Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 38 (25.9.1914)
- Date
- 1914-09-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i! E«te 2. lnrgeit. Melem, Kas er sagte,, konnte ich nicht zustimmen, i manche Anschauung, die er vertrat, HÄt ich für durchaus falsch. Aber mich interessierte dies nicht weiter. Ob richtig, ob falsch, das Bedeutsame war, daß er es gesagt hatte, Dieser Eindruck, den jeder von ihm fortnahm, zeugt besser als alles andere von seiner Größe. Wenn der gewöhnliche Mensch eine Meinung vertritt, so ist das WesenÜiche eben die Meinung; aus - ihrem Werte schöpft er erst seine eigene Wurde. Demgegenüber ist es das Kennzeichen des großen Mannes, daß die Ideen in seinem Munde nur zu Aeußerungen seiner selbst werden und von seiner Größe ihre eigene Bedeutung herleiten. Darum war es so falsch von uns, in Wolffsohn stets nur den Führer der politischen Zionisten zu sehen. Er war mehr als der Führer einer- Partei, als der Vertreter bestimmter Ideen. Erwar ein Mann sui generis, und die Ideen, die' er vertrat, gewannen chre Bedeutung dadurch, daß er sie vertrat. Es war dies das zweite große Unrecht, das wir ihm antaten, daß wir ihn in den letzten Jahren nur als Oppositionsführer behandelten und demgemäß die Meinungen, die er äußerte, bewerteten. Wir hätten nur dessen bewußt sein sollen, daß David Wolffsohn es ist, tEr sie äußert, und sie so gewogen werden müssen nicht als die Meinungen des Führers der Opposition, sondern als diejenigen der überragendsten Persönlichkeit der zionistischen Bewegung. Auch dieses Unrecht hat ihn ttef geschmerzt. Sehen zu müssen, daß er doch ein Außenstehender geworden war, einer, den man wohl aichört, der aber auf die Leitung der Geschäfte ohne entscheidenden Einfluß ist, mußte ihn, deM der Zionismus sein einziges und seinalles war, bitter kränken. In den letzten Jahren ward dies zum tragischen circulus vitiosus seines Lebens; er konnte nicht in die Leitung eintreten, well er krank war, und es steigerte seine Krankheit, nicht an der Leitung der Bewegung mllarbeiten zu dürfen.. Theodor Herzl starb als Opfer des Zionismus, 'auch David Wolffsohn ist so gestorben. Er hat seinen Körper zu Tode gearbeitet im Dienste der Monistischen Idee. Jetzt, tza er nicht mehr da ist, werden wir erst erkennen, was wir in ihm verloren haben. Sein ganzes Leben stand unter dem Zeichen des Kampfes gegen ein widriges Geschick. Auch sein Tod steht unter diesem Zeichen... Inmitten der Kriegswirren Europas ist er verschieden, und in dem Lärm und der Unruhe des Tages finden wir nicht die.Muße, ihn gebührend zu beÜagen. Allein, wie er im Leben Sieger über alle Tücken des Geschickes geblieben ist, so wird auch sein Geist nach seinem Tode alle Mißgunst des Schicksals überwinden. Entrückt dem Strecke der Parteien, enthoben dem Gezänke der Fraktionen, wird seine Gestalt rein und abgeklärt nun dastehen; die Jrrtümer in seiner Beurteilung werden schwinden, das Unrecht, das nur ihm angetan, werden wir beklagen, und seine Persönlichst wird uns zum herrlichen Sym> . bole werden; zum Symbole der Größe und Reinheit der zionisttschen Idee, durch die David Wolffsohn seine bleibende Bedeutung gewonnen hat, .zum Symbole der Begeisterung und Hingabe an diese Idee, als deren Opfer David Wolfffsohn ins Grab gesunken ist. Nachum Gold mann. Vo fcHp Das Jahr 5674. n. Die äußere Lage. Für die Türkei bedeutet das vergangene Jahr im gewissen Sinne den Beginn einer neuen Epoche seiner geschichtlichen Entwicklung. Der Bälkankrieg hat die ruwerkennbare Tendenz, von der' das letzte Jahrhundert der polittschen Geschichte der Türkei beherrscht wurde, schier zu MPryurter Js«ÄttijchB FaMienAakt. vollem Siege gebracht; diese Tendenz. ab erHrng diahin, die Türkei immer mehr aus Europa/ hinauszudrängen und zu einer asiattschen Macht werden zu lassen. Jahrzehnte lang hat sich die Türkei gegen diese Tendenz gewehrt, aber der Balkankrieg hat nur von neuem die alte, große, geschichtliche Wahrheit bestätigt, ' daß die großen EittwickluNgslinien der Geschichte nicht durch den Widerstand einzelner Mächte geändert werden können; in ihrem Kampfe gegen die stete Zurücldrängung Ms Europa ist die Türkei unterlegen, und im vergangenen Jahre ist es offenkundig geworden, daß ihre wahre . Zukunft in ihrem vorderasiatischen Reiche liege; auch die leitenden Staatsmänner der Türkei haben dies eingesehen. und begonnen, der Desorganisation und' Verwahrlosung, in der sich bislangdie asiatische Türkei befunden hat, , ein Ende zu 'machen. Für uns Juden ist dieser große Wendepunkt in der Geschichte der Türkei von weittragender Bedeutung. Von jeher galt der Türkei unser besonderes Interesse und unsere besondere Sympathie: solange wir unsere wrtionale Hoffnung auf Palästina nicht ausgegeben haben, muß uns das Geschick der Türkei ins Innerste berühren. Die Verlegung des Schwerpunktes der Türkei nach Kleinasien können wir vom jüdischen Standpunkte nrck Freuden begrüßen, denn es war dies stets unsere Ueberzeugung getvesen: wird erst die Türkei dazu gelangen, ihre asiattschen Besitzungen zu reorganisieren, so wird sie die große Bedeutung, den unschätzbaren Wert, den ein starker Zustrom jüdischer Ansiedler für sie hat, erkennen müssen und so zu einem Freund unserer palästinensischen Bestrebungen werden. Selbst die vor Jahren zuweilen feindselige Stellung, die die türkische Regierung, verführt und irregeleitet durch Verleumdungen der zionisttschen Ideale, zum Zionismus eingenommen hat, konnte uns nicht in dieser Ueberzeugung erschüttern. Wir wußten, daß nur die Verleumdungen die Ursache dieser Stellungnahme sind, und warteten auf den Tag, da die Hohe Pforte die wahren Absichten des Zionismus erkennen würde; denn cs war uns nur.natürlichdaß sie wahrhaft erkennen und mit ihnen sympathisieren für die türkische Regierung identisch sein müsse. Unsere Hoffnung hat sich vollauf bestätigt. Seit, einiger Zeck berecks ist ein Wechsel in der Haltung , der Türkei zu konstatteren, und im letzten Jahre vollends hat die Regierung von ihrer Synrpäthie für unsere palästinensischen Bestrebungen kein Hehl mehr gemacht. Die Abschaffung des roten Zettels, dieser für diese palästinensische Einwanderung so lästigen und entwürdigenden Schikane, zeugt ja .offenkundig von der Sympathie, die die Hohe Pforte uns jetzt entgegenbringt. Und auch sonst, bei den Landankäufen in Palästina/ sowie in den verschiedensten Angelegenhecken hatten wir immer wieder Gelegenheck, diese unverhohlene Sympathie zu erkennen. Durch den Krieg ist naturgemäß, in unserer Arbeit in Palästina eine Stockung eingetreten; .daß der Krieg für die Türkei von folgenschwerster Bedeutung sein wird, ist nur selbstverständlich, und für uns Jüden ist es eines der bedeutsamsten Probleme, die der Krieg uns gebracht hat, wie seine Folgen ftir sie sein werden. Die Türkei hat bisher, wenn auch! vorsichtig,, so doch; offenkundig, sich an die Seite Deutschlands gestellt, und hat so ihr Schicksal' mit dem unseres Vaterlandes verbunden. Wir dürfen hoffen, daß das Schicksal beiden nur Gutes bringen wird. Mne bedeutsame Wirkung hat jedoch der Krieg bereits für die Türkei gehabt: die türkische Regierung hat die Kapitulationen aufgehoben. Dieser Schritt ist von weittragender Bedeutung für das innere politische Leben des osmanischen Reiches: in Zukunft wird es für die Einwohner der Türkei keine Vorteile mehr bieten, Untertanen einer europäischen Macht zu bleiben, vielmehr werden sie sich nunmehr alle veranlaßt sehen, türLsche Bürger zu werden. Dies aber ist es, was wir für die Juden Palästinas stets gewünscht hatten. Meine erst die überwiegende Majorität der palästinensischen Judenheck die türkische Staatsangehörigkeit erworben haben wird,. wird sie zum mächtigsten politischen Faktor Palästinas werden, mit dem die Regierung stets wird rechnen müssen. Zudem wird diese dann noch deutlicher einsehen, daß. die Juden in Palästina keine Sonderaspirationen verfolgen, auch nicht im Interesse irgend einer europäischen.Macht ' ' ..' ..- $r. 38. arbeitert, vi elmehr -einzig <ilnd -allein nebst Ahrem eigeneil Wöhle: dasjenige der Türkei, erstreben. So dürfen wir ‘ uns mit der Aufhebung der Kapitulationen, die eine große innere Stärkung der Türkei bedeutet, aufrichtig freuen. Bon der äußeren Lage der Juden Italiens ist nicht viel zu berichten. Die italienische Judcnheit erfreut sich der vollsten polittschen Gleichberechtigung, und daß sie gewillt und. fähig ist, jeden Versuch, sie darin zu beeinträchtigen, energisch abzuwehren, bewies sie durch ihr energisches Auftreten gegen manche Aeußerungen antisemitischer Gesinnung seitens der Verwaltungsbehörden der neuen italienischen Kolonie Tripolis. Ihr Vorgehen scheint auch vollen Erfolg gehabt zu haben. Noch weniger ist von der polittschen Lage der Judenheit der W e st st aut e n zu sagen. Auch in Frankreich und England sind.die Juden im Vollbesitze ihrer Rechte, sind aber zu' gering an Zahl, auch zu entjudet in ihren Gesinnungen, um irgendwelche politische Sonderrolle zu spielen. Daß sie in ihrer Mehrzahl den gegenwärtigen . Krieg verabscheuen, dürfen lvir wohl annehmen, hat auch das Auftreten Israel Zangtvills bewiesen. So dürfen wir denn hoffen, daß die jüdische Solidarität,. die uns mit den französischen und. englischen Juden verbindet, nicht allzusehr durch den Krieg leiden wird und wir nach seiner Beendigung auch weiterhin in Eintracht mit ihnen für die großen gemeinsamen jüdischen Ziele werden wirken können. Ein besonderes Wort der Erwähnung verdient Spanien. Dieses Land, das das jjüdische Volk seit den Tagen der Inquisition und der Vertreibung der Juden aus seinem Gesichtskreise beseitigt hat, beginnt wieder, in Beziehungen zur jüdischen Geschichte zu treten. Wohlverstanden: diese Versuche gehen von Spanien aus, nicht von uns. Durch die Berufung Dr. Pahndahs an die Madrider Universität hat die spanische Regierung ihrem Wunsche, wieder Juden als ihre Untertanen zu sehen, einen deutlichen Ausdruck gegeben. Die Judenheit steht bislang diesen Wünschen und Bestrebungen kühl gegenüber; wir haben den Schwur, den wir vor mehr als vier Jahrhunderten schworen, niemals wieder Spanien zu betreten, noch nicht vergessen, und es bleibt eine Frage von höchster Bedeutung für unsere nationale Ehre, welche Stellung wir für die Dauer zu diesen Bestrebungen der spanischen Regierung cinnehmen sollen. Noch ist der Zeitpunkt nicht gekommen, diese Frage zu entscheiden, und so gilt vorderhand für uns nur eins: Reserve halten und warten, bis die Organisationen und Männer,, die das Vertrauen des Volkes besitzen, über das Problem beraten Md entschieden haben werden. Das Gefühl des Stolzes, paß dasselbe Land,. das uns einst grausam aus seinen Grenzen getrieben, uns jetzt wieder ruft, mag uns jedoch erheben und unser Betvußtsein von der Größe unseres Volkes stärken und vertiefen. Bevor jrir uns zum Schlüsse unserem' eigenen Vaterlackde zuwenden, noch' einige Worte über die Judenheit Amerikas. Amerika hatte bisher für uns vor Mein die Bedeutung als Emigrationsland. Es war die natürliche Zufluchtsstätte all derer, die in Osteuropa nicht mehr existieren konnten. Diese Bedeutung verliert jedoch Amerika in imMer steigendem Maße. Schock seit einigen Jahren werden in stetig wachsender Strenge die Tore der Vereinigten Staaten für alle Einwanderer, vor allem aber für die jüdischen, gesperrt. Das vergangene Jahr hat diese Absperrung beinahe vollendet. Die Galvestock-Cmigratton mußte eingestellt werden, infolge der Schwierigkeiten, die ihr von der Regierung in den Weg gelegt wurden. Damit hat sich erwiesen, daß. eine große jüdische Emigration selbst in weniger dicht besiedelte Teilen Nordamerikas unmöglich ist und die Bedeutung Amerikas als Emigrationsland für die Juden Osteuropas somit nur eine sehr minimale ist. An ihrer Stelle aber gewinnt es in den letzten Jahren eine Mdere.Bedeutung: .in.dem Mäße, in dem. sich die aMerikanische Judenheit' konsolidiert, wächst ihre Bedeutung im inneren.jüdischen Leben, und die Entwicklung scheint tzen Propheten recht zu geben, welche die ungeahnt große Rolle, die die amerikanische Judenheit in der nahen Zukunft der jüdischen Geschichte spielen wird/ berecks seit Jahren Voraussagen. Das energische Auftreten der Vereinigten Staaten gegen Rußland zu Gunsten der Juden zeigt, welch großen polittschen. .Einfluß 8r. berecks ist kei Jahr Beden ten d H bildet land jüdisch dieses Allein im Lc nur welch wir lichen zugeh bot.1 Krieg wir i gessen werde und deute lung cher punct Zeit was deutß überg die 3 auf ist ei mus. 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