Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 47 (4.12.1914)
- Date
- 1914-12-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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«eite 4. Trinkt die deutschenTeemarken Helnr._ Wilh. Schmldt bewährt seit 1730. Frankfurter Berichte. Jüdischer Tvrmierew. Obgleich', wie i wir ■ bereits mitgcteilt haben, ctlva vierzig unserer Turner im Feüw stehen, sind wir in der Lage, den Turnbeirieb in der alten Weise Dienstag Abend von 8*/s—10 Uhr, Selektcnschule, Eiserne Hand 4, weiterzuführeu. Besonders konnte auch , unsere DamenabLeitung, der ja durch! den Krieg leine Teilnehmer entzogen wurden, das Turnen ungestört fortsetzen. Da wir nun erfreulicherweise für diese Abteilung in dem Leiter des Frankfurter Turnvereins, Turnlehrer Friede, eine erstklassige turnerische Lehrkraft gewonnen haben, hegen wir die besten Hoffnungen für die güte Weiterentwicklung und Ausbildung der schon heute in erfreulicher Blüte stehenden Damenabteilung. Das Damenturnen ffndet jeden Mittwoch Abend von S1/»—10 Uhr in der Herderschule, Wittelsbacher Allee 6 (Eingang durch den Hof), statt. Letzthin haben wir beschlossen, unseren im Felde stehenden Turnbrüdcrn zu Chanubah Liebesgaben zu senden, und wir freuen uns, auch schon namhafte Spendeneingänge zu diesem Zwecke verzeichnen zu können^ Mögen die Liebesgaben unsere wackeren Turner beim besten Wohlbefinden antreffen und jhnen gut munden. Persoualle«. Bor wenigen Tagen noch war er mit seinen 62 Jahren gesund und kernig, voll Arbeitsfreude und Arbeitskraft, — und jetzt müssen wir uns an den Gedanken gewöhnen, Leopold Oppenheimer nicht mehr unter uns weilen zu sehen. Noch lauge aber wird den bescheidenen und doch allgemein beliebten Mann vermissen wer ihn kannte, wer da wußte, wie sehr dieser Mann ein Leben im besten jüdischen Sinne lebte. Treue zum jüdischen Gesetz, schlichte Einfachheit und gebensfrohe Herzensgüte gaben seinem Charakter das Gepräge, eiserner Fleiß segnete seiner Hände Werk. Ein solcher Mann mußte der mustergültigste Gatte und Vater sein, — und er war es; Seine Kinder sind seine Bürgen, in ihnen wird er hier auf Erden weiterleben. Referendar Albert Freiherr von Goldschmidt- Rothschild, ein -Sohn des hiesigen Generalkonsuls Maximilian Freiherr v. G.-R., ist der preußischen Gesandtschaft in München als Uttachö zugeteilt worden. Er war vorher bei der deutschen Botschaft in London. Die Städelsche Galerie hat das Gemälde „Schwarzwaldlandschaft", des noch jungen, aber schon bekannten Frankfurter Malers Heinrich Gottselig erworben. I Lomler Laitsch Tel. Hansa 3148. Frankfurt a.M., Liebfranenberg83 Speeialhans für Unterkleider und Strümpfe. Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. I jmuüßton. Die Verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortschung.) Alle Frauen lieben das Positive, und je ehrbarer, je keuscher sie sind, desto mißliebiger blicken sie aus den oberflächlichen Courmacher, der die ihnen teure Genossin in schiefe Situationen zu versetzen droht. Darum war Helsia jetzt ernsthast böse. Sie zürnte, aller Well; sich selbst, Claudia, die mit der Lebhaftigkeit ihres Temperaments eine starke Freude über die Nähe des geliebten Mannes kaum zu verbergen verstand, Alexändru, der" ihr um so verhaßter und unhellvoller erschien, je glückseliger der Freundin leuchtende Blicke an den seinen hingen, und endlich Benno, diesen großen Schlingel, der, hartnäckig gegen alle Winke und versteckten Aufforderungen, Jemllian die Unterhaltung seiner reizenden Nachbarin zu entreißen, in stummer Ablehnung beharrte. Und doch gewahrte sic mll der, allen weiblichen Wesen eigenen Vorahnung solcher Verhältnisse den tiefen Eindruck, welchen das liebenswürdige Mädchen aus den jimgen Studenten übte. - Benno Halle sich in die Ecke gedrückt, um Hutter den Wolken seiner Zigarette versteckt aufmerksamer das fremde Fräulein prüfen zu können. Sie gefiel ihm über alles gut. Er hatte sich vorgenommen, den Enthusiasmus seiner Schwägerin, welche ihm mll allem Eifer einer schwärmerischen Jugendfreundschaft Claudias Lichreiz gerühmt, gehörig zu verspotten und das viel- Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. ~ Äc 47. gepriesene Pensionsideal ein wenig lächerlich zu finden. „Muse aus dem Töchtcralbum". Aber seine dem schalen Zug der Mode folgende, angekünstelte Bläsiertheit fiel von ihm ab wie die Bärenhaut des Märchcnprinzen, und angesichts der holden Weiblichkeit der Fremden brach der echte, warmblütige Mensch mll voller Empfindung in ihni hervor. Ihr stolzes, an die strenge Schönheit der Agrippina gemahnendes Gesicht, das beim Lächeln eine so kindliche Anmut zeigte, der^einschmeichelnd süße Ton ihrer Sümme, der den Hörer wie leise Liebkosung umfing, ihre harmonische Gestalt, die hingebungsvolle, liebenswürdige Grazie ihres Wesens entzückten seine Sinne. ... Frau Helsia war empört über die grübelnde Schweigsamkeit ihres Schwagers. Es schien ihr, als fürchte er Alexandras Uebcrlegenhell! O, das war sehr wenig nach Helsias Geschmack! Helsia ist gewöhnt, selbst Mittelpunkt zu sein. . . Ihr gehört Claudia — ihre Gesellschaft, ihre Unterhaltung. . . „Claudia Du würdest neben mir besser sitzen!" Mechanisch verändert Claudia ihren Platz, ohne einen Blick von ihrem Nachbar abzuwendcn. Herr Alexändru erzählt nur eigene Erlebnisse. Er spricht langsam und mit wichttger Betonung; soviel Worte, soviel Jchs. „Wenn ich nicht sehr interessante Erinnerungen zu stören befürchtete," beginnt Helsia spitz, „möchte ich Dich, liebe Claudia, wohl fragen. ( ." „Fragen Sie mir, meine Gnädige, wir können uns nachher weiter erinnern!" „Sehr verbunden, Herr Alexändru. — Sage mir also, wer war jene Schauspielerin, mit welcher Du Dich vorhin unterhieltest?" „Woher weißt Du, daß sie Schauspielerin ist?", fragte Claudia erstaunt. „Schwer zu erraten das," '"entgegnete Alexändru spöttisch: „Puderteint, viel Figur, gute Haltung, auffallende Gangart und herausfordernde Augen. Wenn dieses Charakteristikon nicht auf Elfzwölstel solcher Brettcrköniginncn zutrifst. . ." „Meine Beobachtungen reichen nicht so weit;" unterbrach ihn Helsia scharf. „Ich gewahrte die Dame bei der Kremskischen Truppe. Sie spielen alle Winter in I." „Vermutlich die neue Soubrette. . ." „Jemllian", antwortete Benno lächelnd, „seit wann interessieren Sic sich für das Theater?" „Ich interessiere mich.für nichts," gab jener kühl zurück. „Sie haben recht vermutet," sagte Claudia, „die junge Dame ist allerdings Ihre neue Soubrette. Wen» sie nur Beifall fände! Ich bin ein wenig mllengagiert, da sic meine Schülerin ist. . ." „Dann natürlich darf ich Dich kaum tadeln, daß Du Hundertfrancs-Notcn so leichtsinnig verlechst." Claudia errötete. „Du wirst keine Kopeke Wiedersehen," schloß Helsia strafend. „Warum nicht?", entgegnete Alexändru. „Jene Dame — sic geht eben vorüber, Federboa, grünes Plüsch- Jaquet, Herrenhut — diese ists?" „Diese ist es!" „Eh! Diese Dame findet schon einen Beschützer, der ihr die fragliche Summe Vorstrecken dürfte." Die Coupstür stoKd noch offen. Unversehens sprang Claudia hinaus und ellte auf Liese Lehmann zu. „Unbesonnen! Claudia! Was treibst Du? Nun wird sie gewiß eine neue Torheit begehen," sagte Helsia verdrießlich, da all ihr Rufen unerwidert blieb. Sie blickte Claudia nach, die im Bolksgedrängc verschwand. „Sie wird den Anschluß versäumen." „Wahrscheinlich!" „Sie sagen das so ruhig, Herr Alexändru." „Warum, Madame, sollte cs mich beunruhigen?" „Ich hole sie," rief Benno, der auf einmal Leben und Bewegung wird. „Drei Minuten vor Abfahrt," sagte Jemllian nachlässig, als Benno und Claudia das Coupe wieder bestiegen. Helsia kargte nicht mit vorwurfsvollen Fragen, was sie so dringend dieser Liese Lehmann bedurft. „Ich mußte ihr sagen, daß sie das Geld behalten mag" — Claudia brachte es mühsam hervor — „sie soll keinen Beschützer zu suchen nöttg haben." Jemllian lächelte. „Man lasse Dich nur aus den Augen!" schalt Helsia liebevoll. „Und darum so blaß und so erregt? „Ich kann nicht anders. Und dann — ich fürchte mich." Sie war dem Weinen nahe. „Aber so sprich doch! Was ist Dir?" „Sieh!", antwortete Claudia und deutete zum Fenster hinaus. Der Zug welcher nach Czernowitz zurückging, stand zur Abfahrt bereit. Ungeduldig blickten die Passagiere der zweiten und dritten Klassen zu de, Fenstern hinaus — wie lange würde man sie den, hier noch aufhalten? Da standen noch Hunderte an Ende des Zuges und stürmten seine Wagen. . . Alwandre ein ganzes Volk. . . Gebückte Männer, alters blinde Greise, geführt an Krücken wankend — Ruinei der Menschheit, Jeremias-Gestalten, deren lange silbergraue Bärte an ihren Spitzen sich wieder schwärzend verjüngten — behende, dunkelhaarige Bübchen, die gm drollig ihre langen Pelzröcke nachschleppten und untei ihren schwarzen Mützen spitzbübisch hervorlugten. .. Frauen mit künstlichem Scheitelhaar und längst verblichenen, bunten Seidcnlleidern — wieder andere zerlumpt und bloß . . . umringt von einer Herde Kinder, welche, vor Angst, sich im Gewühl zu verlieren, um die Wette jammern. . . Und das schreit, stöhnt, kletten springt mll Sack und Pack in die Wagen, stößt und wird gestoßen, wird mißhandelt'und hineingepfercht, nicht wie das liebe Vieh — wie überflüssiger- Ballast ir dumpfige Tonnen. Die Pfeife gellt, die Züge rücken erst langsam, danii ein wenig schneller nach Süd und Nord. Drüben in den letzten Wagen der dritten Klasse, da wo man Hals über Kopf an die schmalen Schiebfensterlein sich preßt, springt eine Tür. Ein blonder Kopf zwängt sich hervor — „Mutter, Mutter nicht nach Amerika!" — ein Ruck, der Zug entbraust, und der kleine Körper fällt den Rädern in die Speichen. .. „Adieu Rumänien — grausames Vaterland! — Schmerzensschreie — das Blut Deiner Kinder — grüßen zum Wschied Dich. . .!" „Ausgewiesene!", sagt Helsia mit tiefem Mitleid. „Diese alle? Sind diese alle ausgewiesen?", fragt Claudia entsetzt. (Fortsetzung folgt.) Cafe Kaisergarten am Opernplate üratklasdgea Vamilien-Cafö ■■■ - —Nachmittags Konzerte. - —- ... : Fr« Hanselmann, Besitzes. Aus Feldbriese«. Im Schützengraben bei .... 5./XI./14. Meine Lieben! „Heiß war der Tag und blutig die Schlacht, kühl war der Abend und ruhig die Nacht." — Der gestrige Tag war unsere erste große Schlacht, von mittags 12 Uhr bis abends 9 Uhr wogte der Kampf hin und her und endete mit unserem Sieg. Schon am 3. November nachmittags entwickelte sich ein lebhaftes Granatfeucr, doch gegen Abend stellte sich Ruhe ein, sodaß ich! sogar Muße fand, die.mll der Feldpost .für mich eingetroffenen Sachen zu sichten. Die Nacht vom 3. aus 4. verbrachte ich, wie immer wachend.. Alles schlief ruhig, von Zeit zu Zeit knallten einige Schüsse, die unsre mit den feindlichen Patrouillen wechselten. Am Morgen gegen 7 Uhr kam ich zur Ruhe, als ich plötzlich um 11 Uhr durch ein fürchterliches Granatfeuer geweckt wurde. Links und rechts von unserem Zuge standen zwei Batterien, auf die es die Franzosen abgesehen hatten, es prasselte nur so auf uns nieder. Mein Zugführer und ich lagen rechts von einem Geschütz in unserem Loch, dicht in eine Ecke zusammengedrängt, ein Hinausgehen hieß sichl der größten Gefahr aussetzen. Da stürzte plötzlich' ein Kanonier vom Loche neben uns in unseren Graben, jammernd und klagend, .mit einer Streifwundc im Rücken. Die Geschützunterlage war eingestürzt, die gesamte Besatzung unter sich begrabend. Nun mußten wir raus, denn die Franzosen konnten jeden Augenblick kommen. Unsere Sachen ließen wir in unserem Loche zurück, jeder nahm seine Flinte und einen Kasten Patronen, und unter Granathagel stürzten wir nach der nächsten Deckung, war ja die unsrige durch die feindlichen Granaten erschüttert. Da rückten auch.schon die Franzosen an (sie kommen immer in dichten Gruppen und werden von Offizieren,, wie sie uns erzählen, mit Pistolen angetrieben). Unser Maschinengewehr- und Jnfantcriefeuer griff sofort ein, und verderbenbringend sauste es uns die französischen Gruppen nieder. Unser rechts stehendes Geschütz.feuerte auf 1000 Meter. Aber auch uns brachten die Granaten große Verluste bei; man ist glücklich, nach jedem Schuß sich noch lebend vorzupnden. Fortwährend wurde mein Zug bestrichen, wir schlepp« teu Munition vom zerstörten zum ganzen Geschütz, 2 Meter von mir schlugen die Granaten ein, die Splitter sausten um mich umher, — doch G. s. D. blieb ich heil. Da traf plötzlich ein Volltreffer des Feindes den gesamten Munittonsvorrät des zweiten Geschützes, und nun standen wir ohne Deckung da, lediglich 20 Mann stark, um einen etwaigen Durchbruch des Feindes auf einer Strecke von 150 Meter zu verhindern. Jeder stand auf seinem Posten, und die Granaten sausten nur so. Zwei Mann, die rechts mir zur Seite standen, hatten Verwundungen. Ich perband sie noch am Kopf, Arin und Rücken. Verstärkung, die uns zu Hilfe eilen sollte, siel nieder, und weiter konnte ich meinen .Dienst als Samariter aus- - üben! Wie dankbar die Leute waren, daß man ihnen unter Lebensgefahr, unter heftigem Granat-, Schrapnell- Nr. und I bensich war t A verhäl nachm, terlich Berwr Hände half i Regen Schim verschl blick r — un Dunke W und r lich .n, streng« und 9 hatte und 1 E daß w und i den ß schäfte R auch j folgte Um 2 und , Ruhe die 1< dabei ich, d Fran K tu st