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Neue jüdische Presse · 1914-10-16 · Heft 40 (16.10.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 40 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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f tritt 4. Wankfurter-Wraelüisches FallülieMatt. 3b 40. 9» Erste: Berliner Wascherei und Glanz-Plätterei Hum Tel. 2002. ]| 6utlSnt8tr&SS6 II. Han«» Tel 2002 Spezialität: Kragen, Manschetten und Hemden. Die Verjagten. Eine Erzählung aus her Mitte des vorigen Jahrhunderts. Von C. Berg. Erstes Kapitel. Es ging ihnen gut. Es ging ihnen gut. Sie waren eine recht gemütliche Familie. Damals hatte Gott das Herz der rumänischen Gewalthaber »och nicht verhärtet; damals war Rmnänien ein gesegnetes Land, in dessen ertragreichen Streifen auch die Juden ungestört leben und ihrem einzigen Gotte dienen konnten . . . Wraham Liedertrost war ein fleißiger, sorgsamer Hausvater. Bor fünfundreißig Jahren war er aus Oesterreich herübergekommen, ein bischen ein Allerweltsbnrsch — ein Stück von einem „Boches, einem Vorsänger, denn er hatte eine „goldene Kehle", wie alle, die ihn Härten, hoch und heilig versicherten, und zugleich ein ganz geschickter Schneidergesell, freilich die Taschen seines schmuck, ja beinahe elegant sitzenden Rockes nicht alhureichlich mit Schätzen beschwert. Da verliebte sich die einzige Tochter eines wohlhabenden Mannes, bei dem Liedertrost, dank der herkömmlichen, löblichen altjüdffchen Gastfreiheit allsonnabendlich „Tische" genoß, in den bildhübschen und allewell lustigen Patron. Und es war gut für Beide, daß die lleine Golde Dann ein allerliebstes, rundliches Geschöpfchen war, „denn eine Häßliche hätte ich nie genommen und wär es Rothschilds Tochter gewesen," pflegte Papa Liedertrost noch in späteren Jahre» sehr nachdrücklich zu beteuern, wobei-er nie verfehlle, seine Golde zärtlich und bewunderungsvoll anzublicken. Frellich, so ganz ohne Kampsesmüh und heißen Strmt errang selbst der liebenswürdigste aller Bochrim, besonders da er ein armer Teufel war, sein Bräutchen nicht. Wer Liedertrost hatte Glück. Er gefiel nicht nur der Tochter, auch der Vater der schönen Golde söhnte sich endlich, nach erllärlichem Widerstreben, mll dem gänzlich mittellosen Freier aus. War doch Liedertrost ein well über seine Verhältnisse hinaus gutunterrichteter, gescheidter Mensch, stammte aus einer altangesehenen, aber verarmten Gelehrtenfamllie, und stets galten Bildung und Wissen den Besseren unter den Juden als ein wertvolles Welsprädikat. Es soll hierbei alsbald bemerkt weiden, daß die Ehe Goldens und Abrahams ein so freundlich-glücklicher Verein war, wie man heutzutage, und wollte man landaus, landein manches Haus absuchen, sellen seines gleichen finden wilkrde. Ja heutzutage! Die Frau der Jetztzell, welche ihrem Manne ein Vermögen zubringt, sie fordert gebieterisch ihre Aequivalente dafür, und fordert in die Unendlichkeit hinein und merkt nicht, daß sie all ihr Hell -erfordert, da doch das einzige Glück jeder Frau im Geben besteht. Frau Golde hatte niemals hervorragende Siege über den Willen ihres Gatten zu verzeichnen. Sie verglich ihn auch nie mll anderen Männern, die bedeutender, reicher oder repräsentabler waren, wie ihr Leber Wraham. Für sie war er schön, und das hätten ihr nur sehr anspruchsvolle Skepttker bestritten, gut, Lug, bedeutend imd interessant. Und ihre geduldige, sich stets gleich bleibende Liebe bewlllle, was alle Aspasien und Tantippen der Well nicht vermochten — sie erreichte, daß aus dem übermütigen, ein wenig windigen Schneidergesellen ein ernster, gesetzter Mann wmde, der unermüdlich und eifrig seinen Geschäften nachging. Der Schwiegervater, welcher „in Tuchen machte", hatte den anstelligen Eidam zum Kompagnon befördert. Dieses Wancement belohnte sich; Abraham verstand es, Jahr um Jahr sich/mehr zu jener angesehenen Stellung aufzuschwingen, die man in merkantilen Kreisen mit „der Mann ist hochfein", in stiller Anerkennung solider Verdienste mü entsprechender Handbewegung bestätigt. Frau Golde schenlle ihrem Manne drei Kinder. Ms das erste, ein Junge, nur wenige Tage all war, hatte Frau Goldens Vater eine kurze, wenn auch inhaltsreiche Unterredung mü seiner Tochter, vor deren Beendigung der Alle ein wohlversiegelt Päckchen insgeheim der jungen Frau Mergab, worauf die Wöchnerin gerührt ihres Vaters Hände küßte und Freudentränen vergoß. „Was habt Ihr?" fragte Abraham besorgt, der nur sah, daß seine Frau weinte. „Wenn wir leben werden, wirst Du es sehen," antwortete der Alte gravitätisch, und der junge Gatte, dem der Schwiegervater unbedingte Autorität war, forschte nicht weiter. . . Das nächste Kind, das ein Jährlein später sich einstellte, war ein Mädchen. Der Großvater machte ein Bischen ein. langes Gesicht, es gab keine gemeinen Debatten, keine versteckten Wertgeschenke dabei, es wurden auch keine Freudentränen vergossen. So vergingen sieben Jahre, sieben fette Jahre für unseren Wraham, denn sie hatten ihn zum vermögenden Manne gemacht. Er hatte sich ein schönes großes Haus gebaut ganz vorn auf der Straße, welche später die eleganteste Avenue von I. . . werden sollte. Da nun der lleine Salmon, sein kraushaariger Sproß, durchaus als sein angestammtes Recht verlangte, sich vor dem Hause umherzutreiben, Purzelbäume und Rad zu schlagen und sich auf den spitzigen Steinen fürchterliche Beulen und riesige Löcher zu holen, so ließ Liedertrost den großen Platz vor seinem Hause und eine längere Strecke die Straße hinauf mit mächttgen breiten Granüplatten belegen und wer das Pflaster von I. in den dreißiger Jahren kannte, weiß recht gut, was solch eine Oase für die Füße der unglücklichen Spaziergänger damals besagen wollte. Und Liedertrost fieute sich nicht wenig über das schöne, breite Pflaster vor seinem Hause. Wer eines Tages freute er sich nicht. Denn just am nämlichen Tage, siehe da wandelte die Straße herauf Demeter Thimotheus Groducza, der Poltzeikommissar, und die ihn sahen, fürchteten sich, denn der Herr hatte ihn gewalttg und fürchterlich gemacht. Vor Liedertrost's Hause hielt er an. Wraham stand in der Türe, um nach seinen Aufladern zu sehen; da stellte ihn der Gewalttge zur Rede. „Du da," schnaubte er und stieß mit dem Stock auf die Steine, daß die. Funken sprühten, „Du da, was ist das, was geschieht?" „Man pflastert." „So? Man pflastert! Wer hat Dir das erlaubt, Dü Jude Du?" Dies war Wraham's erste Begegnung mll der Polizei. Bis jetzt hatte der Schwiegervater alle diese Behörde betreffenden Verhandlungen geleitet, und Dann & Kompagnie hatten sich, wenn auch bei Verlust, recht beträchllicher Summen, immer noch in ganz leidlichem Einvernehmen mll Herrn Demeter Thimotheus Groducza dabei beftmden. Der alte Dann war aber vor einigen Wochen nach Leipzig zur Messe gefahren und Abraham zur Zeit „Alleiniger Chef selbst"; von Natur ein warmblütiger, tapferer Gesell, hatte er den unglücklichen Einfall, den Verkehr mit diesen Leuten auch einmal besser zu verstehen wie der Alte und Herrn Demeter Thimotheus Groducza imponieren zu wollen. „Wer mir das erlaubt,? fragte er Hönisch. „Meine Mittel erlauben mll das. Und wen geht es an, daß ich Jude bin, he?" Schob seine Hände in die Taschen und ging an dem verblüfft ihn anstarrenden Poltzeikommissar kalllächelnd vorüber. Am Wend dieses Tages erzählte Abraham mit großem Stolz seiner Golde, wie er es dem Erzkujon, diesem Groducza einmal gründlich besorgt habe. Aber am nächsten Morgen besorgte ihm der Poltzeikommissar seinerseits auch etwas, und gründlich war es auch. Zuerst kam ein Strafbefehl, zweihundert Lei zu zahlen wegen unbefugter Pflasterung der Sllaße ohne vorherige Erlaubniseinholung bei der Poltzei, dann kary eine Wtellung Slläflinge aus der benachbarten Verbrecherkolonie mü Spaten und Schaufeln, um das verpönte Pflaster vor dem „verdammten Judenhause" wieder aufzureißen. Darauf kamen zwei Poltzisten, den Wraham Liederllost wegen Beleidigung des Herrn Polizeikommissars sofort zu arretieren, und zuletzt kam zum Glück der alte Dann von seiner Reise wieder, dem es nach unendlichen Bitten, Laufereien und Vorstellungen gelang die leidige Pflasteraffaire durch ein dem alten Kaufmann selbst recht schmerzhaftes, großes, sllbernes Pflaster auf Herrn Demeter Thimotheus Groducza — des Gewaltigen Mund für immer zuzupflastern, wfll sagen zum Todschweigen zu bringen. Das war Abraham Liederllost's erste Begegnung mll der russischen Poltzei. , „Traten bald sich nah und näher Lieb gewannen sie sich nie." Fortsetzung folgt.) Auf zu dem Kriege. Auf zu dem Kriege gegen die Macht, Die Verdummung erzieht in Dumpfheit und Nacht, Die ihr Volk entrechtet im eignen Land, Wo nur Selbstsucht herrschet und Unverstand. Auf zu dem Kriege gegen die Macht, Die ein Volk unterstützt, das Kultur, verlacht, Die sich! im Bunde brüstet mit der Nation, Wo Gewalt heißet Macht und Gesetz wird zum' Hohn. Auf zu dem Kriege gegen die Macht, Die mit Heimtück' und Lüge Krieg hat entfacht. Sich schmachvoll verzehrt in Herrschsucht^ und - Neid Um Deutschlands Größe und Tüchtigkeit. Der Herr wird verhelfen dem Rechte zum Sieg In Segen verwandeln den unsel'gen Krieg, Daß Deutschlands Banner rag' hoch und hehr Der Welt zum Frieden, dem Lande zur Ehr. R. L. Aus Feldbriefe«. . . . Heute liegen wll den 4. Tag in derselben Stellung, in demselben Schützengraben. Der Feind will ebenso wenig Weichen wU wll. Infolge dessen wird darauf losgepulvert was das Zeug hält. Wenn jede Kugel lläfe, gäbe es schon keine Soldaten Mehr. Da dies aber nicht der Fall ist, liegen wll vergnügt hinter unseren Geschützen, und wenn es nicht gerade einschlägt, lachen wir uns einen Ast und setzen uns dahinter als Deckung gegen feindliche Geschosse. Es ist ein Glück, daß man seinen Humor noch hat, und daß dieser .Gegenstand das einzige ist, was uns nicht abhanden kommt. Sonst verschwindet so nach und nach alles außer dem, was man auf dem Leibe trägt. Wenn man auch immer obenauf ist, so kommt man doch nicht über die furchtbar ernste Seite des Kriegs hinweg. Ich will jetzt garnicht von Opfern an Menschen sprechen. Diese empfinden fvll nicht mehr als so schrecklich. Es ist, wie Rabbiner Nobel sagte: Das Einzelwesen ist ganz in der Gesamthett aufgegangen Fällt einer unserer Braven, so wird er sofort anständig begraben und ist einfach! nicht mehr da. Man spricht nicht mehr davon. Der Tod ist etwas Natürliches, fast Selbstverständliches geworden. Dagegen behält man die Zerstörung der Kulturwerte, die der Krieg mit sich bringt, ständig vor Augen. Wie oft, wenn wir bei unseren frugalen Mahlzeiten zusammen liegen — wir haben seit vier Wochen weder auf einem Stuhle gesessen noch unter einem Dache geschlafen — denken wir: Was werden sie jetzt zu Hause machen? Me denkt man an Personen, an e, an Straßen, die einem lieb sind, an Kleinig- , die. man sonst kaum beachtet hat, und die einem jetzt als höchste Güter erscheinen. Ich! will Euch nun zum Schluß erzählen, wie so ein Tag herumgeht. Also gegen 10 Uhr waren wir gestern Wend schlafen gegangen, um 2 Uhr wurden wll geweckt, weil ein nächllicher Ueberfall erwartet wurde. In aller Eile wurden die Geschütze in Bereitschaft gesetzt. Leuchtkugeln stiegen auf, um das Gelände zu erleuchten. Scheinwerfer, Fesselballons, alle Chikanen der Neuzeit. Doch die Nacht verlief ruhig. Unser erstes Frühstück wurde um 6 genommen: Kaffee, Kommisbrot und der Rest unserer Suppe von gestern abend. Seitdem liegen wir hier. Mittagessen bestand aus Kvmmisbrot mit Zwiebeln. Zum Wend erwarten wir wieder eine gute, warme Suppe. Nr. 40; jedoch' Io d» haben Metz' gefei laden,' zur Bett seit - daß es si 8 schien Nest bande bei! zulande si Ich bin Ihr könn Menschen zu haben. Tee gellu so B ook( — Lichi Eine homi Ist ' was uns der Umge in den ] gekehrt a gehenden gekehrt z neues Ex mehr ron Verstandes giofität: ein heilt vajaumru jene andk gleichsam in eine nicht mel nnd charo Leben be' keine Mej in "den .. Daseins hatten, h von ihre nun der die from ihrer M daaobom' die Beauf Heit sein verachteter dem Stu mußten < schämende ist er f Weudert alle mor sphäre ui die, die i »roch in die als he üb erlies . . . Ich erhielt soeben lOU Uhr vormittags mü noch 4 anderen des Batalllons das „Eiserne Kreuz." Heute am Erew Rosch-haschono. Jetzt sollt Ihr aber auch wissen, weshalb: Am 21. August hatten wir bei B. . . i. Belgien eine große Schlacht in einem 8 Kilometer großen Walde. Es war fürchterlich. Sofort fielen verschiedene Offiziere usw. Gegen 5 Uhr nachmittags, nach ungeheuren Verlusten, gewahrte ich mitten im Walde eine feindliche Batterie, die heftig "feuerte. Da keine Offiziere oder -Unteroffiziere zur Stelle waren, sammelte ich ungefähr 40—50 Mann von verschiedenen Regimentern um mich, teilte sie zu ejnem Zuge zu 5 Gruppen ein und führll denselben. Es gelang mir tatsächlich mit diesen paar Mann .die feindliche Batterie zu stürmen, und ich machte außerdem noch 67 Gefangene. Es jwaren dies die ersten eroberten feindlichen Geschütze der Kompagnie bezw. des Regiments'. Diese Tat habe ich deshalb nicht berichtet» da ich mich so nicht habe damit brüsten wollen. So aber> wo ich dafür das Eiserne Kreuz erhielt, sollt Ihr auch wissen warum. Meine Freude ist groß, besonders da ich es vor Rosch-haschono erhalten haben. Einliegend sende ich Euch das Eiserne Kreuz, damit — nein, ich habe es anders überlegt, ich trage es. Der liebe Gott wird seine schützende Hand über mich halten, auf daß ich wieder zu Euch meine Liebe» zurückkomme. Dann will ich es aber auch anhaben. Unser Regimentskommandeur, ein Oberstleutnant lda der Oberst verwundet ist), hielt eine Ansprache, die sehr kernig war: Es würde in der Geschichte des Regiments mein Namen noch bestehen, wenn wir alle schon nicht mehr wären, usw. usw. Fritz Herb-*) morgen chauer Kinder Freihei nerven Arbeit nicht 1 Erbe wird. ohne *) Sohn des Kultusbeamten a. D LeopoldH'erz in Wiesbaden. edes Sturn die n nießen immer in fll obok macht Eefal taub, noch oas chen -s r üle

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