Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 44 (13.11.1914)
- Date
- 1914-11-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 3. 9tx. 44 Frankfurter Israelitisches FümAienVlatt. Wv bkieb da -die Gelehrsamkeit und' der Spürsinn des Rabbi Fritsch? Indessen ist es unerWrlich, tvo'zü denn diese Herren sich bis hinauf zum Schulchan Aruch bemüht haben, einem geltzh'-rten Buch, das sehr wenige Juden gelesen haben, und das für die praktischen Entscheidungen nur von autorisierten Rabbinern benutzt wird. Zur Begründung ihrer Anklagen hätten sie sa nicht einmal nötig gehabt, nach dein Kol Nidre zu greifen, das ja immerhin aramäisch abgefaßt ist und nur im Machsor für den Versöhnungstag steht. In jedem etwas umfangreicheren „Siddür für alle Tage des Jahres" hätten sie Lanz dasselbe, nur in hebräischer Fassung, finden und die dazugehörige Zeremonie in jeder Synagoge, so um die Zeit der hohen Feiertage herum, beobachten können. Da sitzen drei ältere, angesehene Mitglieder der Gemeinde, das ist der improvisierte Laiengerichtshof, und vor diese tritt ein Mann hin und bittet die ehrwürdigen Herren Richter, ihm alle Gelübde usw., ganz wie sie in Kol Nidre aufgezählt sind, zu lösen, denn er bereue und bedäure, sie überhaupt getan zu haben. „Nicht als ob ich bedauern .würde, die Mizwoth oder die frommen Bräuche oder die guten Aufführungen, die ich durch Gelübde auf mich genommen, ausgeführt zu haben, aber ich bedauere es, sie in Form eines Gelübdes, eines Schwures usw. I auf mich ''genommen zu haben, ohne dabei zu sprechen: Dhne Gelübde! Ich weist wohl, daß das Gesetz!" verlangt, ich solle alle Gelübde genau und einzeln darlegen, aber sie sind zu zahlreich) auch bitte ich nicht um die Lösung solcher Gelübde, die nicht gelöst werden dürfen, darum möge es für euch so viel gelten, wie wenn ich die Gelübde im einzelnen dargelegt hätte." Darauf antwortet der älteste der Drei dreimal hintereinander: „Alle seien dir gelöst, alle seien dir vergeben, alle seien dir erlaubt. Es gibt hier kein Gelübde usw., wohl aber gibt es hier Verzeihung, Vergebung und Versöhnung. Und gleichwie der irdische Gerichtshof sie gelöst hat, so mögen sie auch vom himmlischen gelöst sein und keine (dem Seelenheil nachteilige) Spur hinterkassen." Dies ist die Hatharah nach den strengsten Anforderungen des jüdischen Religionsgesetzes. Jetzt folgt die Vorausbedingung (thenaj); vor denselben Richtern als Zeugen.(nach der Vorschrift des RJTbA) wird' erMrt, daß alle Gelübde usw. im voraus für das nächste Jahr ungültig sein sollen. Nun ist allen Anforderungen des Gesetzes Genüge geschehen, und der öffentliche Vortrag des Kol Nidre mit seiner feierlichen, erschütternden Melodie ist im Grunde nur ein Dekorationsstück und hat nur noch Bedeutung für jene Gemeindemitglieder, welche die soeben beschriebene Zeremonie nicht praktiziert haben. Mer erklärt uns also, warum unsere gelehrten Herren Ankläger just das „Kolnidreigebet" änfechten und nicht lieber ihre Anklagen auf das soeben aufgedeckte Stück jüdischer „Geheimliteratur" gründen, das in Tausenden und Tausenden von Exemplaren jahraus jahrein gedruckt wird, und von dem z. B. die Königl. Bibliothek in Berlin sicher mehrere Dutzend besitzt? (Schluß folgt.) Aus aller Welt. Deutsches Reich. Lad Homburg. Ende vorigen Monats wurde hier ein .Jüdischer Jngendbund" gegründet, dem sofort über 30 Mitglieder Beitraten. Der Zweck des Vereins ist, bei den hiesigen jüdischen jungen Leuten den Sinn für Judentum und allgemeine Fortbildung zu fördern und den hier befindlichen auswärtigen jungen Leuten einen Ersatz für das Elternhaus zu bieten. Es wurde ein echt jüdischer „Freitagabend" und ein allgemeiner Zusammenkunftsabend eingerichtet, ein Geschichts-, Literatur- und hebräischer Sprachkurs werden folgen. Die wissenschaftliche Leitung hat Herr Rabbiner Dr. Winter übernommen. Der geschüstsführenbe Vorstand besteht aus' den Herren: Kaufmann Julius "Hirsch, 1. Bors., Redakteur Fritz Nachmann, 2. Bors., Kannn'ann Hermann Wiesenthal, Kaufmann Hermlann Herz, Kassier und Kaufmann Fritz Löwenthal, Schriftführer. Amerika. «ew-dork. Auf der Träneninsel Ellis Island ist mit! dem neuen Einwanderungs-Kommissar Frederic ein neuer Geist eingezogen. Die Einwanderungsgesetze werden so streng wie früher gehandhabt, aber die zurückgewiesenen Einwanderer , werden jetzt nicht mehr wie .Verbrecher, sondern wie Menschen behandelt. Sonst mußten die Armen wochenlang im engen Raume eingepfercht schmachten; Frederic hat eine Anlage mit Bänken und Spielplatz für die Müder Herrichten lassen. Doch nicht nur den freien Himmel^ hat er den Zurückgewiesenen gegeben, er sorgt auch' für Zerstreuung. Letzten Sonntag spielte eine 50 Mann starke Musikkapelle und sangen und tanzten Schülerinnen einer Hochschule. Der Krieg und die deutsche« Jude«. Berlin. Das Eiserne Kreuz erhielten nach der „Jüd. Rundschau" weiter folgende Zionisten: Willy Liemann Mitglied der B. Z. B.), Oberarzt Dr. Siegfried Meyer-Schievelbein, Arzt Dr. Max Auerbach-Ruda (O.--S.), Leutnant d. Res. Manneberg-Oppeln (K. I. B.), Dr. Albert Straus- Depenan (K. I. ,B.) und Unteroffizier Rechtsanw. Sally ~ r sch-Berlin (Mitglied des Präsidiums des K. I. Dr. Alfred Manasse-Posen (K. I. V.), Mitglied des Vorstandes der zionistischen Ortsgrrrppe Posen, Offizierstellvertreter. (Ist am 4. Oktober im Gefecht von Qpatow verwundet worden). Ferner erhielt das Eiserne Kreuz vor Anwerpeu F. Tuttmann, k. u. k. Fähnrich im X. österreichischen Festnngsartillerieregiment. Gefallen sind die Zionisten: Paul Rosen st ock- Berlin (am 14. September in Frankreich) und Ingenieur Rudolf Brammer (Mitglied der B. Z. B.). Berlin. Der Verlag Louis Lamm «Berlin 0 2) beabsichtigt nach dem Krieg ein groß angelegtes Erinnerungswerk: „Die Juden und das Eiserne Kreuz. Wie wir es uns erwarben" herauszugeben. Der Verlag bittet die Inhaber bezw. deren Angehörige, ihm Schilderungen über den Erwerb des Eisernen Kreuzes und sonstiger Tapferkeitsauszeichnungen zur Veröffentlichung in diesem Buche zugehen zu lassen. Es ist dringend zu wünschen, daß dem Verlag zahlreiche Mitteilungen zugehen. Berlin. Der Jüd. Verlag lBerlin W. 15) beabsichtigt, eine Sammlung von Kriegsbriesen deutscher nnd österr. Juden herauszugeben. Besitzer von Material werden gebeten, dieses dem Jüd. Verlag zur Verfügung zu stellen. Berlin. Den Heldentod im Felde starben: Dr. Phil. Otto Scherl, Robert Weiße, Feldwebel-Leutnant Max Marcus, Max Kaiser, Rudolf Korach, Dipl.°Jng. Erich Levy, Offiziersstellvertreter, Siegmund Levin-Berlin, Hans Friedrich Ehrltch-Parchim und GeorgMüllerheim, stellv. Wachtmeister, ■ Rügenwalde. Berlin. Das Eiserne Kreuz erhielten: Rudolf S. Mo sse unter gleichzeitiger Beförderung znm Leutnant, Assistenzarzt d. R. Dr. medj. Paul Meyer-Berlin, Dr. Erich Aschenheim, Sohn des Stadtrates Leop. Aschenheim-Charlottenburg, Kaufmann Robert Neumann, Kaufmann Martin Rosenberger, Dr. Erich Po llack-Charkottenburg, Stabsarzt Dr. Karl T i e tz, Schwiegersohn des Geh. Sanitätsrats Dr. Julius Stern, des stellvertretenden Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Assistenzarzt Dr. Felix Caro, Regierungsbaumeister Julius Bllrwald, Oberarzt Dr. Friedländer, Dr. Adalbert Henschel, Augenarzt Dr. Wilhelm Mühsam, Stabsarzt Dr. Paul R o s e n st e i n, Assistenzarzt Dr. WalterKron, Sohn des bekannten Berliner Nerliner Nervenarztes Geheimrat Dr. Hermann.Krön, Augenarzt Dr. Rudolf Paderstein, Oberapotheker Marcus, Erichs Löwenherz, Erich Grätzer, Stabsarzt Dr. Artur Beer, Kurt Schlesinger und Rechtsanwalt Dr. Salli Hirsch. Berlin R chtsanwalt Dr.- Sieg fr. Baum und Reg.-Banmeister Rapp-Frankfurt a. M., Rechtsanw. Dr. Davibsohn-Darmstadt,. Flieger Max Elias- Hannover, Chemiker Dr. Cohn-Halberstadt und Rudolf'S. M osse-Berlin sind in der preußischen Armee zu Leutnants befördert worden. Esten. Der56jährigeKriegsfreiwill'aeDaniel Treu wurde zum Oberleutnant befördert. KönigSver«. Von hi-figen Juden erhielten das Eis ern e Kreuz: Assistenzarzt Dr. Siegfr. 'Rosenbaum, Assistenzarzt Dr. Walter Dennigson, Stabsarzt Dr. Harry Moses, Füselier Adolf Neumann, Oberveterinär Alfred Arnsdorfs, Stabsarzt Prof. Dr. Theodor Cohn. Mülhausen i. Elf. Andrö Ruff erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Breslau. Den Heldentod auf dem Schlachtfelde fände,: Fritz Bandmann, Sohn der Frau Laura B. geb. Freund, Eugen Block, Sohn des Herrn Fritz B., Kurt Koeßler, Sohn des Herrn Hugo K.-Breslau und Dr. jur. Salo Dzialoszynski- Glatz (letzterer Besitzer des Eisernen Kreuzes). — Das Eiserne Kreuz erhielten Artur Barasch und Herbert Rosenthal. Rastatt. Der Relerdist der Ersatzbatterie des Feldartillerieregiments 63 (Frankfurt a. M.) ArthurNachmann aus Rastatt erhielt für seine Tapferkeit vor dem Feind das Eiserne Kreuz und wurde zum Gefreiten befördert. München. Emil Kohn. Sohn des Viehhändlers Heßlein Kohn und Max Niedermeier, Sohn des Kommerzienrates Hermann Niedermeier-München, Berthold Kah n-Memmelsdorf, Lehrer Salli Nußb aum- Zimmersrode, Sohn des Herrn Jakob Mutzbaum- Ansbach, erhielten das Eiserne Kreuz. Nürnber«. Oberarzt Dr. D. Grün Saum, Sohn des Vorstehers der hiesigen orthodoxen Gemeinde, Otto Sahlmann, Sohn des Herrn Siegfried Sahlmcmn, Fritz Eichbaum und die Stabsärzte Dr. Leonhard Rosenfe ld und Dr. Berthold Hronacher erhielten das Eiserne Kreuz. (L) Posen. Dr. jur. Fritz Jaffö, Sohn des Großkaufmanns Wolfs Jaffö, Alexander Cohn aus Lubasch und Tierarzt Dr. Richard Kantorowicz- Berlin, aus Posen gebürtig, erhielten das Eiserne Kreuz. Karlsruhe. Reichstagsabg. Dr. Ludwig Haas (Karlsruhe), der sich freiwillig ins Feld meldete und vor einigen Wochen als Bizeseldwebel ausrückte, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. NteSerktein. Der erst kürzlich mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und gleichzeitig zum Unteroffizier beförderte hiesige Lehrer Herm. Abraham erlitt auf dem 'Schlachtfelde in Frankreich den Heldentod. D. Wien Jeder Tag weiß von neuen Heldentaten jüdischer Krieger zu berichten, und so haben wir Tag für Tag die Freude, von Auszeichnungen, mit denen Juden bedacht wurden, berichten zu können. Die Liste ist natürlich nur sehr lückenhaft. Bon den in der jüngsten Zeit ausgezeichneten Juden seien hier genannt: Leutnant d. R. Dr. Erwin Gallus, Oberleutnant d. R. Dr. Rudo lf Tramer, Oberstabsarzt Dr. Max Groß, Stabsarzt Josef Demant, Stabsarzt Jakob Wiesner, Dr. Heinrich Heim, Leutnant d. R. Max Hirschseld, Leutnant d. R. Max Strauß, Leutnant d. R. Oskar Deutsch, Fähnrich Isidor Lang, Jnfantrist David Fuhrmann Fuhrmann erhielt die goldene Tapserkeitsmedaille). t— Josef Zeisel, Sohn des Kaufmanns Max Zeisel in Brünn und Bataillonsacht Dr. Ad. Grünspecht erhielten vom Deutschen Kaiser das Eiserne Kreuz. Universitäts-Cafe Personalien n. fiteine Mitteilungen. Berlin. Der Maler Jsmael G entz, 1882als Sohn des Orientmalers Wilhelm Gentz geboren, ist hier verschieden. r Heppenheim a d Bergstr. Hier verfchiedimvollendeten hunderten Lebensjahre Abrahant Sund- Schotten. Salonton Heß und Frau begingen die goldene Hochzeit. D. Mittel sinn (Ufrk., Hauptlehrer H. Strnpp wurde durch Verleihung des Luitpoldkrenzes ausgezeichnet. I Franz DilHl Ham v. Kiliasl SchMerair. 18. Telephon I, 8630. Seifen, Lichte, Kamm- und Bfrstenwaren, Bosen etc. Cosmetische Spezialitäten. I Frankfurter Berichte. Wahle« znm Ausschuß der Israelit. Gemeinde. Die am 7. November stattgehabte Mitgliederversammlung des Zentralvereins isr. Gemeindemitglieder hat ein Abkommen mit dem Freisinnigen Verein für jüd. Gemeindeleben gutgeheitzen. Nach diesem sind für die im Dezember stattfindenden Ausschüßwahlen für die Israelitische Gemeinde die Herren Hugo Fraeukel und Isaak L. Goldschmidt für den Zentralerem nnd Dr. med. Max Mainzer für den Freisinnigen Verein als Kandidaten gemeinsam aufgestellt worden. Verein „TlfereS vachnrim". Der Verein eröffnet Sonntag abend 8Va Uhr — Bleichstraße 70 — sein Wintersemester. Rabbiner Dr. Horovitz wird die Eröffnungsansprache halten. Sodann referiert Samuel Sondheim über das Thema „Der Sabbat." Den Beschluß des Abends wird eine Besprechung über neue Veranstaltungen machen. Der Verein hofft, trotz des Krieges nicht nur sein früheres Programm aufrechtznerhalten, vielmehr seine Tätigkeit noch auszudehnen. Militärischer «orhereitungSkurS. Der Verein Montefiore hat dem Ortsausschuß für Jugendpflege eine größere Zahl von Teilnehmern für den militärischen Vorbereitnngskurs, der jeweils Mittwochs abends von 149—YalO Uhr in den Ostend-, Glauburgnnd Westend schulen stattfindet, aus den Reihen seiner Mitglieder überwiesen. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit die dieser Kurs besitzt, werden die Jugendlichen, deren Anmeldung noch nicht vorliegt» dringend ersucht, dieses im Büro nachzuholen oder füh unter Bezugnahme auf diese Notiz direst in den genannten Schulen einzufinden. Kleine Notizen. Dem hiesigen Verlag I. Kaufs mann ist vom Preisgericht der Intern. Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig 1914 der silberne Preis zuerkauut worden. Sonntag fällt der P salmen-Bortrag Wibbiuers Dr. Nobel aus. A Spezialität: Francke & Weber LroeinRorhen.