Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 36 (11.9.1914)
- Date
- 1914-09-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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I'sei Bin Plötzlich Stille. Ein weißhaariger Mann re, inlmte einen Freudenchoral an, und die Menge glii il Begeistert ein; cs war die leidenschaftliche Isfenbarung einer gequälten Volksseele. Sicherch wird sich die Szene morgen in jedem galizihcn Ghetto wiederholen. Jeder einzelne dieser gol raten Leute ist mit allen Herzenswünschen bei ngl n Armee, jeder fühlt sich Lurchihre Siege vom "" »ssischen Tod, dem Knutentod, gerettet." Ungewöhnlich groß ist die Zahl der Juden, ie sich als Kriegsfreiwillige öder zur polnischen si cgion oder zum polnischen Jungschützenkorps gc- SBei icldet haben. Auch der jüdische Pfadfinderbund d istct das seinige. So entnehmen wir einer Mit- Aung seines Kommandanten Dr. W a s ch n i tz -- Jcmberg das folgende: 7 jüdische Pfadfinder sind ege uf dem Schlachtfeld, um die Verwundeten anfzuheben. lär 3 versehen Dienst in den Lemberger Spitälern, ald ö besorgen in Lemberg den Transport der Verrtm mndeten vom Bahnhofe in die Krankenhäuser, ine Abteilung hat Bahnhofsdienst — Verpflegung urchfahrcndcr Soldaten —, eine andere versieht bei cn polnischen Schützen Ordonnanzdienste. In dem Grenzstädten Galiziens haben die uden die Thorarollcn in Fensternischen cingeäc Dauert und die heiligen Geräte, in Kisten verpackt, t der Erde vergraben, um sie vor den schmutzigen «änden der Kosaken Zu bewahren. Bei dem Ueber- Koißill auf Sokal fanden Juden und .Christen 'geicinfam im dortigen Kloster Schutz; Die Juden eteten „Schema Jisrocl" und den „Widduj", die Fristen das „Vaterunser". vo >cu © cau daz 9x. 36<; h»l Heu f I zu ieg, rvo eitze ebe cifr it tllO lo Ludwig Frank. - Die Kunde von dem Heldentode des Ncichstagsabgcdneten Ludwig Frank auf den Schlachtfeldern Frankreichs muß un^ Juden mit ganz besonderem Schmerz füllen. Denn Frank war einer der unseren. In seiner aiizen Wesensart kam sein Judentum zuin vollen Ausruck: der glühende Idealismus, der ihn erfüllte, seine iebe zu den Leidenden und Unterdrückten, seine Begeisteang für die Ideale der Gerechtigkeit und Gleichheit, lll dies läßt ihn als einen Juden erscheine», der >it den besten -Tugenden unseres Volkes geadelt war. ber Frank empfand auch bewußt als Jude; wenn ihn uch seine allgemeine politische Tätigkeit keine Muße ch für die Beschäftigung mit jüdischen Fragen, so lieb er doch stets ein vollbewußter Jude, der die großen idischen Probleme unserer Zeit mit Interesse und Auferksamkcit verfolgte. So beklagen nur denn in dem öde dieses großen Kämpfers für Recht und Freiheit iitcit großen Sohn unseres Stammes, auf dessen Sein nd Wirken wir stolz sein dürfen, dessen Andenken wir rig wahren werden. fev r 'e]i( Bi Aus aller Welt. Amerika. RewUork. Die religiöse Freiheit genießen l unserem Lande der Freiheit nur die ihrer Tradition euen Juden nicht, das zeigt die Sabbatfragc. lcsctzlich hätten eigentlich die Juden, die de» Sabbat wbachten, das selbstverständliche Recht, am christlichen iuhctag zu arbeiten. Es werden aber in vielen -Orten tcn^ roße Schwierigkeiten gemacht, und gar häufig kommt 3 vor, daß ein solcher Jude verhaftet und wegen Entweihung des christlichen Ruhetages mit Geldstrafen begt wird. Die Richter erkennen gewöhnlich, daß der Sabbat Ro m Freitag nacht 12 Uhr bis Samstag nacht 12 Uhr -re, Ern müsse, und wenn ein Jude am Samstag abend eössuet habe, dann könne er nicht verlangen, auch am Sonntag geöffnet zu haben. Schwierig machen die Anelegenheit auch die Juden, die ihre Geschäfte am Samstag W schließen und nun auch am Sonntag offen zu halten »chcn. Die jüdische Zeitung „Tageblatt" hat jetzt eine Agiitioii ,im sJnteresse der den Sabbat beobachtenden Juden Nick kgonnen. Hoffentlich hat die Agitation Erfolg, denn es link °"delt sich «um eine Lebensfrage der amerikanischen ewo ^ud°nheit. rase u Personalien n. Kleine Mitteilungen. _ Berlin. Kommerzienrat Max Simon, Direktor Fa >r. Alfred Strauß, wurde» zu Handelsrich-, krn, Alfred Kahn und Otto Levinsohn zu ellvcrtrctenden Handelsrichtern . ernannt kZw. wiederernannt. — Geheimrat Prof. Dr. Alexander Herzfeld, U> loiwrardozent für technische Chemie an der Landwirt- )i(b gastlichen Hochschule und Direktor des Instituts für "Uckerindustrie, feierte den 6 0. Geburtstag. Berlin. In der Zeit vom 3. bis 28. August lagen n vorigen Jahre der Armenkommission der Frankfurter Israelitisches FamilienNait. j üd. Gemeinde 681 Gesuche vor, in dem gleichen Zeitraum dieses Jahres jedoch — 2 6 6 9 Gesu ch e. — Die Repräsentanten der Gemeinde genehmigten die voin Kranke nhausvorstand festgesetzten Preissätze für Kranke 2. Klasse mit 6 Mark und Kranke 1. Klasse mit 12 bezw. 18 Mark den Tag. Gailingen. Nathan Gut und Frau Fanny a e b. Dreifuß, die Eltern des bekannten Seminarlehrers Gut in Köln, feierten am 6. September die goldene Hochzeit. Glogau. Juuizrat Friedmann, Stadtv-rordnetenvorstcher, Vorstandsmitglied der isralitischen Gemeinde usw., feierte am 9. September die 50. Wiederkehr des Tages, an Pein er in den preußischen Justizdienst eintrat. Breslau. Sanität?!at Dr. Moritz Rosenstein, leitender Arzt der Frauenklinik des jüdischen Krankenhauses in der Hohenzollernstraße, erhielt den Titel Geheimer Sa nitäts rat. Wohra bei Knchhain. Meyer Kugelmann und Frau feierten die d i a m a n t c n c Hochzeit. (L t Posen. Durch das Hinscheiden des Herrn Salomo» F r i e d e n t h a l hat unsere Gemeinde einen herben Verlust erlitten, denn er betätigte sich seit Jahrzehnten lebhast im Ehrendienste der Gemeinde und ihrer Wohlsahrtsvcrcine. WOLFSECK Dfepopulärsfe Cigarre unsortiert 12H ■sortiert 15^ G.M.HOLZ J HOFLIEFERANT FRANKFURTaM Der Krieg und die deutsche» Jude«. Berlin- Die Berliner Logen U.O.B.B haben eine umfassende Fürsorge der vom Kriege Betroffenen ins Werk gesetzt. Diese erstreckt sich auf Förderung und Unterstützung aller vaterländischen Hilfsorganisationen, Ueberweisung der von der Großloge aus-, gebildeten 30 Krankenschwestern für die im Felde stehende Armee, Einrichtung des gesamten Logenhanscs zü einem Lazarett und Umwandlung des Volksbildungsinstitutes „Toynbeehalle" für Speisung bedürftiger Männer, Frauen und Kinder. Zur Unterstützung der durch den Krieg in Not geratenen Logenbrüder und deren Familien sind aus Logenmitteln 100,000 Mk. zur Verfügung gestellt. C h e w r a K a d i s ch a hat seit der Mobilmachung gemeinsam mit dem Jüdischen B o l k s v e r e i n Tausenden nach unserer Stadt geflüchteten 'Ausländern jeder Nationalität Obdach und Verpflegung gewährt. Nunmehr will die Chewra auch den durch den Krieg in Armut geratenen Familien helfend zur Seite stehen. München. Im Gefecht bei Schirmeck erhielt der hiesige Historiker Dr. Fritz Tarrasch eine Granate, eine schrapnellkugel und zwei Gewehrschüsse und wurde trotzdem, wie durch ein Wunder, nur leicht verwundet. Emmendingen. EManuel Schwarz, der als Unteroffizier in dem schweren Gefecht bei Mülhausen nritbeteiligt war, wurde mit einem Gefreiten des Abends von einer sechs Mann starten jranzösischeu Patrouille überfallen. Die beide» schossen vier Mann nieder und nahmen die anderen zwei gefangen. Lessen iWenpc» A Ascher, ter Vorsteher der jüd Gemeinde, hat seine sechs Söhne - im Feld stehen. Mannheim. Josef Steinhardt, geboren am 10. Juli 1899, Sohn des hiesigen Buchdruckereibesitzers Ferdinand Steinhardt, dürste der jüngste Soldat der deutschen Armee sein. Hagenau 1. Elf. Amtsrichter Dr. L e v y aus Weißenburg, ein geborener Straßburger, ist seit Beginn des Kriegszustandes hier als Kriegsgerichtsrät tätig; er steht im Range eines Hauptmannes. Köln. Der Regierungspräsident sandte dem hiesigen Hauptbüro des Jüd. Nationalfonds das folgende Schreiben: „Mit lebhafter' Teilnahme habe ich Einsicht von der Bekanntmachung genommen, die das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds zu veröffentlichen beabsichtigt, um zu Sammlungen anzuregen, deren Erträgnis für die Pflege der im Kriege Verwundeten und für die Unterstützung der durch den Krieg notleidenden Familien Verwendung finden soll. Ich wünsche ausrichtig diesem schönen und edlen Unternehmen Erfolg und bin gern bereit, soweit es nrir möglich ist, es zu unterstützen." (L) Posen. In England festgehalten wird auch ein junger Posener, der 17jährige SohnW alth er des hiesigen Möbelfabrikanten Neufeld. Der junge Mann, Oberprimaner des Gymnasiums, hatte an den Ferien! eine Reise zu Verwandten nach New Park angetreten. Als der Krieg auszubrechen drohte, begab sich Walther Neufeld auf einen holländischen Dampster, .um mach Hause zu eilen, das Vorexamen abzulegen und als Kriegsfreiwillliger in das Heer einzutreten. Die Engländer aber haben den Dampfer angehalten und die auf ihm befindlichen Passagiere festgenommen. Die Eltern Neufelds haben nach langen Wochen bangen Wartens jetzt endlich folgendes Lebenszeichen ihres Sohnes aus Falmukh (England) erhalten: „Geliebte Eltern! Suchte mit holländischem Dampfer (Potsdam) rüberzu- Leit« 3 konimen, aber im Kanal mit 800 Passagiere festgehalten und sitze in Falmuth. Keine Furcht, ich sende bald wieder Nachricht von mir." Walther Neuseld. — (L.i Posen. Die jüd Gemeinde hat beschloffen, Brotmarken an die minderbemittelten Mtglieder zum ermäßigten Preise von 25 Pfg. abzugeben. Wien. Zur Verpflegung der Mittellose» bat die Stadt Freitische für 150,000 Personen eröffnet. Die jüd. Korporationen.haben es unternommen, für 8000 Personen rituelle Kost beizustellen. Für die Kosten dieser rituellen Speisung zahlt die Stadt 14 Heller für den Kopf und außerdem 8 Heller für Brot täglich. Das Mahl besteht __ Aus Suppe und Gemüse. Familien ' erhalten auf Wunsch das Essen zugesandt. Krakau. In einer Proklamation an die Juden in Polen, die gemeinsam von der österreichischen und der deutschen Heeresleitung unterzeichnet ist, heißt es: „Wir werden alle unsere Kräfte ins Werk setzen, damit die gleichen'Rechte auch für Juden aus festen Fundamenten errichtet werden." Krakau. Die jüdische Zeitung „Der Tag" fordert die österreichischen Juden aus, Ehrenpreise ä 100 Kr. für diejenischen jüdischen Soldaten zu stiften, die sich im Kampfe gegen Rußland besonders auszeichnen. Czernowitz. Der päpstliche Prälat Josef Schmidt hatte bei dem Abschied der hiesigen Soldaten auch an die jüdischen Soldaten eine Ansprache gehalten, und zwar sagte er: „Söhne Israels, die Ihr in diesen Gruppen ausrückt, für Euch flehe ich zu Gott und segne Euch im Namen des einigen Gottes, der auch unser Gott ist." Czeruowitz. In einem Aufruf deS aus 7 Abgeordneten bestehenden Jüdischen Landtagsklubs an die jüdischen Stammesgenossen heißt es: „In diesem Kampfe kämpfen auch wir Judeu um die Früchte tausendjähriger Kulturarbeit, an welcher unsere Väter im Westen und Süden Europas mit heißem Bemühen mitgearbeitet. — kämpfen auch wir Juden gegen die Gewaltherrschaft asiatischer Volke r kn e cht u n g,— in diesem heiligen und weltgeschichtlichen Kampfe wird auch das Schicksal der russischen Juden entschieden." „Mögen unsere Stammesgenossen in Rußland eingedenk sein, daß nur jenes Volk Rechte und Freiheiten besitzt, das selbe erzwingen kann und zu erzwingen entschlossen ist. Die weltgeschichtliche Stunde ist gekommen— entschlossene Völker nutzen sie aus, denn sie kommt kaum wieder!" Budapest. Das in Marmaros-Sziget stehende Honvedbataillon besteht fast zur Hälfte aus Juden. Infolgedessen hat die Vorgesetzte Militärbehörde kurz vor dem Kriege für diese Soldaten einen Schächter, gleichfalls Soldat, bestimmt, der für rituelle Küchv Sorge trägt. Die Speisegesetze der Mohammedaner sind in unserem - Heere von jeher respektiert worden. Amsterdam. Neben den großen sorgen, die der Krieg dem großen handeltreibenden jüdischen Mittelstand unseres Landes gebracht hat — darunter besonders der Diamanten-Jndustrie — kommen noch die Hilfeleistungen» die die aus Belgien geflüchteten Deutschen und Oesterreicher — zum großen Teil Juden — beanspruchten und beanspruchen. Ein Teil der Geflüchteten ist jetzt bereits über Rosendaal nach Deutschland befördert. KiSmarton lEisenstadti. Die Frau unseres Rabbiners, Dr. Hermann Klein, bekanntlich eine Enkelin S. R. Hirfchs s.A., weilt seit Monatsfrist bei ihren Eltern in L o n d o n, wo sie, vom Krieg überrascht» weder brieflich noch telegraphisch mit ihrem Gemahl in Verbindung treten konnte. Am 16. August erhielt nun die hiesige Gemeinde ein amtliches Schreiben vom Wiener Minister des Aeußern mit folgendem Inhalt: „Abschrift eines Telegramms vom k. u. k. Gesandten in England: Rabbinat Kismarton ist zu verständigen, daß Frau Dr. Klein in London eines gesunden Mädchens entbunden ist. Bitte Bestätigung. Baron Ponlly-Mensdors." Die Geburt des Kindes, da so in die Weltgeschichte hinein geraten, geschah am selben Tage, an iiem die Kriegserklärung Englands an Oesterreich erfolgte. Das interessante telegraphische Aktenstück dürste etwa das letzte gewesen sein, das der zuvorkommende Botschafter abschickte. Scheveniugeu. Jean Fischer, der Leiter der Belgischen Zionistischen Föderation, hat gleichfalls Hals über Kopf flüchten müssen. Er befindet sich jetzt hier. Aus -er Lehrerwett. II,.) Pose». Am vergangenen Freitag abend fand während des Gottesdienstes die Einführung des Gemeinderabbiners Dr. Freimann in der Synagoge statt. Das Gotteshaus war in seinen Räumen von'Männern undFrauen gedrängt voll. Auch viel Militär hatte sich zu diesem Akte eingefunden. In der vordersten Reihe säßen Gemeinderabbiner Professor Dr. Bloch, die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanten-Versammlung, sowie die Vorstände der verschiedenen Wohltätigkeitsvereine innerhalb der Synagogen-Gemeinde. Eine direkte Einladung durch die Gemeinde nach außen hin konnte wegen den Kriegswirren nicht geschehen. Nach dem Minchagebet sang der Synagogenchor das „Matauwn", und unter dem üblichen „Boruchhabo" wurdo der Herr! Rabbiner von Mitgliedern der Berwaltungskommission zu seinem Mit Blumen geschmückten Sitz' geleitet. Aus der Estrckde folgten die Begrüßungsansprachen durch den Gemeindevorsteher Israel Friedlaender