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Neue jüdische Presse · 1914-12-04 · Heft 47 (4.12.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 47 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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*t. 47. die niemand leugnen kann.' Unter den Leidtragenden befinden sich! auch die russisch-polnischen Inden. Ihre Lage ist geradezu komisch, wenn sie nicht gar zu traurig wäre. Einerseits . sind sie im Lande der Knute die Parias, der Prügelknabe! Völlig entrechtet, geknechtet, gehetzt, jeglicher Bürgerrechte beraubt sind sie. Jetzt müssen die „lieben Juden" ihrer „Pflicht" genügen, und Hnnderllausende werden mit ^>er Knute aufs .Schlachtfeld Hinausgetrieben. Die älteren Leute, die Frauen und Kinder ,schweben aber unterdessen in Angst. Wenn die Mederlage bekannt wird, so wird der „Prügelknabe" für die Unfähigkeit der Heerführer verantwortlich gemacht. Ist nun eine geringe Zahl von ihnen in Deutschland ansässig,. so muß diese die Sünden der Russen büßen, denn sie gehören ja auf dem Papier dem feindlichen Staate an. Die Deutschen werden als Kriegsgefangene geradezu schändlich in Rußland behandelt. Aber sind denn die unglücklichen Juden daran schuld? Haben sie denn was dabei mitzureden? Wahrhaftig, wenn es auf sie ankäme, sie würden ganz anders handeln. Gibt es denn etwas Schrecklicheres als die verzweiflungsvolle Lage der Juden? Sind sie nicht dankbar für das buchen Freiheit, das sie bis jetzt in Deutschland genießen durften? Schon ihre Sprache ist deutsch, ganz deutsch, wenn auch etwas mittelalterlich anmutend. Darf man sie nun in Bausch und Bogen mitstrafen? Deutschlands Gerechtigkeit, Deutschlands hohe Kultur wird es nicht zugeben." Amerika. Rew-Aork. Auf der Jahresversammlung der United Hebrew Charities richtete Jacob H. Schiss eine Ausforderung an die Juden Ncwyorks, bei aller Sorge für die in Europa, die durch den furchtbaren Krieg leiden, nicht der Bedürftigen in Newyork zu vergessen. Dem Bericht des Vorsitzenden, .Leopold Plaut war jn entnehmen, daß die Vereinigung für ihre verschiedenen Zwecke 347 000 Dollar im Berichtsjahre verausgabte. I; | ] . •sorh’erf 15Ä G.M.HOLZ J HOFLIEFERANT FRANKFURTaM Der Krieg und die deutsche« Jude«. Frankfurt a. M. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen hat von ungenannt sein wollender Seite die Mittel für die Ausrüstung eines Lazarettzuges erhalten. Der Verein, der den Zug mit seinen Schwestern besetzt, wird ihn dem Frankfurter Roten Kreuz zur Verfügung stellen. Frankfurt a. M. Assistenzarzt Dr. Arthur Marum erhielt das Eiserne Kreuz. Frankfurt a. M. Verein für jüd. Krankenpflegerin neu. Von dem in der Mitgliederversammlung am 26. .d. Mts. erstatteten Bericht interessiert im gegenwärtigen Augenblick der Teil die weitere Oeffentlichkeit, der die Berwundeteu-Fürsorgc behandelt. Der .Verein verfügt gegenwärtig über 56 Schwestern und 13 Lehrschwestern. .Bon diesen sind 15 dem Roten Kreuz direkt unterstellt, und zwar arbeiten 6 int Kriegslazarett in Deynze (Westslandrischer Kriegsschauplatz), 2 auf der Etappenstation Diedenhofen und 7. im Festungslazarett XXII h in Straßburg (davon eine als Oberin). Im Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde hier, das seither 150 Verwundete verpflegte, sind 33 Pflegekräfte des Vereins beschäftigt. Der Stadt Frankfurt sind 4 Schwestern zur Verfügung gestellt, davon 2 als leitende Oberschwestern städtischer Lazarette. In einem Schwesternhaus, Bornheimer Landwehr 85, hat der Verein ein eigenes Lazarett eingerichtet, in dem 50 Verwundete verpflegt werden, und in dem 6 Schwestern beschäftigt sind. Außerdem sind noch einzelne Schwestern des Vereins hier und auswärts als Oberinnen von Anstalten und Krankenhäusern tätig, die gegenwärtig Verwundete beherbergen. ' Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr. Lucian Kahn, der schon vor dem Kriege bayer. Reserve-Leutnant wurde, erhielt das'Eiserne Kreuz und wurde zum Kompagnieführer ernannt. Berlin. Bataillonsarzt Dr. Sigismund Cohn, Hermann Oppenheim, Otto Bamberger, Hans Neumann, Unterarzt Dr. Otto Rosenbaum, Rechtsanwalt Dr. Arthur Cohn, Alex Ehrlich, Willi Cohn, Walter Rosendorfs, Walter Salinger, Max Grünfeld, Erich Friedmann, Assistenzarzt Dr. P a u l T a ch a u, Stabsarzt Dr. Herm. Engel Oberarzt Dr. Rob. Warschauer, Stabsarzt Dr. Karl Hamburger, Jul. Biram, Oberarzt Dr. Martin Bab, Rechtsanwalt Kurt Rofenfeld, Walter Laster, Ass.-Arzt Dr. Felix Danziger, Assistenzarzt Dr. Ernst Levin Berthold und Leopold Levin, Leonhard Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Hirschberg, Zahnarzt A. E. Marcuse, Dr. Fritz Kahn, Sohn des Schriftstellers Dr. Arthur K., Charlottenburg, Herbert Stein, Schauspieler Herm. Bruck, Max Lichtenheim, Apotheker Willi Gerson, Joseph Casparius und Karl Gordon. erhielten das E i s e r n e K r e u z. Berlin. Die,Lion. Vereinigung für Deutschland" schreibt: „Unser Aufruf, unfern Brüdern, die im Felde stehen, zum Chanukah-Fest eine Liebesgabe zu senden, hat in allen deutschen Ortsgruppen begeisterten. Widerhall gefunden. Es ist uns auch gelungen, eine ziemlich lückenlose Liste aller im Felde stehenden Gesinnungsgenossen zu erhalten. Wir haben dabei die überraschende Tatsache feststellen können, daß .die Organisation der deutschen Zionisten noch weit mehr Soldaten ins Feld geschickt hat, als wir selbst angenommen hatten. Aus Berlin allein sind 300 Zionisten zu den Waffen geeilt. ' Es sind uns ferner eine große Anzahl Adressen armer jüdischer Soldaten zugegangen, die nicht unserem Verbände angehören, die wir aber auch zum Chanukah-Feste beschenken wollen, erhalten sie doch zu unserem jüdischen Feste keinerlei Gabe von lieben Angehörigen zuhause. Auch sie sollen an unserer Festesfreude teilnehmen. Wenn wir auch in diesem Jahre das Fest mit tiefem Ernst feiern müssen, so sollen doch alle unsere Lieben draußen im Felde sich unserer Sendungen freuen, die ein Beweis unseres Gedenkens für sie sind. Die Opferfreudigkeit unserer Gesinnungsgenossen hat sich auch bei diesem Liebeswerk wieder .einmal in schönster Weise gezeigt. Wir haben eine große Anzahl Liebesgaben 'aller Art erhalten, die wir zweckmäßig in die einzelnen Pakete verteilt habem Es fehlen uns jedoch noch große Geldmittel für den Versand, das Porto und den Einkauf bestimmter notwendiger Gegenstände. Wir sind davon überzeugt, daß es nur dieses Hinweises, bedarf, um diejenigen unserer Freunde, die ihre Spende für obigen Zweck noch nicht entrichtet haben, hierzu zu veranlassen; sie können des Dankes unserer tapferen Brüder im Felde sicher sein. Korrespondenzen und Geldspenden: Max Wotlsteiner, Charlottenburg, Roscherstraße 5." Berlin In wie hohem Maße die Fürsorge für Frauen und Kinderder im Felde stehenden Krieger auch in weniger bemittelten Kreisen betrieben wird, beweist die Liebestätigkeit, die in Ortsvereinen des Zentralverbandes selbständiger jüdischer Handwerker geübt wird. Der Berliner Verein bewilligte aus den Vereinmitteln und mrs einer Sammlung im eigenen Kreise, die den ansehnlichen Betrag von etwa 1000 Mark erreichte, für die Dauer des Krieges einen monatlichen Zuschuß für die Frauen der im Felde stehenden Krieger in Höhe von 6 Mark für die Ehefrau und 2 Mark für jedes Kind. Ohne Rücksicht auf die Dauer der Mitgliedschaft wurde diese Ehrengabe bewilligt. Auch der Hamburger Verein leitete eine gleiche umfangreiche Hilfsaktion ein. Für die im Felde Stehenden ist natürlich der Mitgliedsbeitrag erlassen; trotzdem bleiben alle Vergünstigungen wie z. B. ärztliche Hilfeleistung, kostenlose Medikamente usw. für die Angehörigen weiterhin bestehen. Der Kölner Verein schüttete seinen ganzen- Kassenbestand für Unterstützungszwecke aus. lieber die Leistungen des Frankfurter Vereins ist in diese» Blättern bereits berichtet worden. Die in den meisten Ortsvereinen schon in Friedcnzeiten bestehenden Darlehnskassen nahmen ihre Tätigkeit in verstärktem Maße aus. So leisten die dem Zentralverband selbständiger jüdischer Handwerker angeschlossenen Vereine wirklich Mustergültiges, wobei noch besonders anerkannt werden mutz, daß alle Mittel im eigenen Kreise ausgebracht wurden, also von Leuten, die augenblicklich selbst um ihre wirtschaftliche Existenz schwer ringen müssen. Berlins Gottfried Sender, Lehrer an der jüd. Lehrerbildungsanstalt, erhielt, das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse. München- Oberleutnant Paul Joseph thal- Nürnberg wurde zum H a u p t m a n n und Mühlenbesitzer Benno Schwabacher-Würzburg zum Leutnant befördert. Nathan Jacob-Regensburg erhielt das Militärvcrdien st kreuz mit Schwerter u. Leutnant Alfred Bloch und Stabsarzt Dr. Friedr. Rosenthal erhielten den Militärverdieustorden 4. Kl. mitKroneund Schwertern. Leo Ansbacher und Lea Laudenberger aus Scheßlitz erhielten das Eiserne Kreuz (der erstere auch die Tapserkeits Medaille). Das Eiserne Kreuz erhielten ferner: Friedr. Wallersteiner, Julius Lauer. Hamburg. Oberarzt Dr. Joseph Calvarh, Stabsarzt. Dr.JuliusJalowicz SallyGoldschmidt, Leo Holstein, Kurt Rosenberg, H. Prenzla »-Hamburg, Richard Jacob so hn-Lüneburg und Walter Feldberg-Stettin erhielten das Eiserne Kreuz. Gailingen. Der Einj.-Unterosfizier Philipp Veit von Gailingen, im Jnf.-Regt. Nr. 114, der zu Anfang des Feldzuges zum Unteroffizier befördert wurde und sich bald daraus das Eiserne Kreuz erwarb, wurde von Sr. königl. Hoheit dem Großherzog Friedrich von Baden mit der Silbernen Karl Friedrich-Medaille ausgezeichnet. Breslau. Zahnarzt Dr. Richard Hamburger und Hans Muter erhielten das Eiserne Kreuz. — Kandidat des höheren Lehramts Fritz Frankfurter, einziger Sohn der Witwe Paula F., Richard Kohnke und Hermann Selka von hier starben den Heldentod. Hohensalza. MusketierBrieger erhielt das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse. Seite 3. Köln a» Rh. Paul Auerbach und Arthur Mendel erhielten das Eiserne Kreuz. (L.) Pose«. Frau Rosa Broduttz spendete 3000 JL und Zigarrenfabrikant M. Rosenberg 100,000 Zigarren und 2500 Pfund Tabak. — Das Eiserne Kreuz erhielten Sigismund Mannheim-Posen, Alex E h r l i ch - Rogasen, Leo Hirsch-Obersitzko, Bruno Selka, ein Sohn des verstorbenen Sekretärs unserer Synagogengemeinde, und Rechtsanw. Israel- Rawitsch. Wie«. Folgende Mitglieder der zion. Organisation erhielten in den letzten Tagen Ordensauszeichnungen: Kadett Sieg fr. Abend-Triest, Fähnrich Dr. Fritz Braun, Ung.-Hrachrich, Oskar Fürth-Agram, Fähnrich -Oskar Aschermann-Prag. Es fielen auf dem Felde der Ehre folgende Zionisten: Leutnant Alfxed Kraus, Gymnasiallehrer in Trautenau, Otto Süßmann -Bielitz, Leutnant Loth. Zilz und A- Grünseld-Graz. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Graudenz. Bankier Aron Bo hm, einer der angesehensten Bürger der Stadt, ist wenige Tage nach seinem 92. Geburtstage verschieden. B. errichtete in Graudenz das erste Bankgeschäft und zeigte selbst in den für die Landwirtschaft schlecht«» Jahren, daß man bei 'praktischen Arbeiten und großer Umsicht die Landwirtschaft hoch bringen könne. So machte er in wenigen Jahren aus den Rittergütern Rondsen und Zigahnen richtige Musterwirtschaften. Sein Grundzng als Stadtvater war Sparsamkeit, wie sie der alten Generation eigen war und in welchem Zeichen überhaupt die Pohlmann'sche Aera fast durchweg stand. Er war von der alten Schule, ein „Mann von allem Schrot und Korn" — und bei den Beratungen traf er oftmals den „Nagel auf den Kopf." Innerhalb der Synagogengemeinde Halle er etwa vier Jahrzehnte hindurch den maßgebendsten Einfluß: auch erwarb er sich um die Anlegung des jüdischen Friedhofs und um das ganze Beerdignngswesen große Verdienste. Für das' Casper Lachmann'sche Provinzialwaisenhans (Pohlmannstraße 10) zu Graudenz zeigte er so großes Interesse, daß er ihm zu feinem 90. Lebensjahre 15,000 JL als Schenkung überwies. - Sehr wohltättg war auch seine vor mehreren Jahren verstorbene Gatttn Therese, die im Geheimen diel Gutes stiftete. Fürstenberg a. Oder. In vergangener Woche wurde unserm allverehrten Mitbürger dem Kaufmann Isidor Baron eine besondere Ehrung zutell. Er .feierte seinen 74. Geburtstag, und zu diesen» nmrde er Zum Ehrenbürger irnserer Stadt ernannt. Zn dieser Feier erschien mittags in dem Hause des Jubilars eine Deputatton des Magistrats und des Stadtverordneten-Kollegiums, um den künstlerisch ausgestatteten Ehrenbürger- Brief zu überreichen. Der Bürgermeister hob in seiner Rede besonders hervor, daß sich die gesamte Stadtbehörde einstimmig zu dieser Ehrung entschlossen habe, weil Herr Baron einzig und allein durch sein selbstloses Arbeiten für die Stadtgemeinde sich dieser Ehrung würdig gezeigt habe. B. ist seit 40 Jahren pls Stadtverordneter und zweiter Vorsteher tättg gewesen und hat viel zur Bergrößerung der Stadt beigetragen. Biele Jahre war er auch! Kreistagsabgeordneter u»»d bekleidete sonstige Ehrenämter. Jahrzehnte war er auch Vorstand unserer Kulttis - Gemeinde. Dber'EuSingen (Schweiz). Marx Drei.AuSv und Frau feierten die goldene Hochzeit. Konstanz. DaSRaSSinat Konstanz wird während ' der Abwesenheit von Rabbiner Dr. Cho»»e durch Rabbiner Dr. Jakobowitz-Randegg versehen. . BreSla«. Geh. Justizrat Dr. Freund, der bishettge Skadtverordneten-Dorsteher, scheidet mll Ablauf dieses Jahres aus der Stadtverordneten-Bersammlnng, der er 44 Jahre als Mitglied angehört und 28 Jahre als Vorsteher geleitet hat. Er hat seine Wiederwahl nicht mehr gewünscht. Das hohe Alter von 83 Jahren und der Schmerz ltm den Verlust der Lebensgesährten, haben ihn zu diesem Entschluß 'veranlaßt. (L.) $ofett. Alexander Cohn in Crone, Beigeordneter und Ehrenbürger der Stadt n»»d Vorsteher der jüd. Gemeinde, ist verschieden. Preßburg «Ungarn). In hohem Alter verschied hier Rabbiner Moses T. Fischer, ein Mann von einer ' selten großen Frömmigkeit. Rabb. F. war Mitglied der zion. Organisation. S1. Galle«. Oberrabbiner Knk aus Jaffa häll sich hier auf. LouSu«. Sir Francis Montefiore, das langjährige Mtglied des zionistischen Aktionskomitees» ist aus der zion. Organisatton ausgelleten, weil sie unter deutsiher Leitung steht. Rew-Aork. Bei den Kongreßwahlen wurde im Ghetto von Newyork der jüdische Sozialist Mayer London zum Repräsentanten (Mitglied des Unterhauses im Kongresse von Washington) gewählt. Dieses Mandat war seit dem Jahre 1891 in Händen des jüdischen Demokraten Henry Goldfogle. Mayer London wird im Kongresse der Bereinigten Staaten der einzige sozialistische Abgeordnete sein. frankfurter Edelmetallyerwertung Gnrlaoh Sk Weins Probieru. ScbmelzauHtalt Metallurg. Laboratorium. Taunus»tr. 28. Franufon a. K. Tel. 1. 67-1 a. Ankauf aller Edelmetall-Rückstände, Brucbgoldu Silber. Barren — Teilung — Ctokr&tsen — Abfallen.

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