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Neue jüdische Presse · 1914-11-06 · Heft 43 (6.11.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 43 (6.11.1914)
Date
1914-11-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3. &. ciege< aren ische Nr. 43 ge eund :wie- : er ' n> teufe find« iraill yicjer ihr Hai gültig >l'and iiedci teres er de 'tina g de ls de flach e bii esami tionl rn iduiie selb iorge irögei diefei ind Es Jubei r c, r > he eutse star gnetj Eunft Regi Ein heldenhafter jüdischerFliegerosfizier. Mit einem Generalstabshauptmann stieg am 1. Oktober Oberleutnant Aladar Taussig, in >ie Lust, um Meldungen Nach dem von den Russen belagerten Przemysl zu überbringen.. Es herrschte ein Regenguß, als wenn die Sindflnt beginnen solle. Bei Dubrieck bemerkte der Feind den Flieger und nahm ihn sofort unter Feuer, doch! glücklich erreichte das Flugzeug seinen Bestimmungsort. Die Landung glückte unter dem Jubel der Kameraden. Zeitungen wurden ausgezackt, Befehle überbracht. Fünf Tage ruhte das Flugzeug, denn es mußte trocknen. Mit einer Post von 1500 Karten und Briefen wurde am sechsten Tage der Ruckweg angetreten. Doch die Russen hatten aufgepaßt und eröffneten nun ein furchtbares Feuer. Ueberdies geriet der Flieger in ein heftiges Schneegestöber, und es platzte ihm ein Druckrohr. Rur der größten Umsicht seines Führers und einer glücklichen Fügung war es zu verdanken, daß er die Fahrt überstand und nach 3Vs Stunden landete. Oberleutnant Taussig wurde 1882 in Fünfkirchen geboren. Er besitzt die bronzene Verdienstmedaille am Bande. uß Zudl igreii jertio Lesestoff für Lazarette. Die „Freie Bereinigung für die Interessen des orth. Judentums" hat eine SamMelstelle guten jüdischen Lesestoffes für die Lazarette eingerichtet, die durch Vermittlung der vom „Börsenverein deutscher Buchhändler" geschaffenen Zentralstelle geeignete jüdische Lektüre für die jüdischen Verwundeten zur Verteilung bringen soll. Der Wunsch nach unterhaltender und ernster Lektüre, die nicht nur dem Verstände, sondern auch dem religiösen Gemüte Anregung und Stärkung gewährt, ist unter den Verwundeten häufig stark, und mancher, der im Alltagsleben nicht nach einem Buche jüdischen Inhaltes greifen würde, kann jetzt in ernster Zeit auf diesem Wege Eindrücke in sich aufnehmen, die ihm für sein ganzes Leben zum Segen gereichen werden. Aus diesem Grunde ist es ein besonders verdienstliches Werk, der SamMelstelle aus privatem Besitze gut erhaltene Bücher jüdischen Inhaltes zu überweisen. Adresse: Büro der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", Frankfurt ä. M., Schützenstraße 14. hat zag )alä ' Ja seht; irchte it tut einze is ei rost r: D Gesa die ikrieg eiste ntz, je tw iona irrig i St« Sri rhari als HM nhast ir - seritu reit;obt < IM Uit Russisch-jüdische Soldaten. Von Bergingenieur L. Rosenthal, Basel. Sind sie nicht zn bedauern diese Armen? Ihrer dreimalhunderttausend kämpfen im russischen Heer gegen Deutsche und Oesterreicher, gegen Kultur und abendländische Gesinnung. Siegt Rußland, ' so wird die Lage der Juden keineswegs besser, im Gegenteil dürfte der russische Uebernmt dann noch üppiger ins Kraut schießen und noch ärgere Bedrückungen zur Folge haben. Und wird Rußland geschlagen, dann wehe erst recht unseren unglücklichen Glaubensbrüdern im Osten.*) Schon jetzt, wenn es irgendwo schief geht, heißt es: ,,Die Juden haben uns verraten, — sie halten es mit den Feinden. Schlagt sie tot!" Und die Kosaken und Kalmüken, diese geborenen Mordbrenner, lassen sich das nicht zweimal sagen. Allerdings will« man von oben herab jetzt keine wohlorganisierten Pogrome — die könnten in England und Frankreich böses Blut machen —, sondern überläßt es lieber den einzelnen Hordenführern, ihr Mütchen an den machtlosen jüdischen Einwohnern zu kühlen. Und daß das - in reichstem Maße geschieht, bedarf wohl keiner besonderen Versicherung. Konnte man es doch sogar in den Zeitungen lesen, daß bei dem Sturm auf Przemysl hauptsächlich polnische und jüdische Soldaten vorgeschickt wurden. Ueber vierzigtausend sollen dort dem Tod und Verderben speienden Festungsvulkan zum Opfer gesallen sein. So sorgt Väterchen für „seine lieben Juden." Israel Zangwill ist freilich jetzt anderer Ansicht. Ich betone das „jetzt", weil es den Anschein hat, als ob er seine früheren Auslassungen Herrn Grey gegenüber wieder gut macken möchte. Dieser hat ihm versichert, daß er alles aufbieten werde, die Lage der russischen Juden nach dem Kriege zu verbessern. Ob der Einfluß des englischen Großen aber hinreichen wird? Mag Zangwill es glauben, wir nicht. Der Zar wird seinen Judenhaß so leicht nicht aufgeben. „Sperr'st an Raben in an Vogelhaus — wird Dir Der' Lebtag ka Zeiserl draus", sagt man in Oesterreich. Und wir glauben das auch. Nikolaus der Zweite wird nie ein *) Dieser Schluß braucht nicht angenommen zu lverden, denn wenn Polen von Rußland losgetrennt >rird, dann ist auch mehr als dreiviertel der russischen Judenheit gerettet. D. Redakt. Frankfurter Kraelitisches FaMiljenblatt. Zar-Befreier, wohl aber so lange er noch' am Ruder ist, ein Zar - Bedrücker sein. Bei Erwähnung Oesterreichs fällt mir folgende kleine, aber tief zu Herzen gehende Episode aus dem österreichisch-russischen Kriege ein. Ich unterhielt mich vor einigen Tagen mit einem jüdischen Herrn aus Wien, dessen Bruder auf den galizischen Schlachtfeldern gegen die Russen kämpft. In einem Briefe teilt ihm dieser mit, daß er wohl und gesund sei, es aber nicht vergessen könne, daß er eines Tages bei einem Nahkampf einem der ihn bedohenden russischen Soldaten das Bajonett in die Brust gerannt habe, der dann mit dem Ruse: „Schma Israel" zusammenbrach. Daran habe er erkannt, daß er einem Juden den Todesstoß versetzt habe. Seine — des Schreibers — Trauer sei sehr groß gewesen, sei es noch, und nie könne er vergessen, wie der Stahl in den Menschenkörper eindrang. Auch der brechende Blick des Erstochenen stehe ihm beständig vor der Seele und verfolge ihn sogar des Nachts in seinen Träumen. Solange er lebe, werde er das schaurige Bild nicht vergessen. Wir glauben es gern. Aber der österreichische jüdische Soldat muß' sich mit dem Gedanken trösten, daß Pas eben der Krieg ist, und er nur seine Pflicht getan hat. Deutsche, französische und englische Juden, sie alle haben ein Vaterland, das sie lieben, und ist ihre Stammesart auch eine besondere, so wurzeln sie doch mit ihrem Sein im heimischen Boden. Aber der russische Jude ist sozusagen heimatlos. Man verachtet, verfolgt und bedrückt ihn, und dafür — darf er sein Blut vergießen. „Wann wird der Retter kommen diesem Volke?" Der Rabbiner als Geisel. In S en u h e im i. Els. hatten der Bürgermeister und ein Stadtrat Verrat geübt und waren sofort erschossen worden. Der deutsche Kommandant vermutete, daß sich noch zahlreiche Verräter im Orte befinden und wollte deshalb den ganzen Ort einäschern. Da begab sich der 75jährige Rabbiner B a m b c r g e r, ein Sohn des großen Würzburger Rabbiners Seligmaun Bär Bamberger s. A, zu dem Kommandanten und bot sich als Geisel an. Er wies dabei auf die Fürbitte Abrahams, als Gott ihm seine Absicht, Sodom zu vernichten, mitteilte, hin. „Wenn nur zehn Gerechte inmitten der Stadt sind, schone sie" habe Abraham gesagt, und so sage er auch jetzt zu dem Kommandanten. Der Kommandant nahm von seinem Beschlüsse Abstand, verzichtete jedoch dankend auf das Anerbieten des heldenhaften greisen Rabbis, sich als Geisel' zu stellen. WOLFS-ECK Dfeipopu lärste Gqarre unsortiert 12$ •sortiert- 15$ G.M.HOLZ J HOFLIEFERANT HOFLIEFERANT FRANKFURT a.M Aus aSCex Wett. DeMsches Reich. Frankfurt a. M. Die „Freie Bereinigung für die Interessen des orth. Judentums" schreibt: Wie uns das Kriegsministerium mitteilt, ist zur Erleichterung der jüdischen Seelsorge im Felde die Bestimmung getroffen worden, daß den jüdischen Feldgeistlichen neben der Benutzung ihres eigenen Gefährtes die Mitbenutzung der Mititärautos behufs befferer Erfüllung ihrer Obliegenheiten freigegeben werden soll. Berlin. In der Sitzung der Repräsentanten der jüd. Gemeinde lag die auf Antrag der Gemeinde von dem Minister des Innern bezügl. des aktiven Wahlrechts zur Repräsent antenversammlung herbeigeführte Entscheidung vor. Diese setzt fest, daß nur solchen Mitgliedern das Recht der Teilnahme an den Wahlen zusteht, die während der letzten drei Rechnungsjahre Mitglieder sind und mit ihren Abgaben nicht im Rückstand blieben. Dr. Minden, der Referent, meinte, die Entscheidung könne wohl rechtlich angefochten werden, aber sie sei ja für das Ergebnis der Wahlen von geringer Bedeutung. Die Versammlung nahm die Borlage zur Kenntnis. Amerika. New-Aork. Hier gibt es rituell und nicht rituell geleitete jüdische Krankenhäuser. Das älteste der rituell geführten Krankenhäuser liegt im Ostend und heißt Beis Jisroel-Hospital Im jüngst abgelausenen Jahr 5674 wurde«, in diesem Krankenhaus 2600 Kranke an 46000 Tagen verpflegt und in seiner Poliklinik etwa 100000 Personen behandelt. Die Ausgaben betrugen über 140000 Dollar. Für einen Neubau mit 500 Betten ist jüngst am Livingstone-Platz ein Grundstück gekauft worden. Für den Baufonds sind bereits über 306000 Dollar gezeichnet und säst zur Hälfte eingezahlt. I Million Dollar sollen die Kosten des Neubaues betragen. ILomler & l^aitsclftl B Tel.Hansa3148. Frankfurt a.M., Liebfrauenberg33. fl fl Specialhaus für Unterkleider und Strümpte. fl D Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. fl Der Krieg und die deutschen Jude». Berlin. Das Eiserne Kreuz erhielten stud. phil. Ernst Israel, Mitglied des Freiwilligen Automobilkorps, dessen Vater, Rittergutsbesitzer Richard Israel, auch' bereits das Eiserne Kreuz erhielt, Bizefeldwebel d. R. stud. ing. Helmut Straßmann, Sohn des Universitätsprofessor Dr. Paul Straßmann, Stabsarzt d. R. Dr. Ernst A p o l a n t, Osfiziersstellvertreter im 3. Gardereservefeldartillerie-Reg., Regierungsbaumeister Günter Friedmann, Sohn des Geh. Justizrats und Stadtverordnetenvorsteher Friedmann in Glogau. Berlin. Nach der „Jüd Rundschau" haben in der letzten Zeit folgende Mitglieder der Zionistischen Organisation das Eiserne Kreuz erhalten: Dr. Felix Teilhaber-Berlin, Rechtsanw. Martin Exiner- Berlin, Moritz Jaschkow itz-Kempen, Dr. Harry Moses-Königsberg, Regierungsbaumeister Alex Baerwald-Lichterfelde, Dr. S. Levy-Hamburg und Dr. Isaak H o r o v i tz - Frankfurt a. M. Mainz. Mit dem im Felde gefallenen Rechtsanwalt Dr. Kahn verliert die Mainzer Anwaltschaft einen ihrer besten Vertreter, die natwncllliberale Partei eines chrer hoffnungsvollsten Mitglieder. Dr. Kahn hat mehrere staatswissenschaftliche Werke verfaßt. Mainz. Julius Metzger wurde zum Leutnant befördert. Rechtsanwalt Dreyfus und zwei Brüder Löwenberg erhielten das Eiserne Kruz. Idstein. Dem Gefreiten d. R. Sally Goldschmiüt von hier überreichte der Kaiser persönlich das Eiserne Kreuz. WormS. Fritz Löwensberg u. Hugo Löwensberg erhielten das Eiserne Kreuz. Osthofen Siegfried May erhiett das Eiserne Kreuz Breslau. Stabsarzt Dr. Erich Bruck, Referendar Rich. Kobrack und Hans Silberstein erhieüen das Eiserne Kreuz. —i Bei ihrer Anwesenheit in unserer Stadt besuchte die Kaiserin auch das Israelit. Krankenhaus, in dem 96 Verwundete untergebracht sind. Sie hielt sich über 1 Stunde auf und nahm zum Schluß bei der Oberschwester den Tee ein Neustadt a. »sich. Leo Wollenreich von hier hat das Eiserne Kreuz erhalten. Nürnberg. Kronprinz Rupprecht überreichte dem Mitglied des Freiw. Automobilkorps Julius Bernstiel von hier persönlich das Eiserne Kreuz. ll-.) Pose«. Neue Ritter des Eisernen Kreuzes: Unteroffizier der Reserve im Grenadier-Regt. Nr. 6 HerbertWar schauer, Sohn des Kaufmanns William Warschauer in Posen, Unteroffizier Fritz Wittkowski im Füsilier-Regiment Nr. 37, aus Lissa, Unteroffizier Sally Moses vom Infanterie-Regiment Nr. 14 und Bizefeldwebel Max Jacobi in Jastrow. Im Kampfe für König und Vaterland fielen: Einjähriger Unteroffizier Nathan Paretzki» Sohn des Kantors Paretzki-Hohensalza, Kriegsfreiwilliger Samuel beim Pommernschen Pionier-Bataillon Nr. .2, Deutsch- Eylan, Hans Herzfeld am 15. Oktober im Gefecht bei Lyck, an der Spitze der Kompagnie, im Alter von 28 Jahren, Buk, A l b e r t.G um p e r t, Einjährig-Freiwilliger des 46. Infanterie-Regiments, Posen, und. Robert Lewkowitz, Unteroffizier des Landwehr- Jnfanterie-Regiments 35 in Kempen. Wien. Bei dem im Felde gefallenen Oberstleutnant Adolf Flecker fand man eine Tefilloh und die Photographie seiner greisen Mutter. Wien. Wieder erhielten zadlreiche Juden infolge hervorragender Tapferkeit Ordensauszeichnungen, u. a.: Leutnant Jacaues Ornstein (erhielt vom deutschen Kaiser das Eiserne Kreuz; General von Hindenbnrg ließ sich den tapferen Offizier vorstellen), Major Moriz Mansch Leutnant Moriz Kornfeld, Regimcntsarzt Dr. Alfred Fried» Assistenzarzt Dr. Samuel Leitner, die Brüder Fähnrich Ludwig Löwy und Feldwebel Adolf L ö w y aus Wollenitz, Leutnant Otto Goldstein, Ingenieur in Prag-Zizkow, Fähnrich Dr. Albert Schöndorf und Fähnrich Leopold Kolben. Budapest. De: diesige Kaufmann Andor Fantl, der auf dem serbischen Kriegsschauplätze u.' a.. mehr als 100 Verwundete aus dem heftigsten Feuer rettete, wurde vom einfachen Soldaten zum Zugführer befördert, und Erzherzog Josef heftete ihm die Tapferkeitsmedaille 1. Klasse an die Brust. — Von der hiesigen Familie Mautner stehen die sieben Söhne und die beiden Schwiegersöhne im Felde. Sieben von ihnen sind Artillerieleutnants. Budapest. Der Jüdische Ptadfinderbund für Ungarn „Kad imah" hat 500 Mitglieder in den Dienst des Roten Kreuzes gestellt. — Bon Zionisten starben u. a. den Heldentod: Fähnrich Karl Fürth aus Budweis, Besitzer der .goldenen Tapferkeitsmedaille, und Leutnant Karl Grünberger, Bankbeamter in Oderberg und wurden ausgezeichnet: Leutnant Dr. Albert Schönhof-Brünn, Leutnant Dr. Erwin Gallus, Reservezugsführer Karl Weißkopf und Fähnrich Goldschnitte (Beritas, Brünn).

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