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Neue jüdische Presse · 1914-10-30 · Heft 42 (30.10.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 42 (30.10.1914)
Date
1914-10-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Se ite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 42. leidenden in Elsaß-Lothringen und Ostpreußen veranstaltet. Es ist das erstemal, daß sich! der hiesige „Blauweiß" in so ausgesprochen nationaler Weise der Oeffentlichkeit vorgestellt hat, und es ist erfreulich zu melden, daß ein Reinerlös von 800 JL an die beiden Provinzen abgeführt werden konnte. Besonderen Dank sind wir Herrn Dr. Simon schuldig, der den größten Teil der inneren Arbeit auf sich; genommen hat. Unsere hiesigen Blauweiß- Führcr sind bereits alle im Feld, bis auf den Vorsitzenden, den man durchlaus nicht nehmen wollte. Doch er ist auchl hier notwendig; ist cs doch zum größten Teil seiner Energie zu danken, daß'wir durch.unsere Wanderungen, Heimabende, Zusammenbleiben und auch durch Beteiligung in den Kinderhorten, Nähzirkel für das allgemeine Wohl tätig sind. W. ll-.l Pose». Referendar Dr.für. Egon Weitz ist auf dem östlichen Kriegsschauplatz kurz, nachdem er das Eiserne Kreuz erhalten hatte, gefallen. Leo Bloch, Sohn des Religionslehrers Bloch in Krojanke, und Referendar Loewy, Sohn des Justizrats Loewh in Exin, erhielten das Eiserne Kreuz. Wie». Oskar Freund aus Budweis erhiell das goldene Verdien st kreuz mit der Krone am Bande der Tapferkcitsmedaille. Julius Sofer aus Göding, Abraham Freimann, Zugsführer Buxbaum, Feldwebel Gedalje Hilsenrat, Feldwebel Leo Lustig, Freiwilliger Ingenieur Rich. Adler, Reservist Adols Breit, Fähnrich! Wilhelm Wunderlich und Korporal Schick erhielten die silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse und Stabsarzt Dr. Sandor Kanizsay das' Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militär-Berdienstkreuzes. Universitäts-Cafe Bock«^Beim8p —.— Familfon-Oafö. DM- Massige Preise. 'TPB Besitzer: Ernmt Dunkalm Personalien ». Kleine Mitteilungen. Berlin. Frau Selinde Davidson in Wilmersdorf feierte in Gesundheit ihren 90. Geburtstag. Äew-Nork. Dr. Salomon Sch echt er, Direktor des Jüd. Theolog. Seminars von Amerika, unterzog sich im Mount Sinai-Hospital einer Operation. Sein Befinden ist sehr gut. — Es gibt in den Bereinigten Staaten 105 jüdische Zeitschriften (65 in englischer Sprache, 35 in Jargon, 3 in hebräischer Sprache, 1 deutsch und 1 spanisch). Rew-Aork. Auf einen Protest der „East Eide Protective Association" antwortete Postmeister Morgan, daß den jüdischen Unterbeamten an den jüdischen hohen Feiertagen nicht insgesamt freigegeben werden Wune. Es könne stets nur dem besonderen Ersuchen jedes einzelnen Unterbeamten entsprochen werden und das auch nur dann, wenn es der Dienst gestattet. Boston. Rabbi Boruch Jizchok Reinherz, der bekannte Philanthrop und Bankier, ist verschieden. Er war eine der heute so selten gewordenen echt jüdischen Gestalten. Großes jüdisches Wissen, allgemeine Bildung und ein warmes jüdisches Herz zeichneten ihn aus. Sein Haus' war eine Pflegestätte jüdischen Wissens und ein Heim für Bedrückte und Notleidende. . Reinherz wurde 1847 in Baklervw bei Süwalk (Rußland) geboren. Schon als 14 jähriger Junge galt er als ein Jluj. Mit 18 Jahren heiratete er. Er erlitt sehr schnell geschäftlich! Schiffbruch und ging dann nach Amerika. Die hebräische und die Jargonpresse hat in ihm einen Mitarbeiter verloren. Frankfurter Berichte. Erösfuuugsabend des „Montefiore"-Vereins. Dem Ernst der Zeit entsprechend,. voltzog sich der Eröfsnungsabend des Montesiore diesmal in einem einfachen Rahmen. Dr. Gustav Löffler, der Vorsitzende, nahm diese Tatsache zum Kernpunkt seiner Ansprache, die darin gipfelte, Einfachheit nach außen, Verinerlichung nach innen möge ein jeder aus dieser ernsten, aber großen Zelt für sich' empfangen. Rabb. Dr. Nobel hielt sodann die Weiherede für die beginnende Wintertätigkeit. Er sprach! über die dreifache Bedeutung des Begriffes „Idee." Ein zeitgemäßes musikalisch-deklamatorisches Programm schloß die Veranstaltung. Es wurde von den Damen Helene Lorsch, Wilhelmine Rosenhaupt und den Herren Sigfr. Würzbu»ger, S/gfr. Bauer und Heinrich.Moos verständnisvoll ausgeführt. Persoualieu. Josef Schwabacher u. Frau, Rückerfftr. 59, feiern heute Freitag die silberne Hochzeit. Kleine Notizen. 8lln Dienstag, den 3. November, abends 9 Uhr, findet im Lokal des'Montesiore, Bleich'- straße 70, eine allgemeine'Versammlung statt, in welcher über die Pflichten der „jüd. Jugend" an der militärischen Vorbereitung des deutschen Vaterlandes gesprochen wird. Alle jungen Leute im Alter von 16—21 Jahre werden dringend aufgefordert, sich zu dieser ungemein für sie wichtigen Versannnümg einzufinden. Sonntag nachmittag '6 Uhr, beginnen in der Börneplatz-Synagoge wieder die Vorträge Rabbiners Dt. Nobel über die Psalmen. „VICTORIA« Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Han»« Tel. 2002. ]g EnilintStraSSB 18. Hanta Tel. 2002. Spezialität: Kragen, Manschetten nnd Hemden. JkiSeton Die Verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Von C. Berg. (Fortsetzung.) „Also, was bringst Du, Thomas Thryphosow, he?," fragte Dann, indem er dem Ankömmling gleich an der Tür einige seiner Zigaretten bot. Abraham besah sich den Mann ein wenig genauer. Ein mittelgroßer, kugelrunder Schelm, die feiste Gestalt in eine Art grüne, verschlissene Uniform gezwängt, ein schwarzer Halskragen, welchen in größerer Nähe der kurzsichtige Abraham als die natürliche Haut des guten Thomas erkannte, ein Wasserkopf, auf dem strohblonde, dichte Borsten sich sträubten, ein Gesicht, dessen Anblick eine verführerische Farbenkarte bot: Wangen und Stirn gelblichbraun, die Augen wasserblau und sanft gerötet, die Nase aber von der leuchtenden Glut der Tulipane: carmoisinrot mit bläulich auslaufender Kuppel, die sich schief über die strohgelb umbordeten Wulstlippen neigte, das war Thomas Thryphosow — auch ein Menschenbild. „Demeter Groduncza läßt Dir sagen. . ." hier stockte Thomas und starrte den Kaufmann mit verglasten Augen an. „Ja wohl, Freund, ja wohl," nickte Dann, „der gnädige Wohltäter Demeter Groduncza läßt Dir sagen, daß er aus purem Mitleid, aus Güte und Barmherzigkeit einem armen Manne es Nachsehen wolle, wenn heut oder ein anderes Mal einer, der etwas zum Einkauf bedarf, durch diese Türen schlüpfen sollte, für welche huldreiche Erlaubnis ich dem Wohltäterchen zehn Lei für Wachskerzen auf seinem Hausaltar zu entrichten habe." „Zwanzig," grunzte Thomas. „Fünfzehn," sagte Dann, indem er mit sanftem Druck die biedere Rechte des braven Thomas umschloß; „geh nur, es ist schon für Dich dabei." „Zwanzig," knurrte Thomas. „Es sind schlechte Zeiten, mein Seelchen," sagte Dann, „auch weißt Du ja, daß uns bei Deinem letzter Besuch ein Ballen vor der Tür verloren ging. . . Also gehab' Dich wohl, Freundchen!". Der Lehrling öffnete die Tür und beförderte den Vertreter der Staatsgewalt ziemlich unehrerbietig ins Freie. „Biel zu viel," schrie Oskar, als er Herrn Thomas Thryphosow glücklich auf der Straße hatte, „viel zu viel hat er erhallen. Das wird ihm gefallen, dem Schnapssack. Er wird alle Sonntage wicderkommen." „Ach, lächerlich," sagte Dann. „Gewiß wftd er wiederkommen," bestätigten die Schreiber einmütig. Er war schon da. Er stand in der halbgeöffneten Türe und glotzte das Comptoir und seine Insassen recht gefährlich an. „Nun Freundchen," fragte Herr Dann mll verbissenem Galgenhumor, „Du bringst mir wohl gar mein Geld zurück?" „Die Thomasinna,"*) schrie Thomas erbost, „Du hast mir noch nichts für die Thomasinna gegeben." „Sehen Sie!", ftohlockte der Lehrling. „So wirf ihn doch hinaus!", rief Dann wütend. Aber das ging diesmal nicht so leicht. Thomas Thryphosow stemmte sich gegen die Türpfosten, streckte beide Fäuste vor sich und begann zn schimpfen; und es war wirllich hörenswert, wie vortrefflich, wie schnell, wie ausdauernd und mannigfaltig er das zu tun verstand. Thomas Thryphosow ordnete seine Schimpfwörter wie ein Feldherr seine Truppen vor der Schlacht. Reihe von Tiernamen in denkbar schnellstem Zeitmaß hervorgebrüllt; dann traf als fliegender Angriff die Bezeichnung „Jude" mll den injuriösesten Beiwörtern in ungezählten Wiederholungen des Hörers Ohr, als er aber mll schwerem Geschütz heranrückte, wlll sagen, mll allen Lungenkrästen: „Lumpen, Gauner und Betrüger" schrie, verlor Abraham die Geduld. Er sprang gegen ihn los und versetzte ihm einen wohlgeziellen *) Thomasinna, Frau des Thomas. Fausthieb ins Gesicht. Bums — fiel der Trunkenbold um und lag blutend auf der Schwelle. Das war ein Malheur. Der alte Dann raufte sich die Haare und jammerte: nun kämen" sie alle ins Gefängnis. Der Lehrling und die Schreiber suchten von allem den Mann wieder zum Leben zn bringen und vom Blute zu säubern — ein Volksauflauf folgte und unerquickliche Auftritte jeder Art. . . Zuletzt konnte der alte Dann noch von Glück sagen, daß er mit dem vierten Teil seines Vermögens an Schmerzensgeldern an den Polizeikommissar — der geprügelte Thomas erhielt nichts, was als echt rumänisch gelten dürfte, — das allzulebhafte Ehrgefühl seines Schwiegersohnes bezahlte. „Er schimpft," sprach er späterhin belehrend zu seinem Tochtermann, „was ist denn da? Man läßt ihn schimpfen. Da er trinkt, muß er doch schimpfen, wie sollt' es anders sein? Und schließlich gehört er zur Polizei, wer kann dagegen bestehen? Wlllst Du arrettert werden? Bei uns in Rumänien ist es nicht wie bei Euch; für Leib und Leben läßt man manches Krumme gleich heißen. Wir leben im Golus, mein Sohn und müssen viel ertragen. Behüte Gott, es kann noch ärger kommen." . Und alle die dreiunofünfzig Sonntage des Jahreskalenders erhielt Thomas nicht nur richttg seinen Bakschisch, sondern die Firma Dann & Compagnie gewährte ihm auch ein Geschenk für die Thomasinna. .. Wie oft sollte Abraham noch jenes Vorfalles und seiner Schlußlehre gedenken: Es kann noch ärger kommen! Ja, was würde denn dann das Aergste sein? Er sah das schöne stattliche Haus vor sich, und es wurmte ihn, daß er es nicht bedingungslos sein eigen nennen durfte. Darüber, sann er Tag und Nacht und grübelte, wie dem Dinge abzuhelfen. „Guten Tag, Liedertrost!" Trübsinnig kam Abraham an einem Freitag Nachmittag die Straße herabgeschritten und schlenderte' gesenkten Hauptes seiner Wohnung zu. Er schrak zusammen, da er einen derben Schlag auf seiner Schulter spürte. Ei, das mußte doch ein sehr intimer Bekannter sein. Er sah einen lächelnden/ in eleganten Pelz und Bibermütze gelleideten Herrn mll hohen Stiefeln neben sich stehen und fragte sich heimlich, wie er wohl zu der Ehre dieser Bekanntschaft komme. Bis ihn eine weitere, vertraute Anrede des Fremden: „Nun, Du altes Spadefantel, kennst Du den Rippert Karle nicht mehr?," auf die richüge Fährte brachte. Der Rippert Karle! Richttg. Der Rippert Karle war gleichfalls ein ehemaliger Schneidergesell, ein Mähre, eine lustige Haut, mll dem Abraham in jungen Jahren in Troppau und Lemberg gearbellet hatte; ein fideler Bursch, den er wegen seiner herzlichen, mittteilsamen Natur auch immer recht gern zum Gefährten gehabt hatte. „Der Nippert Karl! Ei Du Tausendsassa, wie geht es Dir? Und wie kommst Du nach I. . .?" Es fügte sich wunderlich genug, daß der christliche Schneider fast dieselben Wandlungen und Schicksale erlebt hatte wie der jüdische Kollege. Er war gleichfalls Kaufmann geworden, hatte reich geheiratet und durch die Vermittelung seines Schwiegervaters, eines einflußreichen Mannes, eine vortreffliche Anstellung bei einem Groß-Industriellen in I. . . erlangt. „Du solltest mich einmal besuchen," schloß er fteundlich seinen Bericht, „ich Habe eine Allerliebste Villa bei Pfaffendorf." „Eine Vllla! Eine Vllla?," sagte Abraham erstaunt. „Aber Du bist doch auch ein Ausländer?" Und nun quoll ihm das Herz über, und er llagte dem alten Freunde sein Leid. „Ja, weißt Du, Du mußt es machen wie ich," antwortete Nippert, „Du mußt Dich halt —" er stockte und wurde ein wenig verlegen. „Ach was," fuhr er dann resolut fort, „wenn Du Dich naturalisieren läßt, verrichtet 's dasselbe." „Naturalisieren!" — Das war offenbar das erlösende Wort. „Gewiß. Man nimmt seine Papiere, trägt sie aus die Polizei und läßt sich auf rumänisch umschreiben," sagte der Nippert Karl. „Frellich es kostet ein Stück Geld, dafür sind wir in Rumänien; mit Geld ist hier alles zu machen." Naturalisaüon! Der Nippert Karl war zwar imntet ein anschlägiger Kopf, aber dasselbe hätte ihm doch auch längst einfallen sollen. Er atmete ordentlich aus. Natürlich, das wollte er so schnell als tunlich erledigen. Das war doch ein guter Trost zur rechten Zeit. Und mll warmen Dankesworten verabschiedete sich Abraham Nr. 4 von dem nach Hai Er Kinder o geduldig ,.Va lasse mii Den die Com „Bist D barsch. , Abv nung mi „Ka Compagr Carol A von hun! mehr." ,/Wc Hochachtt und scho »Dil jetzt," ft, er zur Abr. an diesen die Händ sprach de Sabbatbr An die mun! kleinen! zu den {tritt sich zum hell Kleinen, über Ab, seinen D vorüberg, geplanten dem schn heitere $ ,,M° Da wolltest 8 Dazu mu und Dinj drüben," zelte Ab, überstudic gewöhnen dem Tüi Bruder i »Oh, in dem si die Aern Elektr. 1 Tel. Tann Al Meister i Hansabu die.Liebe uni» Wer ganz ne! lung ein ostpreußi den äuß Seele, - Zweifel, sprechend straffen; wohlwoll Gegentva wunderer •—> dam zu wirtst Andruck, Herzen L Amtszeit Behörden zeigt sic! » *> ®] Knoblo 5% m.

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