Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 37 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Berlin. Der verstorbene Stadtrat Jacoby hat der Stadt 200,000 Mark vermacht. New-Nork. Augustus Goodman lgeb 1840 in Filehne bei Posen) und Frau Clara gcb. Craft feierten die goldene Hochzeit. Solothurn lSchweizl. I. Guggenheim-Wyler und Frau feierten die goldene .Hochzeit. ' Basel. Durch den Krieg ist die Einfuhr von Esrogim und Kulowim erheblich erschwert. Der „Verein zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz" hat aus Italien einige hundert Exemplare bezogen. Er wird sic den Händlern, die sich an ihn gewandt haben, ohne Prcisaufschlag zukommen lassen, mit der Bedingung, daß diese sic ihren Kunden mit mäßigem Nutzen abgeben. Ans der Lehrerwett. Köln. Am iüd. Lehrerseminar fand unter Vorsitz des Königlichen Proviuzial-Schulrats Volkmcr für diejenigen Schüler des oberen Kurses, die entlvcdcr schon eingezogen sind, oder sich als Kriegsfreiwillige gestellt haben und als militärtauglich befunden worden sind, die Notentlassungsprüfung statt. Von 11 Zöglingen nahmen 9 an ihr teil, die alle mit gutem Erfolg bestanden. Cafe Kaiser garten am Opernplatz Erstklassiges Familien-€af4 Nachmittags Konzerte. •_Fr« Hanselmann, Besitzer Frankfurter Berichte. Zur Eruw-Angelegenhett. Veranlaßt durch einen neuerlichen Anschlag Rabbiners Dr. Breuer am schwarzen Brett der Religionsgesellschast-Synagoge, hielt Rabbiner Dr. Nobel Montag abend, anschließend an den Gottesdienst in der Börne- Platz-Synagoge, einen 1% stündigen halachischeu Vortrag. Der Anschlag bezeichnet jene Paragraphen des Schulch'an-Aruch, die das Verbot -des Frankfurter Eruw begründen sollen. Rabb. Dr. Nobel sprach! in seinen Ausführungen nun vor .allen Dingen seine Verwunderung darüber aus, daß der SchUlchan-Aruch als Quelle genommen sei, während es doch üblich sei, daß unsere Gesetzeskundigen nur jaüsi Grund der ursprünglicheren Belege, besonders natürlich des Talmud, ihre Gesetzesentscheidungen fällen. Erl wies sodann an Hand einer Originalausgabe aus der hiesigen Stadtbibliothek nach> daß der Paragraph, auf den sich hauptsächlich das Verbot stützt, einen Druckfehler enthält, der, .wenn man nur den Text des Schulchan-Aruch im Auge hat, einen falschen Sinn gibt. Redner kam zu dem Schlüsse, daß sämtliche zitierten Stellen nichts enthalten, was gegen die strenge Gesetzlichkeit des Frankfurter Eruw spricht. „Moutefiore"-Bereiu. In äußerst geschickter und fesselnder Weise verstand es Dr. B. May, den Dkitgliedern und Gästen die Bedeutung nnb Größe der j üd. Feste zu erläutern. Ausgehend von den verschiedenen Anschauungen der herrschenden Weltreligioncn, deren Wesen er in großen Zügen darlegte, bot' er seinen Zuhörern eine Fülle des Neuen und Wissenswerten. Die darauffolgende, sehr angeregt verlaufende Aussprache zeigte das lebhafte Interesse,' das der Bortrag erweckte. Es wurde won den Anwesenden mit besonderer Freude begrüßt, daß Dr. May sich auf Wunsch bereit erklärte, die kämmenden Samstage (morgens 11 Uhr) Dtnim für Rasch Haschonoh und Jom-Kippur zu leiten. Eine interessante Wanderung. Unser Mitarbeiter iOberlchrer David Tachauer in Haifa (Palästina) berichtet uns über die Schwierigkeiten, die cs ihm, Dr. Auerbach und Dr. Treidel,, gleichfalls Beamten der zionistischen Institutionen in Haifa, und 32 anderen in Haifa wohnenden Deutschen gekostet hat, dem Rufe des Vaterlandes Folge zu leisten. Eine Möglichkeit, zu Schiff nach Konstantinopel zu fahren, bestand nicht, da ein französischer Kreuzer nach deutschen Wehrpflichtigen auf der Lauer lag. Das deutsche Konsulat erklärte, daß unter den obwaltenden Umständen eine Gestellung unmöglich sei. Doch das focht die treuen Söhne des Deutschen Vaterlandes nicht an. ’ Sie bestiegen die Eisenbahn, und in dreißjgstündiger / Fahrt ging's nach! Aleppo, dann mußten 117 km zu Fuß gewandert werden, wobei ein 1100 m hoher Paß zu überschreiten war. Dann fuhren sic wieder mit der Bahn und zwar über Adana nach Dorek. Wieder mußte gegangen werden. Diesmal über das Taurusgebirge his Bosanti. Dies« Wanderung dauerte zwei Tage. ‘ In 44stündiger Fahrt wurde , sodann Konstantinopel erreicht. Dort sowie in Bulgarien und. in Rumänien empfingen die Reisenden 'zahlreiche Zeichen der Freundlichkeit, die Fahrt durch Ungarn war aber wie ciii Triumphzug. Als in Passau die deutsche Grenze erreicht' wurde, waren seit der Abreise von Haifa 21 Tage vergangen. * Jüdischer Turnverein. Die Turnabende der Herrenabteilung finden - in der IWnhalle-- der Selektcnschule, Eiserne Hand 4, weiter regebnäßig statt: Wegen der Feiertage werden die Turnabende während der kommenden 4 Wochen von Dienstag auf Donnerstag SV» Uhr abends verlegt. (Nächster Turnabend Donnerstag 24. Sept.). Gäste - sind will- Frankfurter FsraelitiflM Familirnvkckt. Kleine Rottzea. Zu ordentlichen Professoren an der Frankfurter Universität wurden ernannt: Dr. Bert h old Freudenthal-Franksurt, Dr. Mckorg Kuttner- Berlin (juristische Fakultät), Dr. Ludwig Edinger, Dr. Paul Ehrlich, Dr. Karl Herxheimer, Dr.?(nlius Strasbcrger -Frankfurt (medizinische Faultät), Dr. Josef Horovitz-Aligarh, Dr. Arthur Schönflies -Frankfurt (philosophische Fakultät). jB Spezialität; LMelnMen. Francke & Weber® Gr. Friedbergerstr. 7—11 Tel. Hansa 4095. . Palästina-Esrogim. Es ist mir gelangen, einige Postpakete schöne, grosse Esrogim ans Palästina zn bekommen. Gefällige umgehende Bestellungen solange Vorrat reicht erbittet S Rablnowltz, Palästinawein - Import, Frankfurt, a. M., Ostehdstrasse 56. Der Windhauch. Historische Erzählung von M. Pulvermann. . (Schluß.) Nach einigen Tagen, als die Reisenden wieder die Höhe eines Berges erstiegen, oa leuchteten ihnen die Türme und weißen Paläste Jerusalems entgegen, deren Spitzen und Dächer in der Sonne goldig glänzten. Sie erreichten bald eine fruchtbare' Landschaft von Olivennnd Palmenhainen, und Uriels Augen waren bei diesem' Anblick tränenfeucht. Auch Malta hatte die Stadt wieder erkannt. „Jerusalem! Jerusalem!" rief sie voller Entzücken. „Herrlich!" rief auch Tiglassi-Nin. Auch Naftali blickte schweigend in die Ferne. Seine Augen wunderten ungewiß hin und her, als suche er etwas wieder zu erkennen, das ihm früher nicht fremd gewesen. Er murmelte unverständliche Worte, aber man merkte das Zittern seiner Stimme. Uriel nahm die Harfe zur Hand, und den Blick fest auf Jerusalem gerichtet, begann er die Gedanken, die seine Seele beschäftigten, in Worte zu kleiden, die sich: nach und nach zu einem Dank- und Loblied für den Schöpfer des Weltalls gestalteten: „Hochgepriesen sei der Gott Israels, der sich wiederum in seiner Größe und Allmacht offenbart! Preis und Dank ihm, der der Fels unserer Kraft, unser starker Erlöser ist, der -nie schläft und nie schlummert der Hüter Israels! Er stieg nieder in einem Flammenmeer, um unsere Feinde zu züchtigen, mit feurigem Schwert die Assyrcr zu demütigen! Er erschütterte die Berge, und sein Donner ward im Himmel vernommen! Er schickte seine Boten aus, um die Feinde zu schlagen, daß nur wenige entkamen. Er schickte seine Geschosse in ihr Lager und zerstörte ihre Zelte. Vor seinem Groll floh Sancherib, kaum daß er Ninive erreichen konnte. Israel ist gerettet, Juda's Land ist frei, und das Joch der Fremdherrschaft ist von unserem Nacken genommen! Dir, Allmächtiger, wollen wir dafür danken, nicht nur durch Worte, sondern durch ein demütiges Herz, durch eine reine Gesinnung!" Kaum hatte Uriel seinen Lobgesang beendet, als aller Augen sich auf Naftali richteten. Schon bei den ersten Tönen war er dicht zu dem Sänger hingetreten, um besser lauschen zu können, während seine Blicke noch immer starr auf Jerusalem gerichtet waren. Plötzlich aber wendete er sich um, ergriff Uriels beide Hände und rief voller Aufregung: „Dort . . . dort ... ist .. . Jerusalem! Jerusalem! Ich bin Nastfli, wer aber bist Du denn? Von wannen kommst Du, und was willst Du von mir? Habe ich denn so lange geschlafen, und warum bin ich hier?" „Ich habe Dich aus der assyrischen Gefangenschaft befreit, und jetzt gehen wir nach Hause," erwiderte Uriel mit sanfter Stimme. „In der Gefangenschaft hast Du vieles vergessen." »Ja, ja; vergessen! Jetzt aber erinnere ich mich wieder. Doch, wer bist Du denn?" „Vater, mein Vater! Erkennst Du Deinen Sohn nicht wieder?" „Uriel! Du, mein Sohn? Ja, Du bist es! Ich erkenne Dich wieder, obwohl Du inzwischen zu einem Skr. 37 U, Manne herangereist bist. Ach, die vielen, vielen schres lichen Jahre!" Uriel umschlang seinen Vater und preßte ihn leiben» schaftlich an seine Brust. Der assyrische Priester trachtete diesen Vorgang voller Rührung, während Malki Freudentränen weinte. Jerusalem. Die Stadttore Jerusalems waren noch immer veo schlossen, da man das Herannahen der Feinde mit Angi und Zagen jeden Augenblick erwarten mußte. Ii Männer auf den Mauern hielten scharfen Auslug, das kein Verräter sich in die Stadt schleiche. Doch in de vier Reisenden, die ihnen schon von der Ferne zi daß sie frohe Botschaft bringen, sahen die Männer das ihnen Mißtrauen einslößen konnte. Der Hauptmam wurde gerufen, und das Wassertor wurde Inzwischen hatte sich eine zahlreiche Menge angesammelt, die voller Neugier und Freude den Worten der Reisenden lauschte. „Jubelt und ftohlocket," rief Uriel, „die Assym sind vernichtet, und unser Volk ist frei!" Auch Ammon, Uriels Onkel, sowie Eliasar un Joab, die von Uriels waghalsigem Unternehmen waren unter der Menge, und Ammon rief begeistert „Es ist doch Uriel! Unser Uriel, der ausgezogen, war, Sancherib zu töten!" „Heil dem Helden,", schrie Eliasar, „der den Unterdrücker mit starker Hand geschlagen!" Und Joab, dessen Stimme wie eine Posaune erdröhnte, rief ebenfalls: „Der Feind ist geschlagen, unbl Israel ist frei!" ' 1".'™ Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde in der heiligen Stadt, und überall ertönten Freudenrufc, wie solche lange nicht mehr gehört waren in Jerusalem. Uriel versuchte wiederholt, den ganzen Hergang zu erzählen und jedes Verdienst seinersests abzulehnen, doch! das Singen und Rufen war so laut, daß er sich nicht Gehör verschaffen konnte. „Gehen wir zum König! Zum König!" Die vier Reisende waren bald von der Menge umringt, und unter Jubel und Jauchzen setzte sich der Zug in Bewegung. Uriel wurde mit Blumen bekränzt Dein' listigen Dir zn noch t reicht ehemall Leiden, bleiben lichkeit Gotte Volk a lichc 5 bewahr bald si Mutter Vermöj Sohn, ihre Li Aufreg mit Di Du en Dein c N. seine hl wo M hatte. un Gräber Uni Aus baten ’Uet Neidern mit Bw schafften und von allen als tapferer Held gepriesen. Sänger iml)» Spielleute waren bald zur Stelle, und so-gelangte manIdie Str zu dem Palast des Königs. „Sei willkommen, tapferer Held!" begrüßte König Chiskija den Jüngling freundlich. „Deine -Freudenbotschaft ist bereits zu mir gedrungen, aber ich möchte /das wunderbare Ereignis durch Deinen Mund erfahren."lF^rtai „O, mein König!" rief Uriel, als er endlich sprechen! Es war durfte, während Tränen aus seinen Augen stürzten. „Ich bin unwert all dieser Ehrenbezeugungen, und Du>Die cir darfst in mir keinen Helden sehen! Im Gegenteil, ich »ins Fa bin ein Schwächling, der nicht stark genug war, die" Hand gegen den assyrischen Unterdrücker zu erheben, obwohl die Gelegenheit dazu sich mir so oft geboten hat. Es ist wahr, ich zog aus, um ihn zu töten, aber mein Herz und mein Gewissen ließen es nicht zu. Sancherib lebt!" Ein unwilliges Murmeln entstand, und zornige Blicke trafen den Sprecher von allen Seiten. Hilflos blickte Uriel um sich, bis er in der Menge seine Mutter in düm Ein al inzwisch Limonai Ma schäftsle und Gr müden Plö vom B die vo erkannte, deren Lächeln ihm wieder Kraft und Mut lalles a einflößtc. Offizier Was sagst Du?" fragte der König unwillig. ,,Die»E^r^ Aber a ging es Semmel Militär fort d, bringen. Dät Ran d>!r»he. $ richtet. Assyrer sind nicht geflohen?' „Der schwache Ueberrest der Feinde mit ihrem gcdcmütigten König sind geflohen," erwiderte Uriel gelassen. „Ihr Lager ist ein Trümmerhaufen, das ganze Heer vernichtet, geschlagen. Aber es war unser Gott, ' der dieses Wunder vollbracht, nicht ich!" ■ Die Menge atmete erleichtert aus, und neue Jubclrufc erschollen. „Ist es so," sprach der König, „dann ist das Wort unseres Propheten Wahrheit geworden, und wir wollen Gott dafür preisen. Nun aber erzähle alles, was Du weißt." Uriel berichtete von seiner Absicht, seiner Gefangennahme, Sancheribs Freundlichkeit und darum Unmöglichkeit, den Streich gegen diesen auszuführen. Er berichtete ferner von der Flucht, von der großen Verwirrung der Assyrer und von der gänzlichen Hilfslosigkeit Sancheribs. Als er geendet hatte, erhob sich der König und rief mit lauter Stimme: - „Vernehmet es, ihr alle! Ich bestimme, daß dieser Tag' ein Fasttag sei, um durch Gebete und Kasteiungen unfern Dank gegen den allmächtigen Gott abzustatten. Morgen. abernachdem wir uns vor dem Herrn gebeugt, 'soll ein Tag des Jubels und der Freude sein." « S-. Ersch. ii f?%,{ semsinni ehrenwe eutspre Lause i Wohnor trauensl I8ltem ild u, idolf aln. Mgesich,