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Neue jüdische Presse · 1914-10-23 · Heft 41 (23.10.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 41 (23.10.1914)
Date
1914-10-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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F i: i'ä | " 7” Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. mit einem sorgfältig zusammengestellten FaHrten-Zettel ins Wintersemester eintritt. Neu eingeführt sind versuchsweise Kriegs- und Geländeübungen. Hinzuzufügen ist noch, dast zu allen Veranstaltungen der Besuch. Upri Nichtmitgliedern sehr erwünscht ist. Insbesondere mögen -die jüngeren Leute sich von den für sie so überaus wichtigen Einrichtungen des Vereins überzeugen. Beim Eröffnungsabend des Vereins am nächsten Mittwoch im Saale des Vereinslokals wird Rabb. Dr. Nobel eine Ansprache halten, und im weiteren Verlause werben musikalische und deklamatorische Darbietungen zum Vortrage kommen, die von der Stimmung der Zeit getragen sein weiden. Fräulein Wilhelmine Rvsenhaupt hat ihre gesangliche Mitwirkung zugesagt, Herr Siegfr. Bauer wird rezitieren. Cafe Kaisergarten am Opemplatz Erstklassiges Familien-Cafii Nachmittags Konzerte. Fr» Hanselmann, Besitzer. leuüleffln. Hl Die Verjagten. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Von C. Berg. (Fortsetzung.) Der Schwiegervater stattete ihm das Haus aus,' füllte ihm vom Boden bis zum Keller alle Räume neu, reich und geschmackvoll mit allem, was hinein gehört. Aber eine Forderung hatte er sich ausbedungen, zuerst ruhig und gemessen, später aber schier heftig und ungestüm darauf bestehend, zur höchlicheu Verwunderung des Schwiegersohns, der eine gewisse Beunruhigung darob nicht zu verhehlen vermochte. „Der Grundbesitz wird auf meinen Namen eingetragen", hatte der Dann ihm gesagt, „vergiß nicht. Du bist ein ein Ausländer." „Ein Ausländer?! Nun gewiß, ich bin doch ein Oestcrreicher," antwortete Abraham ein wenig erregter, als er sonst mit seinem Schwiegervater zu sprechen pflegte. „Es nimmt Dir keiner Dein Oesterreichertum fort. Du Narr", sagte der Alte ruhig, „aber was man Dir nehmen könnte". — „Nun was wird man mir nehmen?" fragte Liedertrost. „Ich will doch sehen, ob man mir was nehmen wirb!" rief er mit blitzenden Augen. „Darüber sei ruhig," sprach Dann gemächlich, „der diebische Rumäne nimmt Dir auch, was und wo Du nicht siehst. Ueberdies - gibt es hier noch ein Gesetz, das lautet: ausländische Juden sollen keinen Grund-» besitz haben und, mein Sohn, wir leben im Golus, bei uns, man soll sagen, es fiele irgend einem Strusch von der Polizei zur Unzeit ein, jenes verschimmelte Gesetz hervorzullauben, und dann . ." „Aber die Fränkels, die Cohns, die Baruchs sind auch Juden, und manche haben ganze Straßenviertel gekauft," rief Abraham erstaunt. „Was geht das mich an," erwiderte der Schwiegervater ungeduldig, „für jene habe ich nicht Sorge zu tragen. Was ich sichern muß, ist Deiner Frau und Deiner Kinder Gut. Deine Frau ist mein Erbe. Ich bin ein Eingeborener hier, darum 'soll das Haus auf meinem Namen geschrieben bleiben. Und ich kann's, ich will es schuldenfrei hinstellen für meine Tochter und ihre Kinder als unveräußerliches Eigentum." Guter, aller Mann! Wer ihm damals gesagt hätte, daß er mll seiner väterlichen Fürsorge den Seinen einst einen furchtbaren Schlag versetzen würde! Wraham machten die Mitteilungen des alten Dann gar böses Kopfzerbrechen. Er hatte in der Reihe von Jahren, seit er in I. einheimisch geworden, in seinem Adoptivvaterlande so manches absonderliche Vorkommnis gesehen, um nicht der Handlungsweise seines Schwiegervaters einige Begründung zuzusprechen. Ja doch, hier in Rumänien war vieles ganz, ganz anders als daheim. „Unsere Gesetze, unsere Ordnung!" Wie oft wurde der Ankömmling mll diesen seinen Lieblingszitaten aufgezogen. Ein Gesetz in Oesterreich! Es war ein eherner Zaun, der alle umschloß, es gab keine Ausnahmefälle und keine Durchsteckereien wie hllr, wo Ansehen der Person und Willkür herrschten und schlimmer als Krieg und Sttaßenraub die Habe der Bürger brandschatzten. Was gestern verboten war, wurde heute erlaubt, vorausgesetzt, daß man die nötige Summe besaß, „der allergnädigsten Polizei," wie Frau Golden's Vater mll parodistischer Untertänigkeit sagte, „das allergroßmächtigste Maul zu stopfen." Und Abraham entsann sich jener Pflasteraffaire. Und weiter dachte er zurück an ein noch häßlicheres Begebnis, das ihm mit überwälttgender Deutlichkeit das rumänische Beamtentum in seiner miserabelsten Wurmstichigkeit gezeigt, ein Schauspiel, welches ihm obendrein beinahe seine ganze Existenz gekostet hättet Der ehemalige „Bocher", Sänger und Schneidergesell hatte sich seit mehreren Monaten schon recht flott in dem Comptoir seines Schwiegervaters eingearbeitct. Es schien, als habe er nie anderes gekannt, als sich andachtvoll in das große Hauptbuch zu vertiefen und vielstellige 'Zahlenkolonnen aneinander zu reihen, oder Legionen von Briefen in säuberlich deutschen Lettern mll rätselhaften lateinischen Schnörkeln untermengt und möglichster Ersparung all her teuren Substantivs — „Antwortlich Ihres sehr Geehrten vom 10. 3. telle ergebenst mit" oder „Wir konfirmieren Ihr wertes Jüngstes" in die Welt hinauszusenden. Kurz, alles, was das Geschäft anging, machte ihm schon den Kopf so warm, wie nur je einem in Sorgen ergrauten, rührigen Kommerzienrate. Da erschien eines bösen Tages für I. ein Ukas, der den Juden unter' Androhung schwerer Strafen befahl, Sonntags ihre Geschäfte fest geschlossen zu halten. „Wie werden wir das.überdauern?" klagte Abraham, „zwei Ruhetage in der Woche, dabei kann keiner bestehn!" Auch der Alle machte ein recht verdrießliches Gesicht, murmelte etwas von „verfluchten Leuteschinderwin den grauen Bart, nahm aber zu Abrahams Erstaunen (denn er erstaunte und verwunderte sich damals noch oft) die Angelegenhell nicht so tragisch, wie der junge Mann erwattet hatte. Der Sonntag kam. Die Fabrik noch in ihren Uranfängen von einem christlichen Werkführer, einem Engländer, geleitet, war geschlossen. Aber wenn auch die Fabrik, das heißt Leib und Hände des Geschäftskörpers feierte, die Seele des Ganzen, das Comptoir durfte nicht ruhen. Hier arbeitete man wie stets; nur waren auf Befehl des alten Herrn die Jalusien herabgelassen und die Eingangstüren fest verrammelt worden. Der Generalstab, bestehend aus Abraham, einigen Schreibern und dem Lehrlinge, einem Schlingel von unglaublicher Schlauheit und Nichtsnutzigkeit, saß an den Pulten, die täglichen Briefschaften erledigend; der alle Dann ging, Zigaretten rauchend, mit starken Schritten, auf und ab, es schien, als ob er irgendweu ungeduldig erwartete. Es dauerte nicht lange, so rüttelten, der Erschütterung nach, Riesenfäuste mächtig an den Türen. Oskar, der Lehrling, legte seinen spitzbübischen Flachskopf an die Tür und rief durch das Schlüsselloch: „Wer da?" »Ich! Ich! Mach' auf, Du Hundekerl." - „Es stimmt schon," sagte Oskar und blickte den Prinzipal an. Der schüttelte den Kopf und wehrte mit den Händen ab. Jetzt kehrte sich der Lehrling wieder gegen das Schlüsselloch und brüllte mll aller Kraft seiner Lungen (mau sah ihm ordentlich an, welches Vergnügen ihm dieses Brüllen bereitete:) „He Du, marsch da! Es wird nicht aufgemacht, es bleibt geschlossen. Heut ist Sonntagsfeier." Erneutes Rütteln von draußen — beinahe bricht die Tür zusammen. „Wollt Ihr öffnen, Juden?! Verfluchte Teufelsbraten!" Bei dieser schmeichelhaften Anrede intervenierte der Chef selbst. „Hier da?" „Thomas Thryphosow." „Geh' Deiner Wege! Es wird nichts verkauft heute." „Demeter Thimotäus Groduncza schickt mich zu Dir. Hörst Du, Jude? (der Polizeikommissar)!" „So, Du kommst von Groduncza, den der Teufel holen möge," murmelte er dann leise, fuhr aber laut und schmeichelnd fort! „Gleich, Freund, gleich wird man Dir öffnen." Darauf öffnete man dem Freundchen, und herein stolperte Thomas Thryphosow, wohlbestallter Polizist von I., der größte Trunkenbold seines Jahrhundetts. Aber nein, tun wir dem Vertreter der heiligen Hermandad nicht Unrecht. Es gab noch einen schlimmem Säufer zu seiner Zeit, und das war sein Herr, Demeter Thimothäus Groduncza. Nach diesem herrlichen Ideal formte Thomas Seele und Leib. Der Leser gedulde sich, er wird im Laufe dieser Geschichte noch genügend Gelegenheit haben, Herrn Groduncza's, Nr. 41. Nr. dieses Fusel-Falstaffs, Bekanntschaft zu machen.. Nur ein kleines Merkzeichen für diesen interessanten Charakter wollen wir Dir, liebwertester Leser, mit auf den Weg geben. Wenn Herr Demeter und sein getteues Abbild und Dienstwerkzeug Thomas jemals sich die Mühe genommen hätten, über die Individualität ihres eigenen Daseins nachzudenken, sicher, sie hätten der Natur bitter gezürnt, die ihnen nicht die vielgliedrigd Gestalt des japanischen Trimutri oder den tausendarmigen und hundertköpfigen Körperbau des Mexikanischen Vitzliputzli verliehen hatte. Mit solcher Unzahl, von Händen und Kehlen beschert, was hätte sich da alles nehmen und zusammentrinken lassen! Die Guten stahlen und tranken zwar trotz alledem, was viel hundert Hände und Kehlen kaum fassen konnten, aber wer mag wohl ermessen, lute groß wohl die Habgier und der Durst rumänischer Polizisten sich erweisen möchten?!! (Fortsetzung folgt.) ILomler & Laitich I Tel.Hansa3148. Frankfurt a.M , LiebfrauenbergSB. I Specialhaus für Unterkleider und Strample. I Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. | Jüdischer Meiueidsaberglaube. Bon Binjamin Segel. (Fortsetzung aus Nr. 34.) Und dieser jüdische „Eidesaberglaube" ist alt. Er hat seinen Ursprung besonders in den volkstümlichen jüdischen Moralbüchern aus dem! Mittelalter, .wo er in den verschiedensten 'Varianten immer wieder eingeschärft wird. Einige diesbezüglichen Lehren mögen aus dem! Sepher Chassidim (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts) angeführt werden, da .dieses Buch' zu den .populärsten und Verbreitesten gehört und selten in 'einem jüdischen Hause fehlt. Ich zitiere hier aus dem sehr alten, mit einer jüdischen Uebersetzung versehenen Exemplar meiner Mutter, aus welchem aber wohl schon meine Urgroßmutter ihren Kindern an Sabbatnachmittagen vorzulesen pflegte: Wohne nicht an Orten, deren Insassen im Verdacht stehen, es mit Schwüren leicht zu nehmen, dennn jede Sünde kann durch Buße wieder gut gemacht werden, mit Ausnahme der Sünde des falschen Eides, die auf dieser Welt nie ganz vergeben wird, wenn auch Buße getan worden ist. Auch ist es ja unmöglich, unter solchen Leuten zu wohnen und nicht von ihnen einen. Genuß zu haben. Ueberdies gibt es 'Raub an solchen Orten, denn die ehrlichen Leute müssen der Regierung die Steuern für die frivolen bezahlen, welche sie unterschlagen. — Wer oft Schwüre hervorbringt, ohne rechtlich dazu gezwungen zu sein, mit dem, darf man nicht verkehren. — Ein Jude war von Gerichtswegen verpflichtet, einem Nichtjuden einen Eid zu schwören. Er sagte: Was soll ich anfangen? Wenn ich schwöre — und es ist natürlich wahr, was ich beschwören soll, werde ich mein Geld erhalten, dann gebe ich die Hälfte für Arme. Einer sagte zu ihm: Selbstverständlich sollst Du schwören, da es doch wahr ist. Der Chacham aber sagte: Selbst wenn Du die ganze Summe den Armen widmest und noch von Deinem baren Vermögen zulegst, ist es immerhin besser, daß Du nicht schwörst; denn viele Städte sind (nach einer weiter unten anzuführenden talmudischen Tradition) vom! Erdboden verschwunden, weil ihre Bewohner wahrheitsgetteue Eide (allzuoft) leisteten. Darum soll sich jeder in acht nehmen, mit Juden sowie mit Nichtjuden nur vor Zeugen Geschäfte abzuschließen, damit nicht die Nötigung eines Schwures entstehe. Ein Jude wurde einmal von 'Nichtjuden beschuldigt, etwas (Strafbares) angerichtet zu haben und er mußte schwören, daß es nicht wahr sei. Er sagte zum Chachamj: Ich bedauere geschworen zu haben, obgleich ich wahr geschworen habe und unter Androhung des Todes zu schwören gezwungen war, aber mein Vater und Meine Mutter haben Zeit ihres. Lebens es vermieden zu schwören. (Er hatte also eine Art Familientradition, 'sich des Eides zu enthalten, verletzt.) Der Chacham antwortete: Wenn Du Vergebung erlangen willst, nimm Dir fest vor, nie den Namen Gottes auszusprechen, auch nicht zur Bekräftigung einer Wahrhell, und in keiner Sprache, außer wenn Du in der Bibel liesest; und beim Abschließen von Geschäften gib acht, es so einzurichten, daß keiner nötig hat, Djr jemals einen Eid aufzuerlegcu. — Ediese tage schwac treten, tötet letzt 1 Juden sie al erpreß Würde und! nachsu Wäre wesen die I hätte Herr getrau als si ren H den Ä D densier schichte war wollte, die m erlasse dürfe Damit einen ‘ gezwm auch f es mil lange gleich der V Friede oder k fürchte! darfst dern % Satz g Wärtigl ander stehen ten, M beistehe töten I gegen dritter gegen Wenn sind u null, ü der R< fragt, dieser ihnen Di Abergll gebt u Er steh tiefer , in den nehmen Besitz i NumMi Diej so verb lauchter schieden unbedin „Die S verziehe und ni, himmlis wird w den er Namen bin der dieser S anderen hört zu von de: gleich d das hir verhäng! Ä.

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