen Kampf ziehen können, da wir für .däs Recht an der Seite eines höchstkulturelle» Volles kämpfen. — Dem Bortrage schloß | sich ein Gedicht an, das von Begabung und tiefes Empfiilden des Redners Zeugnis ablegte. Der Bortrag, der vieles Interessantes enthielt, und den wir gclegenllich ausführlich bringen werden, wurde | mit großem Beifall ausgenommen. . Kolef. Personalien. •- Kommerzienrat Simo n Bamberger, Senior-Chef der Firma Bamberger, Leroi L Co., erhielt vom Großherzog von Hessen das Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens Stern von Brabant. Kleine Notizen. Im Verein Moutcfiore wird der nächste Vortrag erst wieder am 5. Januar 1915 stattsinden. Die übrigen Einrichtungen, insbesondere die Bücherausgabe (Dienstag abend SVs Uhr) werden hiervon 'nicht berührt. einzige, recht a legte s! zweisell böse U ihn, n komm» Mensch D tur, li gar al einer j den Vl elegant geführt das G> Krakau sandt < und ai stolzest ein. > klingen storbcn einzige liebens Ihr T Strafe zog sic widme! A Universitäts - Cafe -------- Eratklaamlgea Familien- Oa16. ------ IV HBssIge Preise. "W> Besitzer: Emnmt Dunkelm Die Verjagten. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) Drittes Kapitel. Hans Liedertrost.. Du hast recht, verehrter Leser: Dein Unwille ist begründet. Hat nicht der Künder der beschriebenen Begebenheiten den Faden seiner Erzählungen in so ungestümen Schwingungen aufgerollt, daß die Gestalt Deines alten Freundes Abraham Liedertrost (dem sicher Deine volle Sympathie schon recht freundschaftlich' entgegenwallte), nur noch wie durch fernen Nebelschleier zu Dir herübergewinkt? Aber ein llein wenig Geduld noch, geliebtester Leser! Nur weniges Erklärende hier, und keines der Schicksale des ehemaligen Schneidergesellen und jetzigen Hausbesitzers wie pater famttias soll Dir verschwiegen bleiben. Jawohl, pater fämilias. Abraham lebt und schaltet unbestritten als das tegierettbe Oberhaupt seines Stammes. Der gute Dann war alt geworden, sehr alt; in hohem Greisenalter sank er ins Grab, „wie die Garbe .eingebracht wird zu rechter Zeit." Abraham ehrte und rühmte das Andenken seines Schwiegervaters; zwar nicht in fassungslosem, unheilbaren Schmerz, depn welcher Thronerbe bezeigte jemals Lust, seinen Vorgänger wieder zu erwecken? Gewiß, der Alte war sein wohlmeinendster Gönner und bester, treuester Freurck gewesen, aber — so ist selbst ein guter Mensch: Abraham freute sich doch insgeheim des „selbst Herr sein", und daß. er keinen Höheren über sich mehr zu respektieren: brauchte. Er fühlte sich außerordentlich wohl. Er war der Chef, eines angesehenen Hauses (seit Jahren arbeitete die Firma DaN» und Liedertrost mit sehr ansehnlichem Kapital), er hpttx eintreues,.hingebuilgsvollesWeib,wohlgeblldete,gnt^ geratene 'Äiitder, ine ihm' zw unendlicher Freude jherän- I Fi N