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Neue jüdische Presse · 1914-10-30 · Heft 42 (30.10.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 42 (30.10.1914)
Date
1914-10-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. __ gebührend gewürdigt werden, was er der jüdischen Wissenschaft gewesen, auch das läßt -sich im Rahmen eines Nachrufes nur andeutungsweise sagen. Vierzig. Jahre lang hat er in einzigartiger Weise den Hörern des Rabbinerseminars die Propheten und unsere anderen heiligen Schriften erklärt. Er mujjte sich da eigene Wege bahnen; es waren fast gar keine Vorarbeiten vorhanden, die für eine wissenschaftliche und doch mit unserer Tradition zu vereinbarende Exegese brauchbar waren. Dich er es fertig brachte, strengste Wissenfchiaftlichftit und strengste Gläubigkeit restlos mit einander zu vereinen,, ist eine Großtat, die — zum Nacheifern anfeuernd — Noch in späteren Generationen Nicht vergessen werden wird. Wie schwer die Arbeit war, die der Heimgegangene damit leistete, kann nur der ermessen, der die oft blendenden und dabei sich doch oft selbst widerlegenden Thesen auf dem Gebiet der Bibelexegese kennt und weift weich einen ungeheuren Schaden sic auch! in Mischen Reihen angerichtet hat. Mit bewmrderungswürdiger Klarheit verstand er es, auch die schwierigsten Stellen in unserm Öligen Schrifttum zu meistern, Gedankengänge auftudecken, die anderen Forschern bis dahin verborgen waren und dann doch so einfach schienen. Bor allem aber war er ein.unerreichter Meister in der rein sachlichen Durchdringung der Bibel. Auf diesem Gebiete und in der Erforschung des Baues der hebräischen Sprache haben seine genialen Anschauungen fast allgemeine Anerkennung gefunden. Es ist hier nicht der Platz, um auf Einzelnes einzugehen, aber sein grundlegendes Werk: „Die Nonrinalbildung in den semitischen Sprachen" mag wenigstens genannt werden. Nun ist dieser große Mann dahingegangen, und doppelt groß ist der Schmerz, daß es die meisten von uns ganz unvorbereitet getroffen hat. Wir hatten keine Zeit, wie .sonst wohl einmal im .Leben, uns widerstrebend Und dennoch langsam auf einen, drohenden Verlust vorzubereiten. Scheinbar kerngesund ging er noch im SoMmersemester seinen Pflichten nach, und niemandem mochte wohl der Gedanke kommen, daß wir so bald an seiner Bahre stehen würden. 'Ach, wie viel Jahre Hätten wir uns noch seiner Führung erfteuen wollen, und 'nun — müssen wir uns in das plötzlich Hereingebrochene schicken. :Mag uns der Gedanke trösten,, wie es auch sein Schwager, Dr. Meier Hildesheimer, in seinen zu Herzen gehenden Worten an .der Bahre sagte, daß chm der Allmächtige langes Siechtum ersparen wollte und den Schjmrrz um den Verlust seines Sohnes, unseres lieben, um 'den Misrachi in Berlin so verdienten jungen Gesinnungsgenossen Dr. Heinrich Barth, der, eben ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuze, auf denr Felde der Ehre fürs Vaterland fiel. . Der Allmächtige tröste seine gesamte Familie, vor allem seine würdige Gattin, eine Tochter Unseres großen Meisters Rabbi Esriel Hildesheimer. Mag der Gedanke mithelsen, ihren Schimerz zu lindern, daß.Israel mit ihnen trauert um ben großen Sohn und den großen Gelehrten. Dr. H, P., Berlin. * , Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Jakob Barth, 1851 in Flehingen geboren, begann 1873 als Dozent an der Berliner Universität seine Lehrtätigkeit. Sein Lehrbezirk nmfaßte arabische nnd syrische. Sprache und Erklärung älterer arabischer Schriftdenkmäler. Sehr geschätzt waren besonders seine Vorlesungen über den Koran, in dessen gründlicher Kenntnis er mit seinem Lehrer und Freunde Th. Nöldeke wetteiferte. Seinen Ruf in der Wissenschaft begründete Barth mit einer sehr sorgfältigen kommentierten Ausgabe des „Kitab al sasih" des arabischen Grammatikers Thalab, zu der er umfassende Handschristen-Vergleichnngen in den Bibliotheken von Berlin, Leiden und Rom vorgenommen hatte. Aus einer Reche von Einzelstudien zur vergleichenden Grammatik der semitischen Sprachen, die er in der. Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft" veröffentlicht hatte, ging sein linguistisches Hauptwerk „Me Nominalbildung in den semitischen Sprachen" hervor, das in zwei Abteilungen 1889 und 1881 erschien und allseitig Beachtung fand. Der Standpunkt der vergleichenden Betrachtung der semitischen Sprachen, den Barth in diesem Werke einnimmt, führte zu einer längeren und ziemlich heftigen Polemikmit Paul de Lagarde, Aber auch! Lagarde mutzte die außerordentliche Beherrschung der sprachlichen Einzelheiten und die Fülle neuer Bemerkungxn bei seinem Gegner anerkennen, Vorzüge, die auch dessen spätere „Etymologische Studien znm semitischen, insbesondere zum hebräischen Lexikon" anszeichnen. Auch als Herausgeber arabischer Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Literaturdenkmäler hat er Vortreffliches geleistet: so in den Ausgaben der Annalen des Tabari (Bd. 1) und des Divan des Kutami (1901). Aus seiner Lehrtätigkeit am Rabbinerseminar gingen verschiedene kritisch-exegetische Schriften zur Bibel hervor, unter denen die „Beiträge zur Erklärung des Buches Hiob" nnd „Beiträge, zur Erklärung des Jesaja" die wichtigsten sind. — Zur Beisetzung auf dem Friedhose der „Adaß Bisroel" - Gemeinde waren Rektor Geheimrat Professor ipp sowie sämtliche Fachkollegen der großen Semitologeu erschienen. Es sprachen Rabb. Dr. Munk, Rektor Dr. Hoffmann vom Rabbinerseminar und Dr. Meier Hildesheimer. Die letzte Ehrung wirkte um so ergreifender, als awdj; gleichzeitig dem auf dem Felde gefallenen Sohn die letzte Ehrung ward. Aus de« Ereignisse« des Tages. 8«m Tode Königs Karol. Mitten in den Kriegswirrcn Europas ist König Karol von Rumänien verschieden. Für die Judenheit besitzt dieser König eine besondere Bedeutung, wenn maN bedenkt, düst er der Herrscher Rumäniens gewesen ist, desjenigen Landes, dessen jüdische Einwohner Politisch mehr zu leiden haben als diejenigen irgendeines anderen Staates Europas, Rußland nriteinbegriffen. König--Karol hat. nach seinem Tode in der gesamten deutschen Presse die besten Nachrufe gehabt; dies ist nicht nur aus dem Umstand zu erklären, daß er ein ausgesprochener Freund Deutschlands gewesen war und jede Stellungnahme Rumäniens gegen Oesterreich in diesem Kriege zu verhindern gewußt hat, sondern Hat gewiß auch seinen Grund in der wirklich bedeutenden Persönlichkeit dieses Königs. Ein Herrscher, der aus dieser verwahrlosten, elenden Provinz der Türkei das Runtänien von heute zu formen verstanden hat, hat mit dieser Leistung den Beweis seiner Größte und Bedeutung erbracht. Und es ist daher für uns Juden nur umso schmerzlicher, daß wir auf die Gestalt dieses Herrschers nicht ohne Erbitterung und Zorn zurückblicken können .als desjenigen Königs, der unter rechtswidriger Nichtbeachtung deD Berliner -Vertrages es geduldet und gebilligt hat, daß in seinem Lande die Juden als vogelfreie Fremde erklärt und behandelt wurden. Alle Proteste, die in den letzten 30 Jahren gegen diese Haltung der rumänischen Regierung erhoben worden sind, alle Aktionen und' Bemühungen, eine Aenderung herbeizuführen, Haben keinerlei Erfolg gehabt; selbst die Hoffnung, die viele nach dem Balkankrieg, an dem die rumänischen Juden als treue Bürger ihres Landes in großer Zahl Anteil genonnnen haben, gehegt Hatten, Hat sich! als trügerisch erwiesen; in schnödester Weise hat die rumänische Regierung das Versprechen, das sie den jüdischen Soldaten gegeben hatte, gebrochen, und die Lage der Juden in Rumänien ist heute dieselbe wie vor dem Berliner Kongresse. Für diese allem Recht und aller Kultur hohnsprechende Behandlung der rumänischen Juden seitens der rumänischen Regierung Mß man aber dem dahingegangenen. König ein gutes Maß der Schuld beimessen. Wir wissen zwar sehr wohl, daß er nichts anderes tat, als daß er den judenfeindllchen Instinkten weiter Kreise seines Volkes fielen.Lauf ließ und der starken antisemitischen Strömung Rumäniens sich nicht widersetzte; und man kann auch verstehen, welches die staatspvlitischen Gründe waren, die den klugen König, der als Fremder den rumänischen Thryn bestieg, zu dieser Haltung wohl veranlaßt haben mochten. Allein dies verringert nur das Maß seiner Schuld, beseitigt kann es durch diese Erwägungen nicht werden. Die Tatsache bleibt trotz ‘ alledem bestehen, daß dieser für seine Person hochgebildete und edel empfindende Monarch es zuließ, daß Hunderttansende seiner jüdischen Untertanen von seiner Regierung in einer Weise behandelt wurden, die an die schlimmsten Zeiten des Mittelalters erinnert. Denn daß er bei dem starken, ja entscheidenden Einfluß, den er auf die Leitung der Staatsgeschäste seines.Landes gehabt hat, bei der ungemein großen Verehrung Und Beliebtheit, deren er sich in allen Kreisen seines Volkes erfreute, sehr wohl die Macht besessen hat,, eine Aenderung. in der.Lage der rumänischen Juden herbeizuführen, ist hinreichend klar. Er .aber wollte dies nicht tun. Um sich nicht in .irgendwelchen KonflW mit den StimMungen weiter Kreise seines 3ti. 42 Nr. 42. Landes zu setzen, gab er seine jüdischen Untertanen den antisemitischen Instinkten preis. Während er sonst, auf allen änderen Gebieten, der Leiter und Erzieher seines Volkes war, blieb er in diesem einen Punkte passiv und ließ sich von den Massen führen. So bleibt die rumänische Judenfrage der dunkelste Punkt in der sonst so erfolgreichien und wirkungsvollen Lebensarbeit König Karols. Für die Lage der rumänischen Juden selbst ist sein Hinschieiden ohne Bedeutung. Das jetzt etwa irgendwelche Wandlung eintreten sollte, dies anzunehmen liegt auch nicht der leiseste Grund vor. Dieser Gedanke läßt uns Juden auch aller etwaigen Erweiterung und Machtausdehnung Rumäniens in. diesem Kriege nur mit Furcht entgegenblicken. Eine etwaige Aneignung österreichischer Staatsgebiete durch Rumänien wäre für die Hort wohnenden Juden ein Unglück; aber auch die Eroberung Bcssarabiens durch Rumänien, von der so viel gesprochlen wird, wäre ein trauriger Gewinn für die große jüdische Bevölkerung dieser Provinz; von russischer Herrschaft in rumänische überzugehen, heißt für die russischen Juden in der Tat vom Regen in die Traufe kommen, bedeutet nur ein,: Verschlechterung ihrer Lage. Oder dürste man hoffen, daß bei der kommenden Neuregelung der europäischen Verhältnisse auch jemand der rumänischen Juden gedächte und ihre politische Gleichberechtigung durchsetzen würde? Es wäre dies im Anschluß an die Regelung der Lage der russischen Juden, die doch gewiß dic Diplomaten, welche über die Resultate des Krieges entscheiden werden, beschäftigen wird, wohl denkbar. Aber wo findet man den Staatsmann, der dic Rolle Disraelis heute spielen sollte? Jedenfalls ist dies eine klar:- die Möglich keit, daß dieser Krieg auch eine Besserung der Lage der rumänischen Juden Nach .sich ziehen wird, ist nur vorhanden, wenn Deutschland siegt. Denn daß bei einem Siege Rußlands an. eine Aenderung der Judengesetzgebung Rumäniens nicht zu denken ist, ist wohl selbstverständlich. Hoffen wir, daß der Sieg Deutschlands auch für die rumänischen Juden den Beginn einer neuen, besseren Zeit bedeuten wird. plan z, ,,J srae lichl gewi von 10,0 «tot Ris von Jeri für den Summe Die nahm di gentha schien Jri Seine I denn die Philanth H. Schi 250,000 wiesen, wendet, Vorschuss Das es zur i nutz nick heilige!Sj unseren es daher oinigu Ühodox am Mai für die und beri Die preise Tomaten rüben m Rindfleis (37 Pfg. Erbsensu Rindfleis (39 Pfg. Die ®joji 10 Pfg. versandt stellunge Beträge Frai Die palästinensischen Inden ®ie und »er Krieg. L Us> , „L'Anrore"--Konstantinopel schreibt: zirmacher Die Mobilisierung im türkischen Reiche reichende weckte unter den Juden in Palästina lebhaftes die Unb Echo, nnd nur eine geringe Anzahl machte vor stände dem Loskaufiechte Gebrauch. Ganz besonders Haber machen sich in dieser Beziehung die ottomanischen Jude« Jerusalems ausgezeichnet, sie zogen, patriotische Lieder singend, zur M ilitärkommandäntur. Der Kommandant hielt eine Ansprache, die er mit de« Worten schloß: „Ich freue, mich außerordentlicl Euch hier zu sehen. Diese wackere prompte An! wort auf den Ruf des Sultans ist für mich ein neuerlicher untrüglicher Beweis dafür, daß bii Juden aufrichtige und ehrliche Freunde des Vaterlandes sind." Der Gouverneur stellte den junger Leuten eine Militär-Musikkapelle zur Verfügung unter deren Klängen sie d.rym in die Kasernmarschierten. Allerdings hat der Krieg auch gleich sein traurigen Folgen gezeitigt, denn fast sämtliche Fa milien, deren Ernährer eingerückt sind, blieben ii größter Not zurück. Die Sorge für diese Fa milien übernahm der bereits seit Einführung de Konstitution in der Türkei in Jerusalem bc stehende „Verein zur Unterstützung jüd. Soldaten" In solchen Zeiten tritt es erst recht zutag! wie schwach eine Anzahl der in-Palästina, ga» besonders in Jerusalem bestehenden Wohlfahrt; e i n r i ch t u n g e n fundiert sind. . Eine Anzah dieser Anstalten muUe infolge der eingetretene! Krise ihre Tore sperren. In den Kolonien ist jede Bewegung w> erstorben. Der Kredit ist vollständig unterbrach« sodaß der Verkehr zwischen Herr einzelnen Städtci fast ganz eingestellt ist. Ganz. besonders peinlich empfindet die Kola nie-BevöKerung die Folge der plötzlich hereing> brochenen wirtschaftlichen Krise, da durch sie « Ausführung des vor einiger Zeit gefaßten B< Wusses, der Regierung einen Milrtäraero Seife _] Die Ei Das Das 1914 mb mit 548, Quartal ergeben. Wachses zeichnen. Bei Dingen! tragen w des dritl denen bc hat, sin! daß die Hauptbür Maßregel trauensm Zunächst'! Pcrtrauer satzleute! lieferung Herzl-Jo -sorge gv jenigen ( Platz ent sKast ge, spenden Aller Nationalf nifationsi scheinen, die im

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