Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1914-12-11 · Heft 48 (11.12.1914) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 48 (11.12.1914)
Date
1914-12-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2692872-2692920--08773-2703945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

I i \ 6eite 2. und das eine großzügige Sammlung zu Gunsten dy Lurch Len Krieg geschKigten Zäden einleiten sollte. Bor zwei Wochen fand nun eine Konferenz statt, sie sich eingehendMt diesen Fragen beschäftigte, imb auf der Me RÄner einnMig erMrten, daß es die höchste Pflicht der Juden Amerikas sei,- sich an die Spitze der großen Hilfsarbeit zu stellen. Die Herren Jakob Schiff und Oskar Strauß hiüten flanüNende Reden und appellierten an alle amerikanischen JMen, mit Mer Kraft dieses große Werk M unterstützen. -Biele Vorschläge wurden dabei gemacht, wie z. B. der, von allen 'Juden der Bereinigten Staaten für LaZ nächste Jahr eine Steuer von IX) Proz. ihres Einkommens für diese Wvhlfahrtsaktjon zu er-. heben....Bestimmte Beschlüsse wurden nicht.gefaßt, aber die Konferenz hat bewiesen, wie stark sich unsere Brüder jenseits des Ozeans ihrer Pflichten bewußt und entschlossen sind, sie begeistert zu erfüllen. Auch der Ruf zur Einigkeit, den Jakob Schiff bei dieser Gelegenheit erhob, zeigt, daß er und mit ihm die übrigen Führer des ^amerikanischen Judentums erkannt hoben, daß'bei der Leistung dieser Wohlfahrtsarbeit die Juden Mer Richtungen und Parteiungen geschlossen und einheiÄch zusaMmenwirken müffen. Dieses begeistert Mische Verhalten der Juden Amerikas ist einer der schönsten und erhebendsten Lichtpunkte in dieser finsteren Zeit. Das jüdische Heiz beginnt sich schon zu regen angesichts der furchtbaren Notz, die der Krieg über Tausende unserer Brüder gebracht hat. Wenn erst der Friede wiÄer gekommen sein wird, wird sich das Mische Brudergesühl, das jMsche Herz in all seiner Stärke und Schöne offenbaren; und die dann herrlich emporkeimende Mische Bruderliebe wird der Same sein, aus dem die Kräfte erwachsen weiden, die die Mische Solidarität wieder festigen und neu verankern und die ftrrchtbaren Wurden, die uns der Krieg geschlagen, heilen werden. Jüdischer Meiueidsaberglaube. Bon Binjamin Segel. (Schluß). Doch lohnt es sich, die Uebersetzung des Kol Nidre zu betrachten, die der Antisemitenkatechismus bietet, und die von Herrn.Schütze approbiert und von Herrn Prof. Groß kanonisiert worden ist : „Wie Gelübde (Kolnidre) und.'Verbindlichkeiten und Verschwörungen der Eide, die wir von diesem Berschiwörungstag bis auf den nächsten geloben, schwören und znsagcn werden, die reuen uns alle und sollen aufgelöst, erlassen, aufgehoben, vernichtet, unkräftig und ungültig sein; unsere Ge- Wbde sollen keine Gelübde und unsere Schwüre sollen keine Schwüre sein. (Schulchän Aruch 1, § 619.) Zn jeder Zeile mindestens eine Fälschung. „Effare" heißt nicht Verbindlichkeiten, sondern Verbote, und man versteht darunter ein Selbstverbot („iffar-naphschah" heißt ein solches in der Bibel, Numeri XXX, 13), Last dessen sich einer etwas Erlaubtes verbietet, um sich Zwang oder Kasteiung aufzuerlegen. Von „Verschwörungen der Eide" stcht nilHs im Text, sondern cs steht „uschebue" und man versteht darunter eine „schebuath bittuj", das heißt einer: Gelöbnisschwur, nämlich ein Gelübde, welches dem Inhalte nach sich von jedem anderen Gelübde durch nichts unterscheidet, nur in der Form anders geartet ist: „Ich schwöre" anstatt: „Ich gelobe, dies oder tzas zu tun oder zu lassen". Solche ein Gelöbnisschwur wird' inbetreff der Lösung strenger behandelt als ein gewöhnlicher Neder, hat aber natürlich mit dem eigentlichen Eid, der von einer Behörde abgenommen wird und eine öriüjp Person betrifft, nichts gemein. ZäM Kippurim ist mit Bersöhnrrngstag zu übersetzen und nicht mit Verschwörungstag, welches Wort überhaupt keinen Sinn hat. Das Wort Versöhnungstag ist jedem Deutschen schon aus den BibÄstunden so wohl bekannt, daß Mm sich da mit der Unwissenheit allein nicht entschuldigen kann. Hier war offenbar eine Herabsetzung, Verunglimpfung und Verdächtigung des Mischen Feiertages beabsichtigt. Von „Zusagen" ist in dem ganzen Stück unt keinem Worte die Rede. Die gröbste FWschung besteht Mer in der Auslassung der zwei Wörter „al naphschpthana für unsere Frankfurter Israelitisches FamilienNatt.. Person.*) Diese beiden Wörter, welche dem biblischen „al paphschö" eütsprechen, sind wesentlich, weil sie die Ärt der Gelübde kennzeichnen, die Mein gelöst werden Wimen. Nur solche Gelübde G.nnen nämlich gelöst werden, die einer aus freien Stücken „auf seine Person" Mein auferlegt hat. In keiner von Men Rezensionen des Kol Nidre, die uns überliefert worden sind, fehlen.daher diese beiden, Leinen Wörtchen. Nur .der Äntisemitenkatechismus hat sie eigenmächtig weggelassen. Durch diese bewußze Fälschung wird der Verdacht erregt, daß durch das Kol Nidre Eide und Zusagen, welche einer denr anderen leistet, gelöst werden können. Nim möchte man gern üben folgenden Punkt ausgMärt feilt: Wir Juden haben.natürlich nicht ans Herrn Fritsch und Herrn Schütze mit dem Uebersetzen unserer Gebetbücher ms Deutsche gewartet. Seit unsere Vorfahren eine deutsche Mundart als Umgangssprache gebrauchten, übersetzten sie Siddur, .Machsor und Bibel in das sogen. Indendeutsche. Ich habe nun acht verschiedene Ausgaben dieser Uebersetzungen, die für den Gebrauch des Mischen Volkes hergestellt sind, verglichen, sehr alte, die von mittelhochdeutschen Wendungen wimmeln, neuere und neueste. In keiner fehlt die Uebersetzung der gencmnten zwei Wörter: „A> naphschpthana"; .in.einer sehr alten/ wahrscheinlich ans dem 15. Jahrhundert stammend«« heißt es: „daz mir wern schwerem und daz mir Wern machen chereu und daz Mir wern machen issurim auf unsre leib er (Leib-Person); in den späteren heißt es übereinstimmend!: „wus mir weleu machriur sein un wus mir welen affern ans ünz"; m einer der neuesten (Wilna 1909) heißt es, dem litauischen Sprachgebrauch angemessen: „un dos, wos mir welen schweren und Los, wos Mir waten vssur machen auf sich".**) Wie ging das zu, daß diese wichtige Formel, die in keiner Uebersetzung weggelassen wird, aus der des AntisemitenkatechrsMus verschwunden ist? Wo sind die Quellen, aus denen der Uebesetzer hie Ermächtigung geschöpft hat, mit dem Urtexte so zu verfahren? Rem wissenschaftlich ist eine solche Behcmdlnng historischer Dokumente ein ftevlerischer Leichtsinn. Und erst, wenn man einen derart zugerichteten Text nicht als akademische Spielerei, sondern als Basis einer furchtbaren, infamen Anklage benutzt, so ist das mindestens eine unerhörte Gewissenlosigkeit, wenn nicht noch etwas viel Schlimmeres. Oder muß man den Herren vielleicht iwch Dank wissen, daß. sie sich, mit einer Wegnahme begnügt, und nicht aus eigenen Mitteln etwas hinzugegeben haben, etwa eine Formell, die besagt, „es sei ganz besonders erlaubt, Andersgläubigen gegenüber einen falschen Eid zu leisten"? Wir vermissen nämliche schmerzlichselbst in . dem gefälschten Text, auch den leisesten Hinweis darauf, daß Andersgläubige hinsichtlich des Eides anders zu behandeln wären als Jupen, und man ist so ziemlich in Verlegenheit, wenn Man erraten will, worauf eigentlich diese ungeheuerliche Verdächtigung sich gründet, da die Herren ihr Licht nur in Halb- und Vierteltönen leuchten lassen, Andeutungen machen, aber nicht geruhen, kräftig und Lar herauszusagen: „Da und dort steht in euren Religionsbuchern geschrieben, daß es eucjj erlaubt ist, einem Goj einen falschen Eid zu leisten." * Wenn man diese. Eidesbeschuldigungen liest, muß man unwillkürlich an die Blutbeschuldigung denken. In der Tat ist die Analogie zwischen den beiden Verleumdungen auffMend. Schon in der Bibel' ist den Juden jeglicher Blutgenuß strengstens verboterr. Der Talmud hat dieses Verbot nach seiner Gewohnheit verschärft und erweitert und unrheckt, roch die späteren Rabbinen haben es zu einem förmlichen System ausgebaut; eine ganze Literatur ist daraus erwachsen, und die Mischen Hausfrauen wissen ein .Lied tza-- von zu singen, wie viel Mühe und Vorsicht sie anwenden Missen, um ja nur zu verhüten, daß das Stückchen Fleisch, welches auf den Herd komM, nicht das witzigste Tröpfchen Blut enthalte. Alles das hat, seit vielen Jahrhunderten mit größter Peinlichkeit beobachtet, bei den Juden einen ans *) In Deutschland und Litauen lautet die Aussprache „al nafschossono“-, in Polen „al nafechnssunu“. **) In der litauischen Mundart wird das Pronomen reflexidum auch in der erfreu und zweiten Person gebraucht Rr. 48. 9lC. 4 Krankhafte grenzenden Blutekel' erzeugt. Mit eine Folge dieses Blutekels ist die von keinem geleugnete, durch die Kriminalstatistik aller Länder und die Erfahrungen Mer Zeiten bestätigte Tatsache, daß die Mische Verbrecherwelt zu dem Verbrechen des.Mordes das allergeringste Kontingent liefert. Auch daß der Grausanfleitsinstinkt, ob er sich als Sadismus, als Masochismus oder als Flagellantentum (Hang zur Selbstpemigung) äuHre, beim jüdischen Volle auf ein Minimum, reduziert ist, --verdanken wir, neben anderen religiösen Einrichtungen, dem durch den -Blutekel erzeugten Abscheu vor dem Blutvergießen. Und nun werden die Juden seit sieben oder acht Jahrhurrderten bis auf den heutigen Tag immir vop neuem beschuldigt, Christenkinder zu schlachten, üm ihr Blut an einem 'der heiligsten und weihevollsten ihrer Feste zu verzehren. Welch eine bittere Ironie der Geschichte! Wir haben gesehen, wie übertrieben streng die jüdische Religion die Heiligkeit und Unverbrüchlichkeit des einfachen, Wortes behandelt, was für Vorkehrungen und Anstalten ü)re Lehrer, von Mose bis auf. den Leinsten Rabbi des 17. Jahrhunderts, getroffen haben, um die Juden davor zu bewahren, daß sie etwa Zusagen und Verpflichtungen, geschweige denn Eide und Schwüre gering achten. Und nun kommen da zwei Menschen, die offenbar^ nie ein Dokument der jüdischen Religion in der Ursprache auch nur von der Ferne mit eigener, Augen gesehen haben, und erheben unter dem Borwand, wissenschaftliche Forschung zu treiben, die AnNage gegen die jüdische Religion, Laß sie ihre Bekenner am Eingänge des allerheiligsten ihrer Feste zum Meineid und zum Bruch der Schwüre nicht nur anleite, sondern ermuntere und ermahne! . . Und matt beadyte die ungeheuerliche Perfidie, mit der solch ein Gelehrter die Inden auffordert, „die in Betracht kommenden Quellen nicht länger zu verheimlichen oder zu verschleiern, damit die Prüfung ruhig nnL sachlich geftrhrt werden könne!" . . . Wir sind also nicht nur Schwurbrecher und Meineidige von Religionswegen, sondern obendrein noch Verschworene, die eine geheime Gesellschaft bilden, mit dem Zweck, die Religionsschriften, die uns zu diesen Verbrechen verleiten und auffordern, vor der Welt versteckt zu HMen, sodaß sie ausschließlich den zwölf Millionen über alle fünf Weltteile verstreuter Inden zugänglich bleiben. Das praktizieren. wir schon an die zwölshundert Jahre, oder richtiger, seit Moses (denn die Lehre vop der Annullierung der Gelübde wird ja schon in der Bibel verkündet!), stellen es aber so ungeschickt an, daß 8er erstbeste Fritsch, Schütze oder Hellwig, obgleich er kein Wärt Hebräisch versteht und kein in dieser Sprache geschriebenes Buch lesen kann, so ohne jede Mühe hinter unsere Tücke komM. Ja, noch mehr, wir verkünden diese so streng geheim gehak« . tene Lehre unserer Religiop ostentativ vor aller Witt mit der größten Offenheit Md Ungeniertheit am Eingänge des uns heiligsten Festes, lassen sie in einem Buch drucken, welches in Millionen und Millionen von Exemplaren erscheint und in alle Sprachen der Knlturmenschheit übersetzt ist. Indessen muß man diese verschiedenen Sorte» von Fritsch; Hellwig und Schütze milder beurteilen. ^Das sind entweder Berufsantisemiten, die von ihrem traurigen Handwerk leben, oder strebsam« Privatdozentlrin u. dgl., die, um Karriere zu machen, sich so schnell als möglich die wissenschaftlichen Sporen verdienen wollen. Es ist langweilig und mühselig, ein Wissensgebiet in ernstem Studium durchzuforschen, sich selbstlos' darin zu vertiefen, um selbständig zu gesicherten Ergebnissen zu gelangen. Und dann erst kann Man nicht .wissen, ob man das nöttge Aussehen beim lieben Publikum und bei der Vorgesetzten hohen Behörde Macht — was alles zu einem guten Fortkommen sehr nützlich ist Dagegen kostet es wenig Zeit und Mühe und Nerverrschmalz, ein paar antisemitische „Fach"broschüren durchzulesen, die darin enthaltenen Angaben ungeprüft abzuschreiben, sie mit einigen gelehrten Phrasen aufzuputzen — das Fehlende saugt man sich aus den eigenen, nicht sehr sauberen Fingern —, und das Gänze in einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu publizieren. Der GÄehrte ist fertig. Warum sollten diese Herren nicht Len bequemeren und leichteren Weg zürn Ruhm wählen? * Da Gcistesp einen l sosigkcit hohlen ' unser 'S und de Trinkl Ita Helnr Flii salc au Was si Lage d Zl Inden mit ihr den Pi Juden, versehen Als wieder Spion war, d Kohn < Die Gelegen Kosak i der Ko> sakcn, i ihn vei Kosak i und dil mandan machten sür die der Sa> dem Kol war er der (SV einem < Indes, Weibe steckt fj Komma Ba Gelegen Eine 't Von di Nachrick hatte d den T versteckt Katz g, Gutsho vor de Weg I 9 Tsck gesange edle P ■ fahndet konnte» hängtei Rr in der jungen besondc sie ge! Bresla helmsb die er B« des ßl inerten Abweh ans di fern B ans i tiberetr — nt scheu tnng . als pi schanni sich b frei m Geist »'31 Hebern landes ob da der K deutsch haß r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.