Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 40 (16.10.1914)
- Date
- 1914-10-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jftr. 40 Mcankfurter Zsrcrelitischös WMieMatt. SeSeS Dr. Blumenthal empfangen - und durch die Räume geführt. Sie unterhielt sich mit - jedem einzelnen der Verwundeten und ^-übergab ihnen -Bilder mit eigenhändiger Unterschrift und Blumen. Besonders interessierten sie zwei Langfuhrer Husaren, die unter der Führung des Kronprinzen an der Erstürmung von Longwy .teilgenommen. haben. Ihr Interesse erregten auch die Röntgenaufnahmen, an Hand deren sie sich die Wirkung der Geschosse erklären ließ. Caf£ KaBsergarten am Opernplatz Erstklassiges Familien-Cafö Nachmittags Konzerte. Fr. Hanselmann, Besitzer. Oberstleutnant Emannel Krausz. Auf dem serbischen Schlachtfelde ist -Oberstleutnant Emannel Krausz, einer der befähigsten und beliebtesten Offiziere des österreich-ungarischen Heeres, gefallen. Krausz wurde 1864 in Bonynad geboren, betrat auf Wunsch seines Vaters die kaufmännische Laufbahn und machte nach! dem Einjahrig-Freiwilligen Dienst die Osfiziersprüsung. Die letzten Minuten Krausz' schildert der bekannte katholische Kirchendichter Ladislaus Szepessy, der unter ihm kämpfte, wie folgt: „Er. war ein Grand-Seigneur in des Wortes edelstem Sinne, ein edler Ritter. Au seinem letzten Abend lud er mich noch zum Nachtmahl, damit ich chm meine Gedichte vorlese. . . . Das Verlöschen seiner erhabenen Seele bereitet mir unendlichen Schmerz. Sein Tod war 'würdig seiner Seelengröße. Wir zogen zum Sturme unterhalb des Dügo-Berges; undurchdringliche Finsternis herrschte, eine Verwirrung drohte, da rief der Oberstleutnant: „Jungens, gebt mir eine ungarische Fahne!" — Mau reichte sie ihm. — „Vorwärts!" kommandierte Krausz, und unter der entfalteten Nationalfahne stürmte er vorwärts, an der Spitze seiner Truppen. Plötzlich wankte er. Eine Kugel hatte seine Kehle durchbohrt. Flehend bat er seine Kameraden, sie mögen, ihm doch den Gnadenschuß geben, damit er nicht lange leiden müsse. Mein armer heldenmütiger Führer hatte bald ausgelitten. Mau begrub ihn zwischen dem Dugo und hem Usi Glarica-Berge und bezeichüete sein Grab, damit die Pietät seiner Familie dereinst das Grab finden könne. Wenn jemand, so verdient er es in allererster Reihe. Ich beweine in ihm den reckenhaften, gewissermaßen feiertäglichen Mann, die glänzende Seele, den einem Löwen gleichen Helden, der sowohl in den Salons wie auf dem Schlachtfelde der erste war. . . . Ich bekränze sein Heldengrab mit Herbstblumen, das "Grab des Wackeren» der jetzt ferne, ferne ruht, eingewiegt zu ewigem Schlafe durch Kanonendonner und Flintengeknatter . . ." Elektr. licht-, Kraft-, Srhellen- und Telefon-Anlagen. Tel, Tannns 4389 ff. Referenzen. Savignystraase 51. Aus aller Welt. Stoisches «eich. Frankfurt a. M. Rabbiner Drl Breuer hat wieder einen Beweis seiner Unversöhnlichkeit gegen die Agudas Jisroel-Organisation, der die Besten seiner Gemeinde angehören, gegeben. Er hat einen Herrn, der vor einigen Monaten durch Heirat in seinen Verwandtenkreis getreten ist, zu sich kommen lassen und ihm als sein Lehrer untersagt, weiterhin Talmudunterr icht in der hiesigen Agudas Jisroel-Jugendgruppe zu erteilen. Es dürfte wohl das erste Mal sein, daß Limmudhatauroh aus politischen. Gründen verboten wird. Berti«: Die „Staatsbürgerzeit.ung" verösfentlicht folgende Erklärung: '„Infolge Eingreifens des Oberkommandos in den Marken erklärt die „Staatsbürgerzeitung", daß sie im Hinblick auf die patriotische Haltung der gesamten Bevölkerung von nun ab ihren . Charakter als antisemitisches Blatt aufgib t und zwar nicht nur für den Krieg, sondern auch für den Frieden. Die „Staatsbürgerzeitung" wird in Zukunft lediglich bemüht sein, den Interessen des deutschen 'Handwerks zu dienen und für die gesunde Entwicklung der deutschen Mittelstandsbewegung zu wirken." Amerika. Rew-Aork. Unter Anwesenheit von 150 Delegierten fand hier eine außerordentl. Konferenz der American Zionist Federation statt. Die Konferenz nahm einen glänzenden Verlauf. Es wurden sofort 14,000 Dollar für die Palästina-Institutionen gezeichnet, und es wird — gemeinsam mit dem Uewish-Komitee — eine energische Agitation dafür eingeleitet werden. Hervorgehoben sei hier die Ansprache des sehr angesehenen Herrn Louis D. Brand eis-Boston. Er sagte u. a.: „Mein ganzes Leben lang stand ich fern von meinem Volk und vom Judentum. Erst in den letzten Jahren habe. ich mein Volk kennen gelernt, und da erlebte ich manche Offenbarungen. Durch meinen Beruf und meine Arbeit habe ich verschiedentlich gelernt, mich zu überzeugen, daß unser Volk ein Bollwerk der Moral ist, getragen von einer ewigen brüderlichen Liebe und von einem ewigen Intellektualismus, den wir durch Jahrtausende zu l einem höchsten Gut der Menschheit vervollkommnet haben. Es ist die Aufgabe der gesitteten Judenheit, unsere Nation zu erhalten. Das ist das Ziel des Zionismus. Ich bin glücklich, mit den Zionisten aller Länder zusammenarbeiten zu können. Wir werden die Arbeit fortsetzen!" Der Krieg «ud die deutsche» Jude«. Frankfurt a. M. Dr. Julius Trier, Leutnant der II. Sanitäts-Komp, der 6. Division des 3. bayer. Armeekorps, und Siegfried Rosenberger, erhielten das Eiserne Kreuz. Fraukfurt a. M. Das Eiserne Kr.euz erhielten: Leo Leßmann, Arnold Bernstein-Hamburg, Dr. med. Salberg-Steele, Assessor Dr. Cassel, Heinrich Freirich-Berlin, *Hugo Rothschild- Rotenburg, Josef Zürndorfer-Bochum, Henri Grätz-Hildesheim, Ernst Goldstein-Krefeld, Dr. Eckstein-Königshütte und Dr. Isidor Meyerhof- Rotenfels (Baden). Georg Guttentag-Glatz erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Frankfurt a. M. Gerichtsrelerendor Dr. Herbert Herrmann, Unteroffizier des 21. Reserve-Feldartillerie-Regiment, erhielt das Eiserne Kreuz. Stnttaart. Wilhelm Lemmie, bei Longwy schwer verwundet, erhielt das Eiserne Kreuz. Briefen. Kurt Göb, Sohn der Frau Tinchen Göh .Wwe., erhielt das Eiserne Kreuz. Jchenhanseu. Der beim bayr 6 Feld-Artillerie-Regiment dienende Einjährig-Gefreite H e r m a n n Reichenberger, Sohn des Kaufmanns Naftali Reichenberger. Mitinhaber der Firma Gebr. Sulzer, hat am 30. Sept. das Eiserne Kreuz erhalten. München. Dr Alfred Dessauer, als Alpinist und als Romanschriftsteller bekannt, ist bei Chaton auf dem Felde der Ehre geblieben. Er diente als Stabsarzt bei einem Feldartillerie-Regiment. Laufenselden. Robert Löwenstein. Sohn des Metzgers Wilhelm Löwenstein, erhielt wegen besonderer Tapferkeit und für Lösung schwieriger Aufgaben das Eiserne Kreuz und wurde zum Unteroffizier befördert. Außerdem stehen noch 3 Brüder desselben im Felde.. llrsprinaen. Artillerist Rudolf Dillenberger, Sohn des GuEbesitzers Bernhard Dillenberger. erhielt das EiserneKreuz. Men. - Fähnrich Emil Loewh vom Infanterieregiment 102, Artillerie-Reservezugsführer Karl Weißkopf aus Bubweis und Fähnrich Paul Bermann aus Olmütz erhielten infolge Tapferkeitstaten Ordens- Auszeichnungen. Versoualieu «. Kleine Mitteilungen. Wiesbaden- Am letzten Jom-Kivpur starb Frau FranziskaStern, die Gattin des Lehrers a. D. Joseph Stern. Als Tochter eines Professors in Bayern besaß sie umfassende allgemeine wie südischje Bildung und verband damit echte, altjüdische Frömmigkeit und Bescheidenheit. Das Haus, die Familie,- das war ihr Reich, in dem sie von früh bis spat, bis zu ihrem fast 71. Lebensjahre, ihres Amtes waltete. Pflichterfüllung, Fürsorge für Gatte und Kinder waren ihr einzige Lebensaufgabe. Und als Jfchoh Zeuuah starb sie auch Am Jomkippur, beim Owinu malkenu, erlitt sie in der Synagoge einen. Schlaganfall, und . während die Gemeinde das Bekenntnis der Schemaus zu dem Einig- Einzigen emporsandte, hauchte sie ihre reine Seele aus. R. Hamburg. Das hiesige Central-Comitä des Bikur-Cholim-Hospital zu Jerusalem hat seine Tätigkeit eingestellt. Das Komitee kann infolge des Krieges eine fruchtbringende Arbeit nicht leisten, andererseits will es der Verwaltung in Jerusalem ermöglichen, direkt in neutralen Ländern die Sammlung .fortzusetzen. Forst 1. Lausitz. Die jüdische Gemeinde hat ein neues Gotteshaus eingeweiht. Prediger Pulvermann hielt die Einweihungsrede. Posen. Mit dem Hinscheiden Dr. Karl Jeremias hat'' der deutsche Zionismus einen' seiner begeistertsten und fähigsten Verkünder, die deutsche Judenheit einen ihrer besten Söhne verloren. Jeremias war ein Jude, wie man sie heute in Deutschland iptr in einzelnen wenigen Gestalten noch antrifft. Hervorgegangen aus einem gutjüdischen Hause, ist er niemals dem Strudel der Assimilation verfallen, blieb er , zeitlebens in innerstem Konnex mit dem Judentum. Allein er begnügte sich nicht, das ihm vom Elternhause überlieferte Gut prüfuugslos zu übernehmen und gedankenlos zu bewahren, sondern als geistig hochstehende Persönlichkeit gewohnt alle ihn berührenden Dinge des Lebens kritisch zu betrachten und zu durchdenken, ward ihm das Judentum gar bald zu einem Probleme, ja zu dem Probleme seines Lebens. In innerer Selbstprüfung hat er um sein Judentum gerungen und ging aus diesem Ringen als Sieger hervor. Er erkannte das' Judentum in seinem tiefsten national-religiösen Wesen, und .das für wahr Erkannte mit Energie festhaltend und realisierend, schuf er sich zum Muster eines religiös-nationalen, eines ganzen, geschlossenen ' Juden. Es war so nur natürlich, daß auch für Jeremias der Ruf Theodor Herzls wie eine innere Erlösung und Befreiung erklang, dem er mit . seiner ganzen großen Begeisterung Folge leistete. Er ward zum glühenden Zionisten, und gar bald erwarb er sich! durch seine bewundernswerte Ausopferungsfähigkeit, unermüdliche Tatkraft und» hervorragende Intelligenz eine führende Stellung. Eine langjährige Krankheit hat ihn daran gehindert, in den letzten Jahren seine Wirksamkeit fortzusetzen, und nun hat ihn deir Tod in der Blüte seiner Jahre uns entrissen. Sein Name wird fortleben als der eines Menschen von höchster Gesinnungsreinheit und Charakterstärke, und eines Juden, der die besten Tugenden unseres Volkes in sich in seltener Harmonie vereinigt hat. Pose». Fräulein Rebecka Landsberger ist bei einem Besuche ihres Bruders in Heilbronn plötzlich infolge eines Herzschlages verschieden. Nach Dr. Jeremias nun Fräulein Landsberger, die unermüdliche Arbeiterin auf dem Gebiete ideÄer jüdischer Interessen! Besonders für die hiesige zionistische Ortsgruppe ist der Verlust ein außerordentlich schwerer. Ihr Andenken wird unvergessen bleiben. Budapest. Senatspräfident Dr. Isidor Bannr» garten wurde unter außergewöhnlich großer Beteiligung der ersten Gesellschaftskeife zu Grabe getragen. Zürich. Hier verschied auf der Durchreise Mosche Chajim Benvenista, der 78jährige Vorsteher der jüd. Gemeinde in Cavalla (Griechenland). Aus der Lehrerwelt. Heilbronn. Rabbiner L. Kahn ist Plötzlich verschieden. Er war ein Mann von feiner Bildung und vornehmer Gesinnung und erfreute sich auch bä der nichtjüdischen Bevölkerung hoher Wertschätzung. Die „Neckar- Zeitung" würdigt ihn in einem ausführlichen, sehr sympathisch gehaltenen Nachruf. Sie nennt ihn u. a. einen „Mann des Friedens, der ein Kenner und Genießer guter Dichtung und Musik war und lebhaftes Empfinden für den Ausglesch sozialer Gegensätze, für die Aufgaben .der politischen Erziehung besaß." Auf dem Friedhofe hatten sich wohl alle Mitglieder der jüd. Gemeinde, die amtlichen Vertreter des Bezirk und der Stadt, die Geistlichkeit usw. eingefunden. Es sprachen Rabb. .Dr. Eschelb ach er-Düsseldorf, Kaufmann Scheuer (für israel. Kirchenvorsteheramt). Rechtsanwalt N ör dl in g er-Stuttgart (für israel. Oberkirchenbehörde), Köstlin (für die Stadt) usw. Frankfurter Berichte. Jüd. Bibliothek und Lesehalle. Vom 15. Oktober ab ist die Bibliothek und Lesehalle — Langestraße 33 — wie folgt geöffnet: Bon Montag bis Donnerstag von 1—4 Ühr nachmittags und 8—10 Uhr abends, Freitag Abend nach Schluß des Gottesdienstes bis 10 Uhr» Samstag und Sonntag von V»11—1 Uhr vormittags und von 3—7 Uhr nachmittags. Jüdischer Wauderbönd 191-1. Der Jüd. Wanderbund 1914 nimmt seine Wanderungen wieder auf. Nächsten Sonntag — mittags 2 Uhr ab Eschenheimer Turm —. geht die Wanderung nach Bonames, Niederursel, Ginnheim. Nichtmitgliedä willkommen. Jüd. Frauenvereiniguug. Die Jüd. Frauenvereinignng beabsichtigt, auch diesen Winter ihre Tätigkeit auf geistigem Gebiete aufzunehmen. Programme werden nicht versandt. Die jeweiligen Veranstaltungen sollen durch die jüdischen 'Blätter und zum Teil durch Karten bekanntgegeben werden. Bei genügender Beteiligung findet auch der Lesezirkel wieder statt Frau Adelheid Meyer, Röderbergweg 38, und Frau Regina Bär, Fischerfeldstr. 4, nehmen Meldungen hierfür an. Personalien. Im Kampf i fürs Vaterland fiel Herr Sially Michel im 24. Lebensjahre. Als Schüler der Realschule der Jsr. Religionsgesellschaft war. er mit den Ideen, die ihm in dieser Schule eingepflanzt wurden, verwachsen, und er bestrebte sich auch in seinen späteren Jahren, fiir diese Prinzipien zu wirken. So nahm er tätigen Anteil an der Gründung der Agudas Jsroel- Jugendgruppe in Frankfurt a. M., deren Borstlmd er seit Gründung angehörte, und deren Ideen er wirksam vertrat. Besonders groß waren die Verdienste, die er sich bei der Einrichtung der Lokalitäten dieser Vereinigung und bei der Verwaltung des Kassiereramtes erwarb. Auch sonst nahm er an der jüdischen Jugendbewegung Frankfurts tätigen Anteil. Kleine Rotize». Vergangenen Montag haben die Opernsänger Schramm, Brinkmann, Hutt und Schneider im Krankenhaus der israelitischen Gemeinde, Gagerustr. 36, eine Reihe gesanglicher Darbietungen in hervorragender Weise zum Vortrag gebracht und 'damit den verwundeten Kriegstellnehmern eine große Freude bereitet. Universitäts-Cafe ------- Eratktaaata am Familien-Oaföm - ■V Massige Preise. "MW Besitzer: Ernaf Dunkatm Spezialität: LfflefBRorKen. Francke & Weber* Sr. Erfedbergerstr. 7—U Tel. HanBa 4095. ■