Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 46 (27.11.1914)
- Date
- 1914-11-27
- Page
- Seite 3 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Seite 3. auö Seeheim, Arthur Kak n aus Bingen und Stabsarzt Dr. Carl Kahn aus dtied a. M. erhielten das Eiserne Kre nz. verli». Oberarzt Dr. Ernst Boschwitz Stabsarzt Dr. Max Roscnthal, Stabsarzt Dr. A- BaInder q er, Oberarzt Dr. S. Jacobius, Referendar Dr. Carl Caspary, Dr. Robert Müllerheini, Hermann Oppenheim, sind. Ferdinand Srniiii, Referendar Hans B e r n st ei», Dr. R u d. Cohn, Dr. Wilh. Ginsberg, Dipl.-Jng. Ernst B laschte, Sohn des. Professors B„ Dr. Richard Btnin, Dr. L^oii, Unterarzt Dr. Ginsberg. Hans Lipschütz, Engen Hirsch bcvg, Unterarzt Dr. Curt Cohn und sein Bruder Franz Coh n, Rndo lf E berstc in, Stabsarzt Dr. Alifvckd a p h a, Kurt H i r s ch f e l d, Assistenzärzte Dr. R i ch H a m b n r g e r und Dr. Erich H e r z b e r g , Dr. 2 ie g m. Meycrsohn, Rechtsanwalt Dr. Er nst Maretzki, Sohn des Geh. Sanitütsrats M-, Stabsarzt Dr. Franz Wohlan er, Dr. med. Fritz M u n k erhielten das Eiserne Kreuz. Verlin Die „Jüd Rundschau" berichiet die Verleihung des Eisernen Kreuzes an folgende Zionisten: Dr. T i c g b. M e y e r s o h n - Broinberg, Rcchtsannwalt >N a n a s s e - Posen, Professor Dr. I n lins C i t r o »-Berlin, Referendar A! a r t i n Wald st ein- Oels (O.-Schl.), Dr. F e l i x D a n z i g e r - Berlin und Offiziersstellvertreter Walter W c i g e r t-Hamburg, langjähriger Vorsitzender des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba in Hamburg und Assistenzarzt Dr. E r w i n M e y e r - Frankfurt a. M. Verwundet wurden Heinrich L e v i n s o h n-Berlin, Bert hold Zülzer-Leipzig, Isidor Israel P i n e z o w e r - Ratibor und Kurt Roscnthal- Berlin. Gefallen ist Fritz S e e l i g ans Schwedt a. O.. Mitglied der zionistischen Ortsgruppe in Mannheim, wo er auch als Führer im jüdischen Wanderbund „Blau- Weiß" tätig war und Mcchtsanwalt Dr. HngoAscher- Berliu (Si\ I. P.,. Ferner ist sind. med. Walter Caro- ,Hamburg gefallen. Walter H a in in c r st ein- Stettin, Mitglied des Jüd. Turnvereins, der int Rcs.-Jnf.-Regt Nr.!> steht, ist zum Leutnant befördert worden. verli«. Frau Direktor Dr. Minden, die Gattin des Direitors des Berliner Pfandbriefaints, hat dein Berliner Magistrat den Betrag von 100 000 Ai ark überwiesen. Die Summe soll zur Verteilung an solche Krie gsirilnehmer dienen, die infolge eines durch den Krieg entstandenen A u g e n l c i d e n S erwerbsunfähig oder über das Maß des von Staat und Gemeinde zn Leistenden hinaus unterstützungsbedürftig werden. verli«. Das Eiternr Kreuz erhielten Alfred Guttstadt, Assistenzarzt Dr. Erich Caro, sind, jur. Lew in und Oberarzt Dr. Mannheimer. vffenbach. Auf dem Felde der Ehre kiel Gerichtsassessor, stellvertr. Amtsrichter Dr. jur. Max D r c y f u ß, Leutnant d. R. und Ritter des Eisernen Kreuzes. Elberfeld. Erich Natban und Werner Stiel erhielten das Eiserne K r e u z. «öttinnen. Max Gans. Mitinhaber der Firma Julius W. Gans, wurde zum Leutnant befördert. Nürnberg. Oberleutnant Theodor Frank, Max- Lorsch, Dr. Leo La n den berge r, Leutnant 0) u st a v Schloß, Stabsarzt Dr. Felix Lehmann. Julius Lauer, Ernst G r i es m a n n', Dr. L ev o r, Obcrarzt.Dr. Frankenau, Oberarzt Max Strauß. Hans Glaser, Karl Putz c l-Nürnberg, Samuel Bauer-Bayreuth, Arthur H i r s ch b e r g -München, Oberleutnant Dr. Eugen Strauß-Augsburg und Otto Beer-St. Ingbert erhielten das Eiserne Hannover. Dipl -Ing. L. W o l f f b e r g erhielt das vresla« Dr^ Curt Berliner, Max Feld m a n n, Dr. Walter Freund, Dr. Iatob Glaser, Leo Grünberger, Josef Kühnberq, Rabbiner Dr. L cfw k o w i tz, Dr. Carl N i c o l a i e r und Max S e r o g erhielten das E i s e r n e Kreuz. Konktanz BataillonSarzt Dr. S. Moos, der jüngst durch das Eiserne Kreuz ausgezeichnet wurde, erhielt als' weitere Auszeichnung den Z K h r i n g e r L ö w > Orden mit Schwerter. Posen. Eiserne Kreuze haben in den letzten Tagen erhalten: Stabsarzt Dr. Julius Jolowicz, jetzt in Hamburg lebend, Sohn des hiesigen verstorbenen Buchhändlers Joseph Jolowicz, Simon Goldberg, Offizier-Stellvertreter Dr. Alfred Manasse, Oberapotheker Paul Schlomc, Oberarzt Dr. Harry Gans in Berlin, Sohn des Kaufmanns Agbert Gans Hierselbst, SP in o n Schur, Oberarzt Dr. Georg S ch l o in a n au»' Danzig, Offizier-Stellvertreter S a l l Y Edel, Kaufmann ans Schneidemühl, Max Manasse, Sohn des Kaufmanns Manasse in Margonin, Musketier Paul Israel in Meseritz, Kan. Benno Ascher, Sohn des Hausbesitzers Timon Ascher in Breschen, Oberarzt Dr. Georg Unger, Sohn der Frau Talomon Unger in Schildberg, Max Salomo ns ky Würzburg. M Frankentbal, Mitinhaber der Weingroßhandlnng Gebrüder! Franteuthal, erhielt das Eiserne Kreuz. Personalien «. Kleine Mitteilungen. verli« Durch die Abrufung zahlreicher Kolonisten zur Fahne ist in der Jüdischen Ar b e ite r ko ko nie iii Weißensee eine große Anzahl vouPlätzen frei geworden. Den in größter -Not befindlichen Glaubensgenossen, soweit sie ledig und arbeitswillig sind, bietet sich, dort eine Unterkunft, wo sie sich je nach Fleiß und Geschicklichkeit einen anständigen Arbeitsverdienst (durch Herstellung von Geschützkörben) ver¬ Frankfurter Israelitische FmtttlienAütt. schaffen können. Meldungen sind persönlich an die Jüdische Arbeiterkolonie zn Weißensee, Wörthstr. 20, Tel. Amt Weißensee 192 zn richten. Es wird dringend gebeten, ebndahin auch! gebrauchte warnie Kleidungsstücke zn schicken, deren viele der Kolonisten in hohem Maße bedürftig sind. Abholung erfolgt auf telefonischen -Anruf. Vravnschweig. Der neue jüdische Friedhof an der Helmstedterstraße ist jüngst eingeweiht worden. veuthen. Robb Dr Nischkowski ist zum 2. R " biner an der hiesigen Gemeinde gewählt worden. 831«- Vorige Woche konnte die Cb-wra Gemilus Ch a sodiin in Deutz ans ihr 200jähriges B st e h e n zurückblicken. Wie«. In Reichenberg verschied das Herrenhaus- Mitglied Alois N e u m a n n. Der Kaiser hat dem Oberkantor Philipp Klage den Titel Kaiserlicher Rat verliehen. HojSn-NadaÜwar. Nach nur eintägiger Krankbeit i! unser verehrter Rabbiner IakobSchück, im Alter von 67 Jahren verschieden. Florenz. Senator Aleslandro D'Ancona Professor an der Universität Pia, der beste Kenner der italienischen Geschichte und Literatur, ist — 80 Jahre alt — verschieden. Philadelphia. Samuel Edelmann, Bizrkonsul der Vereinigten Staaten in Jerusalem, iveilt hier zum Besuche seiner Eltern. Er wird im Jüd. Jünglings- Verein über die Juden in Palästina sprechen. Edelmann ist erst 29 Jahre alt. Trinkt die deutschenTeemarken bewährt seit 1730. Frankfurter Berichte. vereinig««« indischer Akademiker. In einer großen Zeit leben wir, in der alles, was nicht zur Berteidigunq des Vaterlandes dient, zurücktreten muß. Demgemäß wurde die Universität Frankfurt in aller Stille eröffnet. Es ist nicht mehr als natürlich, daß eine große Anzahl jüdischer Studenten und besonders gesetztreucr die neu gegründete Hochschule aufsucht. Daher ist es mit dem Beginn des ersten Seniesters trotz des Krieaes notwendia geworworden, den schon lange Zeit hier in Frankfurt bestehenden Stammtisch des Bundes jüd. Akademiker zn einer „Vereinigung iüd. Akadeniiker" ausznbauen. Mit Beginn des Semesters zählen wir 43 Mitglieder, davon sind 8 Füchse.' Bor allen Dingen ist es das Ziel unserer Bereiniaung, den 'Geist der Tauroh seinen Mitgliedern cinznpflanzen. Darum wird besonders darauf Wert gelegt. daß die jüngeren Mitglieder sich dem Thaurohstudium widmen. Ferner finden außer diesen Unterrichtsstunden jedcj Woche am Samstag abend die Bereinsabende statt, die wissenschaftlichen Vorträgen gewidmet sind. Schon am vergangenen Samstag hielt Dr. jur. I s a a c Breuer einen mit starkem Beifall aufgenommenen Vortrag über: „Der Krieg und die deutsche Orthodoxie". Nächsten Samstag Abend redet Oberlehrer Kaufmann über das „Achtzehngebot". Der Vorstand der Vereinigung besteht ans den Herren: cand. med. Abraham Adler (Vors.). Oberlehrer Josef Kaufmann (stellv. Bors.), sind. Phil. E l i e sie x Posen, sind. med. Fritz Rothschild und cand'. ,Ter. nat. P hi l i'p p Feist. Zum Fuchsmajor wurde gewählt: Dr. jur. Jsaac Breuer. Vereinsadresse: Fritz Rothschild, Frankfurt a. M., Goethcplatz 5III. Berek« selbst ft. jsrael. Handwerker «. «ewerbetreibender. Der Verein gewährt den Familien seiner im Felde stehenden Mitglieder eine monatliche Unterstützung. 25o/o der aktiven Mitglieder sind zu den Fahnen einberufen. Das Mitglied Siegfried Wartenberg, Druckereibesitzer. wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und zum Unteroffizier befördert. Mitglirder-Versammlungen finden vor wie nach jeden ersten Montag im Monat Jüdische vrockenkamwlung .Peah" Da durch die Kriegszciten andere Wohltätigkeitsaufgaben in den Vordergrund getreten sind, hat der Vorstand der „Peah" — unter ..stimmiing der ehrenanitlich mitarbeitenden Damen - es für angebracht gehalten, die Tätigkeit der „Peah" bis .ans weiteres einzustellen. Die Räume bleiben ab l. Dezember a. c.. geschlossen und es wird weder Abholung von Gegenständen noch Verkauf stattfinden; auch können telefonische Aufträge nicht cntgegengeiiommen werden. In den wenigen Jahren ihres bisherigen Bestehens hat die „Peah" mit den erfreulichsten ideellen und materiellen Erfolgen gearbeitet. Sie ist ihren Gönnern für die imannigfaltige Art des Beistandes und der Förderung zu wärmstem Danke verpflichtet. Wenn im günstigen Augenblick die Wiedereröffnung stattfindet — sie wird in, den Blättern bekanntgegeben werden — dann werden die alten Freunde ihr sicherlich wieder zur Seite stehen, neue werden daznkommen, -und die „Peah" wird ans der Bahn ihrer Entwickelung segensreich fortschreiten. Vorschriftsmässige Feldpostkisten, FeldpOStkWlOOS in 12 verschiedenen GrBssen vorrätig, spottbillig. H. Oppenheim, Papierhandlung, Frankfurt a. M. 1 Börsenplatz 1, Ecke Schilleratr. gegenüber der Börse. Telephon Amt Hansa 2005 Die verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) Claudia folgte ihr, ganz verstört. . . Mit Tränen empfangen — soll es ein Omen sein? Sie hatte ein weiches, empfindsames Gemüt, eines jener großen, seltenen Herzen, die fremdes Leid noch bluten macht. „Ausgewiesen!", sprach sie schaudernd. „Es klingt fürchterlich. Helsia, liebe Helsia mir bangt; kann es euch nicht auch so entsetzlich ergehen?" Mit großen, erstaunten Augen blickte die junge Frau sie an. „Ach sei kein Kind," entwortete sie voll Unmut. „Man muß wirklich lachen über Dich. Ausweisen! Uns! Warum? Weshalb? Sie werden sich hüten, Leute in unserer Stellung aus dem Lande zu lassen. Komm! Komm! Sei doch heiter, Mädchen! Sieh' hier das Treiben an! Es muß Dir doch neu und unterhaltend sein." Eine Unzahl weißbeschürzter, kurzgeschorener Schlingel sprang umher, bemächtigte sich der Reisenden und ihrer Koffer und Körbe und wühlte hastig in deren Inhalt. Mit strengen Mienen standen die Beamten daneben, bereit, jederzeit auf einen leichteren oder schwereren Händedruck des visitierten Passagiers mit den Späheraugen zu blinzeln oder dieselbigen auch ganz zu schließen, je nach dem wertvollen Maße des Empfangenen. Nicht wie die Themis anderer Völker ist sie blind, die rumänische Göttin der Gerechtigkeit. Sie schielt nur ein bischen nach der Tasche des zu Verurteilenden: „He, Du, was gibst Du mir, dann sprech' ich Dich frei?" . . . Ein heftiger Wortwechsel erregte Claudia's Aufmerksamkeit. Ganz dicht in ihrer Nähe wurden streitende Sttmmen laut, mehr und mehr sich steigernd, dumpf gemurmeltes, gebrochenes Deutsch mit den herausfordernden Tönen des Wiener Dialektes beantwortet. Claudia lächelte, . . . süßer Heimatsklang, das mußte sie hören. Ein junges, wohlgewachsenes Mädchen stand da, mit beiden Armen einen großen, weit geöffneten Reisekorb umspannend, aus dem unordentlich üurcheinaudergeworfene bunte seidene Kleider, Sammet- und Purpurmäntel, Theaterflitter und anderer Putz hervorlugte, und versuchte die gesamte Herrlichkeit dem inspizierenden Beamten zu entreißen. Claudia kannte das Mädchen und nannte sie beim Namen. „Liese Lehmann!" Die Gerufene kehrte sich um. „Fräulein von Moorbach!," sagte sie, halb weinend. „Sie kommen wie vom Himmel gefallen. Ach, gnä' Fräulein, raten S' mir doch einzig, was soll i anfangen? Der Kerl will mi meine ganze Kleidage konsisziercn. Theatergarderobe, das wär' kein Passagiergut, denn müßt' ich gleich hundert Francs Steuer hinterlegen. . . Hundert Francs ich? . . . Wie soll i denn ohne Garderobe spielen? Sie stumpfnasiger Dummbart Sie!" Die resolute Wienerin hatte augenscheinlich noch reichlichen Vorrat beleidigender Beinamen im Hinterhalt, aber.Claudia 'winkte Ruhe. „Bst! Liese, wir glauben es Dir. Du hast der Sache nach vielleicht recht. Aber die Form, in der Du Deine Verteidigung führst, ist entschieden anfechtbar. . . Wie kommst Du überhaupt hierher?" „Ich gehe als Opernsoubrette nach I. . ." „Hatte ich Dir nicht noch in letzter Stunde verboten, ein Engagement anzunehmen? Tu kannst ja noch „Ach was!," rief das Mädchen verdrießlich, „der Agent meinte, für die dunimen Rumänen wär' i lange gut. Mit Geld und Brillanten würden sie mich beschütten. Nu knöppen Sie mir gleich bei's Entree hundert Francs ab. Dazu lockt man mich hierher! Diese Agenten, Fräulein Claudia, das ist 'ne Sorte. Na warte Du, wenn ich man wieder nach der Kärtncrstraße komme. . . Die Augen kratz i ihm aus, dem alten Schwindelkopp. . . Hundert Francs, wo soll i die hernehmen? Herr Kommerzienrat, so viel Geld gibt es ja gar nicht!" „Bravo Liese," sagte Claudia amüsiert, „Du machst Deinem Sudermann Ehre. Aber der Steuermann dort wird ungeduldig; nimm, ich strecke es Dir vor!"