Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 43 (6.11.1914)
- Date
- 1914-11-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Samt er nur ein guter Gott fein. Nur wer an zwei ober mehr Götter glaubt,. Sann einen Gott des Bösen konzipieren, dem bet Mott des Guten gegenübersteht; im monotheistischen Religionssystem ist für die eine Gottheit als Ausdruck des Bösen Lin Raum; hier kann Gott nur als Verkörperung des Guten aufgefaßt werden. Ist aber Gott die höchste Güte und Gerechtigkeit, so must auch seine Schöpfung, die Welt und Menschheit, im innersten Weswr gut und gerecht sein. Wenn nun die Gegenwart noch AeuMrungen des Bösen zeigt, so bedeutet dies eine Unvollkommenheit, die überwunden werden kann und umst: die Zukunft wird-, die Ueberwindung der Unvollkommenheit bringen. Jeder Monotheismus ist wesensnotwendig optimistisch; für den Polytheisten liegt das goldene Zeitalter in der Vergangenheit des Mythos; für den Monotheisten in ser Zukunft der Geschichte. So gelangt das Judentum zum Glauben an den etlichen Sieg des Guten, an den endlichen Triumph des Firiedensgedankens, und der Prophet schafft das herrlichste aller Zukunftsbilder, die messtanische Zeit, da man „die Schwerter zu Pflugscharen umschmieden wird und die Spießx zu Winzermessern, da Lin Volk mehr gegen ein anderes das Schwert erheben und kein Volk im Kriegshandwerk nrehr lernen wird." Allein nicht nur innerhalb der Menschheit wird ewiger Friede herrschen, sondern getreu seinem Gedarrten von der Einheit der gesamtes Welt dehnt nun der Prophet den ewigen Frieden auch auf die Nation aus: „Da weilt der Wolf beim Kamme, und der Parder wird sich beim Böcklein lagern, und Kalb und Löwe und Mastochse sind beisammen, und ein kleiner Knabe treibt sie vor sich! her. Kuh uird Bär gehen zusammen auf die Weide,, beieinander lagern ihre Jungen, und der .Löwe wie das Rind frißt Futter. Und es erlustigt sich! der Säugling am Loch der Natter, und in die Höhle des Basilisken wird das kaum entwöhnte Kind seine Hand strecken. Sie werden niemand ein Leid antun und ' kein Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berge. Denn voll wird die Erde der Erkenntnis Gottes, wie Wasser die Meerestiefe bedecken." Wie oft haben wir nicht diese herrlichen Sätze gelesen, und dennoch immer wieder üben sie dieselbe Mchtige, ergreifende Wirkung auf uns aus. Der höchste Gehalt des Judentums, seine größten Ideen - und Ideale, sprechen in diesen Sätzen ihre gewccktigste, unvergängliche Sprache. So ergibt sich uns die Idee des ewigen Friedens als die Krönung , der jüdischen. Auffassung vom Kriege. Und niemals war uns diese Idee notwendiger und heiliger. beim heute. In diesen Monaten, da die gesamte Welt im. Kriege sich! befindet, da die furchtbarste Katastrophe über die gesamte Menschheit gekommen ist,. da angesichts des Abgrundes von Lüge und Niedertracht, von Hast und Brutalität die Besten und. Edelsten schier an allen Idealen verzweifeln möchten, halten wir Enkel der Propheten den Glauben an che bessere Zukunft, an den Sieg des Gerechten, an den Triumph des Friedens fest; und über die Katastrophen .und Trümmer der alten Zeit hinweg retten wir die heiligsten Ideale unseres Judentums, die heiligsten Ideale der Menschheft in che neue, .bessere ZMmst hinüber. —n. —th. Die Warlderbeweguugeu der Jude«. Alle Kulturvölker haben sich seit langer Zeit festgesetzt; nur ein Kulturvolk befindet sich noch auf der Wanderschaft: das jüdische. Seine.Wanderung hat heute eine Ausdehnung genommen, wie man eine solche nicht zmn zweitenmiale in der Geschichte der Menschheit kennt. Sind doch mehr als zwei Millionen Juden in den letzten 30 Jahren vom Osten nach dem Westen gewandert! Was ist nun die tiefere Ursache dieser eigenartigen Erscheinung? Wlad. W. Kaplun-Kogan beschäftigt sich in seinem „Die Wanderbewegungen der Juden" <164 Seiten. Bonn, A. Marcus und E. Webers Verlag) mit dieser Frage. Er beantwortet sie dahin: Die Juden nennen kein Laird ihr Eigen, und bei ihren Wirtsvökkern sind sie so lange willkommen, als sie Berufszweige betreiben, die diese noch Nicht haben. Mit dem.Augenblick aber, da ein Wirtsvolk anfängt, „sich! auf ökonomischen Gebieten W betätigen, die Ms dahin Frankfurter Israelitisches FaMiliendlatt. das ausschließliche Eigentum der Juden waren", entsteht ein Konkurrenzkampf, in dem die Juden als die gesetzlich schwächer Gestützten schließlich unterliegen müssen. Die Juden sind also im Körper ihrer Wirtsvölker nur gewissernmsten Lücke ft füller, die Interessen ihrer Wirtsvölker entscheiden letzten Endes über ihr Wohl und Wehe. Daher kommt esauch, daß „je größer die numerische Stärke der Juden ist, desto geringer ihre ökonomische Widerstandskraft." Sonst ist es bekanntlich anders: je mehr Arbeiter zuM Beispiel, desto größer die Bedeutung und die Kraft derselben. So sind denn die Juden zu einer ewigen Wanderschaft verurteilt, wenn sie nicht ein Land für sich aneignen, in dem sie alle Schichten der Bevölkerung bilden. Auch! Kaplun-Kogan kommt Nach Verfolgung der Geschichte der jüdischen Wanderbewegungen und besonders nach sorgfältiger wissenschaftlicher Untersuchung der Verhältnisse der Gegenwart zu diesem zwingenden Schlüsse. Ein Schluß!, der jetzt zwingender denn je ist. Denn früher waren die Juden die Träger des wirtschaftlichen Fortschritts, — heute ist häufig eher das Gegenteil der Fall, wie die Judenviertek in New. Jork und London mit ihrer Hunger-Hausindustrie zeigen. „Die Juden Haben heute Seifte wirtschaftliche .Mission mehr!" Kaplftn-Kvgan schlicstt sein Buch : „Der Eindruck, den die gewaltige Auswanderung der Neuzeit auf die gesamte Judenheit gemacht hat, war ein sehr tiefer. Man glaubte sich nach, der am Anfang des vorigen Jahrhunderts vollendeten Emanzipation der Juden in fast allen modernen Kulturstaaten fest an die heimatliche Scholle gebunden. Die jüdischen Wanderungen der Neuzeit haben diesen Glauben an die jüdische Bodenständigkeit wieder zu ftichte gemacht. Die wissenschaftliche Untersuchung aber .hat ihrerseits die Anschauung mehr und wehr bekräftigt, daß auch die meisten jüdischen Wanderungen nicht einen sporadischen, sondern einen dauernden, systematischen Charakter tragen. Nun kommt es darauf an, dieser Wanderungen des jüdischen Volkes Herr zu werden, sie zu organisieren und zu regulieren: ihnen ein bestimmtes Ziel zu setzen. Dem jüdischen Volke ist somit eine Aufgabe zugefallen, durch! deren Lösung es ein Werk vollbringen kann, das in der jüdischen Geschichte wohl einzig dastehen wird. Auch kommt dadurch! in die jüdische Geschichte die. Initiative, das eigene Geschick zu gestalten, Pie man in ihr bis heute fast gänzlich vermißte." A«S de» Ereignisse« des Tages. Die Türkei im Kriege. Was seit längerer Zeit bereits als ein 'notwendiges, unvermeidliches Ereignis erwartet wurde, ist nunmehr eingetreten: die Türkei hat in den tobenden Krieg eingegriffen und hat sich nun auch militärisch auf die Seite gestellt, auf der sie diplomatisch schon seit Anfang des Krieges gestanden hat: an der Seite Deutschlands und Oesterreichs. Denn ob nun die Türkei diejenige Partei gewesen ist, die .den Kriegszustand, herbeigeführt Hat oder RuUand, bleibt schließlich nur eine historische Dollorfrage; das allein Wichtige ist, daß der Krieg zwischen der Türkei und der Triple-Entente nunmehr da ist, und die Türkei so ihr Schicksal in unauflöslicher Weise mit dem Deutschlands verknüpft hat. Daß dies so gekommen ist, kann wahrlich! nicht wundernehmeft. Die Triple-Entente ist seit jeher bereits der wirlliche Todfeind "der Türkei gewesen; Rußland, .dessen Gier mach, dem Besitze der Dardanellen ein Jahrhunderte altes Axiom seiner Politik ist, . England, das .nach Palästina und Arabien schon seit einiger Zeit lüstern schielt, und Frankreich, das in Syrien bereits seit Jahrzehnten eine ausgesprochene Okkupationspolitik treibt, chnen bedeutet die Türkei ein Hindernis für die Verwirklichung längst gehegter Ziele,. Md zumal die moderne, regenerierte, zu Neuem Leben erwachte Türkei mußte ihnen ein Dorn iM Auge sein. So hat denn die Triple-Entente seit Jahren bereits an der Schwächung der Türkei gearbeitet, und es ist ja heute eine unbestrittene, offenkundige Tat- Nr. 43. AnheN Mit 1. Oktobi die Luft, belagerter Es Sindflftt Feind dc Feuer, d Bestimm Jubel dc Bc Fün mußte ti und Bric angetrete cröffneter geriet dc und es; ten Umsi Fügung überstand Obe! d kirchen g Medaille Nr. 43 sache, daß die eigentlichen Urheber des Balkaftkriege Rußland und mit ihm die Triple-Entente tvareu So war es naturgemäß!, daß die jungtürkische! Staatsmänner in einen Gegensatz zu den Mach ten der Triple-Entente früher oder später ge langen mußten, und ihre offenbar deutschfreund liche Haltung von Anbeginn .des Krieges an bewiedaß die leitenden Politiker der Hohen Pforte er kannt hatten, wo sie ihre wahren.Freunde, m ihre Feinde zu suchen hatten. Nunmehr hat die Türkei die letzten Koftsc qucnzen aus dieser Einsicht gezogen und befind sich im Kriege mit Rußland, England und Franl reich. Es ist für jedermann klar, daß mit diese, aktiven Eingreifen in den Krieg die Türkei ihr gesamte politische Existenz aufs Spiel gesetzt Hai Ein Sieg der Triple-Entente würde das endgültig Ende der Türkei bedeuten, ein Sieg Deutschland hingegen ihre eminente Stärkung und Wiedci belebung. Damit aber ist auch! das hohe Jnteres ersichtlich, das wir Juden. an dem .Eingreifen de Türkei nehmen müssen. Das Schicksal Palästinas das bislang nur mittelbar mit dem Ausgäng Krieges verknüpft war, ist nMmehr gleichfalls b( Gestaltung durch die Ereignisse ans den Schlach seldern unterworfen worden, und die gesamte bi! herige Basis der zionistischen Tätigkeit, die gesamt Basis der Realisationsmöglichkeit unserer Nation, len Ideale ist ins Schwanken gekommen;. m bebender Spannung harren wir der Entscheidung Wie sehr aber auch! diese Entscheidung selb im Dunkel der Zukunft verhüllt und verborge liegen mag, unsere Wünsche, wie sie ausfallen möge, unsere Sympathien und Neigungen in diesci Kriege der Türkei gegen die Triple-Entente sind klar und selbstverständlich wie nur etwas. Es ein glückliches Bewußtsein für uns deutsche Judci daß in diesem Kriege die Wünsche, die wir Juden hegen müssen, dieselben'sind'wie jene, wir als Deutsche empfinden. Eheftso wie wir a Juden und Deutsche den Sieg Deutschlands hc beiflehen, so müssen wir als Juden wie als Deuts, den Sieg der Türkei erhoffen. Denn eine star und unabhängige Türkei ist die beste, geeignet! Basis zur Realisation unserer nationalen Zukunft ideale. Und gerade jetzt, da die türkische Regi rung mit offenkundiger Sympathie die zionistisch Bestrebungen zu fördern begonnen hat, muß der höchste Wunsch aller Zionisten, aller Judl sein, daß die Türkei aus diesem Kriege siegrei, in hohem Maße gestärkt und neubelebt hervo gehen möge. Allein bis zum Ausgang des Kampfes hat noch gute Weile. Unterdes' aber müssen wir zag! und zittern für das unmittelbare Schicksal Paläs nas. Schön hört ma!n, daß englische Kreuzer Ich beschossen hätten, Md wer weiß welche Schlä noch die Judenheit Palästinas in diesem fürchte lichen Kriege treffen mögen. Doch was ist zu tu. In diesen Monaten, da das Schicksal! über die einz neu hinwegschreitct, ist die Sorge und Klage das ei zige, was uns verblieben ist. Und nur ein Trost uns für alle Leiden Md Sorgen gegeben: Hoffnung. Die Hoffnung auf den. Sieg der Tür mag uns auch ein wenig trösten über die Gesa ren, die die palästinensische Kolonisation, ine i pMstinensischie Judenheit für die Dauer des Krieg bedrohen. lP bi Pß&k/ Die des orth guten jn gerichtet, verein d tralstelle scheu Bei Der Lektüre, dem reli gewährt, und man Buche ji! in ernste aufnehnu Segen c Aus dienstlich Besitze g überweise gnng für Franksnr Bon Deuts, ländis russift schieß. Und I seren jetzt, Inder Feind müker nicht herab könnt! mache ari Ein heldenhafter jüdischer Bnrgermeiste Czernvwitz, Die Geschichte der Juden im Weltkriege tv> dem tapferen Verhalten des jüdischj-nationalD d Bürgermeisters der Landeshauptstadt Czernowitz .eigenes Blatt widmen. Seiner Aufgabe, der Sto nicht nur im Frieden, sondern auch im Ko und Not vorzustehen, vollauf bewußp, verhai Bürgermeister Dr. Salo Weisselberger, auch als Russen von der Stadt bereits Besitz ergriffen Haiti auf seinem' Posten. Sein mutiges und mannhaf! Wesen flößte selbst dem Feinde Respekt ein - weigerte sich z. B., den Befehl auf Entfercki des Doppeladlers vom Rathause ausznführen und wendete ein böses Schicksal von der Stadt Dr. Weisselberger'wurde später nach dem Jrwe Rußlands abgeschpben uftd befindet sich zurzeit Kiew. * Maß rung lesen, Uebe So Ich als der an ka *) T luerbeii, itirb, bar Jnbenheit