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Neue jüdische Presse · 1914-12-04 · Heft 47 (4.12.1914) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 47 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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47. Nr. 47. Frankfurter Israelitisches FamilieMatt. Seite 5. zu de, e den, cte an . AK alters Rainer silbev oärzend die gm > untei ten. st verre zer- Kinder, :n, um kletteri ßt und >t, nicht last ie i, danii Klasse, Schiebblonder c nicht st, und isen. .. d! der — Kitleid. , fragt und Jnfanterieseuer half — ich schleppte sie in ein bombensicheres Loch —, kann ich Euch nicht sagen. Ich war voll mit Blut bedeckt, die Hände blutig. Auf -einmal zog sich Per Feind zurück, und eine verhältnisniäßige Ruhe trat ein. Ich war wie zerschlagen. Seit morgens 3 Uhr bis nachinittags 5 Uhr hatte ich nichts gegessen, die fürchterliche Aufregung, die vielen Toten, das Wimmern der Verwundeten, ich mußte etwas zu mir nehmen. Meine Hände waren voller Blut, Wasser war nicht da. Da half ich Mir, indem ich die Hände in den durch den Regen fürchterlich ausgematschten Bodcli steckte und den 'Schmutz an einem Stück Holz abkratzte. Mit Heißhunger verschlang ich Brot mit Honig und dachte, einen Augenblick ruhen zu können, — doch der Feind begann schon — unter dem.Schutze des Nebels und der eingebrochenen Dunkelheit — einen zweiten Angriff. Wie wild sausten die feindlichen Kugeln über mich und rechts und links von mir, und oft dachte ich: „Endlich .muß dich eine treffen", bis nach dreistündiger Anstrengung die Franzosen wieder zurückgingen, viele Tote und Verwundete zurücklassend. Auch unsere Kompagnie hatte etwa 10 Prozent ihres Bestandes verloren, 2 Tote und 9 Verwundete, verhältnismäßig viel. Es war 9 Uhr geworden, als wir uns sagen konnten, daß wir Sieger geblieben. — Wir begruben unsere Toten, und unsere Verwundeten wurden lim Mitternacht von den Sänitäts-Soldaten — am Tage trauen die Herrschaften sich meist nicht recht vor — geholt. Nachts trafen afich '.Verstärkungen ein. Alles blieb auch diese Nacht auf dem Posten. Rechts von uns erfolgte nochmals ein Stürm, der auch zurückgewicsen wurde. Um 3 Uhr brachten uns die Feldküchen warmes Essen, und morgens um 6Y» Uhr durfte auch ich mich zur Ruhe begeben. Ich .war ganz fürchterlich abgespannt, die 10. oder 11. Nacht, die wir wachend verbrachten und dabei die Schrecken einer Schlacht. Um 11 Uhr erwachte ich, das Schlachtfeld bot ein grausiges Bild, versagt es mir, es Euch zu schildern, bin ich mal wieder zu Hause^ am stillen Herd, da will ich Euch davon erzählen. Die französischen Verwundeten lagen noch umher, ihre compatriotes wagten nicht, aus Furcht vor unseren Kugeln, sie;u holen. Wirnahmen Pen Verwundeten und Toten, soweit sic in unserer Nähe lagen, die Tornister ab, alles Eßbare verschwand in den hungrigen Magen unserer Landser. Ich bekam eine Zeitung „L'intransigcant" vom 31. 10. in die Hand, der nur von französischen Siegen weiß. „Toujours en avant" alles würde sich zu Gunsten „des alliss de la civilisation" entscheiden. In Wien herrsche die Cholera. Ein großer Leitartikel behandelt „Le rire de la guerre", den Humor der Franzosen im Kriege (es ist ihnen wahrhaftig nicht zum Lachen), in Berlin „est ,agite" durch ein vom Kaiser herausgegebeues Losungswort ,,a Calais, nul cacrifice qu'il coute" und wahr scheinen nur die Klagen eines Lesers über die schlechten Postverhältnisse zu sein. Es ist doch traurig» wie vernünftige Menschen eine derartige Selbsttäuschung vornehmen können, die bittere Reue stellt sich früh genug ein. Es ist ein beglückendes Gefühl, wenn man nach einem derartig schwerem Kamps mit heiler Haut davon kommt, voller Dankbarkeit, verrichte ich in der Nacht mein Marilvgcbet, bittend, daß der Allgütige mich auch weiter unter seinen Schutz nehmen möge. Heute war vollkommen Ruhe. Beim Tagesgrauen sah ich — in der gestrigen Aufregung hatte ich es nicht bemerkt —, daß auch ich etwas abbekommen hatte. Ein Schrapnellkügelchen oder Granatsplitter hatte meine Patronentasche durchbohrt. Hätte ich sie nicht angehabt, so hätte ich einen Bauchschuß davongetragen. t. | Uhren TranrinoB3ÄÄ^Ä Trauring'Eck "W Frankflirt a. M , Trierfsoha Gasse 31 Boke TSngesgMse,vis-k-v1s d. Hasengasse. Fr. Pletzscb, nn“b“t«r. I I Offenbaebei» Druckluft-Anlage I tHfanbach ». H. Telefon 123. {Anschluss mit Frankfurt). I Bewährteste TcpptehrolalBUng (100,000 qm jährlich) ■ sowie unübertroffene Battenu- Bettfedarnralnlgnna mittelst Druckluft and Wasserdampf. Uatoer Friedrlcu yueile - OSenbaeh s. 3. Gegea Gicht and Bheamatismag bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankf.a.M., Gflntherab.-Allee 37. TeLHan8a259n.714. Wocherr-Aaleuder. {Zeitangaben nach dem Lsjacb '■ Samstag, den 5. Dezember — 17 Kislew.) Sabvat-Ansang in Frankfurt a M. 4 Uhr 00 Mn. Sabbat-Lusgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Mu. in Berlin 4 Uhr 50 Min. Wochenabschnitt: Wajischlach. — Vorbereitungen Jakobs für das Zusammentreffen mit Esau. Kampf mit einem Engel. Esau tritt Jakob freundlich gegenüber. Entehrung Dinas in Schechem; Rache Simons und Levis. Rahels Tod. Jsaks Tod. Die Stammfürsten Esaus. Beidem Kampf mit dem Engel wurde Jakob die Spannader verrenkt, und er hinkte. „Deshalb essen Israels Söhne nicht die Spannader." Es ist selbstverständlich, daß das Verbot des Genusses ’ der Spannader nicht den geschichtlichen Vorgang für alle Zeiten festhalten will, sondern die Lehre dieses Vorgangs. Jakob kämpfte und siegte trotz mancher Verwundung, die seine Kraft schwächte, — weil er sich stets treu blieb, seine Bestimmung selbst im trübsten Augenblicke im Auge hatte. So werden auch seine Nachkommen aus allen Kämpfen trotz aller Schwächungen stets unbesiegt hervorgehen, wenn sie sich und Ihrer Aufgabe, Israel zu sein, —v— . ’ .. ■ en Kunstblätter □ GrapUik □ Kunstgewerbe. Stylvolle vornehme Einrahmungen in eigenen Werkstätten. 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