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Neue jüdische Presse · 1914-10-02 · Heft 39 (2.10.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 39 (2.10.1914)
Date
1914-10-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sir. 3»; scheu Juden beUmpft wurde, ivährend.er seinem ganzen Wesen nach zu ihnen gehörte und gehören wollte. Und er wurde von ihnen als deutscher Jude beUmpft, von deren Assimilation ihn die ganze Welt des Judentums trennte. .Er, dessen ganze Liebe dem Lande Israel gehörte, wurde angegriffen, weil er angeblich den Zionismus von Palästina ablenlen wollte. Er, dessen Herz mit hoher Begeisterung der Neubelebung der hebräischen Sprache cntgegenschlug, wurde im Namen der Hebraisten angegriffen, und der Mann, der seiner ganzen praktischen Veranlagung nach in allererster Linie dazu berufen war, praktische Arbeit im Lande der Zukunft zu leisteii, wurde als vermeintlicher Feind der praktischen Arbeit bekämpft. Und doch liest er sich keinen Augenblick durch solche Angriffe von dem einmal für richtig erkannten Wege abdrängen. Er liest sich nicht verbittern, und wenn seine persönlichen Gegner mit vernünftigen oder grosten Ideen kanren, so kannte er keinen persönlichen Groll und brachte auch selbst die gröstten Opfer, um die neue Sache mit zu verwirklichen. So war er der erste, der eine wahrhaft große Summe für die hebräische Universität in Jerusalem gab, die in erster Linie in Angriff genommen wurde von Zionisten, mit denen er seit vielen Jahren einen schweren sachlichen Kampf durchfocht. Die Haupttragik seines Lebens liegt freilich darin, daß er Herzls Nachfolger wurde, und dies in einem Augenblick, wo die ganze groste überragende Persönlichkeit des grosten Führers dazu gehören müßte, um das durch den Ügandastreit fast gescheiterte Schiff der Organisation in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Daß es ihm gelungen ist, unter gleichzeitigem Kampfe nach außen, einen Zweifrontenkampf im Inneren siegreich durchzuhalten, gegen den Territorialismus ebenso wie gegen die entgegengesetzten extrem-zionistischen Richtungen, das war nur möglich, weil er selbst eine überragende Persönlichkeit war. Darum blieb er der anerkannte Führer der Gesamtorganisation auch dann, als er, um den Frieden in der Partei zu erhalten, freiwillig vom Präsidium zurückgetreten war. Darum erschien er noch in Wien als der wahre und als der rechtmäßige Leiter der Bewegung. Denn nach Herzls Tode war er die bei weitem größte und überragende Persönlichkeit in der ganzen zionistischen Organisation. Mühsam mußte er sich die Möglichkeit erkämpfen, für seine Ideale mit Anspannung aller seiner Kräfte tätig sein zu können. Er hat diesen Kampf durchgehalten, in dem andere, die schwächer sind, vorzeitig erlahmten. Denn er war eine Kraft, die noch ganz anders gewirkt hätte, wenn es ihm nicht vom' Schicksal bestimmt gewesen wäre, von der Tragik verfolgt zu werden. Und diesem Manne, dessen Wesen die Treue war, dem wir die Treue und Liebe bewahren werden, die er uns gewahrt hat, blieben Tragik und das widrige Geschick treu bis zum letzten ^Atemzuge und über den Tod hinaus. Er starb in einem Augenblicke, wo aller Augen und Erwartungen so sehr von übermächtigen Weltereignissen in Anspruch genommen sind, daß senk Hinscheiden, das sonst im jüdischen Volke einen tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht hätte, teils übersehen und teils garnicht bekannt wird. Er war eben in «allem ein echter Jude. Tragisch wie das Geschick seines Volkes war sein Schicksal. Unverdiente Feindschaft und bitterer Neid verfolgten ihn. pebersehen und nicht genannt, wo er hätte beachtet und geachtet 'werden folleit, und treu bis über den Tod seinem Volke. Der Mann, der dahingegangen, hat seinen Namen trotz allem mit unvergänglichen Lettern in das Ehrenbuch des jüdischen Volkes eingetragen. Dicht unter dem Namen Theodor Herzls steht mit ewigen Buchstaben im Goldenen Buche der Geschichte Israels der Name David Wolffsvhn. Heinrich Loewc. I Offenbaehei Druckluft-Anlage I I Offanbacll 1.1, Telefon 123. (Anschluss mitFrankfurt). I I Bewährteste T«pplebr»lnl0Ung (100,000 qm jfihrUcb)| ■sowie unQbertroffans Battenu. Battfadarnrelnl-1 mittelst Druckluft und Waaserdampf. aJI Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Die Haltung der amerikanischen Juden. Der „Jewish Exponent" vom 21. August schreibt: Der Krieg und die Judenfrage. - Der Krieg wird natürlich für die Judenfrage in Europa von ganz besonderer Bedeutung sein. Biele Juden aus den kriegführenden .Ländern dienen selbstverständlich in -en Armeen neben ihren Landsleuten. Rußland, das ihnen die einfachsten Rechte verweigert, besitzt nichtsdestolveniger die Kühnheit, lihre Dienste, in Anspruch zu nehmen. Eine in den Tageszeitungen veröffentlichte Schätzung besagt, daß etwa 250,000 Juden in der russischen Armee und über 50,000 in anderen Heeren dienen. Die russischen Zahlen sind übertrieben, die der anderen Mächte werden sich wohl noch erhöhen. Der Krieg wird «zweifellos über die Frage des Gleichgewichtes der Mächte 8» Europa entscheiden und gleichfalls bestimmen, welchen Weg die Entwicklung der Zivilisation geheit wird. Wenn die Tripleentente einen entscheidenden Sieg erringen »wind, so wird dies alles andere bewirken, als eine Eindämmung der russischen Ausdehnung nach dem Osten und nach dem größten Teil von Zentraleuropa. Diejenigen, die sich in dem Gedanken einer solchen Möglichkeit sonnen, mögen ihren Wahn hegen, bis man sie davon heilt. Aber es steht noch garnicht fest, daß die Tripleentente siegen wird: im Gegenteil, es ist garnicht unwahrscheinlich, daß der Kampf unentschieden bleiben wird. In beiden Fällen würde das Los der russischen Juden weiter so hart bleiben wie bisher, und selbst die geringen Milderungen, die man ihnen jetzt zugesteht, werden widerrufen werden, und die Hooligans und Reaktionäre werden die Dinge nach ihrer Methode regeln. Andererseits würde die entscheidende Niederlage Rußlands das baldige Ende des jetzigen Regimes und die Errichtung einer Regierungsform zur Folge haben, die liberalen Ideen! weit zugänglicher wäre als irgend ein Regierungssystem, dessen sich das russische Volk bisher zu erfreuen gehabt hat. Dies würde notwendigerweise zur Befreiung der Juden von der Knechtschaft führen, in der sie bis jetzt geschmachtet haben. Die Niederlage Rußlands würde natürlich Unheil für England und Frankreich' mit sich bringen, aber dieser Uinstand würde keinen Einfluß auf die Jndenfrage haben, abgesehen davon, daß die Schwächung des Einflusses des englischen Handels zweifellos zu einer größeren Beschränkung der Einwanderung führen wird. Die Stellung der Juden in England ist gesichert; sie sind so patriotisch wie irgend ein anderer Teil der. Bevölkerung, und sic werden der Fahne ihres Landes folgen, wie immer es kommt, und so viele von ihnen auch immer das Bündnis mit Rußland mißbilligen werden. Deutschlands „Platz an der Sonne" würde durch eine Niederlage verloren gehen, während ein Sieg den Kaiser und sein Land an die Spitze der europäischen Nationen bringen würde. Deutschland scheint zu fühlen, daß cs einen, Kampf für seine Existenz ausficht, und zu welchen Anstrengungen es unter solchen Umständen fähig ist, hat ies in den Befreiungskriegen gegen Napoleon vor 100 Jahren gezeigt. Seine Antisemiten geben vor, die eigentlichen Patrioten zu fein, und ein Sieg des Kaisers würde zweifellos ihre Anmaßung noch verstärken. Indessen wird voraussichllich der Kaiser keiner Politik zustimmen, die eine Beschränkung der jüdischen Rechte zum Ziel hat, denn niemand weiß besser als er, .wie immer das Ende des Krieges sein wird, die geschäftliche und industrielle Tüchtigkeit der jüdischen' Bevölkerung zu schätzen, die zur Wiedererrichtung des Landes erforderlich ist. Ein Sieg Rußlands würde ivohl Deutschland eines Teiles seines polnischen Besitzes berauben und würde zweifellos ein großes Stück Galiziens von der Doppelmonarchie abreißen. Die zahlreiche jüdische Bevölkerung dieses Landes würde bei diesem Wechsel der Hauptleidtragende sein. Die Verhältnisse in Galizien sind keineswegs ideal, aber sie sind ungemein besser, als sie irgendwie im Falle eines russischen Sieges sein würden. Dies ist eine Skizze der Lage, wie sie sich zur Zeit darstellt. Es ist nicht gut, wenn die Juden In diesem Kampf als Juden Partei ergreifen. Es ist ftii Gegenteil zu wünschen, daß die Juden unseres Landes treu und ehrlich die Neittralitätserklärung befolge», die Präsident Wilson abgegeben hat. Ein Land gibt es, das alle Juden außerhalb seiner Grenzen verabscheuen und verwünschen; aber selbst unter diesem Gesichtspunkt sollen den Juden unseres Landes die Pflichten der amerikanischen Bürgerschaft höher stehen, eines Landes, das sich sehr wohl dazu entschließen kann, eine Politik des wachsamen Abwartens -. einzunehmen und die Zukunft entscheide» zu lassen. Aus a$Xex Well. Großbritannien. London. Die „Times", die seit kurzem eine höchst unfreundliche Stellung gegen die Juden eingenommen hat, richtete in der vorigen Woche «injm heftigen Angriff, auf die jüdische Presse» .Newyorks, weil diese in der gegenwärtigen Krisis Sympathien für Deutschland zeigte. In den letzten Monaten hat die Times eine Reihe von Artikeln gebracht, in denen die Stellung Rußlands ,zur Jndenfrage verteidigt wirst. Gleichzeitig wurde sehr tvohl beobachtet, daß die Times eine große .Anzahl -Inserate der russischen Regierung brachte, für die zweifellos beträchtliche Summen aufgewendet worden sind. Ein weiterer Kommentar dazu ist überflüssig. fett' 3 Cafe Kaisergapfen am Opern platz Erstklassiges Famillen-Catö Nachmittags Konzerte. _Fr. Hanselmann, Besitzer, Der Krieg und die deutsche» Jude». Frankfurt a. M. Das Eiserne Kreuz erhielten Einj. -Freiw. Blum aus Frankenau, Bizefeldwebel d.;R. Dr. Alfred Apfel aus Berlin, Vorsitzender des Verbandes der Jüd. Jugendvereine Deutschlands und Rittergutsbesitzer Richard Israel aus Berlin, Mitglied des kaiserl. freiw. Automobilkorps. Frankfurt a. M. Das eiserne Kreuz erhielten ferner Harry Müller-Breslau und Dr. Benario- Frankfurt a. M., .Hans Fr e y st ad t-Berlin, Dr. med. MaxKirschner - München und Dr. med. Rosenbaum- Königsberg. Berlin. Reichstagsabg. Heyn, Pfarrer an der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche, schreibt in der ,^Voss. Ztg.": „Das Wort des Kaisers, das ihm die Herzen seines ganzen Volkes gewann, lautet: Ich kenne keine Parteien mehr, nur noch Deutsche! Sollte man es für möglich halten, daß trotzdem an bestimmten Stellen, die ich einstweilen »nicht nennen will, reiche Gaben für heilsame Zwecke nur mit dem bekannten Naserümpfen angenommen oder auch abgelehnt wurden aus keinem anderen Grunde, als weil jüdische Hand sie bot?" München. Die JIrael. Religionsgesellschaft (Obel Jacob) in München hat durch den Tod ihres Religionslehrers. Max Strauß, Unteroffizier im 1. bayer. Landwehr-Inf.-Regiment, einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Verlebte, welcher am 4. September den Tod auf dem Felde der Ehre fand, erfreute sich als Lehrer und Mensch in weitesten Kreisen großer Beliebtheit. Es war besonders neben seiner Frömmigkeit seine große Friedensliebe, die ihm die Zuneigung und Wertsckstitznng erwarb. Der jüd. Wanderbund.Blau- Weiß" verliert in ihm ein Ausschußmitglied und einen aufrichtigen Förderer. München. In der „Münch.-Augsburger Abdztg" lesen wir: Es ist recht interessant, in dieser Zeit, wo uns Deutschen Barbarei und Vandalismus zum Borwurf gemacht werden, auf folgende authentische Vorgänge hinzuweisen, in deren Mittelpunkt der Sohn eines in weiten Kreisen bekannten Münchener Bürgers, des Kantors E. K i r s ch n e r, steht. Der Assistenzarzt d. R. Dr. Max Kirschner aus München, Assistenzarzt in der Prof. Katzensteinschen Klinik in Berlin, der kürzlich bei heftigstem Granatfeuer ca. 100 Verwundeten in einem Walde die erste Hilfe leistete, bevor ihre eigene Sanitätsabteüung herankam, hat sich weiter dadurch ausgezeichnet, daß er bei einem' nächtlichen Patronlllenritte in einem brennenden Dorfe aus einem brennenden Hanse sechs verwundete - Franzosen — als» mit eigener, doppelter^ Lebensgefahr — dem Verderben entriß, indem er sie hinausbefördern ließ und verband. Er wurde für diese heldenmütige Tat mit dem Eisernen Kreuz belohnt. Wie«. Unter den mit Hoden Orden ausgezeichnete» jüdischen Offizieren sei in erster Linie erwähnt Oberstleutnant und Bataillons-Kommandant Maximilian Utlmann, welcher für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde die Eiserne Krone 3. Kl. mit der Kriegsdekoration erhielt. »Oberstleutnant Ullmann wurde verwundet und befindet sich derzeit in Spitalspflege in Wien. Der bekannte Redakteur Karl Ullmann ist sein Bruder. — Weiters wurde ausgezeichnet Stabsarzt Dr. Leopold Redlich, welcher das Ritterkreuz mit dem Franz Josefs-Orden, zu tragen am Bmüre des Militär-Verdienstkreuzes, erhielt. Wie». EliaS ftalbor, der ehemalige Chef der Adrianopler Filiale der »deutschen Orientbank, hat in früheren Jahren ausgedehnte Reisen in Rußland, im Kaukasus, in der asiatischem Türkei und in Armenien gemacht. Auf seinen Reisen und im Wege des Privatstudiums hat er sich die Kenntnis von 17 Sprache» angeeignet. Erwar wohl zu keinem Kriegsdienste verpflichtet, hat jedoch nach Ausbruch des Krieges seine Stellung aufgegeben und seine Dienste der Kriegsleitung angeboten. Diese wurden gerne angenommen und Kaldor wurde als Dolmetsch mit dem Range eines Hauptmannes dem Generalstabe zugeteilt. Dieser Dolmetsch des Generalstabes ist auch Besitzer des Franz Josef-Ordens. Diese Auszeichnung hat sich Kaldor bei der Erstürmung von Adrianopel verdient denn er war ,der einzige Ungar, der sich in der belagerten Stadt aushielt und als solcher der Monarchie große Dienste geleistet hat. Budapest. Das „Budav. Tagbl" schreibt: Bom galizischen Kriegsschauplätze kommt die Nachricht von dem Tode des Budapester Advokaten Dr. Ludwig Dömony, eines der ersten Zionistensührer Ungarns. Dr. Dömsny stand im 35. Jahre und diente als Leutnant des Landsturmes. Er war als guter »Organisator und Redner bekannt und hat seinen Ideen mit Hingebung gedient. Budapest. Auf Ausführungen Hosrats Franz Szekelji im> „Pester Lloyd" antwortete die ungarische Regierung: „Es ist eine irrige Annahme, daß die Staatsregiernng die 300—400 jüdischen Flüchtlinge aus Galizien unversorgt läßt und daß der Budapester Kultusgemeinde - die Aufgabe zufällt, für den Lebensunterhalt dieser Unglücklichen zu sorgen. Zunächst sind die galizischen Juden, die nach Budapest verschlagen wurden, nur ein geringer Bruchteil der großen Masse der galizischen Flüchtlinge; ihre Zähl beträgt Tausende. Die ungarisch Regierung hat es sich angelegen sein lassen, alle diese Flüchtlinge in werktätiger Menschlich-

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