Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 49 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bette 2. geschäftliche Talent unserer Wischen Freunde. Sie haben die Gewalt über das geschäftliche Leben in DeutschWld, und die Herrschende Militärmacht ist ihnen zu Willen. Zuitt Beispiel die elektrische Industrie in Berlin, die 86,000 Menschen beschäftigt, untersteht einem Luden. Uebrigens ist der Deutsche auch mit geringen Mitteln viel freier in seiner geschäftlichen Entwicklungsmvglichkeit, als wir es in Amerika find." Jacob H. Schiss schrieb hierauf an Edison, ob das Interview genau wiedergegeben sei, und erhielt als Antwort folgenden Brief: „Ich sagte, daß die Deutschen ihr geschäftliches Fortschreiten dem! Umstand verdanken, daß die herrschende Militärmacht so vernünftig ist, die Dienste der großen jüdischen Bankiers und Geschäftsleute zu benutzen, und den Führern der Industrie freie Hand zu lassen, diese zur höchsten Blüte zu bringen. Ich wies auf Bleichröder, Ballin, Rathenau undLoewe hin und sagte, daß, wenn man die Fäden des ganzen industriellen^Lebens bis zu ihren Anfängen verfolgen könnte, man wohl stets Juden als die treibende Kraft zu den großen Erfolgen der deutschen Industrie finden würde." — Einer der 48 Staaten unserer Union hat einen JNden zum Gouverneur gewählt! Das verdient verzeichnet zu werden, weil es das erste Mal ist, daß in einem unserer Staaten ein Jude als Gouverneur aus der Wahlurne hervorging. Es ist der Staat J'dahv im freien Westen, der. diesen Anfang machte, und Moses Alexander, der ErwähÜe, ist gleichzeitig Vorsteher der jüdischen Gemeinde der Stadt Idaho, der einigen jüdischen Gemeinde des Staates. Interessant ist Alexanders Laufbahn. Er begann als Handlungsgehilfe mit 10 Dollar Monatsgehalt bei freiem Essen und' freier Wohnung. Die Sammlung der Zidnisten für Palästina macht gute Fortschritte. Der bekannte Philanthwp Julius Nosenwald in Chicago hat 12,000 Dollar als einmalige' Gabe und 1000 Doll, als monatliche Gabe für die.Dauer des Krieges gespendet. . Brief aus der Türkei. Dm Weg des südlichen Flügels des nach Egypten marschierenden ottvmanischen Heeres ist — nur in umgekehrter Reihenfolge — genau dmseDe, wie ihn die Kinder Israels vor üb^r 8200 Jahren nahmen: Goschen (Gizeh), Mizrojint (Kairo), Suez, das Rote Meer, Elim (Kalat-el-Nahl), Refidim (in der Nähe des Horeb, östlich von Chaba).; Die Naturalisationsgesuch e russischer Juden dauern im ganzen Reiche an, und es wird ihnen sofort entsprochen. Die Aushebung .der naturalisierten Juden soll im nächsten Jahre beginnen. — Durch die Schließung der französischen und englischen Missionsschulen sind deren Schüler — leider meist Juden — plötzlich ohne Unterricht. Allein in Kvnstantinopel sind 1000 jüdische Kinder davon betroffen. Das Großrabbinat hat.sich bereits dieser „Heinrlvsen" angenommen. Bon besonders günstiger Wirkung wird Äe Schließung der Missionsschulen auf die Juden in Palästina sei», wo die arme jüdische Bevölkerung dadurch zur Beschickung dieser Anstalten' verlockt wurde, daß die Kinder während des Tages persorgt waren und manche Eltern sogar eine Unterstützung erhiÄten. Aus den Reihen dieser Schüler kamen auch jene Abtrülrnigen heraus, die nach Absolvierung der Schule Palästina verließen und dann in Frankreich oder England zum Christentum stbertraten. Notstandsarbeiteu itt Palästina. Der Jüdische Nationalsoüd hat in der schweren wirtschaftlichen Krise seit Ausbruch des Krieges Bedeutendes für die Verproviantierung der jüdischen Bevölkerung in Palästina geleistet. Mit den großen Getreidevorraten seiner Farmen wurden nicht nur die Städte Jerusalem, Jaffa, Haifa, sondern auch Kolonien wie Petach-Tiüvah, Rischonle-Zion, En-Ganim, En Chai rc. versorgt, während ans der Nationalfonds-Farm' .Ben-Schemen täglich große Quantitäten Milch nach Jaffa geliefert wurden. Frankfurter Israelitisches Famllienblatt. / Nr. 4§. Es bleibt aber eine andere, ebenso große Ausgabe zu erfülleil. Sofort nach Ausbruch des Krieges drohte — infolge Aufhörens der Geldzuslüsse aus dem Auslande, der geringen Goldvorräte bei den Banken und Requirierungen für die Mobilisierung — eine verheerende Arbeitslosigkeit in den Städten .und Kolonien. Dank dem Eingreifen der amerikanischen Jüdenheit wurde die größte Gefahr aögewenüet und auch die Arbeitslosigkeit zumindest für einige Zeft gebannt. Zu seinem Teile hat auch der Nationalsvnds erheblich beigetragen,. indem er seine Betriebe nicht nur in vollem Umfange aufrecht erhielt, sondern auch die für die Hochsaison aufgenommenen Arbeiter weiterbehielt und sie mit außerordentlichen Arbeiten — Errichtung von Arbeiterhäusern, Wegbauten usw. — zu beschäftigen suchte. Diese Arbeitsgelegenheit muß Nun weiterhin erhalten werden. Der Nationalfonds hat deshalb beschlossen, eine Aktion zur Beschaffung von Mitteln für die Ausführung von Notstandsnrbeiten in Palästina einznleiten. Diese Notstandsarbeiten haben in Palästina noch eine ganz besondere Bedeutung: sie ermöglichen die weitere Errichtung von Arbeitersamilienhäusern. , Die bereits vor dem Kriege mit Hilfe des ArbeiterheiMstättenfoNds für die Jemeniten errichteten Arbeiterfamilienhäuser samt dem dazugehörigen Gartenland haben sich nadj, allge- , Meinem Zeugnis durchaus bewährt, dermaßen, daß der Nationalst) iids im Begriffe war, diese Familienhäuser — und zwar Reinere um den Betrag von 1000 Francs und größere um 2000 Frs. — auch für die aschkenasischen Arbeiterfamilien zu errichten. Die verschiedenen Versuche führten zu einer Methode, die die Erbauung eines soliden, auf lange Jahre bestimmten Arbeiterfamilienhauses für den erwähnten Betrag gewährleistet. Die Arbeiter, sowohl Jemeniten wie Aschkenasim, sind mit Freuden bereit, Haus und Garten zu beziehen, wobei sie Garten und Baugrund von mehreren Dunant in Erbpacht nehmen, während sie das Haus in etwa 18—20 Jahren zu amortisieren haben. Was aber im, jetzigen Moment von besonderer Wichtigkeit ist, das ist die erfreuliche Tatsache, daß die Arbeiter die Bauten nach der neuen Methode leicht erlernen und selbst auszuführen in der .Lage sind. Aus diese Weise erlangen die Arbeiter die Möglichkeit, früher eine Familieuexistenz zu begründen und erhalten Überdies eine lohnende Beschäftigung. Jüdische Flüchtlinge. Budapest, 12. Dez. Die „Mg. Jüd. Ztg." veröffentlicht in ihrer heutigen Rümmer folgenden Brief: „Trotz aller Zeitungsberichte hatte ich nur eine blaffe Vorstellung von dem Elend, das unter den jüdischen Flüchtlingen aus Galizien herrscht. Diese Woche aber war ich in Budapest und sah den unermeßlichen Jammer mit eigenen Augen. Es war Sonntag nachmittag. Mein geschäftlicher Weg führte mich durch die Pfeiffergaffe. Das dort stehende Gemeindehaus der neologen jüdischen Gemeinde war von tausenden Flüchtlingen belagert. Die meisten waren nicht das erstemal da, sodaß sie jetzt nur 20 bis 25 Heller erbalten. Um diesen geringen Betrag zu bekommen, stehen die Unglückiichen halbe, ja ganze Tage in der Kälte, bis die Reihe an sie gelangt. Ich war auch beim Brotverteilen zugegen. Ein lebensgefährliches Gedränge entstand; wie um einen Schatz drängte sich alt und jung, und wer ein Laibchen Brot erhaschte, war glücklich. Fassungslos verzweifelt gebärdeten sich jene Unglücklichen, die leer ausgingen. Die gleichen Austritte erlebte ich bei der Vettrilung am Gemeindehaus der otthodoxen jüdischen Gemeinde. Bis nach S Uhr abends dauerte die Verteilung; dennoch konnte — infolge mangelnder Mittel — nur ein Bruchteil der Tausende berücksichtigt werden, die sich seit dem frühen Nachmittag angesammett hatten. Der Anblick dieser Waffen wirkte erschütternd. Auf meine Erkundigung körte ich, daß die behördlich festgestellte Zahl dieser Unglücklichen in Budapest 26 000 beträgt." _- Bei de» Juden des Ostens. Nicht die eigentlichen russischen Truppen, sondern die Kosaken und die Tscherkessen sind es, die Grausamkeiten verüben So wurden inTarnobczek (Galizien) auf die vollständig unbegründete Beschuldigung hm, eine russische Telewnleitung durchschnitten zu haben, von den Kosaken vier Juden getötet und 20 ausgepeitscht. So wird aus Ko wno gemeldet, daß die Kosaken aus dieser altangesehenen jüdischen Stadt eine Wüste gemacht haben. Es gibt dort keine „Reichen" mehr. Aus den jüdischen Anstalten Moschew Sekeinim, Talmud Thora, Beis Hamidrasch usw.) sind Kasernen geworden. In der berühmten Zeschiwah zn Slobotka Hausen jetzt Kosaken, und der Rabbi und seine Jünger sind — Hab und Gut zurücklaffend — nach Minsk geflohen. Aus Warschau schreibt man: Alle Fabriken sind geschloffen, es ist nicht ein Groschen zu verdienen. Dazu kommt noch die große Teuerung Brot kostet 6, Salz 7. Zucker 25, Mehl 10, Petroleum 20 Kopeken das Pfund. Ein Pud Kohlen (1 Pud — 33 Pfund) kostet 1 Rubel. Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees. V-Zu den Tagen vom' 4. bis 6. Dezember fand Ul Kopenhagen eine Sitzung des Aktionskomitees statt. Der Sitzung lagen ausführliche Berichte über die Lage der jüdischen Siedelung und der zionisttschen Institutionen in Palästina vor, die durch! den Krieg in große Bedrängnis geraten sind. Mt dankenswerter Energie haben die amerikanischen Juden bereits eine Aktion für die Linderung der Not unternommen; es hat sich aber herausgestellt, daß weitere große Mittel erforderlich sind. Es wurde daher beschlossen, eine großzügige Hilfsaktion in die Wege zu leiten. Zur Durchführung dieser Hilfsaktion und zwecks Erleichterung der Verbindung der einzelnen Teile der zionisttschen Organisationen wurde beschlossen, ein Arbeitsbüro in einem neutralen Lande einzurichten. Die endgülttge Bestimmung des Ortes für das Büro wurde dem E. A.-K. überlassen. Bis dahin wird es seinen Sitz in Kopenhagen haben. Chauukahfeier im Feindesland. Ein Frankfurter Akademiker, der als freiwilliger Krankenpfleger auf einem Lazarettzug tättg ist, berichtet uns wie .folgt: In St. Quentin, einer Provinzstadt mit etwa 60,000 Einwohnern, leben in Friedenszeiten nur. 30 jüdische Familien. Ihr Drang zum Besuche des Gottesdienstes ist so sehr abgeschwächt, daß die Synagoge, ein kleiner Betsaal, nur an Roschhaschonoh. und Jom- Kippur den Gläubigen ihre Pforten öffnet. Es war daher ein für die Quentiner Juden ungewöhnliches Schauspiel, als am vergangenen Samstag Abend etwa 200 Stearinkerzen - angesteckt wurden, um eine Chanukahfeier abznhalten. Rabbiner Dr. Levh- Berttn, der Feldgeistliche der ll. Armee, hatte zu dieser Feier die Anregung gegeben und von derselben sämtliche Soldaten in St. Quentin und Umgegend in Kenntnis setzen lassen. So fanden sich! denn um 5 Uhr etwa 30 Herren aller Waffengattungen ein, um, was sie doch noch nicht erlebt und hoffentlich auch nicht mehr erleben werden, im Kriege in Feindesland an einer Chanukahfeier teilzunehmen. Unter den Anwesenden waren Zivilärzte in Uniform, Infanteristen, Artilleristen, Chauffeure und freiwillige Sanitäter verschiedenste». Dienstgrades. Feierlich war ber Anblick: Die verschiedenen Uniformen im Schein der Festeslichter. Sämtliche Augen und Ohren waren auf - den Rabbiner gerichtet, der, nachdem Maariv gebetet war, - eine erhebende Ansprache an die Kameraden hielt. In aller Zuhörer Augen konnte man lesen, wie wohl den Soldaten die aus dem Herzen sprechenden Worte des Rabbiners taten. Die Stimmung steigerte sich' noch, als' der Rabbiner hie Ehanukahlichter entzündete und das Lied Moaus zur Joschuosi ansttmmte. Weithin erschallten die Klänge jenes herrlichen Liedes, in das. alle begeistert einfielen. Und nun zum Schluß die Ueberraschung. Chanukayliebesgaben werden verteilt! Durch das Entgegenkommen der Jüdischen Frauenvereinigung, Frankfurt a. M-, sowie mehrerer jüdischen Damen der Frankfurter Gesellschaft, die dem Berichterstatter Liebesgaben ins Feindesland mitgegeben hatten, war es möglich, den Kameraden sowohl Wollsachen als auch Eß- und Rauchwaren nach Bedürfnis zu schenken, und es wird der Rest bei den in der Chanukahwoche au der Front von demselben Rabbiner abzuhaltenden Feier verteilt werden. Mt großer Befriedigung verließen wir den „temple israelite". Die wohlgelungene Feier wird uns.'Wohl nie aus dem Gedächtnis schwinden. Die Kriegshttfe in der Berliner jüdischenWemeinde. Im Verband für lüd. Wohlfahrtspflege sprach. Justizrat Breslauer über die Kriegshilfe, welche die Berliner jüdischen Vereine leisteten und leisten. Wir geben den Worttag hier auszugsweise wieder.^ Das Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland" entfalteteeine rege Tätigkeit für die rnss. Anden, lieh dem Volksverein 500 M, errichtete einen Wohnungsnachweis, stellte Studenten und Kaufleuteii Darlehen zur Verfügung, speiste Studenten an den Feiertagen und 'trieb Familienfürsorge. Seine Ausgaben betrugen 8000 . Der „Schweriner Hilfsverein" stellte , 10,000 JL für verschiedenes zur Verfügung. .' Außerordentlich belastet war der „Volksverein." Er hat nach und nach 40,000 Personen nntergebracht; es würden ihm hierfür sieben Häuser zur Verfügung gestellt, eines vom Polizeipräsidenten. Sehr segensreich wirkte auch der von den Logen »rrirfitete ..Verein iür Arbeitsnachweis." Er brachte 293 Nr. ' männlick 80 Pers! Die haus 2t 100 Kii Darlehei bis jetz jpeisen werden geliefert Die Lazarett rinnen Bersügu Lazarett speisehal usw. Die hilfskow sachlich hat- .Z flutet. 6000 w bleiben. 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