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Neue jüdische Presse · 1914-09-25 · Heft 38 (25.9.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 38 (25.9.1914)
Date
1914-09-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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"SS 8. irem So atioürkei ens ldcnchbeist, E sches scher der Voriben. der h. in t im [ an , um Daß Trieg hat So dariischen Krieg auch :oßen nnen. :dient Volk Vere bejüdidiese uns. Arider ihrem n zu Die i Betz wur, wren, nicht ichster Stel- Mgen ,ch ist enteins: ionen s besieden dasseinen g uns der eige- : über bisher grasstätte stieren nerika inigen : die mndesperrt. f beinmßtc n, die urden. üdische iedelte e Ber die aimale letzten ße, in lidiert, Leben, Brecht e, die Zukunft s seit :n der lunsten Einfluß Seit« 3 Brief «ms Oesterreich. Ein bekannter Wiener Schriftsteller teilte „Blochs Wochenschrift", dem Organ der Israelit. Kultnsgemeinde, die Aeußerung eines hohen Ministerialbeamten mit, „daß die Frauen der aus Galizien nach Wien geflüchteten wohlhabenden Juden auf der Ringstraße, im Stadttzark und in den Kaffeehäusern durch ihre reichen zur Schau getragenen und schmuckbeladenen Toiletten ganz besonders auffallen, daß man aber nicht davon vernommen habe, inwiefern diese reichen Familien für ihre unglücklichen armen Schicksals- und Glaubensgenossen in Wien, deren Not so groß ist, irgendwie Opfer und Teilnahme an den Tag gelegt hätten." Hierzu bemerkt das Blatt: „Die Anklage N mangelnder Großherzigkeit trifft mH die bleich- *, :| neten Kreise allein, offen, und unverhohlen hat ' .j ein offiziöser Aufruf an die Vermögendsten, die . * Reichen, die Millionäre des ganzen Reiches fich gewendet, die gerade seltsamerweise die Pflicht des V'jj Augenblickes nicht in dem Umfang erfaßt haben,; j als wünschenswert und selbstverständlich gewesen I wäre. Auch die bekanntesten Träger ererbter Reich-; tümer haben sich nicht durch jene Opferwilligst ff ausgezeichnet, entsprechend der Not des Tages itnd; der Wichtigkeit des Momentes." .; Es hat sich also auch hier wieder einntal .' j die alte Erfahrung bewahrheitet, 'daß unter den .. S Reichen die Edelsten der Nation am seüensten 's -; sind. Reichtum Macht leicht hart und engherzig. { Man vergesse auch nicht, daß die großen Spenden;. h der Reichen weniger bedeuten als kleine Gatzen f| der gewöhnlichen Sterblichen, denn für letztere bedeutet jede Gabe die Auferlegung. einer eigenen 4 Entbehrung, für elftere aber nicht. — | Nach diesem in der jetzigen Kriegszjeit tzej..4 sonders schweren Vorwurf sei zu Erftenlichem übergegangen, nstmlich zu dem! Mischen Heldenmute, von dem jede Woche neue Belege bringt. iij| In dem vorigen Briefe waren mehrere .Mische Helden gewürdigt worden, unser heutige Brief kann . Z wieder von Tapfern unserer Mischen Gemeinschaft; erzählen. fl In der Schlacht bei Schabatz starb der Häufstmann Martin Burger denHÄdentoit MkM, fl ein ehemaliger TalumdschAer, stand feit Mn!, 1 Jahren an der Spitze des PreMchartemeNts des , ] gemeinsamen Kriegsministeriums und meldete 'sich! j sofort bei Beginn des Krieges gegen den Willendes j Ministers, der den genialen Beamten nicht ziehen > lassen wollte, als Freiwilliger. jr: Leutnant Oskar SiNgep vom 58. Hr-! fanterieregiment machte sich im heftigsten Artillerien {k; teuer an den Gegner heran. Es gelang chm, f einen feindlichen Zünder der nächsten Batterie Kr -j , übergeben, die hierdurch die Distanz und die Stä- ' \ lung der feindlichen Artillerie ermitteln konnte.; ‘ Dadurch war der Sieg unser, aber Leutnant > ' Singer fiel. j J Als Dritter sei der junge WHnrich Fredh , - Pick erwähnt, der als jüngster unter seinen j I Kollegen auf dem Schlachtfelde bei Krasnik Kam- Mandant der Maschinengewehrabteilung wurde. Auch? er nrußte den Tod für das Vaterland sterben. ° } Sein Major schrieb in dem' Briefe, den den {'l Eltern den Tod anzeigte, u. a.r „Das g«He Bataillon war stolz auf ihn, der sich als erster im Regiment innerhalb neun Tagen seiner Wirk- '[ famkeit bereits eine Belobung im Regimeintshm- .; : mandobefehl erworben hatte." Skr. 38 bereits die Judenheit Amerikas gewonnen hat. Es ist kein Zweifel, daß dieser Einfluß von Jahr zu Jahr steigen wird und wir so noch Großes und Bedeutendes von der Judenheit Amerikas erwarten dürfen. Und nunmehr zu unserem. Vaterlande. Leider bildet die äußere Lage der Judenheit Deutschlands noch imMer ein besonderes Kapitel der jüdischen Jahreschronik; wir mären glücklich, wenn dieses Kapitel bereits so gut wie verschwunden wäre. Allein, weit davon entfernt, ist dieses Kapitel im Laufe des letzten Jahres stärker gewachsen,.und nur der eine Name: Wandervogel belehrt uns, welch trauriger Art dieses Wachstum war. Jedoch, wir begyügen uns jetzt, nur an diese schmerzlichen Ereignisse zu erinnern; näher auf sie einzugehen, hieße sich gegen den Geist und das Gebot, der Stunde versündigen. Für die Dauer des Krieges wollen wir all dies gerne vergesset; hoffen wir doch zuversichtlich, daß dieses zeitweilige Vergessen nach dem Kriege ein endgültiges wird werden dürfen. Die gewaltige nationale Begeisterung und Eintracht, die der Krieg ausgclöst hat, bedeutet ja in mancherlei Hinsicht eine radikale Wandlung unserer inneren politischen Verhältnisse. Welcher deutsche Jude hofft nicht, daß sie auch in puuoto Gleichberechtigung den Beginn einer neuen .Zeit verkündet? Und so wollen wir denn jetzt das, was das vergangene Jahr für die äußere Lage der deutschen Judenheit gebracht hat, mit Schweigen übergehen; kein Blick auf das Vergangene soll uns die Weihe und Größe der Gegenwart trüben. Nur auf die Zukunft ist unser Blick gerichtet, und — ist es wieder unser überschwenglicher jüd. Optimis- ( mus, ist es unsere Begeisterung im Dienste des Vaterlandes, was uns aus dem blutigen Entsetzen der unmittelbaren Gegenwart das goldene Morgenrot einer neuen Zeit emporsteigen sehen läßt, einer Zeit des Friedens Upy her Eintracht, der Gleichheit und Freiheit? Welche innere Kraft es. auch sei, die uns dieses herrliche Bild vorzaubert, wir hoffen, wir glauben, daß es kein leerer Wahn sei, vielmehr nur das frühe Schauen der wahren zukünftigen Wirklichkeit. Aus deu Ereignisse« des Tages. 3um Jaum-Kippur. Unter allen jüdischen Feiertagen nimmt Jaum-Kippur, das Versöhnungsfest, eine besondere Stellung ein. All unsere anderen Feste tragen nationalen Charakter. Die meisten knüpfen unmittelbar an ein großes bedeutsames .Ereignis der jüdischen Geschichte an, und.auch diejenigen, die nicht historischer Natur sind, wie Rausch-haschonoh, sind doch in ihrem Wesen national. Es ist ja der Wechsel des jüdischen Jahres, den wir am Rausch-haschonoh feiern, es ist eine jüdische Eigentümlichkeit, unsere besondere Art der Zählung, was die Grundlage dieses Festes bildet. Dieser durchwegs nationale Charakter der jüdischen Feiertage entspricht eben dem Geiste des Judentums, das, wenn es auch stets den Gedanken der einen Menschheit gekannt und gepflegt hat, doch die Einteilung und Sonderung der Menschheit in Nationen und Staaten als die Grundlage ihrer geschichtlichen Entwicklung erkannt und auch als Postulat gefordert hat. Nur in der Form nationaler Sonderentwickluug schreitet die Allmenschheit fort, und nichts ist dem Judentum fremder und entfegengesetzter als die Idee des antinationalen 'osnwpolitismus. Von dem nationalen Charakter der jüdischen Feste bildet Jaum-Kippur die einzige Ausnahme. Dieser tiefst religiöse aller jüdischen Feiertage schwingt sich über alle menschlichen Sonderungen hinaus und erhebt sich ganz in jene reinen Sphären, in denen der Mensch nichts ist als Mensch. In der unsagbar tiefen, unbeschreiblich ergreifenden Stimmung des Jaum-haKipurim vergessen wir uns in all unserer irdischen Gebundenheit und Beschränktheit, befreien wir uns von allen Fesseln unserer menschlichen Ordnung, betrachten wir uns als nichts anderes denn als Geschöpfe Gottes, denn als Menschen. Und mit demselben Auge schauen wir unsere Mitmenschen an; sie verlieren .für uns all ihre sozialen. Eigentümlichkeiten, sie sind uns nicht Freund und nicht Feind, nicht Genosse oder Gegner, nicht Herr oder Hiener, sondern nur Menschen, Kinder desselben Gottes, Glieder dev einen Frankfurter Israelitisches FamilienblaL Menschheit und' so ' unsere' Brüder. Die gesamte'' Menschheit umschließen wir aut Bersöhnungstage in unserer Brust, über alles Trennende hinweg versöhnen wir uns mit all unseren.Mitmenschen tvie mit unserem 'Gotte, und gewissermaßen. als neue Menschen,. als neugewordene Glieder der Menschheit treten wir aus diesem hehren Festestage heraus. Darum erfordert kein Fest von uns jo viel sittliche Kraft als Jaum-Kippur. Nur, wenn wir allen Groll und Haß gegen unsere Mitmenschen, allen Neid und alle Gegnerschaft gegen andere in uns überwinden, sind wir fähig, dieses Fest zu feiern. Jeder Jaum-Kippur bedeutet uns eine erneute Selbstüberwindung und Selbstläuterung. Niemals wohl ist es uns schwerer gefallen, den Jaum-Kippur zu feiern, als diesmal. . Eine Welt von Feinden hat sich gegen unser Vaterland. erhoben, alle Empfind unngen des Haffes und der Feindschaft sind in uns im höchsten Grade auf- : gepeitscht worden, unser Teuerstes müssen wir hinopfern, weil neidische Feinde, eroberungsgierige Barbaren und rachsüchtige Nachbarn uns überfallen haben; Qualen der schlimmsten Art Müssen wir ertragen, Wunden werden vielen unter uns geschlagen, von denen sie sich zeitlebens nicht zu erholen vermögen werden, und da sollen wir den Jaum-Kippur feiern, den Tag der Versöhnung mit all unseren Mitmenschen! Wer .weiß jetzt noch, was Menschheit bedeutet, wir kennen nur Deutsche und Franzosen, Oestreicher und Russen und Engländer! Und dennoch! Niemals war Jaum-Kippur uns notwendiger als jetzt. Nur der Gedanke, dem der Jaum-Kippur geweiht ist, vermag uns vor der schlimmsten, furchtbarsten Gefahr zu bewahren, die dieser Krieg mit sich bringt. Denn seien wir uns doch dessen bewußt: Wenn Tausende auch fallen. Hunderttausende verwundet, wenn Kulturgüter der wertvollsten Art auch zerstört werden in diesem Mörderischen Völkerkriege, schlimmer, viel schlimmer noch als all dies wäre doch jenes, daß der allmenschheitliche Gedcknke uns verloren ginge in diesem Kampfe. Denn damit würden wir die höchste Idee unserer Kultur verlieren; würde dieser Krieg das Ende des Menschheitsged'aNkens bedeuten, er würde unsere Kultur um Jahrhunderte zurückwerfen. - Bon dieser furchtbaren Gefahr, die Uns droht, vermag uns der Jaum-Kippur zu .bewahren. Ist er für uns alljährlich ein Segen, so ist er uns diesmal höchste Notwendigkeit. Es wird uns lehren, daß trotz aller Kämpfe und Schlachten, trotz allen Hasses und Neides der Menschheitsgedünke seinen Sinn, seine Weihe, seine Größe bewahrt, daß über all die Momente hinweg, die die Wlker hemmen und sich Feinde werden lassen, doch has Größere und Bleibendere da ist, das sie eint und' bindet. In der Stunde der Leidenschaft, in diesen Tagen der Empörung über den brutalen Ueberfall seitens unserer 'Feinde, der Begeisterung für unser angegriffenes Vaterland mögen diese allgemein menschlichen, völkereinenden Werte vielleicht an Bedeutung zurücktreten, vergessen dürfen wir sie nicht, jetzt erst recht nicht. Wissen wir doch,, daß auch das Schlimmste ein Ende nehmen muß; auch dieser Krieg wird vorübergehen, wieder wird, der Tag des Friedens 'kommen, wieder wird die goldene Sonne die Erde bestrahlen, wird der Frühling prangen werden die Blumen düsten, werden sich die Menschen in Liebe und Eintracht zusammenfinden. In den Tagen der furchtbarsten Kämpfe des Altertums, da sich die zwei Weltmächte Assyrien und Egypten in mörderischem! Ringen gegenübertraten, schauten unsere Propheten die Tage des ewigen Menschheitsftiedens, und während Asiens Gefilde vor Kriegsgeschrei widerhallten, VeMnLeten sie das Ideal des messianischen Zeitalters. Seien - wir uns bewußt, die Enkel dieser Propheten zu sein. Während Europas Heere gegen einander kämpten und die Erde sich rot färbt vom Blute der Gefallenen, wollen wir unseren Jaum-Kippur .feiern, wollen wir den Gedanken der einen Menschheit Pflegen und wahren für die kommende schönere Zeit des Friedens, eingedenk der großen, ewigen Grundwahrheit des Judentums,' daß das Uebel einmal schwinden müß, das Gute,. Edle aber ewig dauert? Diepopu lärste Gqarre unsortiert 12/^ G.MHOLZ sortiert 15^1 G.M.HOL2, j HOFLIEFERANT •>» ' 8 FRAMKFURTftM ( — -- - - -• -• - r;

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