Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 37 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692872-2692909--08673-2703834- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
tlücl rgej Skr. 37 Ms > d Z B gke icks ve, dl Ü6ej n bi : iu Ul iogj sen m ttül Öl al belii feftil e ti eit egt >eut| send ößtj t nutz n schensten Lemberger Juden beim^ Reichsfinaitz- ^inister vorgesprochen, damit auch der Staat helfe. Es sind schon zahlreiche Heldentaten Iwn Juden gemeldet worden. Besonders der Name des Landwehrinfanteristen Julius Reif ist in aller Munde. Reif führte in dem Gefecht bei Zuchodol in einer kritischen Minute seine Leute so glücklich zu einem .Vorstoß, daß der Feind seine befestigte Stellung räumen mußte. Er wurde sofort zum Korporal befördert. An einem per nächsten Tage hielt er mit einigen Leuten im furchtbarsten Feuer vorne so lange aus, bis die bereits fünf- bis sechsmal zurückgeflutete Mannschaft end-' sich festen Fuß bei ihm faßte. Wieder einige Tage später führte er einen Zug mit solcher Bravour, daß er wesentlich zur Vertreibung der Russen cheitrug. Wenige Stunden .später bemerkte Reif auf einer Waldblöße etwa 100 russische Infanteristen, die den vorrückenden Oesterreichern in den Rücken fallen wollten. Er sammelte .schnell 70 Mann, stürmte auf bat 300 Schritt entfernten Gegner los und tötete den Kommandanten mit einem Bajonettstich Die eine Hälfte des Feindes wurde niedergemacht, die andere verjagt. Kurz darauf rückte Reif gegen eine von vier russischen Maschinengewehrabteilungen besetzte Höhe vor. Sieben seiner 'Leute befahl er zu einem Flankenangriff gegen die etwa 10 Mann starke Bedeckung, mit den übrigen nahm er die Maschinengewehre im Sturm, erbeutete diese und nahm die Bedeckung gefangen. Reif wurde zum.Feldwebel ernannt und soll die höchste Auszeichnung 'erhalten, die Unteroffizieren zugänglich ist. Es haben sich ferner sehr ausgezeichnet: Leutnant Oskar Singer, der leider gefallen ist, und Oberleutnant Fürst. Von den gefallenen Offizieren verzeichnen wir Leutnant Dr. D a v. He scheles, Advokat in Lemberg, Leutnant Friedrich Roubitschek-Kuttenberg, Leutnant Hugo Sule- Auwol, Leutnant Oskar Singer-Wien und der Großindustrielle Egon Goldschmidt. R.d ich | e c| m örd t all jünJ ls. j Zah^ ilSM t til trecfa g. \ Lei lstis-il aß chm roo| ii. ken | tefKl Neueröffnet! Cafe Corso Ecke Kaiserstrasse und Moselstrasse. Frau* Krlst• tu lasstj n ent ie )ie f'S i ge-s heim ie j| 10 Fl'. Slugs ölt Feldrabbiner. Als Feldrabbiner find nach der nunmehr vom Preußischen Kriegsministermm erlassenen Verfügung sechs Rabbiner zur Armee gegangen: Dr. Baeck von der Berliner, Dr. Italiener von der Darmstädter, Dr. Salzberger von der Frankfurter, Dr. Wilde von der Magdeburger Gemeinde, Dr. Arthur Levy vom Schöneberger Synagogenverein, Berlin-Schöneberg und Dr. E ml l tLevy vom Religionsverein Westen, Berlin-Charlottenburg. Die sechs Gemeinden haben ihr eigenes Interesse gegenüber dem allgemeinen zurückgestellt und die Rabbiner mit vollem Gehalt beurlaubt, obwohl ihnen dadurch manche Schwierigkeiten, und zum Teil nicht unerhebliche Opfer namentlich deshalb erwachsen, weil sie gerade zu den Feiertagen ihren Rabbiner entbehren müssen. Die Militärbehörde hat den Herren, abgesehen von der — selbstverständlichen — Gewährung von freier Eiscnbahnbeförderung und freien Quartieren, je einen Wagen mit zwei Pferden und einem Trainsahrer zur Beifügung gestellt, nachdem (insbesondere durch ein — durch seine parlamentarische und kommunale Wirksamkeit bekanntes — Ausschußmitglied des Verbandes der Deutschen Juden und ein Mitglied des Vorstandes der Berliner Gemeinde) an den maßgebenden Stellen darauf hingewiesen worden war, daß ohne die behördliche Bereitstellung geeigneter Beförderungsmittel im Felde eine ersprießliche Ausübung der seelsorgerischen Tätigkeit nicht möglich sein würde. Die Herren — die sämtlich reiten können — werden auch oft genug in die Lage konunen, eines ihrer Pferde satteln zu lassen, um im rechten Augenblick auf den Platz zu gelangen, an dem ihre Anwesenheit und ihr . Wirken vonnöten ist. Die Rabbiner tragen eine einheitliche derjenigen der christlichen Feldgeistlichen — ..abgesehen von ihren besonderen Abzeichen — entsprechende Kleidung und sind durch die Armbinde gekennzeichnet. Christ. Wilhelm Leux Telef. Hansa 8567. Hoflieferant. Hoethestr. 21 Herren-, Samenu. Jjvreeschneiderei. Spezlal-Sportgescbflft. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. Frankfurter Israelitisches FarnilierMakt. Seit, 8 lOffenbaeher Druckluft-Anlage I 1 Mlinhich ». 1. Telefon 123. (Anschluss mitFrankfart). I I Bewährteste TepplehralnlounB (100,000 qm jährlich)! | sowie unübertroffene Betten* u. Bnttfadernrelnl-1 puno mittelst Druckluft und Wasserdampf. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. Dieser Tage hätte die Alte Synagoge in der Heidereutergasse ihr 200jähriges Bestehen feiern können.. Im Hinblick auf den Ernst der Zeit ist von einer Feier Abstand genommen worden. Die Festschrift Rabbiners Dr. Eschelbacher wird später erscheinen. Amerika. Rew-Nork. Die Regierung des Staates New-Iork hat die Erlaubnis zur Gründung einer jüdischen Farmer-Bank gegeben. Damit ist zumersten Male eine jüdische landwirtschaftliche Bank gegründet worden. Die Bank dürfte für die Entwicklung des jüdischen Land- Wirtstandes in Amerika von größter Bedeutung sein. Der Krieg und die deutschen Juden. Franffnrt u. M. Die Israelit. Gemeinde besitzt kein Vermögen, und das Gebiet der Wohltätigkeit hat man von jeher in Frankfurt den Vereinen überlassen. "Dadurch waren 'einer Hilfsaktion der Israelit. Gemeinde zur Linderung^ der durch den Krieg hervorgerufenen Notlage Grenzen gezogen. Innerhalb dieser Grenzen hat die Gemeinde sofort das Notwendige unternommen: jje hat die Wohltätigkeitsvereine zentralisiert und größere Geldspenden für diese Zentrale veranlaßt. Wie bereits mitgeteilt, hat sie in ihrem Krankenhause dem Roten Kreuz 150 Betten zur Verfügung gestellt, was eine bedeutende finanzielle Leistung darstellt. Frankfurt a. M., 15. September. Aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: Die bereits angekündigte Verfügung des Kriegsministeriums über die Veranstaltung von Feldgottesdiensten an. den bevorstehenden hohen Feiertagen ist ergangen und wird im Lause dieser Woche in die Hände der Truppenteile gelangen. Das Kriegsministerium hat genehmigt, daß für die in den Gefangenenlagern befindlichen Kriegsgefangenen jüdischen Glaubens von Seiten der benachbarten jüdischen Gemeinden an den bevorstehenden hohen Feiertagen Gottesdienste veranstaltet werden. Die in Betracht kommenden Gemeinden werden es gewiß als Ehrenpflicht betrachten, von der Genehmigung trotz der Kürze der Zeit für die erforderlichen Vorbereitungen unverzüglich Gebrauch zu machen. Frankfurt a. M. Der Reservist Joseph Levi, Baumweg 55, wurde, da er seinen Hauptmann im stärksten Feuer aus der Linie trug, zum Gefreiten befördert und für das Eiserne Kreuz vorgeschlagen. Berli». CinFeldgebetbuch für die jüdischen Mannschaften des Heeres ist durch den Verband der Deutschen Inden im Einvernehmen mit einer Anzahl der größeren Gemeinden herausgegeben worden, welche die Kosten der Auflage und Versendung durch freiwillige Beiträge übernommen haben, an der Spitze die .Berliner Gemeinde mit einem Betrage von 600 Mark. < Das — in Form und Anordnung dem Feldgebetbüch der christlichen Mannschaften entsprechende und gleich ihm schlicht schwarzleinen gebundene — Bändchen enthält auf 29 Seiten deutschen Textes eine Zusammenstellung von Gebeten, Psalmen und vaterländischen Liedern und auf 22 Seiten Gebete in hebräischem Text. Rabb. Dr. Baeck-Berlin, der die Anregung zu der Veröffentlichung gab, hat den Inhalt zusammengestellt. Der Verband stellt den Gemeinden und Rabbinern die von ihnen zur Verteilung gewünschten Exemplare zur Verfügung und hat seinerseits eine kleine Anzahl Bücher an jedes Regimentskommando ins Feld gesandt mit der Bitte, sie zu verteilen, und außerdem an alle diejenigen Militärpersonen, deren Truppenteil bereits durch die Feldzugsteilnehmer-Umfrage im Büro des Verbandes registriert ist, unmittelbar ein Exemplar mit der Bitte um Angabe weiterer jüdischer Kameraden im Truppenteil versandt. Berlin. Im Aufträge Ihrer Majestät der Kaiserin statteten die Hofdamen Gräfinnen v. Brockdorff und v. Gersdorf aml Dienstag den iM Israelit. Kranken he im" — Etsasserstraße 85 — untergebrachten Verwundeten einen Besuch ab. Unter Führung des Chefarztes, Sanitätsrat Dr. Adler, erkundigten sie sich teilnehmend bei den einzelnen Patienten nach ihrem Befinden und überreichten Geschenke und Blumen im Aufträge der Kaiserin. Der Besuch dauerte anderthalb Stunden, und die (Hamen "sprachen sich mit größter Anerkennung über die zweckmäßige, moderne Anstalt aus, welche sie in allen Teilen eingehend besichtigten. Berlin. Eine VolkSspeiiehalle ist am Sonntag in der Grenadierstraße 37 eröffnet worden und zwar hauptsächlich für die bedürftige jüdische Bevölkerung, die auf rituelle Most reflektiert. Ihnen wird Gelegenheit geboten, für wenig Geld (10—10 Pfennig) ein gutes kräftiges Mittagbrot zu bekommen (Suppe, Gemüse, Fleisch, Kartoffeln, Brot). Die Halle steht unter der Leitung des hiesigen Vereins .Hächnassath Orchim" (Dr. Meier Hildesheimer) und der „Frauengruppe der Fr. Vereinigung" (Frau B. Galewski), von denen eine große Anzahl von Damen und Herren in aufopfernder Weise sich in den Dienst dieser Einrichtung gestellt und auch die erforderlichen Mitteln gespendet hat. Berk». DerDeutsch-Jsraelitische Gemeindebund hat sW an das Kriegsministerium mit der Bitte gewandt, dahin zu wirken, daß jüdische Soldaten, die in deutschen Lazaretten ihren Wunden erlieget, auf einem jüdischen Friedhofe ihre letzte Ruhestätte finden können und darauf hingewiesen, daß er sich in gleichem Sinne an die jüd. Gemeinden gewandt habe. Unterm 9. September hat das Kriegsministerium den Bescheid erteilt, daß die Möglichkeit der Beerdigung von Heeresangehörigen jüdischen Glaubens auf jüdischen Friedhöfen für die im Heimatsgebiet Verstorbenen insofern gegeben ist, als die Verwaltung der Reservelazarette nach den Bestimmungen der Friedens-Sanitätsordnung zu erfolgen hat. Diese .schreibt im § 137, 6 vor, daß die Beerdigung verstorbener Soldaten jüd. Glaubens ebenso stattsindet, wie die der andern Militärlekchen, auf Wunsch aber auf jüdischen Begräbnisplätzen erfolgen kann. In solchem Falle wird die Leiche bis zu dem bezeichneten Platze gebracht und dort der jüdischen Gemeinde übergeben. Auf das Rundschreiben an die Gemeinden sind bereits verschiedene interessante Fälle gemeldet worden, in denen Gelegenheit geboten wurde, für unsere verwundeten und Heimgegangenen Brüder die letzte Fürsorge zu üben. Berlin. „Hoch weht die Flagge schwarz» weiß-rot!", das Lied ^unserer Marine, hat den Juden Robert Linderer, dch in den dreißiger Jahren als Sohn des Hofzahnarztes Linderer in Berlin geboren wurde und in Berlin lebte, zum Dichter. Berlin. Die Fechterschaft des jüd. Turnverein Bar Kochba veranstaltet einen militärischen Ausbildungskurs, um Kriegsfreiwillige usw. für den Diensteintritt Vorzubereiten und den Körper beizeiten an anstrengenden Menst zu gewöhnen. WormS. August Kuhn, Inhaber der Kolonial» waren-Großhandlung Isaak Kuhn, stiftete 30,000 JtL für die Hinterbliebenen der imKriege Gefallenen. Der Spender glaubt, aus dem Umstand» durch die Natur seines Geschäftes erwachse ihm aus einer Lage» die fast der gesamten übrigen Geschäftswelt schwere wirtschaftliche Schädigung .auferlegt, Vorteil, die moralische Verpflichtung zu feiner Spende he^uleiten. — Möchten andere, die in der gleichen Lage sind, sich ein Beispiel nehmen! Rimbeck bei Paderborn. Der Infanterist Fischel, der die erste französische Fahne bei Lagarde erbeutete, hat das Eisernh Kreuz, eine goldene Uhr, den Zivilverforgungsschein und 3000 Mark als Belobigung erhcuten. Liegenhain. Die israel. Gemeinde bewilligte 15V Mk. für das Rote Kreuz und 50 Mark für eine vom Provinzialrabbinate zu Marburg ins Leben gerufene Hilfsaktion; außerdem die während des Krieges einkommenden Schrodergelder für diese Zwecke. Renklrchen bei Ziegenbain. Der Männerverein spendete für das Rote Kreuz 100 Mark, der Frauenverein 50 Marik, der Synagogen-Gesangverein 30 Mark. Bierstadt. Die jüdische Gemeinde Bierstadt-Erbenheim schickte 11 Mann ins Feld und spendete 100 Mark fürs Rote Kreuz. Wien. Roda Roda schrieb am 23. August in der „Reuen..Freien Presse": „Morgen ist Kaisers Geburtstag. Wir im Pressequartier feiern ihn am Morgen nnt einem Kirchgang, am Abend durch ein Kameradschaftssest. Ueberall, wo unsere Truppen stehen — in Oesterreich-Ungarn, in Polen, in Serbien — werden sie Gott um Segen für ihre Waffen bitten. Doch niemand wird inbrünstiger flehen als die galizischen» die russischen Juden. In ihren besten Kaftans von Seide, in feiertäglichen FmHpelzmützen strömen sie .in den finstern Tempeln zusammen und schreien zum Himmel und schlagen sich mit Fäusten: Herr Adonai, Herr Zebaoth» laß Oesterreich siegen! Wenn sie unfern Soldaten begegnen, die frommen Juden» da neigen sie sich bis zur Erde und segnen das junge, kampsfrohe Volk; sie schenken, was sie entbehren können und darüber: den Offizieren Wein, der Mannschaft Zigarren, Geld. Wenn die Offiziere bezahlen wollen, reichen die Juden die Münze stumm zurück. So arme Leute! Diö Elend selbst. Und dennoch schenken sie — von ihrer Armut. Mir kamen die Tränen in die Augen." Zürich. Veranlaßt durch den Krieg, ist «ine .Jüdische Suppen-Anstalt" Ecke Bäcfer- und Engelstraße eröffnet worden. Die russische Gesaudschaft in Bern zeigt einen bemerkenswerten Umschwung. Früher hat sie nie etwas für russische Untertanen getan, in den letzten Wochen aber hat ,sie an 400,000 Frcs. verausgabt, davon die Hälfte an Juden zur Rückreise nach Rußland und zu Unterstützungen.. Empfehlenswertes Erfrfschungsmittel als Liebesgabe für unsere Krieger im Felde ist WM Manta Pep Gi es löscht den Durst und beruhigt die Nerven. Allein-Yertrieb H. Oppenheim Frankfurt, a. Main, 1 Börsenplatz 1. " Telefon Amt Hansa 2005. »-