Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 41 (23.10.1914)
- Date
- 1914-10-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. den Krieg ziehen sollten; ihnen mu| die jähe Trennung von der jungen Gattin KU schmerzvoll sein. Vor allem aber: alle jene, die feig und zaghaft sind, sollen' Befreit sein von der Teilnahme. Denn ihnen wird der Schrecken des Krieges zur sittliche» Gefahr; es ist bekannt und natürlich, daß gerade die Feigen am ehesten alle Zucht und Disziplin verlieren und in ihrer Zuchtlosigkeit ansteckend wirken. Daher beim vor jeder Schlacht der Führer alle .Zaghaften und Aengsllichen auffordert, zurilltzukchren. Zn der Tat, ein einzig dastehendes Gebot, ein in seinem psychologischen Sinn und seiner ethischen Bedeutung unvergleichliches Gesetz. Es hat dafür gesorgt, daß! im jüdischen Heere nur innerliche starke Männer stmrden, die fähig waren, auchim Sturm des Kampfes ihr. Gleichgewicht zu behalten und so sich vor aller Zuchtlosigkeit und Entartung bewahren konnten. Nur ein solches Heer vermochte den Krieg durchzuführen und stets eingedenk zu bleiben,, hast der Rochtsgedanke auch im Kriege bestehen bleibe und der Krieg nur dann berechtigt sei, wenn er höheren Zwecken diene. Und so finden wir denn in der Tat die bedeutsame Bestinttnung, daß in jedem Frieden, den das jüdische Volk schloßt vom Feinde die Anerkennung der iwachidischen Getzote gefordert werden konnte. Ein in der Geschichte einzigartiges herrliches Gebot. Damft wurde der Krieg erst wahrhaft geweiht. War doch sein Ergebnis neben allen Schäden, die er angerichtet, doch auch ein Fortschritt der Kultur, ein Triumph der Sittlichkeit. So verstand es das Judentum, durch eine Reihe unvergleichlicher Gebote die inneren sittlichen Gefahren des Krieges abzuwenden und seine Ergebnisse in ^den Dienst der Ethik zu stellen. Das große jüdische Prinzip von der Heiligung aller Lebensvorgänge vermochte selbst den Krieg, die scheinbare Negation aller Sittlichkeit, zu umfassen. Fürwahr, einen grandioseren Beweis für die innere Dust dm jüdischen Ethik und der jüdischen Kultur kann es nicht geben. Von allen großartigen Manifestationen des Judentums ist eine der großarügsten das jüdische' Kriegsrecht und' seine Anwendung: die jMsche Kriegsführung. —n. —td. Die Mische wirtschaftliche Not. Ei» altes Wahrwvrt lehrt: Nicht arm sein ist schlimm, sondern arm werden. Immer wieder und wieder finden wir in dem Schrifttum unseres Mischen Kolkes die Mahnung, dieses Sinken in die Armut zu verhüten. So sagt die Bibel: Wenn Dein Bruder verarmt, und es wankt seine Hand, so darfst Du Dich ihm nicht entziehen!; aufhelsen, aufhelfen mußt Du ihm vielmehr. Und den meisten von uns ist aus dem Legendenschatze unseres Volkes die Erzählung bekannt, daß einem wohllättgen Manne hinterbracht wurde, einer seiner SchuAesvhlienen sei der Unterstützung unwürdig, man habe ihn bei einem leckeren Mahle gesehen; doch dieser echte Jude antwortete, er müsse nunmehr seine Unterstützung verdoppeln, denn. der .Mann scheine von fäher besser gewöhnt zu' sein. Der arm gewordene Mensch — nirgends findet man ihn so häufig als bei uns Juden. Die Ursache ist einleuchtend. Selbst in den' freien Ländern ist unsere tvirtschastlichc Lage durchschnittlich um vieles unsicherer als die der anderen Bevölkerung. Gehören wir doch, gezwungenermaßen meist solchen Berufen an, die ihren Verdienst aus eigener Kraft im ständigen Wettbewerb mit anderen sich erkämpfen müssen; wir sind zu einem hohen Prozentsätze Kauflente, Agenten, Reisende. Wer da im Kanchf ums Brot nicht siegt, der sink zu Boden, sinkt aus dem Mittelstände, in dem er nach Höherem strebte, in ein Proletariat, das sich nach außen immer noch als Mittelstand zu geben bemüht. Dys ist im Westen. Und im Osten, wo fortgesetzt behördliche WilMr hunderte, häufig taufenbe jüdische Familien um Hab und Gut bringt und zum Wanderstabe greifen läU,da gibt sich der Sturz noch gewalltätiger, noch krasser. So mancher staubbedeckte „Pollack,", der an des begüterten westeuropäischen Bruders Tür müde klopft, war vor wenigen Monaten noch selbst ein Begüterter, von vielen Beneideter in seiner Heimat rm Osten. Doch dies ergreift noch nicht die jüdische wirtschafüiche Not in ihrer ganzen Bedeutung. Es Frankfurter Kraelitisches Familienblaü. kömmt noch eine wesentliche Tatsache hinzu, die Tatsache nämlich, daß während sonst Armut und Unfciltoutg zusanrmcngehörcn, die jüdische Masse durchschnittlich eine hohe Kulturstufe einnimmt und daher das Verzichtleisten der Armut unerträglich drückend empfinden muß Nach all' dem darf mit Recht von . einer spezifisch jüdischen wirtschaftlichen Not gesprochen werden. Für die gegenwärtige Zeit aber entsteht noch die interessante Frage, ob diese Erscheinung jetzt im Krieg mit seinen wirtschaftlich kritischen Folgen neue Seiten aufzeigt, die den Kreis der jüdischer: wirtschaftlichen Not noch vermehret Wer leidet durch den Krieg am stärkster:? Wieder die freien Erwerbsstände des Mittelstandes. Der Beamte bezieht sein Gehalt weiter, der nolleidende kleine Mann wendet sich zur Bestreitung seines geringen Bedarfs an die vyn Staat und Kommunen errichteten Unterstützungsstellei:. Doch was tut der .Mittelständler? Er sieht sich, wenn er jetzt in eine kritische Lage gerät, nach Verwandten - und Freunden um. Ist er Christ, so hat er in seinem nächsten Kreise Beamte oder Angestellte, die, wenn sie ernstlich wollen, helfen Wunen. Ist er aber Jude, so findet er unter den ihm Nahestehenden meist nur Angehörige der gleichen Erwerbsstände wie er, und es ist naturgemäß in einer solchen Zeit, auch wenn ihre Lage keineswegs kritisch, ist, deren erste Sorge, sie könnten eines Tages selber mit in den Strudel gezogen werden. Hiermit .begründet sich die Notwendigkeit besonderer jüdischer Notstandsaktionen. Die allgemeine Notstandsaktion wird von dem ins Schwanken gekommenen Mittelstmll» nicht in Anspruch genommen, und der jüdische Mittelstand hat nicht die private Hllfe, auf die der chxislliche .Mittelstand'meist rechnen kann. Mögen die Reichen unter uns Inden und ganz besonders unsere jüdischen Gemeinden die großen Aufgaben, die ihnen heute erwachsen sind, in vollem Maß erfüllen. Je großzügiger .sich heute die Solidarität unter uns..Juden betätigt, desto mehr posittven Nutzen wird — abgesehen von der Erfüllung heiligster Menschenpflicht — das Judentum als solches davon haben. Aus de» Ereignissen des Tages. Amerika und Palästina. Es ist ein oft wiederholter jüdischer Gedanke, so alt wohl wie unsere Zerstreuung unter den Völkern, daß es für Israel ein Glück ist, über alle Länder hin zerstreut zu sein. So könne niemals das gesamte Volk vernichtet werden. Drohe uns in einem Lande eine Gefahr, so begeben wir uns in das andere; befinde sich ein Teil der Judenheit irgendwo in Not, so könne ihm von Seiten der anderen Hilfe zuteil werden; so daß die Zerstreuung des Volkes, die Ursache aller unserer Leiden, zugleich auch die Quelle aller Mittel sei, um diese Leiden zu lindern und die Wunden, die sic uns zufügen, zu heilen. Die jüdische Diasporageschichte zeugt auf Schritt und Tritt von der Richtigkeit dieses Gedankens. Eine ununterbrochene Wanderung der verschiedenen Volkstcile macht ihren Inhalt aus. Von dem einen Lande vertrieben, wandern wir in ein anderes; während hier die jüdische Bevölserung Not leidet, ist die Lage ihrer Brüder jenseits der Grenze gut und glücklich, und die jüdische Solidarttät, die das gesamte Volk eint, sorgt dafür, daß die Leidenden ihren Teil vom Ueberfluß der Besitzenden erhalten. Von Spanien nach Frankreich und Italien, von Frankreich nach Deutschland, von Deutschland nach Polen, von Polen nach Rußland, von Rußland nach Amerika, wer kennt nicht die großen Linien unserer Wanderungen, die es nur allein ermöglicht haben, ttotz der unglücklichsten Leiden und Qualen uns zu erhalten. Wieder ist eine Zeit gekommen, da diese Eigentümlichkett unserer Diasporageschichte in die Erscheinung zu treten beginnt. Wiederum ist eine Zeit namenlosen Unglücks für Hunderttausende unserer Brüder herangebrochen; in Galizien und Polen leiden die Juden mehr als alle anderen unter den Schlägen des Krieges, und wie furchtbar die wirtschaftliche Lage unserer Brüder nach dem Kriege sein wird, läßt sich bereits jetzt Voraussagen. Was aber die Not steigert, ist der Umstand, daß schier kein Land Europas, keine Judenheit eines europäischen Landes von ihr ftei ist, so daß eine Hilfeleistung zwischen den Judenheiten Europas vorderhand ' v ' ' : *. V Nr. *1. Nr. 41 unmöglich ist. Allein — schier möchte man jetzt sagen: zum Glück — unsere Diaspora erstreckt sich weit über Europa hinaus. Jenseits des Ozeans, in den V e r - einigten Staaten Amerikas hat sich in den Jahrzehnten ein jüdisches Zentrum entwickelt, das stark an wirtschaftlicher Macht, auch in jüdischer Hinsicht noch viele lebendige Werte in sich birgt. Die Judenheit Amerikas ist vielleicht die einzige, die nicht unmittelbar unter den furchtbaren Wirkungen dieses Völkerkrieges leidet. Und' so ist sie denn vor allen anderen dazu berufen, den Tausenden unserer unglücklichen Brüder, denen der Krieg Heim und Gut und die Basis ihrer Existenz geraubt hat, hilfteich die Hand zu reichen und an die Spitze der Aktion zu treten, deren Aufgabe es sein wird, die Folgen des Krieges, soweit es angeht, zu beseitigen. Allein diese Aktion wird erst nach Beendigung des Krieges einsetzen können. Jetzt, da die Verbindungen zwischen den Ländern abgebrochen wird, ist eine Hilfeleistung unmöglich, und die jüdische Solidarität kann sich noch nicht betätigen. Nur für die Judenheit eines einzigen Landes gilt es auch jetzt Sorge zu tragen: wir meinen natürlich die Judenheit Palästinas. Palästina bewahrt eben seine exzeptionelle Bedeutung für das jüdische Volk auch in den Stürmen des Krieges. Die palästinensische Kolonisation ist für die Juden aller Länder ein zu helliger und wertvoller Schatz, als daß wir es zulassen dürften, daß es in den Wirren des Krieges zugrunde gehe oder auch nur sehr leide. Zudem ist Palästina auch das einzige große jüdische Zentrum, mit dem jetzt noch eine Verbindung aufrecht zu erhalten ist. Diese Aufgabe zu erfüllen, die Sorge für die Erhaltung der palästinensischen Kolonisation auf sich zu nehmen, dazu ist ebenfalls vor allem die amerikanische Judenheit berufen, sie, die gegenwärtig nicht so überhäuft ist mit eigenen Sorgen und Leiden, wie die Juden aller anderen Länder. Und es ist in diesen schweren Zeiten doppelt erfreulich und tröstlich, zu sehen, wie ernsthaft und aufopferungsvoll sich die Juden Amerikas ihrer heiligen Pflicht zu erfüllen suchen. Wir haben bereits die Nachricht verzeichnet, daß sich ein Komitee gebildet hat, zur Unterhaltung der palästinensischen Institutionen während des Krieges, und die angesehensten amerikanischen Juden sich ihm angeschlossen, einige bereits namhafte Summen zur Verfügung gestellt haben. Nunmehr kommt die Kunde von der imposanten Jahreskonferenz, die die amerikanischen Zionisten vor wenigen Wochen abg! halten haben; in ihrem Mittelpunkte stand naturgemäß ebenfalls die Frage der Unterstützung der palästinenischen Kolonisation. Die Konferenz hat, in voller Erkenntnis der großen Aufgaben, die ihr die Zeit stellt beschlossen, eine große Aktion für Palästina einzuleiten und die Herren Dr. Schemarjahu Lewin, der Amerika jetzt wellt, und L. Brandeis, eine der an gesehensten und einflußreichsten Persönlichkeiten de amerikanischen Judenheit, haben berells eine Redetourm angetreten, die schon sehr erfreuliche Erfolge zu verzeichnen hat. So ist zu hoffen, daß die Judenheit Amerika! ihre gegenwärtige Aufgabe erfüllen und die nötig« Mittel bereitstellen wird, die nötig sind, um die palästinensische Kolonisation vor den schlimmchen Wirkung« des Krieges zu bewahren. Damit aber beweist sie, man berechttgt ist, die größten Hoffnungen auf sie am für die großen Aufgaben zu setzen, die uns nach de Kriege erstehen werden. Die jüdische Solidarttät hat sich so in den schwer« Wochen des Krieges bereits in ihrer herrlichen Größ gezeigt; darin dürfen wir den stärksten Trost füi alle momentanen Wunden finden, die uns der Krie jetzt schlägt und noch schlagen wird. Sie gibt uns feste Zuversicht und Gewißheit, daß es uns geling« wird, die furchtbaren Wirkungen des Völkerkrieges z> überwinden und aus den gewaltigen Stürmen dies: Zett, in der alles Schwache erbarmungslos zermalm wird, unversehrt in unserer naüonalen Lebenskraft i» ungebrochen in unserem Zukunftsglauben hervorzugehm aus Mo bat, das dem Bodc eine Stu: In auf Seit Freiwi Posten so Angriff ' ungen ei äußerte \ Jüngling! die größt Frcischärl fangennal Jul österreichi gefalle Leistungei Kaiser mi Den Karl? Flecker Regiment Mund Ingenien der Lemk Hirsche d Frank! die ein Vo Verhält wieder etn „Dementi", stätign n nämlich: .Durch Persönlichst zu einer k früher den die Alisübr bevor ihre Als E treffende t Verbot bi idtoHeit." Welche Dr. Brem AgudaS I er es „n sehen. Do Dr. Breuei jungen Mi " verbreitet für die S Israel, so polittscher die Verbri Kreisen, e Orthodoxie bestreiten Peter das zahlen, w Trub etz empfiehlt, lich gewo Judenpolit geändert. Jnterc Maße zun judcn; m ungen so doch am di schossen trage im t Jüdische Helden. Wien, im Oktober. Eine Truppenabteikung, die sich im hestigst« Kampfe mit den Serben befand, bemerkte etw 800 Schritte von sich entfernt einen schwer ve: wnndeten Kameraden liegen. Infolge des heftig« Kugelregens wagte niemand, den Unglücklichen l retten. Da trat der Infanterist Ludwig,Feit umor! -sortii