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Neue jüdische Presse · 1914-10-16 · Heft 40 (16.10.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 40 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Frankfurter Wraelitischeß FmMieMatt. Nr. 46. Das Weck ist allerdings so schwierig und' mühevolls, KM vmn es wHl tzegreif^r, tzpm,. daß' nic- MiandDch gerne an drese Arbeit Wagt. Aber getan muß sie werden. Und je Nckhr man es hinausschiM, umso schwieriger nur wird das Werk. So wenig das Jahr dem alten Jischub gebracht hat, umso Mehr bedeutet es für den neuen. Aas große beherrschende Ereignis bildete hier naturgemäß der SpracheukaMpf. Mit unverKichlicher Energie und Begeisterung nahmen die Männer des neuen Jischub den Kampf auf, und mMl weiß welch großer Erfolg ihnen beschießen war. Dieser Erfolg war ein zwiefacher: nach innen hin brachte er die Errichtung eines neuen Netzes rein hebräischer Schulen, nach außen hin aber bedeutete der SprachenÄnnpf, daß ^Palästina nicht gewillt ist, sich nur von Europa aus leiten und bestimmen zu lassen, vielmehr entschlossen ist, btt der Regelung seiner wichtigsten Magen selbst ausschlagge^nder Faktor zu sein. Und dieser Forderung, die der neue Jischub gestellt hat, unterordnete sich das nationale Judentum der gesamten Welt mit fteuöiger Begeisterung. Zum ersten Male stand so im vergangenen Jahre der neue Jischub an der Spitze einer großen jüdischen Aktion, und' mit Recht darf er dm Sprachenkampf als die Einleitung zu einer neuen Epoche sein« Entwicklung mrfthttr, da er beginnen wird, selbständiger, mit- ÜestiMMender Faktor im jüdischen Leben zu werden. Mben diesem großen Ereignis auf dem Gebiete der Kulturarbeit darf die Entwicklung der Kolonisation nicht vergessen werden. Auch sie war im vergangenen Jahre eine durchaus erfreuliche. Große Ländereien wurden neu erworben, und was das Bedeutsamste war, die Privatinitiative regte sich in einer überraschenden Stärke. 'Die gidlstige Stellungnahme der Regierung/ zu den Kvlonisationsbestrebimgen förderte noch! die Arbeit, und'so darf auch die palästinensische Kolonisation ans das vergangene Jahr mit Zufriedenheit zurückblicken. Der Krieg hat auch über Palästina eine starke Krise gebracht. Zumal der alte Jischub, der fast ausschließlich von den Spenden aus Osteuropa existiert, befindet sich jetzt in einer verzweifelten Atze. Allein auch die Kolonien, die ihre Weinimd Orangenernte nur schwer, wenn überhaupt exportieren Limen, und viele jungen Leute zur türKschen Armee, die ja Mobilisiert hat, entsandt haben, leiden empfindlich unter den Wirkungen des Krieges. Es ist jedoch zu hoffen, .daß, sie die Krisis überstehen werden. In .Amerika hat sich unter Fuhruug Dr. Schemarjähu Lewins ein Komitee gebildet zur Unterstützung der palästinensischen Kolonien und Institutionen während des Krieges^ die bedeutendsten Persönlichkeiten der amerikanischen Judenheit — Jakob Schiff, Marshall, Sulz- Vttger, Brandeis, Dr. Magnes —l haben sich ihm angeschlossen, und beträchtliche Summen sind bereits gesammelt. Wie sich die Verhältnisse nach dem Kriege gestalten werden, liegt im Dunkel der Zrckunft beschaffen. Auch über das Geschick der Türkei wird dieser Krieg entscheiden, und bis zum allgemeinen Ausgang des Krieges kann auch über die Gestaltung der palästinensischen .Verhältnisse nichts gesagt werden. Nur das eine — das wichtigste — wissen wir schon heute: Welches auch das politische Schicksal Palästinas, welches auch die Neuorientierung Europas nach dem Kriege werden wird, die Bedeutung Palästinas für das jüdische Volk kann und wird dadurch nicht berührt werden. Auf unsere tausendjährige Hoffnung auf Palästina, dieses heiligste Ideal' unserer Geschichte, wird selbst dieser Krieg Hünen Einfluß hüben können. Der Krieg mag — wie wir hoffen — eine Besserung seiner Lage bringen oder nicht, die Lösung der Jndenftage wird er keinesfalls bedeuten. Dieses Werk, bie Erlösung und Regenerierung unseres Volkes, werdvl uur wir Juden allein aus eigener Kraft vollbringen können. Darum bleibt uns durch, alle Kriegsstürme hindurch Palästina das, was es uns allezeit gttvesen ist: das Land unserer Hoffnung, das Land, unserer nationalen Zukunft. / In allen Jahrhunderten der jüdischen' Geschichte war die Hofftrung auf Palästina die große unzttstörbare Kraft, die das Volk durch, alle Stürme und Wandlungen aufrecht erhielt und die Kontinuität unserer geschichühhen Entwicklung garantierte. Auch in der großen Krisis dieses Krieges, der alle Verhältnisse Europas neu gestatten wird, der hunderte von Tendenzen jäh vernichtet, hunderte neue gebaren wird, bewährt sich Palästina in dieser seiner großen Bedeutung. Auch, uns Juden wird der Krieg eine Wandlung. unserer Lage bringen. Auch für uns bedeutet er in vielen Hinsichten das. plötzliche Ende des Bisherigen, den unerwarteten Anfang einer neuen Zukunft. Was aber das Alte mit dem Neuen, das Gewesene mit dem noch zu Entstehenden verbindet, ist unser Nationaler Gedanke, unsere nationale Hoffnung. Wir werden so nach dem Kriege dasselbe sein, was wir vorher waren: das unvernichtbare Judenvolk, das in allen Stürmen und Nöten seines Daseins ftinen Zukunftsglauben sich bewahrt, und in allem Glück und Unglück, in Freud und Leid die Hoffnung auf die Neuerrichtung seiner Existenz in seinem Vaterlande als das heiligste Gut seines Lebens wahrt und hochhält. Aus de« Ereignisse» des Tages. > Der Appell Israel 3a»gwills. Als vor einigen Wochen durch die europäischen Zeitungen die Nachricht ging, daß Israel Zangwill, der bekamrte Dichter das Ghetto, der Präsident der Jto, von der Regierung in London verhaftet worden sei, weil er in öffentlichen Meetings sich in scharfer Weise gegen die Politik Englands, und seine Beteiligung am Kriege an der Seite Rußlands gewandt habe, da konMen wir mit der gesamten jüd. Presse dieses mutige Austreten des geistvollen Schriftstellers nur mit hoher Genugtuung begrüßen. Es war uns ein Beweis dafür, wie einmütig die gesamte Judenheit aller Länder ist in ihrem Hasse gegen Rußland und ihrem Wunsche, daß Deutschland diesem Barbarenstaate eine vernichtende Mederlage bereiten möge. Nunimehr wird bekannt, daß Zangwllls über Nacht seinen Standpunkt gewechselt und im „Standard" einen Appell an die Judenheit der neutralen Länder gerichtet hat, in dem er sie auffordert, sich in ihren Sympathien auf die Seite der Tripel-Entente zu stellen, da nur sie das wahre Interesse der Judenheit vertrete. Auf die selbstverständliche Frage, wie ein Mann von Vernunft behaupten könne, die Sache der Mächte, die an der Seite Rußlands in den Kampf ziehen, sei auch die Sache der Juden, erwidert Zangwill, daß er in einem Gespräche, das er mit Sir Eduard Gr eh gehabt habe, von diesem überzeugt worden sei, daß sein ursprünglicher Standpunkt falsch sei, und ein Sieg der Triple-EnteMe den russischen Juden Freiheit und Segen bringen werde. Dieser plötzliche Meinungswechsel eines Mannes von dem Namen Zangwllls hat naturgemäß lebhaftes Aufsehen erregt. Allein, wer diesen geistvollen Schriftsteller 'und Redner kenM, wird darob nicht staunen dürfen. Alle Bedeutung Zangwllls als Schriftsteller in Ehren, ein üuger Politiker war er nie gewesen, und politische Versprechungen zu verstehen, darin bestand niemals seine Stärke. Die Rolle Zangwllls als jüd. PoMker war stets eine unglückliche gewesen, so unglücklich, daß sie in letzter Zell geradezu lächerlich zu werden begann. Die Art und Weise seines Ausscheidens aus der zionistischen Bewegung, seine Tätigkeit als Präsident der Jto, in der er sich völlig von schlauen Hintermännern leiten ließ, sein ewiges Suchen nach Judenländern, seine ebenso heftigen, wie nichtssagenden Angriffe gegen den Zionismus, all dies haben Zangwlll zu einer mehr komischen als populären Gestalt im jüdisch-politischen Leben gemacht, und es hat noch selten ein jüd. Witzblatt gegeben, in dem seine eigenartige Physiognomie gefehlt hat. So kann es nicht Wunder nehmen, daß es Sir Eduard Grey gelungen ist, Israel Zangwlll zu einem anderen Standpuntt zu bekehren. Dieser Meister politischer Jntrigue hat schon klügere Diplomaten als es Herr Zangwlll ist, um die Nase geführt, und den ebenso mutigen wie politisch-kurzsichtigen Präsidenten der Jto zum Meinungswechsel zu bestimmen, wird Sir Grey wohl keine allzugroße Mühe gekostet haben. Welches ist das Argument, mll dem Sir Eduard Grey Herrn Zangwlll überzeugt hat? Solange Deutschland als Großmacht existierte — sagte er —, konnte England auf Rußland keinen Zwang zugunsten der Juden ausüben, wohl aus Furcht, Rußland könnte ihm untreu werden und zu Deutschland übergehen. Wenn aber erst einmal Deutschland geschlagen sei, werde.England dazu imstande sein, und Sir Grey versprach Zangwlll, daß England unbedingt eine Besserung der jüd. Lage in Rußland herbeiführen werde. . Es. gehört wahrlich nicht allzuviel politische Einsicht dazu, um die Hohlhell dieser Argumentationzu erkennen! War' England' dennwirklich' nicht imstande, gemeinsam mll' Frankreich die Jüdenpolitik' der russischen Regierung -zu beeinflussen? Glaubt man in der Tat, daß Rußland deswegen England den Rücken gekehrt hätte? Rußland war von Frankreich finanziell abhängig, ein energischer, wenn auch freundschaftlicher Druck der beiden Westmächte hätte seine Wirkung nicht verfehlt. Nein, in Wahrhell hat England dadurchdaß cs zum Bundesgenossen Rußlands wurde, auch die letzte Spur von Freiheitsliebe und Gerechtigkeitssinn, die in seiner politischen Tradition enthalten war, aufgegeben; hat es im Interesse seiner eigennützigen, niedrigen Politik ebenso wie Frankreich nicht' gewollt, irgend etwas zugunsten der russischen Juden zu tun, hat es alle Moral und Freihellsliebe an die russischen Machthaber verschachert. ' Wir wissen es, daß die „Times" seit dem Abschluß der Triple-Entente die russische Judenpolitik offen verteidigt hat, wir. wissen es, daß die Regierung, die ihre Hände mit dem Blüte tausender Juden befleckt hatte, in Frankreich und England die Geldmittel zur Fortsetzung ihrer niederträchügen Politik erhielt, und diese historischen, offenkundigen Tatsachen vermögen alle Worte und Versprechungen eines Sir Eduard Grey nicht auszulöschen. Für jeden, der Rußland kennt, ist es eine unbezweifelbare Selbstverständlichkell, daß ein Sieg Rußlands das furchtbarste Unglück für die russischen Juden bedeutet; die Reaktion würde doppelt frech trimphieren und die Lage der Juden noch weitaus schlimmer werden als sie es bisher schon gewesen. Im Interesse der europäischen Kultur, im Interesse der Befreiung des russischen Volkes, im Interesse der Erlösung der russischen Juden müssen wir Juden nur eins wünschen und erflehen: die Niederlage, wenn möglich! die Vernichtung Rußlands als europäische Großmacht. Diese selbstverständlichen Gefühle und Anschauungen der gesamten Judenheit vermögen die. lügnerischen Versprechungen von Sir Eduard Grey und die kurzsichttge, wenig imponierende Haltung Israel Zangwills nicht zu ändern. Wir sind überzeugt, daß seine, Worte auf die Judenheit Amerikas, für die sie in erster Reihe berechnet sind, keinerlei Eindruck machen werden. Die amerikanischen Juden werden in Zukunft dieselbe Haltung einnehmen, die sie bislang eingenommen: Haß gegen Rußland, Antipathie gegen seine Bundesgenossen und der Wunsch und die Hoffnung auf den Sieg Deutschlands. So wird dieser Versuch Greys, die Judenheit für England zu gewinnen, dieser Versuch zu dem Zangwill sich in so wenig kluger Bereitwilligkeit als Sprachrohr hergegeben hat, völlig wirkungslos verhallen. Die polittsche unglücklich-komische Laufbahn Zangwllls wird wohl durch dieses Manöver um eine Episode reicher, für die Stellungnahme der Judenhell zu den zwei Parteien des Krieges wird es ohne jegliche Bedeutung bleiben. WOLFS-ECK DfepopulärcleGqarre unsortiert- 12H sortiert' 15 G.M.HOLZ HOFLIEFERANT FRANKFURTaM Besuch -er Kaiserin bei Kriegsverwuudetev. Am Mittwoch (7. Oktober) besuchte die Kaiserin die im Israelitischen Krankenheim' (Ahast Jisroel) befindlichen Verwundeten. Das Krankenheim hatte dem Roten Kreuz den größeren Teil seiner Betten zur Verfügung gestellt, und es ,waren dort bereits nach der Schlacht bei Tannenberg alle verfügbaren Betten belegt Worten. Nachdem ein Teil der Verwundeten vor etwa vierzehn Tugen in ein Erholungsheim entlassen werden konnte, kamen vor acht Tagen neue Patienten an, die im Westen gekämpft hatten. Wiederholt war bie Oberhofmeisterin Gräfin v. Brockdorff zum Besuch erschienen, und jetzt, kamdie Kaiserin - persönlich in Begleitung. ihrer Hofdame Gräfin v. Rantzau und . deren Gatten. Die Kaiserin kam gegen zwei Uhr im Automobil vorgefahren und' blieb nahezu. zwei Stunden. Sie wurde von den Chefarzt«! Sanitätsrat Dr. Adler und'Prof. At. 4 Dr. Blv geführt. Berwundk händiger essierten Führung Longwy auch die die Wirk Ca1 En Ob Auf Emanuel Offiziere wurde 1 seines B muh! d ci Prüfung. Die katholisch unter tfj „Er edelstem Abend l ihm mei erhaben« Tod war Sturme Finsternis der Obe Fahne!" kommand nalfahne Truppen. Kehle d sie möge, nich t la Führer schen bei zeichnete dereinst verdient ihm den die glän der sowi der erste Herbstblu ferne ru nendonnc ' 1 Elektr. Tel. 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